Die Schatten der Vergangenheit lösen in Der Herr der Ringe – Die Ringe der Macht wichtige Ereignisse aus.

Ein gewagter Plan

Eine Herr der Ringe-Fernsehserie klingt zunächst ambitioniert. Schließlich waren und sind die Adaptionen der Romantrilogie und des Der Hobbit-Buches dafür bekannt, dass es Big Budget Blockbuster waren, die die Vorlagen mal mehr, mal weniger detailgetreu adaptierten. Doch gab es schon seit längerem Pläne, eine Fernsehserie basierend auf den Werken J. R. R. Tolkiens zu erschaffen.

Als es darum ging, sich die Rechte zu sichern, erhielt Amazon den Zuschlag. Sie verpflichteten sich für ihre neue Serie für mehrere Jahre und heuerten mit J. D. Payne und Patrick McKay ein Showrunner-Paar an, deren bisherige Beiträge zum Filmgeschäft es nicht in die jeweiligen Credits schafften. Doch die Visionen der beiden überzeugten die Verantwortlichen, weshalb sie den Zuschlag kriegten.

Das Budget betrug 100 bis 150 Millionen US-Dollar pro Season. Und in Zusammenarbeit mit dem Tolkien Estatets, die das Erbe von J. R. R. Tolkien verwalteten, wurde beschlossen, dass die Geschichte von Der Herr der Ringe – Die Ringe der Macht eben nicht zu derselben Zeit oder kurz vor den Filmen spielen sollten. Stattdessen basierte die Lore des Films auf dem Material, das man in den Anhängen der Romane finden konnte. Womit die Reihe deutlich vor den Ereignissen der Bücher stattfinden sollte.

Auf der Suche nach dem Feind

Es wurde außerdem ein internationaler Cast zusammengestellt. Hauptaugenmerk lag dabei auf der walisischen Schauspielerin Morfydd Clark, die Galadriel darstellen sollte, sowie dem Engländer Robert Aramayo als Elrond, da die Rollen beider in den Filmen von renommierten Darstellern zum Leben erweckt wurden. Weitere Schauspieler waren unter anderem Sara Zwangobani als Nori Brandyfuß, eine Harfüßin (Das ist übrigens kein Schreibfehler, die werden wirklich so geschrieben) oder die Britin Nazanin Boniadi als die Heilerin Bronwyn.

Bekannt und doch eigen

Gedreht wurde in Neuseeland, und beim Setdesign wurde versucht, sich am Design der Filme zu orientieren und doch zugleich etwas Eigenes zu erschaffen. Was den Machern durchaus gelungen ist.

Tausende Jahre vor den Ereignissen von Der Herr der Ringe ist Mittelerde eine andere Welt. Eine „junge“ Galadriel zieht mit ihren Soldaten auf der Suche nach Sauron immer weiter nach oben, bis ihre Männer rebellieren und sich weigern, ihr weiter zu folgen. Notgedrungen reist sie zurück nach Lindon, wo ihr Freund Elrond und ihr König Gil-Galad auf sie warten. Dort wird ihr in einer Zeremonie eröffnet, dass auf sie und ihre Freunde eine hohe Belohnung wartet: Sie dürfen nach Valinor, in die verheißenen Landen, reisen.

Derweil leben die Harfüßer in Ruhe und Frieden, versteckt vor den Menschen. Doch die junge Nori Brandyfuß ist neugierig, was es draußen in der Welt gibt. Sie irritiert damit maßlos ihre Familie und Freunde. Gleichzeitig ist der Elf Arondir im Süden von Mittelerde als Wächter unterwegs. Schon bald stößt er auf Hinweise, dass etwas Böses draußen ist. Gemeinsam mit der Menschenfrau Bronwyn, der er sich hingezogen fühlt, macht er sich auf den Weg.

Als die ersten Promobilder zu Die Ringe der Macht im Netz auftauchten, lösten diese extreme Resonanzen bei den Fans auf. Grund war, dass die Reihe in ihren Augen die Texte etwas zu frei interpretierte und der Cast bunter und vielfältiger war, als es viele angesichts ihrer Interpretation der Vorlage wohl erwarteten. Was natürlich dazu führte, dass einige lautstarke Stimmen der Serie bereits vor Streamingbeginn Verrat vorwarfen und sie boykottieren wollten. Mit überschaubarem Erfolg, wie die erfolgreichen Zahlen der Auftaktfolge Schatten der Vergangenheit beweisen sollten.

Und so versuchte die Episode, von Anfang an zu überzeugen. Von Beginn an wurde versucht, den Look und das Gefühl der bekannten Filme zu übernehmen und gleichzeitig auch etwas Eigenes zu kreieren. Etwas, was sich wirklich wie ein Prequel anfühlte.

Deutliche Unterschiede wahrnehmbar

Dementsprechend hatte man es in Schatten der Vergangenheit mit vielen Elementen zu tun, die bekannt vorkamen, aber doch etwas Eigenständiges besaßen. Das merkte man vor allem bei den Harfüßen.

Bei denen handelt es sich eindeutig entweder um die Vorfahren oder um einen anderen, einen wilden Stamm der Hobbits. Sie haben dieselben behaarten Füße, sind klein und können sich vor den Menschen verstecken. Auch die Nahrung steht bei ihnen auf dem Programm weit oben, wie man anhand der unterschiedlichen und vielfältigen Lebensmittel erkennen kann, die sie in der Folge aufsammeln.

Und doch sind in Schatten der Vergangenheit auch deutliche Unterschiede zu sehen. Diese Hobbits oder Harfüßer wohnen noch nicht in Häusern unter dem Berg. Ihre Lebensweise wirkt primitiver, längst nicht so fortgeschritten, wie man es aus den Filmen kennt. Doch was bleibt, ist ihr Wesen, ihre Umtriebigkeit und ihr Verlangen, keine Aufmerksamkeit zu erregen, keine Aufregung zu haben. Wobei das hier damit begründet ist, dass es jede Menge Gefahren gibt, auf die sie aufpassen müssen, wie eben Wölfe oder Menschen.

Ein sympathischer Naseweiß

Was man jetzt schon sieht, ist, dass Nori Brandyfuß die Rolle der Rebellin erhält. Sie ist neugierig, bricht die Regeln und lässt sich auch nicht durch eine strikte Zurückweisung einschränken. Sie wird sympathisch dargestellt und spielt sich durch ihre naseweise Art direkt ins Herz der Zuschauer.

Scheinbar unverändert wirken hingegen in Schatten der Vergangenheit das Design der Elfen. Hier gibt es nur wenige signifikante Unterschiede zu den Filmen. Was aber auch zu einer Kultur von unsterblichen Wesen passt, bei denen Veränderungen, wenn überhaupt, nur langsam geschehen.

Weshalb es hier umso mehr auf Elrond und Galadriel ankommt. Es sind, neben Sauron, erstmal die einzigen Figuren, die sowohl in der Serie, wie auch in den Filmen auftauchen. Sie müssen zeigen, wie sehr sich die Elfen der Reihe von den Kinofilmen unterscheiden.

Schlafende Geister …

Und auch hier sind in Schatten der Vergangenheit die Differenzen enorm. Elrond ist ein Politiker, derweil Galadriel eine von Rache getriebene Kriegerin ist. Beiden fehlt – vermutlich bewusst –  das Erhabene und Weise, das Hugo Weaving und Cate Blanchett in den Filmen ausstrahlten. Man merkt ihnen zwar an, dass sie schon eine ganze Weile leben, Ddoch sind sie in der Fernsehserie eben noch „jung“ und nicht „alt“. Und dies sorgt dafür, dass man als Zuschauer gespannt darauf ist, wie sie zu dem wurden, wie man es aus den Kinofilmen kennt. Es sind diese Charakterunterschiede, die neugierig auf die künftigen Episoden machen.

Interessant ist auch, dass die Elfen, die man in der Fernsehserie kennenlernt, vom Wesen her anders sind. Angeführt von Gil-Galad scheinen sie mehr daran interessiert zu sein, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und schlafende Geister nicht aufzuwecken. Weshalb die Belohnung für Galadriel auch mehr wie eine Wegbelobigung wirkt, damit sie als Quälgeist nicht mehr stört.

Der dritte Plot ist in Schatten der Vergangenheit einer, der in keiner offenkundigen Verbindung mit den Filmen oder den Romanen steht. Die Geschichte um Arondir und Bronwyn ist etwas eigenständiges und zeigt „nur“, wie das Erbe des Bösen über all die Jahre immer noch in den normalen Menschen existiert, die sich zwar bemühen, mit den Elfen zusammenzuarbeiten, ihnen aber nicht alles erzählen.

Anspielungen auf die Lore

So zum Beispiel, dass der Glaube an das Wirken von Sauron immer noch präsent ist und es nicht wenige Menschen gibt, die die Elfen lieber jetzt als später weghaben wollen. Kombiniert mit dem, was man am Ende der Episode sieht, wird hier für jede Menge Spannung gesorgt. Hinzu kommen dann auch noch die Gefühle, die Arondir und Bronwyn füreinander hegen und wo zu Recht darauf verwiesen wird, dass Liebesgeschichten zwischen Elfen und Menschen nie gut enden. Was das hier werden wird, wird man dann sicherlich in den kommenden Episoden sehen.

Am Ende der Folge geht ein Meteorit über Mittelerde nieder, was jede Menge übler Zeichen hervorbringt. Sehr schön ist, dass man in einer kurzen Einblendung vermutlich eine Entfrau mit ihrem Kind sieht, ein weiteres Anzeichen dafür, wie viel früher die Reihe spielt.

Schatten der Vergangenheit ist ein Auftakt nach Maß. Die Saat für eine spannende erste Staffel ist gesät.

Info

Drehbuch: J. D. Payne & Patrick McKay
Showrunner: J. D. Payne & Patrick McKay
Regie: Phil Abraham

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Götz Piesbergen

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