1976 kehrte King Kong nach Amerika zurück.

Zurück nach Amerika

Als 1967 King Kong – Frankensteins Sohn in die Kinos kam, war der Film ein Erfolg. Er spielte damals über eine Million US Dollar ein, auch wenn er bei den Kritiken überwiegend durchfiel. Angesichts dieses Erfolgs plante Toho natürlich, die Figur wieder zu verwenden. So tauchte der Riesenaffe in einer frühen Version von Frankenstein und die Monster aus dem All auf. Doch dann lief die Lizenz des japanischen Filmstudios aus und aus welchen Gründen auch immer beschloss man sich im Reich der aufgehenden Sonne dagegen, sie zu erneuern.

Womit wieder mehrere Jahre ins Land gehen sollten, ehe es zur nächsten King Kong-Produktion kam. Diese kam nach dem Japan-Ausflug erneut aus Amerika und sollte von Paramount finanziell unterstützt werden.

Was der initiale Funken dazu war, dass King Kong wieder die Kinoleinwände erobern sollte, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Da ist zum einen Michael Eisner, der damals Präsident von Paramount war. Er sah das Original im Fernsehen und ihm kam der Gedanke, dass man davon ein Remake machen könnte. Er schlug die Idee dem CEO von Paramount, Barry Diller vor, der daraufhin den Produzentenveteran Dino De Laurentiis anheuerte, damit dieser die neue Version produzieren sollte.

An die Arbeit, Leute anheuern

Doch eben jener ist der Meinung, dass ihm die Idee für das Remake kam. Und zwar dadurch, dass er ein Poster des Originalfilms jedes Mal im Schlafzimmer seiner Tochter sah, wenn er sie weckte. Und als Diller vorschlug, einen Monsterfilm zu drehen, kam ihm die Idee King Kong neu zu verfilmen.

Letzten Endes vereinbarten Barry Diller und Dion De Laurentiis, dass Paramount die Hälfte des vorgeschlagenen 12 Millionen US Dollar-Budgets übernehmen würde, im Gegenzug für die Vertriebsrechte in den Vereinigten Staaten und Kanada. Vorausgesetzt natürlich, De Laurentiis könnte die Filmrechte des Originalfilms besorgen. Was ihm auch gelang.

Als nächstes verlagerte Dino De Laurentiis sein Produktionsbüro nach Beverly Hills, wo er den Drehbuchautoren Lorenzo Semple, Jr. fürs Skript anheuerte. Dabei hatte der Produzent bereits zwei feste Ideen für seine King Kong-Verfilmung im Kopf. Erstens sollte die Handlung des Films in der Gegenwart stattfinden und zweitens sollte das Finale auf der Spitze des damals frisch fertig gestellten World Trade Centers geschehen.

Veränderungen

Mit diesen Vorgaben machte sich Semple, Jr. an die Arbeit. Da der Geschmack des Publikums sich seit dem ersten Film geändert hatte, versuchte er einen realistischen Tonfall einzuschlagen, wenn auch nicht ohne einen gewissen ironischen Unterton, damit die Zuschauer lachen konnten. Ebenso wurde das Unterfangen zur von der Petrox Corporation finanzierten Expedition verändert, bei der es darum ging, neue Ölreserven zu finden.

Gemäß den Vorgaben von De Laurentiis gab es auf der Insel keine Dinosaurier. Was daran lag, dass er sich mehr auf die Liebesgeschichte fokussieren wollte, ebenso, wie es auch finanzielle Gründe hatte. Der Produzent wollte keine Stop-Motion Animationen im Film haben. Immerhin wurde eine riesige Boa-Schlange mit eingebaut.

In Sachen Regisseur sprach De Laurentiis zunächst Roman Polanski an, der allerdings ablehnte. Stattdessen wurde John Guillermin der Filmemacher. Dieser hatte zuvor den Katastrophenfilm Flammendes Inferno fertig gedreht.

Der Cast

In Sachen King Kong selbst hatte Dino De Laurentiis die Idee, einen animatronischen Kong in voller Größe bauen zu lassen. Doch das Endprodukt ließ sich nicht glaubwürdig bedienen und hatte später noch dazu einen mechanischen Schaden, weshalb es im Film nur für ganze 15 Sekunden zu sehen war. Deshalb, wann immer man den Riesenaffen sonst auf der Leinwand sah, war dies Rick Baker, der ein Affenkostüm trug.

Die Hauptrolle des Jack Prescott sollte Jeff Bridges übernehmen, die von Dwan, der weiblichen Hauptfigur die Newcomerin Jessica Lange. Für sie sollte dies der Start einer eigenen Filmkarriere sein. Der Comedian Charles Grodin übernahm den Part des Petromax-Vorgesetzten Fred S. Wilson, derweil John Randolph zu Captain Captain Ross wurde. René Auberjonois erhielt die Rolle des Geologen Roy Bagley, Ed Lauter wurde zum ersten Offizier Carnahan und Julius Harris zum Crewmitglied Boan. Jack O’Halloran wurde zu Joe Perko und Dennis Fimple zu Sunfish, beides ebenfalls Mannschaftsmitglieder.

Fred S. Wilson, einer der Vorgesetzten des Petro-Unternehmens Petromax, hat eine Expedition zusammengestellt, deren Ziel es ist, eine bis dahin unentdeckte Insel zu erforschen. Er erhofft sich von dieser neue Ölvorkommen, die seiner Firma helfen könnten. Kurz bevor das Schiff ablegen kann, schleicht sich der Paläontologe Jack Prescott an Bord, um die Mannschaft davor zu warnen, das Eiland anzusteuern, wofür er allerdings erstmal unter Arrest gestellt wird. Kurz darauf wird er zum Fotografen der Expedition ernannt.

Nicht legendär

Auf dem Weg zur Insel fischt das Schiff die schiffbrüchige Schauspielerin Dwan aus dem Wasser. Sie und Prescott verlieben sich ineinander, derweil sie an Bord des Schiffs allen den Kopf verdreht. Doch dann kommen sie am Ziel an und entdecken, dass das Eiland bewohnt ist. Die Bewohner verehren einen Riesenaffen, den sie King Kong nennen. Und Dwan soll seine neue Braut werden.

Der allererste King Kong-Film? Ikonisch. Die Neuinterpretation? Nicht ganz so. Zwar erzeugte die 1976er Version des Riesenaffens durchaus erinnerungswürdige Szenen. Aber unterm Strich konnte er den Legendenstatus und die Qualität des Vorgängers nicht erreichen.

Was nicht daran lag, dass die Macher es nicht zumindest probierten. Sie begingen nicht den Fehler, sich sklavisch an die Vorlage zu halten. Denn wie sie selber bemerkt hatten, hatte sich das Niveau des durchschnittlichen Kinogängers verändert. Und die meisten Veränderungen machten auch durchaus Sinn, bzw. konnte der Cast überwiegend überzeugen. So übernahm er gewisse Eckpunkte der Vorlage, erstellte allerdings seinen eigenen Plot.

Wenn einem Aussagen immer wieder auf die Füße fallen

Platziert wurde der Film in die Ölkrise der 1970er, als in Deutschland unter anderem Sonntagsfahrverbot herrschte. Was ein fantastischer Hintergrund war, vor dem die Expedition gerechtfertigt werden konnte. So machte das Unternehmen auch in der Moderne Sinn und bot gleichzeitig Gelegenheit, damit Fred S. Wilson immer wieder von neuem als Comedy Relief dienen konnte.

Er war eines der Highlights von King Kong. Ein Mann, der unbedingt an den Erfolg glaubt und so sehr davon überzeugt ist, dass er immer wieder aufs Neue vorschnelle Urteile fällt, die ihm anschließend früher oder später wieder auf die Füße fallen. Sei es, dass er angesichts der Palisaden der Bewohner der Insel meint, dass sie bestimmt nicht mehr leben würden, woraufhin anschließend ihre Trommeln ertönen. Oder als er seiner Firma einen großen Ölfund verkündet, nur um einige Zeit später zu erfahren, dass das Öl noch geologisch gesehen ein wenig Zeit braucht, um brauchbar zu werden. Er ist ein mehr als adäquater Ersatz von Carl Denham aus dem ersten Teil, da beide von ihren Zielen besessen sind und durchaus bereit sind, skrupellos zu agieren.

Jeff Bridges als Jack Prescott ist der eindeutige Held des Kinofilms. Er ist der Mahner, der davor warnt, die Insel zu besuchen. Er ist derjenige, dem Dwan verfällt. Er ist Antreiber und intelligenter als gefühlt die Mehrheit der anderen Figuren des Films. Wobei hier etwas übertrieben wird. Er sagt später, dass er Professor der Paläontologie ist. Doch scheint er viel mehr Fähigkeiten zu haben, als nur das Wissen über eigentlich ausgestorbene Kreaturen. So scheint er auch ein exzellenter Fotograf zu sein, sonst würde er nicht als eben jener arbeiten, um an Bord des Schiffes zu bleiben.

Die weibliche Hauptrolle versagt

Wobei dies auch ein kleiner Handlungsbruch darstellt. Zuerst wird er unter Arrest gestellt, da er sich an Bord des Schiffes geschlichen hat. Und dann, weil die Expedition unbedingt einen Fotografen braucht, kommt er wieder frei? Das wirkt so, als ob die Handlung dies bedingte, es aber nicht logisch herbeigeführt werden konnte.

Doch davon abgesehen, kann der Film überzeugen, wenn es um King Kong selber geht. Wenn der Riesenaffe selber zu sehen ist. Und hier kann der Kinofilm deutlich glänzen. Noch mehr als in früheren Auftritten wirkt er agiler, lebendiger. Hier merkt, wie sehr die Tricktechnik weiter fortgeschritten ist, bzw. auch, dass das Drehbuch der Figur die Freiheiten gibt. Wenn er etwas Dwan nachdem sie gebadet hat trockenbläst, oder sie nach und nach „entblättert“, oder als einen Suchtrupp des Schiffes wutentbrannt umbringt… So kann er deutlich überzeugen und gleichzeitig auch Sympathien für ihn erwecken. Eben weil er nie von sich aus angreift, sondern erst dann, wenn er provoziert wird.

Doch ausgerechnet bei der weiblichen Hauptrolle versagt der Film. Jessica Lange als Dwan ist eine einzige Nervensäge. Zu keiner Zeit schafft sie es, beim Zuschauer Sympathien zu erwecken. Sie brabbelt ständig was von Horoskopen oder glaubt ans Schicksal, wie sie auch ansonsten zu Monologen neigt. Letzten Endes ist ihre Rolle eben die der Damsel in Distress und Sexsymbol des Films. Denn bis auf eine einzige Szene, als sie mit dem gefangenen King Kong interagiert, trägt sie immer Kleidung, die keine Fragen offen lässt.

Ein tragisches Finale, das kommen musste

Letzteres wäre vielleicht nicht so schlimm, wenn die Filmemacher der Figur wenigstens etwas mehr Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit zugestanden hätten. Stattdessen ist sie dieses klischeehafte impulsive Mädchen, dass durch ihr Aussehen den Männern gleich reihenweise den Kopf verdreht und wiederholt in schwierige Situationen gerät. Wo sie anschließend sofort anfängt, nach Hilfe zu rufen. Sie wird als schwächlich dargestellt, weil sie dann auch immer wieder sagt, dass sie nicht mehr kann, wenn sie etwa fliehen muss.

Der restliche Cast ist… vorhanden. Die diversen Crewmitglieder erhalten je nach Wichtigkeit ein paar nette Szenen, müssen allerdings gegenüber den Hauptdarstellern zurückstecken. Wobei immerhin Rene Auberjonois in Erinnerung bleibt. Sein Roy Bagley hat ein unglaubliches Vergnügen daran, seinen Vorgesetzten auflaufen zu lassen. Definitiv ein Highlight bei den Nebendarstellern.

Natürlich läuft in King Kong alles auf das tragische Finale hinaus. Und auch hier sieht man die intelligent des Titelhelden, der zwar Dwan verfolgt. Aber nicht einfach so, sondern bewusst agierend, wie, als er beispielsweise im Fluss dem Militär ausweicht. Was dann trotzdem nicht verhindert, dass er am Ende getötet wird.

Woher kommt diese Medienkritik?

Das Problem ist, dass das in eine Medienkritik eingebettet wird. Denn er bricht ja erst dann aus, als Dwan von Reportern und Fotografen belagert wird. Und auch am Ende sind es diese Medienvertreter, die verhindern, dass sie und Jack zusammenkommen, obwohl sie es wollen.

Die Sache ist, dass diese Kritik in King Kong wie aus dem Nichts kommt. Kritik an den großen Firmen und an der Profitgier von diesen, das wird angedeutet, durch Petromax und durch Fred S. Wilson. Aber die Medien und ihre Vertreter kommen eben bis zum finalen Akt gar nicht vor. Es kommt wie aus dem Nichts und irritiert im Finale. Vermutlich wurde dies aus dem Originalfilm übernommen, wobei dabei übersehen wurde, dass in diesem durch Carl Denham ein skrupelloser Medienproduzent von Anfang an dabei war und dementsprechend die Kritik ständig präsent war.

Immerhin braucht der Film sich in Sachen Special Effects nicht zu verstecken. Viele Szenen wirken großartig und sind so geschickt montiert, dass man nicht merkt, dass King Kong von einem Menschen im Affenkostüm gespielt wird. Und die wenigen Großaufnahme von seinen Gliedmaßen, wie beispielsweise seiner Hand sind glaubwürdig und sehr gut geworden.

Der 1976er King Kong ist über weite Teile unterhaltsam. Aber er hat seine deutlichen Fehler, weshalb er nicht uneingeschränkt zu empfehlen ist. Immerhin sollte es eine Fortsetzung geben, wenn auch erst viele, viele Jahre später.

 

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