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Der zwölfjährige David Scott macht eine fantastische Reise.

Aus der Zeit gefallen

David Scott geht abends mit seinem Hund Gassi. Als er zurückkehrt, wohnen im Haus seiner Eltern Fremde. Die Polizei macht schließlich seine Eltern ausfindig, die deutlich gealtert sind. Sein jüngerer Bruder ist gar fast schon erwachsen. Ganze acht Jahre sind vergangen, in denen David für tot erklärt wurde. Nun ist er plötzlich wieder da und um keinen Tag gealtert.

Zeitgleich entdeckt die NASA ein UFO, welches sie in einem Hangar unterbringt. Von dem Jungen erfährt die Raumfahrtbehörde erst, als bei dessen neurologischer Untersuchung die Form des UFOs in den Hirnwellenmustern auftaucht. Wobei es reine Science-Fiction ist, dass hier bereits in den 1980ern durch das Auslesen von Hirnströmen Gedanken grafisch dargestellt werden können. Jedenfalls ist David irgendwie mit dem außerirdischen Objekt verbunden, welches telepathisch nach ihm ruft und ihn „Navigator“ nennt.

Die NASA nimmt David in ihre Obhut und sperrt ihn unter permanenter Überwachung in ein Zimmer. Dank der Mitarbeiterin Carol, die ihm das Essen bringt, kann er im Innern eines Serviceroboters entkommen. Dieser bringt ihn in den Hangar, wo er das Raumschiff betritt. Die KI des UFOs lädt David zu einem Rundflug ein, auf dem sie ihm erklärt, dass es ihre Aufgabe ist, Lebensformen von verschiedenen Planeten einzusammeln und zu untersuchen. Anschließend werden die Exemplare wieder zurück gebracht. Dumm nur, dass aufgrund der Lichtgeschwindigkeit auf der Erde bereits Jahre vergangen sind, während der Junge nur einen Moment weg war.

Solch ein Fehler hätte eigentlich nicht passieren dürfen. Die KI, die sich Max nennt, ist bei ihrer aktuellen Mission jedoch beschädigt worden und hat aus diesem Grund alle Sternenkarten in Davids Gehirn hochgeladen. Deshalb nennt sie ihn auch „Navigator“. Nachdem Max die Daten zurücktransferiert hat, schickt er den Jungen wieder in seine Zeit zurück und erlaubt ihm sogar, seine Erinnerungen zu behalten.

Ein zeitloser Klassiker

Schon der Einstieg beweist viel Kreativität. Zu sehen ist eine fliegende Scheibe, die sich als silberner Frisbee entpuppt, der von einem Hund gefangen wird. Die Zuschauer werden noch mindestens zwei weitere Male in die Irre geführt, wohingegen das echte UFO zunächst gar nicht auftaucht. David, der eigentlich nur seinen Bruder abholen und dabei mit dem Hund Gassi gehen sollte, erlebt lediglich einen erheblichen Zeitverlust. Dieser wird im Zusammenhang mit UFO-Entführungen immer wieder beschrieben, doch handelt es sich meist nur um Stunden, nicht um Jahre.

Ebenso ungewöhnlich ist es, dass die NASA das ruhende Raumschiff birgt und nicht das Militär. Letzteres wäre der Geschichte aber wohl abträglich gewesen, da David auf einem Militärstützpunkt mit Sicherheit nicht mit dem UFO entkommen wäre. Mit diesem hat man sich wirklich Mühe gegeben. Es handelt sich nicht um eine klassische fliegende Untertasse, sondern um ein verchromtes Vehikel, welches seine Form verändern kann.

Der Flug des Navigators

Die CGI-Effekte sind natürlich etwas veraltet, wirken aber gerade in Anbetracht des Entstehungsjahrs durchaus noch akzeptabel. Außerdem ist Der Flug des Navigators einer der ersten Filme mit Morphingeffekten, die erst in Terminator 2 (1991) perfektioniert worden sind. Absolut hervorragend ist die aufwendige Kulisse des Raumschiffinneren. Hier wurde mit sehr viel Liebe zum Detail gearbeitet und die außerirdische Technik mit ausfahrbaren Sitzen und Konsolen glaubhaft zum Leben erweckt. Obendrein wurden alle Oberflächen verchromt, was aufgrund der Spiegelungen sicherlich nicht leicht zu filmen war.

Bei den Exemplaren außerirdischer Lebensformen hat man sich ebenfalls ausgetobt. Die Drähte, mit denen die Puppen bewegt wurden, sind lediglich in einer Szene kurz sehen und auch nur, wenn man genau hinsieht. Den kleinen Puckmaren darf David am Ende sogar behalten, da dessen Heimatplanet zwischenzeitlich ausgelöscht wurde. Nicht ausgelöscht wird dagegen seine Erinnerung an das Erlebnis, was bei seiner ersten Entführung durch Max noch der Fall war. Offenkundig hat man sich hier mit der Thematik der UFO-Entführungen befasst, allerdings auf die üblichen Grey-Aliens verzichtet und sich stattdessen für eine vollautomatisierte Forschungseinheit mit KI entschieden. Im Prinzip ist Max eine Sonde, wie sie auch die Menschheit zur Erforschung des Weltraums einsetzt, nur eben höher entwickelt. Und zuweilen etwas überdreht.

Mit dieser Prämisse setzt der Film eigene Akzente und ist mitnichten ein Rip-Off des Spielberg-Klassikers  E.T. (1982), obgleich er durchaus auf dessen Erfolgswelle geritten ist. Unlängst hat Disney ein Remake angekündigt, dessen Produktion sich allerdings mehrfach verzögert hat. Angesicht der Tatsache, dass Disney mit seinen bisherigen Neufassungen schon zahlreiche Kindheitsträume zerstört hat, hält sich die Vorfreude aber ohnehin eher in Grenzen. Der Originalfilm wirkt auch heute noch modern und dürfte wohl kaum besser werden, nur weil man die männliche Hauptfigur durch ein Mädchen ersetzt.

Was die Zeit aus Menschen macht

Eine gute Überleitung, um abschließend noch kurz auf den Cast einzugehen. Der bekannteste Name dürfte der von Sarah Jessica Parker sein, die als NASA-Angestellte Carol McAdams dem aus der Zeit gefallenen David zunächst hilft, sich im Jahr 1987 einzuleben, und ihm schlussendlich die Flucht in seine eigene Zeit ermöglicht. Karriere hat sie später als Star von Sex and the City gemacht, doch blieb Der Flug des Navigators mitnichten ihr einziger Science-Fiction-Film. 1996 war sie zumindest noch in Mars Attacks! zu sehen.

Veronica Cartwright, die Davids Mutter spielt, dürfte einigen Sci-Fi-Fans ebenfalls bekannt sein, denn sie spielte bereits 1979 die Rolle der Joan Lambert in Ridley Scotty Alien. Ein Jahr zuvor war sie außerdem in Die Körperfresser kommen zu sehen und später auch in der davon inspirierten Serie Invasion (2005-2006).

Dem eigentlichen Star des Films ist es dagegen weniger gut ergangen. Nach Der Flug des Navigators erhielt Joey Cramer nur noch zwei Rollen in großem zeitlichem Abstand. Nach 1996 verschwand er völlig aus der öffentlichen Wahrnehmung. Wie durch Recherchen seiner Fans später bekannt wurde, ist er des Öfteren mit dem Gesetz in Konflikt geraten, darunter wegen öffentlicher Trunkenheit und unsachgemäßer Nutzung von Schusswaffen. 2016 wurde Cramer gar wegen eines Banküberfalls zu zwei Jahren Haft verurteilt und musste sich in der anschließenden Bewährungszeit wegen seines Drogenproblems in Behandlung begeben.

Der Flug des Navigators

Neben den Darstellern muss noch ein Name aus der Postproduktion erwähnt werden. Für den klangvollen Soundtrack zeichnet sich nämlich der bekannte Filmkomponist Alan Silvestri verantwortlich. Zu dessen Reportoire gehören so einige Science-Fiction-Meisterwerke wie die Zurück in die Zukunft-Trilogie (1985-1990), die ersten beiden Predator-Filme (1987 & 1990), James Camerons Abyss (1989), Judge Dredd (1995), Contact (1997) sowie eine Reihe MCU-Filme, aber auch mit dem Oscar prämierte Werke wie Forest Gump (1994), für dessen Soundtrack er selbst eine Nominierung erhielt.

Fazit zu Der Flug des Navigators: Die Zeit sollte man sich nehmen!

Obwohl sich der Film an ein jüngeres Publikum richtet, kann man ihn sich auch als Erwachsener noch ansehen. Und sei es, um die eigenen Kindheitserinnerungen aufzufrischen. Ähnlich wie „E.T.“ handelt es sich um einen Klassiker des Genres, den jeder Sci-Fi-Fan mindestens einmal im Leben gesehen haben sollte. Erhältlich ist der Film u. a. als Blu-Ray Mediabook, allerdings wurden für die Veröffentlichung in HD leider weder Staub noch Kratzer entfernt.

Info

Drehbuch: Mark H. Baker
Regie: Randal Kleiser
Erscheinungsjahr: 1986

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Warpskala

Warpskala
9 10 0 1
9/10
Total Score

Positiv

  • Kreative Story.
  • Tolles Raumschiffset und annehmbare Effekte.
  • Super Soundtrack, inkl. 80er-Jahre-Hits.

Negativ

  • Zuweilen ist Max für eine KI etwas zu ausgeflippt.

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