Review: Der letzte Mensch (Mary Shelley) & Podcast

Lesezeit circa: 4 Minuten

Im Februar 2021 erschien im Reclamverlag eine Neuübersetzung von Der letzte Mensch.

Im Podcast Biblioholics #2 und hier werfen wir einen Blick hinein.

Die Autorin

Mary Shelley ist heute natürlich vor allem als Autorin von Frankenstein bekannt. Sie ist aber so viel mehr.

Am 30.08.1797 wurde sie als Tochter von Sozialphilosoph William Godwin und Schriftstellerin und Feministin Mary Wollstonecraft in London geboren. Politik, Philosophie und Literatur wurden ihr in die Wiege gelegt und sie erhielt eine teure Schulbildung. Ihren späteren Mann Percy Bysshe Shelley lernte sie mit 16 Jahren kennen. Dieser war ein glühender Bewunderer ihrer im Kindbett verstorbenen Mutter und damals bereits verheiratet. Auf einer gemeinsamer Europareise wurde Mary schwanger und die beiden lebten einige Jahre in wilder Ehe.

Mary schöpfte viel Inspiration aus ihrem Umfeld und arbeitete reale Personen ihres Bekanntenkreises immer wieder gekonnt in ihre Romane und Erzählungen ein. Sie war jedoch zu Lebzeiten vor allem als Verlegerin und weniger als Autorin bekannt.

1851 verstarb sie in London vermutlich an einem Hirntumor. Sie wird heute neben ihrer Bedeutung als Feministin als eine Mitbegründerin der medizinischen Science-Fiction gesehen.

Der Roman

Zur Zeit seines Erscheinens 1826 war Der letzte Mensch nur wenig beliebt beim Publikum und bis zur ersten deutschen Übersetzung dauerte es bis 1982. Shelley selbst hat ihn aber immer wieder als ihren besten Roman bezeichnet.

Seinen Platz in der Science-Fiction-Bibliothek verdient er vor allem als einer der ersten Endzeit-Romane der Weltliteratur. Auch das politische Setting im England des 21. Jahrhunderts ist beachtenswert.

Lionel Verney beschreitet in diesem Roman seinen Lebensweg durch eine sterbende Welt. Dabei ist die Erzählung hochgradig episch. Schon durch den Titel ist der Ausgang klar. Lionel wird der letzte Mensch auf Erden sein und Shelley nimmt uns mit auf diese Reise. Von der Hauptspannung enthoben spinnt sich ein raffinierter, biografischer Roman. In der Figur des Raymond hat Shelley beispielsweise Lord Byron in ihrem Roman verewigt. Auch andere Personen aus ihrem realen Leben lassen sich hier wieder finden.

Der Letzte MenschFazit zu Der letzte Mensch

Jeder, der ein wenig Liebe für klassische Literatur übrighat, wird hier fündig werden. Der letzte Mensch ist ein Roman der Romantik und dies sollte einem bewusst sein, wenn man ihn liest.

Fans des Endzeit-Genres oder der Science-Fiction könnten enttäuscht sein. Futurismus spielt trotz dem Handlungszeitraum am Ende des 21. Jahrhunderts eher eine Randrolle und auch Endzeit-Feeling kommt erst im letzten Drittel wirklich auf. Der Roman ist vielmehr als Wegbereiter zu sehen. Das Ausbrechen einer die Welt vertilgenden Seuche nimmt heute ein ganz eigenes Genre der Sci-Fi ein. Werke wie I am Legend oder modernere Zombiekonzepte wie in Resident Evil sind ohne Mary Shelley schwer vorstellbar.  Sie hat es wie kein anderer zuvor geschafft, scheinbar medizinisch Unmögliches zur Grundlage phantastischer Werke zu machen. Hier findet sich auch eine Gemeinsamkeit von Der letzte Mensch und Frankenstein.

Im Podcast Biblioholics #1 haben wir auch bereits drüber gesprochen.


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