Der Planet Enorus stellt sich als lebensfeindlich heraus, was die Kolonisten in eine Zwangslage bringt.
Das Szenario
Als Admiral Murphy mit einem Außenteam auf dem Planeten Enorus landet, müssen die kanadischen Kolonisten feststellen, dass dieser unbewohnbar ist. Während die Flotte sich auf ihrer langen Reise befand, hat auf dem Planeten eine unerwartete Eiszeit eingesetzt und die Atmosphäre stark verändert. Da Murphys engster Kreis keine Lösung für das Problem hat, lässt er die Information zurückhalten. Außerdem lässt er von seinem Sicherheitschef Hoffmann eine Liste unentbehrlichen Personals sowie entbehrlicher Menschen erstellen, denn die Weiterreise zum nächsten bewohnbaren Planeten würden die meisten Raumschiffe der Flotte nicht überstehen.
Während das entsprechende Personal und auch Material auf das Flaggschiff Ontario gebracht wird, leakt jemand die Pläne der Flottenführung, woraufhin überall Aufstände ausbrechen. Boisvert, welcher auf der Alberta die Arbeiterschaft anführt, will gar eine Revolution nach bolschewistischem Vorbild starten, wird jedoch bei der brutalen Niederschlagung der Aufstände getötet. Als die Saska die Flotte verlassen will, lässt Admiral Murphy das Schiff samt aller Zivilisten an Bord abschießen. Sein ältester Freund, der Mechaniker Sean Carpenter, ist von der Ermordung der gesamten Besatzung, einschließlich der Kinder, absolut entsetzt.
Ebenso erschreckend ist Murphys nächster Plan, eine in der Nähe kreuzende Flotte der Koreaner in eine Falle zu locken, um deren Flaggschiff zu kapern. Er behauptet, der Planet Enorus sei bewohnbar und lädt die Koreaner ein, während er heimlich einen Angriff vorbereiten lässt. Der Pilot Richardson hält die gegnerischen Abfangjäger in Schach, während der Stoßtrupp von Hush in die Seoul 1 eindringt, um die Besatzung auszuschalten und die Kolonisten im Kälteschlaf zu meucheln. Allerdings müssen die Soldaten feststellen, dass die Koreaner bereits alle wach sind, da sie offenkundig jemand gewarnt hat.
Der Admiral macht eine Armee Kampfroboter bereit, die er mittels eines neuen Sprungantriebs unmittelbar zur Seoul 1 versetzt. Unterdessen hat sein Sicherheitschef Hoffman herausgefunden, dass die Informatikerin Elisa White die Koreaner gewarnt hat, da sie verhindern wollte, dass unschuldige Zivilisten getötet werden. Sie war es auch, welche die Pläne, den Großteil der eigenen Kolonisten sterben zu lassen, geleakt hat. Nun soll sie wegen Hochverrats hingerichtet werden. Ihre Tochter Amy würde damit zum Waisenkind, denn als der Vater Richardson davon erfährt, verlässt er seinen Kampfverband und kehrt zur Ontario zurück, von der er abgeschossen wird.
Doch das Flaggschiff der Kanadier ist ebenfalls dem Untergang geweiht, da Murphy daran scheitert, die Brücke der Seoul 1 einzunehmen. Und deren Crew hat nun ein Kamikazemanöver eingeleitet. Die einzige Chance, wenigstens einige kanadische Kolonisten zu retten, besteht in einem Plan, den Carpenter heimlich in die Wege geleitet hat. Er hat das Beiboot Providence mit einem seiner experimentellen Sprungantriebe ausgerüstet und alle Familien mit Kindern an Bord bringen lassen. Da auch der Enkel des Admirals an Bord ist, befiehlt dieser seinem Sicherheitschef, den Ingenieur ziehen zu lassen. Carpenter holt noch schnell Amy an Bord, bevor die Ontario von der Seoul 1 gerammt wird. Der Providence gelingt der Sprung in ein fernes System, wo die Überlebenden einen bewohnbaren Planeten vorfinden.
Rezension von Enorus
Der fünfte Band bricht komplett aus dem üblichen Erzählmuster aus. Auf dem Planet Enorus gibt es weder lebende Einheimische noch Ruinen einer ausgestorbenen Zivilisation. Es handelt sich einfach nur um eine tote Eiswelt, die angeblich nur 30 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt liegen soll. Das haut wieder einmal nicht hin. Ein Lichtjahr umfasst bereits 9,46 Billionen Kilometer und der von unserer Sonne aus nächstgelegene Stern Proxima Centauri liegt rund vier Lichtjahre entfernt. Das sind deutlich mehr als 30 Milliarden Kilometer.
Jedenfalls ist Enorus unbewohnbar, was Admiral Murphy, dessen Name wohl auf Murphys Gesetz anspielt, in eine Zwickmühle bringt. Die gesamte Flotte wird eine weitere Reise nicht überstehen und außerdem gibt es kaum bewohnbare Planeten in der näheren Umgebung. Der Kontakt zu Deluvenn ist abgebrochen, die Amerikaner auf Urania antworten ebenfalls nicht und Islandia ist zu weit entfernt. Die Erwähnung dieser Planeten stellt übrigens erstmals eine Verbindung innerhalb der Comicreihe her. Zudem wird erneut erwähnt, dass die Erde von Eroberern angegriffen wurde und aufgegeben werden musste.
Für die kanadische Flotte scheint nun jede Hoffnung auf einen Neuanfang zerstört. Der einzige aussichtsreiche Planet in Reichweite umkreist einen instabilen Stern in der letzten Phase seiner Existenz. Dennoch will der Admiral nicht aufgeben und muss entscheiden, wer eine Chance bekommt und wer sterben muss. Damit 50.000 Menschen überleben, müssen 350.000 zurückgelassen werden. Doch als diese Information geleakt wird, bricht das Chaos aus. Murphy antwortet mit brutaler Härte und lässt alle Aufstände blutig niederschlagen. Ein Raumschiff, das zu fliehen versucht, lässt er gnadenlos abschießen, was völlig sinnlos ist. Die Ressourcen sind so oder so hinüber, also wozu unschuldige Zivilisten töten?
Das denkt sich auch Sean Carpenter, der als Ich-Erzähler durch die Handlung führt. Der Ingenieur hat auf der Reise nach Enorus einen neuartigen Sprungantrieb entwickelt, was angesichts der knappen Ressourcen wirklich beachtlich ist. Mit diesem stattet er ein Beiboot der Ontario aus und lässt heimlich Familien an Bord bringen, während Murphy den nächsten menschenverachtenden Fehler begeht, indem er eine Flotte des wiedervereinigten Koreas in eine Falle lockt. Abermals ist er bereit, unschuldige Zivilisten zu ermorden, um einigen Auserlesenen seiner Flotte das Überleben zu sichern.
Sein Enkel Jack hat ihm zu Beginn eine passende Parabel aus alten Holoaufzeichnungen der Erde präsentiert. In dieser jagt ein Panther einen Hasen. Er tut dies nicht aus Boshaftigkeit, sondern um das eigene Überleben sowie das seines Nachwuchses zu sichern. Der Hase auf der anderen Seite versucht ebenfalls nur zu überleben. Murphy ist in dieser Parabel eindeutig das Raubtier und sowohl ein Großteil der eigenen Flotte wie auch die Koreaner sind die Hasen.
Ohne einen außerirdischen Gegner kommt die barbarische Natur der Menschheit hier noch deutlicher zum Vorschein. Admiral Murphy sucht nicht einmal nach anderen Möglichkeiten. Einzig Carpenter und Elisa White, welche die Koreaner warnt, stehen für das Gute im Menschen. Doch Elisa soll dafür hingerichtet werden, obwohl sie eine Tochter hat. Auf die Spur ist ihr Hoffmann gekommen, weil er alle Privatcomputer mit Spionagesoftware ausgestattet hat, während die Crew im Kälteschlaf war. Außerdem hat er in jedem Quartier Überwachungskameras anbringen lassen. Ein solch totalitärer Überwachungsstaat hätte eher zur amerikanischen Flotte gepasst. Wobei es etwas seltsam ist, dass Hoffmann nicht schon nach dem ersten Leak mit der Nationalgarde vor Whites Kabinentür stand.
Ebenso unlogisch ist, warum Murphy nicht gleich Kampfroboter auf die Seoul 1 geschickt hat, sondern diese erst als Verstärkung in den Kampf führt. Immerhin ist er aber kein Feigling und zieht selbst in die Schlacht. Er wird auch nicht als Monster charakterisiert, sondern als gebrochener Mann, der mit seinen harten Entscheidungen hadert. Wie Carpenter der Leserschaft mitteilt, hat er bereits seine Frau an den Krebs und seinen Sohn sowie dessen Frau an die Eroberer verloren. Im Angesicht des eigenen Todes entscheidet er sich daher, Carpenter mit der Providence starten zu lassen, damit wenigstens sein Enkel überlebt.
Neben Jack schafft es auch Amy an Bord. Die Providence entkommt in letzter Sekunde und erreicht einen bewohnbaren Planeten. Diesen will Amy nach ihrer Mutter Elisa taufen, einigt sich dann mit Carpenter aber auf Elisabeth. Zumindest für einige der Kolonisten ist dies ein Happy End. Oder vielmehr ein offenes Ende, denn was sie auf der Oberfläche erwartet, wird nicht gezeigt.
Da stimmt doch was nicht
Der Zeichenstil ist größtenteils okay. Die Charaktere sind gelungen und gut voneinander zu unterscheiden. Der Faltenwurf der Kleidung hätte zuweilen etwas ausgefeilter sein können. Bei den Raumschiffen schwankt der Detailgrad ebenfalls von ausgeprägt bis eher so na ja. Bei der Kampffliegerstaffel der Kanadier wurde erstmals in der Conquest-Reihe mit Copy & Paste gearbeitet, um die Anzahl zu vergrößern. Weiterhin ist dem Zeichner ein gewaltiger Fauxpas unterlaufen. Als Admiral Murphy auf der Brücke der Seoul 1 steht, die er kurz vor dem Zusammenstoß mit der Ontario erobert hat, sieht er aus dem Fenster eben nicht die Ontario, sondern die Seoul1, auf der er sich befindet.
Abgesehen von diesem peinlichen Versehen kann der Comic jedoch weitgehend überzeugen. Vor allem an der Kolorierung gibt es kaum etwas auszusetzen. Die Farben sind gut gewählt, die Verläufe weich, Leucht- und Glanzeffekte realistisch. Lediglich der Weltraum hätte etwas dunkler sein können. Statt vor der Schwärze des Alls blinken die Sterne auf einem viel zu hellen blauen Hintergrund.
Fazit: Die Menschheit ist sich selbst ihr größter Feind
Den fünften Band haben die beiden Autoren der ersten vier Ausgaben erstmals zusammen geschrieben. Diesmal kämpfen Menschen gegen Menschen, ganz ohne außerirdische Spezies. Das ist immerhin mal eine Abwechslung. Doch obwohl Admiral Murphy als verzweifelter Mensch gezeichnet wird, sind seine Entscheidungen viel zu unmenschlich und dabei nicht einmal zielführend. Da wäre es fast schon besser gewesen, ihn als empathielosen Despoten zu charakterisieren. Was den Zeichenstil angeht, ist dieser zwar ganz gut, aber durchaus ausbaufähig. Alles in allem ein akzeptables Niveau und erstmals wird auch auf die anderen Comics der Reihe Bezug genommen, wobei zumindest Band 3 chronologisch aus der Reihe fällt. Er muss zeitlich später angesiedelt sein, da Decornum einerseits in Band 5 nicht erwähnt wird und die dortige Kolonialisierung im Vergleich zu den anderen Planeten im dritten Comic der Serie schon viel weiter fortgeschritten ist.
Info
Autor: Jean-Luc Istin & Nicolas Jarry
Zeichner: Stéphane Créty
Farben: Oliver Héban
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite
Lust, in unserem Team mitzumischen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.
Warpskala
Warpskala-
Story6/10
-
Zeichenstil7/10
-
Kolorierung10/10
- Conquest – 5 – Enorus - 6. Oktober 2026
- Reise in die Urzeit (1955) - 4. Oktober 2026
- Conquest – 4 – Urania - 29. September 2026

