[Star Trek] Die Gesetze der Föderation

Mit »Die Gesetze der Föderation« beantwortet Keith R. A. DeCandido die Frage, wie dieses Sternenbündnis überhaupt regiert wird.

Die Gesetze der Föderation
© Cross Cult
Die Politik steht im Vordergrund!

Allen »Star Trek«-Serien gemein ist, dass sie sich primär auf die Sternenflotte konzentrieren. Ihre Protagonisten sind Captains und Commander, Ensigns und Chiefs. Vertreter der Politik oder gar die Präsidenten der Föderation tauchten nur sporadisch am Rande auf. Man denke nur an Hiram Roth aus »Star Trek IV«.

Keith R. A. DeCandido ändert das jetzt. Sein »Die Gesetze der Föderation« ist nicht Teil einer der bereits laufenden literarischen »Star Trek«-Serien, sondern steht für sich alleine. Die perfekte Art, um mit Nan Bacco, die neue Präsidentin des Sternenbündnisses einzuführen.

Hierzulande ist der Autor kein Unbekannter. Lesern des »Star Trek«-Universums ist er als Schriftsteller des Romans Quintessenz bekannt.

Kein typischer „Star Trek“-Roman

Nach einer heftig umkämpften Wahl wird Nan Bacco, die ehemalige Gouverneurin von Cestus III, zur neuen Präsidentin der Föderation gewählt. Dass dies keine leichte Aufgabe wird, ist ihr klar. Doch wie schwierig sich das erste Jahr ihrer Präsidentschaft gestalten würde, hätte sie selbst nicht gedacht.

Nicht nur, dass sie sich mit dem Föderationsrat anlegt. Dann ist da auch noch ein remanisches Schiff voller Flüchtlinge, das Kurs auf den Sektor der Föderation nimmt, was sowohl den Romulanern als auch den Klingonen nicht gefällt. Außerdem wäre da noch ein Erstkontakt, der sich zu einem verheerenden diplomatischen Desaster entwickelt. Und des weiteren ein düsteres Geheimnis, welches nach Enthüllung die Karriere eines renommierten Sternenflottenoffiziers kostet.

Es ist kein typischer »Star Trek«-Roman, den Keith R. A. DeCandido hier schreibt. Das fängt schon damit an, dass im Mittelpunkt des Geschehens kein Raumschiff oder eine Raumstation mitsamt Besatzung steht, sondern die Föderation und seine Führung, eben Nan Bacco.

Kein Überpolitiker

Der Autor schafft es problemlos, sie als neuestes Glied einer Kette, einer Tradition, von Präsidenten darzustellen. Jeder ihrer Vorgänger hat im Palais De la Concorde seine Spuren hinterlassen und auch sonst bewiesen, wie man als Präsident zu agieren hat. So gesehen muss sie große Fußspuren füllen, was ihr allerdings mit Bravour gelingt. Sie ist kein Überpolitiker, keine Heilandsgestalt, sie macht Fehler, was sie menschlich wirken lässt. Vor allem wie sie sich zu Beginn ihrer Wahlperiode zunächst mit dem Rat anlegt, ist das perfekte Beispiel dafür.

Und gerade wegen ihrer Fehler wächst sie einem ans Herz. Eben weil sie in einem Moment wütend ist, da der Föderationsrat ein Vorhaben von ihr blockiert, nur um im nächsten Augenblick wieder offen für die Ratschläge ihrer Berater zu sein. Ihre Zähigkeit, Unnachgiebigkeit und doch gleichzeitig auch Gespür für Diplomatie, sowie Kritikfähigkeit, zeichnen sie ebenso aus, wie ihre Liebe für den Baseball auf ihrer Heimatwelt.

Dabei ist das große Rätsel des Romans, was mit ihrem Amtsvorgänger, Min Zife, geschah. Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und wird durch die Auftritte ehemaliger Präsidenten verdeutlicht. Als der Autor dann endlich schreibt, was genau dem Vorgänger von Nan Bacco widerfahren ist, ist es ein Schock, weil es so etwas im »Star Trek«-Universum noch nie gab. Der Plot besitzt enormes Sprengpotential, so dass man nur hoffen kann, dass er mit diesem Buch nicht einfach abgehakt ist.

Und? Zu Ende geguckt?

Gleichzeitig kommentiert der Autor das Geschehen auch durch die Talkshow »Lichter der Stadt«, die er jedes Mal zu Beginn eines neuen Monats, der je einen Buchabschnitt repräsentiert, schreibt. In dieser werden aktuelle Ereignisse besprochen, wobei der besondere Clou ist, dass die Show von vielen verschiedenen Wesen geschaut wird. Ein Running Gag ist dabei, dass die Sendung von den jeweiligen Zuschauern nur selten bis zum Ende geschaut wird.

Es ist nicht nur Nan Bacco, die hervorragend dargestellt wird. Auch die Nebenfiguren werden super charakterisiert. So zum Beispiel der Pressesprecher der Präsidentin, Kant Jorel, dessen Pressekonferenzen ein wahres Highlight an sarkastischen Antworten auf die Pressefragen sind. Oder ihre Stabschefin Esperanza Piñiero, die ihr wiederholt den Rücken freihält.

Keith R. A. DeCandido greift in »Die Gesetze der Föderation« verstärkt auf aktuelle oder vergangene Ereignisse zurück. So wird zum Beispiel auf das aktuelle politische Chaos im romulanischen Imperium eingegangen, ebenso wie auch auf die Auswirkungen, der hierzulande nie erschienenen, »A Time to…« Romanserie.

Der perfekte Einblick in die Politik des „Star Trek“-Universums

Am Ende wird ein perfekter Blick auf die politische Dimension des »Star Trek«-Univesums geworfen, der exzellent geworden ist. Dieses Buch ist eines der bislang besten, die im Cross-Cult-Verlag herauskamen!

Übrigens beschäftigt sich Julian Wangler im Anhang des Romans mit dem politischen System des »Star Trek«-Universums. Auch das ist ein Must-Read!

Bewertung 15/15

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Autor: Keith R. A. DeCandido
Titel: Star Trek – Die Gesetze der Föderation
Originaltitel: Star Trek – Articles of the Federation
Übersetzer: Anika Klüver
Verlag: Cross Cult
Erschienen: 06/2010
Einband: Taschenbuch
Seiten: 451
ISBN: 978-3-942148-50-2
Sonstige Informationen:
Produktseite

Götz Piesbergen

Götz ist Jahrgang 78 und unser Mann fürs literarische Star-Trek-Universum.
Götz Piesbergen

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Götz ist Jahrgang 78 und unser Mann fürs literarische Star-Trek-Universum.

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