Spotlight: Eva Pflug

Eva Pflug war vor allem bekannt für ihre Rolle als Leutnant Tamara Jagellovsk. Doch sie war mehr als das.

Die frühen Jahre

Eva Pflug kam am 12. Juni 1929 in Leipzig zur Welt. Ihr Vater Walter Pflug, ein gelernter Goldschmied, verließ Frau und Kind bereits früh, so dass Eva Pflug bei ihrer Mutter Gertrud Pflug (geb. Thäle) und ihrer Großmutter aufwuchs. Zwar heiratete ihre Mutter erneut, aber mit dem Stiefvater hatte Eva Pflug nie eine engere Bindung knüpfen können. Sie konnte sich einfach nicht mit ihm anfreunden.

Ihre schauspielerische Karriere begann am Theater in Leipzig. 1950 spielte sie in dem Kinofilm-Drama „Der Rat der Götter“ mit. Eine Kinolaufbahn blieb ihr allerdings verwehrt.

Stattdessen wurde sie mit Fernsehfilmen bekannter. In der Verfilmung von Edgar Wallaces „Der Frosch mit der Maske“ übernahm sie die Rolle einer verruchten Nachtklubsängerin. Das bekannte Lied „Nachts im Nebel an der Themse“ von Karl Bette sang sie bei den Dreharbeiten selbst. Jedoch wurde sie von einer unbekannten Sängerin nachsynchronisiert. Dennoch blieb der Erfolg nicht aus und so sahen die Zuschauer Eva Pflug 1962 in dem berühmten Straßenfeger „Das Halstuch“ von Durbridge.

Eva PflugEinsatz bei der Raumpatrouille

1966 wurde Eva Pflug quasi über Nacht deutschlandweit bekannt (zumindest im Westen). Sie spielte in allen sieben Folgen die Rolle der Tamara Jagellovsk, Leutnant des Galaktischen Sicherheitsdienstes. Mit ihrer ausdrucksvollen Darstellung spielte sie sich vor allem in die Herzen der Frauen. Sie wurde zum Idol einer ganzen Generation.

Das Aus nach nur sieben Episoden konnte Pflug nach eigener Aussage nicht nachvollziehen. Die Serie um das berühmte Raumschiff Orion hätte das Potential gehabt, etwas Größeres zu werden. Es sollte jedoch einfach nicht sein.

Und doch wirkte für Pflug „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffs Orion“ in einer Weise nach, die sie nie erwartet hätte. Die Rolle der Tamara Jagellovsk wurde ihr zum Verhängnis.

Sie wollte keine Ikone sein

Und doch war sie eine. Sie war die erste Ikone der Frauenbewegung der 60er Jahre. Sie sagte über sich, man habe sie zur Emanze gemacht, obwohl sie nie eine gewesen sei.

Nach ihren Auftritten in der berühmten deutschen Science-Fiction-Serie kam sie auf keinen grünen Zweig mehr. Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen, beispielsweise Dietmar Schönherr, bekam sie keine Hauptrollen mehr angeboten. Ein Umstand, der sie maßlos ärgerte.

Ihre eindrucksvolle Darstellung als Leutnant Jagellovsk, ihr selbstsicheres Auftreten, ihre beherrschte, bestimmte Art waren für die 60er Jahre wohl schlichtweg zu modern. Es wurde damals erwartet, dass Frauen sich klein machten, gehorchten und sich der Familie widmeten. All dies tat Eva Pflug jedoch nicht. Ganz wie Tamara Jagellovsk war sie eine starke, unbeugsame Persönlichkeit. Sie ließ sich zeit ihres Lebens nichts vorschreiben, auch nicht von Männern.

Theater statt Filmrollen

Eva Pflug kehrte nach „Orion“ zum Theater zurück, wo sie verdiente Erfolge feierte. Sie war unter anderem in klassischen Stücken zu sehen, wo sie Hauptrollen übernommen hatte . Goethes „Faust“, sowie Kleists „Der zerbrochene Krug“ oder auch „Ein Sommernachtstraum“ von Shakespeare gehörten dazu. Ihre Rolle in Brechts „Mutter Courage“ brachte ihr 1986 den Großen Preis von Bad Hersfeld ein.

Insgesamt kam sie auf 700 Auftritte in Boulevardkomödien am Theater. Eine beachtliche Leistung, wenn man den Zeitraum betrachtet: es sind genau fünf Jahre, von 1980 bis 1985.

Im Fernsehen sah man sie trotzdem. Sie spielte Nebenrollen in verschiedenen Krimiserien wie „Tatort“, „Der Kommissar“, „Ein Fall für Zwei“ oder „Alarm für Cobra 11“. Auch mit Dietmar Schönherr stand sie eines Tages, nach 38 Jahren, wieder vor der Kamera. 2004 spielten Pflug und Schönherr in dem „Tatort“-Film „Nicht jugendfrei“ mit.

Auch als Synchronstimme machte Eva Pflug sich einen Namen. Sie lieh unter anderem Ursula Andress in mehreren Produktionen ihre Stimme („Casino Royale“ als Vesper Lynd, „Treffpunkt London Airport“ als Lady Britt). Selbst in einer Star Trek Episode war sie zu hören. Sie lieh Antoinette Bower / Sylvia in der Folge „TOS: Das Spukschloss im Weltraum“ ihre Stimme. Diana Muldaur / Marion Jones in „TOS: Die fremde Materie“ wurde ebenfalls von Eva Pflug gesprochen.

Eva Pflug verstarb am 5. August 2008 in ihrer Wohnung in Grünwald / München.

Kirsten Pevestorf

Kirsten ist Jahrgang 80 und ein totaler TOS-Fan, kein Wunder, dass sie sich bei und auch hauptsächlich darum kümmert. Wenn das nicht reicht, vertritt sie Marco in der Chefredaktion.
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