[Orion 5] Der Kampf um die Sonne

Lesezeit circa: 6 Minuten

Es wird heiß auf der Erde. Doch die Hitzewelle ist künstlich herbeigeführt. Der Kampf um die Sonne entbrennt.

Raumpatrouille Orion, Folge 5
„Der Kampf um die Sonne“

Kampf um die SonneHandlung

Im Planetoidengürtel M findet die Besatzung der Orion auf zwei Planetoiden beginnende Vegetation vor. Dies ist insofern erstaunlich, weil die Kraft der Sonne dazu eigentlich nicht ausreicht. Auf der Erde hat man vor Kurzem eine unnatürliche Hitzewelle bemerkt. Es stellt sich heraus, dass der Energiehaushalt der Sonne künstlich gestört wird. Dadurch erwärmt sich die Erde und der Hitzetod droht.

Die Orionbesatzung überprüft weitere Planetoiden auf Vegetation und entdeckt dabei ein unbekanntes Raumschiff. Sie nimmt nach einem kleinen Handgemenge zwei fremde Wissenschaftler mit zur Erde. Die beiden fremden Männer stammen von einer Welt, die durch eine abtrünnige Neptunkolonie nach dem Ersten Galaktischen Krieg besiedelt wurde.

McLane überzeugt Oberst Villa, ihn in geheimer Mission nach Chroma zu entsenden. Er will verhindern, dass die Regierung sich zum Schutz der Erde dazu entschließt, Chroma zu vernichten. Auf Chroma überzeugt McLane mit einiger Mühe die dort herrschende Regentin, von den Versuchen in der irdischen Sonne abzulassen. Stattdessen soll die auf den M-Planetoiden entdeckte solare Materie genutzt werden, um dem Kältetod durch die verblassende chromatische Sonne zu entgehen.

Kritik

„Der Kampf um die Sonne“ ist im Großen und Ganzen ein klassischer Science-Fiction-Streifen. Zum ersten Mal in der Serie wird eine fremde Welt gezeigt. Die Bewohner Chromas sind keine Außerirdischen im eigentlichen Sinne. Schließlich haben sie ihren Ursprung auf der Erde. Dennoch ist die Entwicklung auf Chroma etwas anders verlaufen.

Matriarchat statt Patriarchat?

Auf Chroma herrschen die Frauen. Es klingt zunächst nach Feminismus und Emanzipation, was für die 60er-Jahre ein spannendes und aufreibendes Thema gewesen ist. Frauen waren noch längst nicht gleichberechtigt.

Die Männer haben auf Chroma nichts zu sagen. Sie dürfen nur dienen. Als Gärtner, Bauarbeiter, sogar körperliche Dienste werden ganz kurz angedeutet. Dazu könne man sie gut gebrauchen. Stattdessen herrschen die Frauen. Und doch ist diese Darstellung klischeebehaftet.

Die Damen achten darauf, dass alles in ruhigen, vernünftigen und friedlichen Bahnen verläuft. Dennoch sind sie nach eigener Aussage auf die Männer angewiesen. Im Bereich der Wissenschaft und Technik kennt sich keine Frau auf Chroma aus. Dieser Part gefällt mir ganz und gar nicht. Warum werden die Frauen dargestellt, als seien sie nicht fähig, in diesem Bereich selber tätig zu sein? Die Regentin spricht ganz klar davon, „dass sie hier auf die Männer angewiesen sind“. Sie haben die Arbeit nicht delegiert, weil sie es selbst wollten, sondern weil sie sich nicht dafür befähigt halten.

Ich muss ehrlich sagen, das hat mich entsetzt. Es ist deutlicher Sexismus und Herabwürdigung der Frau durch die Drehbuchautoren.

Die Frauen dürfen herrschen, sind jedoch ohne Männer verloren.  McLane setzt dazu dem Ganzen noch die Krone auf, indem er Chroma verächtlich „Weiberkolonie“ nennt.

Man darf jedoch eines nicht vergessen: Das Frauenbild war in den 60er-Jahren ein ganz anderes als heute. Die Idee eines Matriarchats hätte eine sehr fortschrittliche Thematik ergeben. Stattdessen wurde es entschärft und verwischt, bis dieses Konstrukt entstand. Ein echtes Matriarchat war den Produzenten wohl zu modern und zu unglaubwürdig. Die Rolle der Frau war damals festgelegt. Die Frauen waren Hausfrauen und Mütter. Der Mann hingegen war Herr im Haus und Ernährer. Abweichungen davon waren gesellschaftlich nicht vorgesehen, wenngleich es sie gab.

Daher ist es bereits ein ordentlicher Schritt nach vorn gewesen, in Gestalt von Helga Legrelle, Tamara Jagellovsk und Lydia van Dyke emanzipierte Frauen darzustellen. Alle anderen Personen in „Orion“, die etwas zu sagen haben, sind ausnahmslos männlichen Geschlechts. Weitere Damen, die nur vereinzelt als Rolle zu sehen sind, haben Aufgaben wie Sekretärin oder eben Hausfrau.

Kampf um die SonneSzenerie

Die Darstellung der M-Planetoiden ist für damalige Verhältnisse erstaunlich gut gelungen. Der künstlerische Anspruch ist besonders bei der Gestaltung des Himmels erkennbar. Hier hat sich jemand Gedanken gemacht und seine Fantasie spielen lassen.

Etwas merkwürdig ist jedoch der Umstand, dass sich die Technik auf Chroma und der Erde so erstaunlich ähnelt. Das kleine Raumschiff der Wissenschaftler ist den Lancets sehr ähnlich. Auch die Strahlenwaffen ähneln sich fast wie Zwillinge, wenn auch in dem Fall zweieiige Zwillinge. Alleine die Materialien sind nachvollziehbar unterschiedlich. Ebenso erstaunlich ist, dass die Sprache sich nicht unterscheidet. Auf Chroma spricht man immer noch den gleichen Dialekt wie auf der Erde. Eigentlich hätte sich in den Jahrhunderten vieles evolutionär auseinander entwickeln müssen. Ich will hier jedoch nicht zu streng sein. „Raumpatrouille Orion“ ist beileibe nicht die einzige Serie, welche solche Ungereimtheiten aufweist. Selbst aktuelle Produktionen machen ähnliche Fehler.

Typisch deutsch

Das ist kein Kritikpunkt. Ich finde es sehr amüsant, dass die klischeehaften deutschen Verhaltensweisen hier so deutlich zu sehen sind. Sämtliche Beamte erscheinen sehr steif. Die Bürokratie ist auch im Jahr 3000 nicht ausgestorben. Die Sitzungen dauern weiterhin Stunden und es wird kleinlich diskutiert. Auch die Namen der Institutionen sind weiterhin so umständlich, wie man es gewohnt ist: „Amt für Interplanetare Biokontrolle“.

Charakterentwicklung

Offenbar hat sich die Besatzung an ihren Sicherheitsoffizier (Eva Pflug) gewöhnt. Statt ständiger Streitereien ist der Umgang ungewohnt kollegial. Auch der Kommandant scheint seiner „Gouvernante“ inzwischen nicht abgeneigt zu sein. Sogar ein kleiner Flirt findet zwischen den beiden statt, als er sie dienstlich anruft.

All die unterschiedlichen Personen bieten viel Raum für tiefergehende, ausgiebige charakterliche Entwicklungen. Wäre „Orion“ fortgeführt worden, so hätten sich sicherlich mehr Rahmen um die Kernhandlung herum ergeben können.

Fazit

Trotz der Anmerkung bezüglich Männern und Frauen ist diese Folge an sich von der Thematik her eine schöne Story. Science-Fiction alter Schule eben.

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Kirsten Pevestorf

Kirsten ist Jahrgang 80 und ein totaler TOS-Fan, kein Wunder, dass sie sich bei und auch hauptsächlich darum kümmert. Wenn das nicht reicht, vertritt sie Marco in der Chefredaktion.
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