Schiffbrüchige kommen ohne Erinnerungen auf Tanami zu sich und werden mit Dinosauriern konfrontiert.
Das Szenario
Eine Gruppe Menschen wacht auf einem fremden Planeten auf. Sie alle haben ihre Erinnerungen verloren. Offenkundig sind sie mit einem außerirdischen Raumschiff abgestürzt, worauf sich niemand einen Reim machen kann. Anhand von Namensschildern können sich zumindest einige identifizieren. Taylor und Wilson gehören zum Militär, wobei zwischen beiden eine zunächst unerklärliche Antipathie herrscht. Wilson erkundet spontan die nähere Umgebung und Taylor folgt ihm. Von einem Aussichtspunkt aus können sie sehen, dass es noch mehr Absturzstellen gibt.
Zurück bei den anderen können sich einige Menschen an vage Ausschnitte aus ihrem Leben erinnern. Allerdings nur an Ereignisse auf der Erde. Niemand weiß, wie sie auf einen fremden Planeten gelangt sind. Einige spekulieren gar, ob es die Erde der Urzeit sein könnte und tatsächlich stoßen Wilson, Snike und der Zivilist Colboung bei einem weiteren Streifzug auf Dinosaurier. Außerdem finden sie ein weiteres Shuttle, dessen tote Crew aus Außerirdischen besteht. Sie plündern die Waffen und Lebensmittelvorräte, womit sie zum provisorischen Lager zurückkehren. Lieutenant Taylor ist von Wilsons Alleingang wenig begeistert, doch kann er gegen diese Ausbeute schwer argumentieren.
Obendrein missfällt ihm, dass Wilson sich an Emma Jones heranmacht. In der folgenden Nacht träumt Wilson von einer Affäre mit ihr, doch erinnert er sich an ein Foto, auf dem sie und Taylor ein Ehepaar sind. Tylor hat in derselben Nacht ein gänzlich anderes Erlebnis. Aus dem Boden wachsen mechanische Ranken, die von ihm Besitz ergreifen. Ähnliches geschieht kurz darauf auch mit Anderson, die mit Ranken bedeckt in ihrem Zelt aufgefunden wird.
Taylor, Wilson, Jones und Colboung sind da bereits auf der nächsten Erkundungstour, bei der sie es neben Dinosauriern auch mit Aliens zu tun bekommen. Diese haben ebenfalls ihr Gedächtnis verloren und zeigen sich für eine Kooperation offen. Als ein Sturm losbricht, werden die pflanzlichen Stoffe, welche die Amnesie auslösen, aus der Luft gespült, wodurch schlagartig alle Erinnerungen zurückkehren. Die Menschen kamen mit einer Flotte nach Tanami, um den Planeten zu besiedeln. Im Orbit wurden sie jedoch von den Ka’ar angegriffen.
Nach dem Abschuss des Flaggschiffes wurde Captain Wilson zum ranghöchsten Offizier und befahl die Kapitulation. Nur so konnte er das Überleben seiner Leute sicherstellen und einen Gegenschlag von innen planen. Dies führte dann zum Absturz und dem Gedächtnisverlust durch die Flora des Planeten. Auf diese Erkenntnis hin metzelt Taylor die Ka’ar nieder und obendrein wächst ihm eine Hand nach, die zuvor ein Raptor abgebissen hat.
Die anderen drei Menschen fliehen zurück ins Camp, wo Anderson gerade offenbart, dass Taylor ein Vergewaltiger ist, der sie mehrmals missbraucht hat. Er wurde von einem Alien-Parasiten namens Rexitt befallen, dank dem er nun nahezu unsterblich ist und zum Cyborg mutiert. Sie selbst ist ebenfalls von einem sogenannten Arakronitt namens Sorian befallen, der jedoch gutartig ist und den abtrünnigen Rexitt verfolgt.
Zunächst einmal müssen aber alle vor dem wütenden Taylor fliehen. Unterwegs entdecken sie in einer Schlucht eine Ruinenstadt. Anderson bzw. Sorian weist die Menschen an, in der Anlage Schutz zu suchen, während sie Taylor/Rexitt beschäftigt. In der Anlage geraten Snike, Jones und Wilson in eine scheinbare Falle. Sie werden in Tanks gesperrt, in denen sie von mechanischen Parasiten befallen werden, wobei Snike stirbt. Wilson und Jones verbinden sich hingegen mit Arakronitt-Symbionten, die höher entwickelt sind als Rexitt und Sorian. Gemeinsam können sie den Taylor-Cyborg zerstören und sind zudem für die Rückkehr der Ka’ar gewappnet.
Rezension von Tanami
Band 7 hat eine völlig andere Herangehensweise als die bisherigen Conquest-Ausgaben. Die Menschen, die auf Tanami gestrandet sind, haben ihr Gedächtnis verloren und wissen gar nicht, wie sie dorthin gekommen sind. Sie wissen nur noch, dass sie aus Australien bzw. Neuseeland stammen. Alle anderen Erinnerungen kommen erst später zurück, wodurch offenbart wird, dass sie wie die anderen Kolonisten auf dem Weg zu einer neuen Heimat waren, allerdings bei ihrer Ankunft angegriffen worden sind. Ob die Ka’ar die Eroberer sind, die auch die Erde angegriffen haben, wird nicht ganz klar, aber es scheint so.
Durch den Gedächtnisverlust hätte sich jedenfalls die Chance ergeben, Frieden zu schließen und eine gemeinsame Kolonie zu gründen. Immerhin erwirbt sich der Ich-Erzähler Wilson den Respekt der Ka’ar, indem er ihnen anbietet, sie zu einem anderen Wrack zu führen, damit sie ihre Toten begraben können. Doch dann kommt mit dem Regen die Erinnerung, Taylor dreht durch und massakriert alle Aliens. Damit ist eine weitere Chance verpasst, neue Wege einzuschlagen, womit der erste Bands Islandia immer noch die positivste Auflösung hat.
Der Gedächtnisverlust, der durch einen chemischen Pflanzenstoff ausgelöst wird und dann mit einem Schlag hinfort geblasen wird, ist aber nicht nur verschenktes Potential, sondern ebenso wissenschaftlich nur halbgar. Weiterhin wird nicht erklärt, warum es auf Tanami Dinosaurier gibt – und zwar irdische Arten wie Pteranodons und Stegosaurier. Wurden diese von Außerirdischen auf Tanami angesiedelt und falls ja, warum? Der Comic bleibt eine Erklärung schuldig.
Statt dieses Rätsel zu lösen, wird gleich ein weiteres aufgeworfen. Woher stammen die Arakronitt, die von Taylor und Anderson Besitz ergreifen? Sorian erklärt, es handele sich bei seinesgleichen um biomechanische Parasiten von einem anderen Planeten. Doch das ist gelogen, denn der Anderson-Symbiont schickt die Gruppe um Captain Wilson absichtlich in eine verlassene Anlage, damit sie dort von weiteren Symbionten befallen werden können, um Rexitt zu besiegen. Dabei stirbt Snike einen völlig sinnlosen Tod, weil er angeblich nicht kompatibel war. Doch warum wird er von einem Symbionten zerfetzt? Das ist doch schon absichtliche Gewalt!
Die neuen Symbionten sind höher entwickelt als Rexitt und Sorian, was ebenfalls erklärungsbedürftig ist. Während die beiden nach dem Tod ihrer alten Wirte körperlos im Ruhezustand waren, hat die Anlage scheinbar weiter gearbeitet, doch als Wilsons Trupp dort ankommt, wird sie erst hochgefahren. Also war sie doch zuvor im Standby-Modus, oder? Und woher nehmen die Symbionten überhaupt die Materie, um ihre Wirte in Sekundenschnelle in Cyborgs mit gigantischen Waffen zu transformieren? Es ist eine Sache, Wunden zu heilen und körpereigenes Gewebe umzuwandeln, aber als aus Emma Jones‘ Rücken ein riesengroßer Transformer wächst, ist die Grenze zum Fantasy-Genre überschritten.
Der finale Kampf mutet wie ein Boss-Battle aus einem Superheldencomic an. Das ist nicht mehr ernsthafte Science Fiction, sondern eine völlig überdrehte Albernheit. Genauso wie die Dinosaurier, auf die die Autoren scheinbar Bock hatten, ohne, dass es für die Handlung in irgendeiner Form relevant gewesen wäre. Das ist schade, denn der menschliche Konflikt zwischen Taylor, Wilson, Jones und Anderson hätte ohne Iron-Man-Anzüge und Transformers weit besser funktioniert. Taylor nimmt Wilson krumm, dass dieser mit seiner Frau geschlafen hat, obwohl er sie selbst betrogen und noch dazu Anderson mehrfach vergewaltigt hat. Das sorgt für reichlich menschliches Konfliktpotential, welches jedoch in surrealer Action untergeht.
Der Konflikt mit den Ka’ar wird auch nicht wirklich beigelegt. Es wird lediglich angedeutet, dass sie bei ihrer Rückkehr eine böse Überraschung erleben werden und alles auf totale Vernichtung hinausläuft. Das ist wirklich einfallslos. Und wenn die Eroberer noch so gegenwärtig und den Menschen technologisch überlegen sind, warum greifen sie dann nur die Flüchtlingsflotte von Tanami an? Neben solchen Logikfehlern ist auch der Erzählstil zuweilen etwas konfus. So ist als erstes Taylor zu sehen, aus dessen Perspektive die Erzählung beginnt. Doch dann ist plötzlich Wilson der Ich-Erzähler.
Hilfe, Dinosaurier!
Der Zeichenstil schwankt zwischen gut und akzeptabel. Vor allem die Close-Ups der Charaktere sehen super aus, die Gesichter sind ausdrucksstark und der Faltenwurf der Kleidung ist realistisch. Bei einigen Panels ist dann wieder geschlampt worden. Die Ka’ar sehen interessant aus. Die Dinosaurier können dagegen nur bedingt überzeugen. Bei größeren Ansammlungen fehlt einfach die Detailtiefe. Der Planet wirkt mit seinen bizarren Felsformationen nicht sehr natürlich, sondern eher wie ein abstraktes Kunstwerk.
Die Arakronitt-Kampfanzüge erscheinen sehr modern, obgleich teilweise etwas überzogen, insbesondere, was die Waffen angeht. Gewisse Ähnlichkeiten zu Iron Man sind nicht zu leugnen. Die Kampf-Anzüge der Ka’ar ähneln indessen denen der Menschen aus dem Vorgängerband und diese wiederum denen aus Avatar – Aufbruch nach Pandora (2007). Die Raumschiffe können derweil überzeugen, obwohl bei größeren Ansammlungen hin und wieder mit Copy & Paste gearbeitet worden zu sein scheint.
Immerhin durch die Koloration erhält jedes Raumschiff einen individuellen Look, wenn auch alles in Beige-Tönen gehalten ist, da die Raumschlachten nur als Rückblenden erzählt werden. Die Farbgebung ist ihrerseits sehr durchwachsen. Überwiegend ist sie durchaus realistisch, vor allem was die Figuren betrifft. Bei den Hintergründen ist dagegen mit teils dicken Pinselstrichen gearbeitet worden, was vor allem beim Gras unangenehm auffällt. Das Cover ist diesmal etwas eindrucksvoller als der Inhalt.
Fazit: Ist das jetzt schon ein Superhelden-Comic?
Erzählerisch ist Tanami der Tiefpunkt der Conquest-Reihe. Vieles an der Story ist wirr und wird nicht aufgelöst. Die Ka’ar wirken gar nicht so niederträchtig, dass es ihre brutale Auslöschung rechtfertigen würde. Zudem bleibt ihre Motivation völlig im Dunkeln. Grafisch ist der Comic zwar okay, aber gewiss nicht das Highlight der Serie.
Info
Autor: Jean-Luc Istin & Nicolas Jarry
Zeichner: Zivorad Radivojevic
Farben: Vincent Powell
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite
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Warpskala
Warpskala-
Story3/10
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Zeichenstil7/10
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Kolorierung8/10
- Conquest – 7 – Tanami - 20. Oktober 2026
- Conquest – 6 – Adonaï - 13. Oktober 2026
- Dr. McKoi in der Phantastischen Bibliothek Wetzlar - 8. Oktober 2026

