[DSN 003] Die Khon-Ma

Lesezeit circa: 7 Minuten

»Die Khon-Ma« ist die erste reguläre Episode von »Star Trek – Deep Space Nine«, mit der die Serie sich jetzt beweisen muss.

Die Vergangenheit kehrt zurück

Der Pilotfilm von »Deep Space Nine«, »Der Abgesandte«, führte den interessierten Zuschauer in ein Szenario ein, welches viel Spannung und Abwechslung versprach. Vor allem die Reibereien zwischen den Mitgliedern der Föderation und jenen des bajoranischen Militärs waren etwas, was man so noch nie zuvor erlebt hatte. Wie allerdings dieser Aspekt im normalen Serienalltag sich entwickeln würde, würde sich zeigen müssen. Und zwar bereits mit »Die Khon-Ma«.

Auf der Raumstation Deep Space Nine herrscht der Alltag. So knüpft der cardassianische Schneider Garak, der angeblich ein Spion sein soll, Kontakt mit dem Stationsarzt Julian Bashir. Als dieser Commander Sisko davon berichten will, bekommt die Stationscrew mit, wie ein bajoranischer Aufklärer von einem cardassianischen Kriegsschiff verfolgt und zerstört wird. In letzter Minute gelingt es es ihnen, das einzige Crewmitglied des vernichteten Raumschiffes an Bord der Station zu beamen. Es stellt sich heraus, dass es sich um einen Bajoraner handelt; einen guten Bekannten von Major Kira Nerys. Sein Name ist Tahna Los und er ist Mitglied der Khon-Ma; einer besonders radikalen Terroristengruppe.

Er wird medizinisch behandelt und bekommt eine Unterkunft gestellt, ehe feststeht, wie mit ihm weiterverfahren werden soll. Schnell stellt sich heraus, dass er mit der Präsenz der Föderation in seiner Heimat nicht zufrieden ist. Er ist der Meinung, dass die provisorische bajoranische Regierung weich geworden sei und den einen Unterdrücker gegen den anderen eingetauscht habe. Auch seiner einstigen Mitstreiterin Kira Nerys wirft er vor, sie habe vergessen, wofür sie einst kämpfte und stürzt sie damit in einen starken Loyalitätskonflikt.

Die Khon-MaTerroristen helfen sich untereinander

Als die Duras-Schwestern Lursa und B‘etor an Bord der Station kommen, stellt sich schnell heraus, dass die beiden mit Tahna Los zusammenarbeiten. Sie versorgen ihn mit einem Material, aus dem er eine Bombe bastelt. Gemeinsam mit Kira, die ihre Föderationskollegen von den Aktivitäten ihres einstigen Mitstreiters unterrichtet, macht er sich auf den Weg. Sein Ziel ist es, den Sprengkörper am Wurmloch zu zünden und so den Zugang zum Gammaquadranten unmöglich zu machen. Damit will er erreichen, dass die Föderation abzieht und auch die Cardassianer kein Interesse mehr an Bajor zeigen, womit die Bajoraner endlich für sich alleine verantwortlich wären.

In letzter Sekunde gelingt es Kira, den Anschlag zu verhindern. Bei der anschließenden Auseinandersetzung wird sie jedoch von Tahna überwältigt. Erst die Androhung, ihn den Cardassianern zu überlassen, zwingt ihn zum Aufgeben. Noch während seiner Verhaftung wirft er Kira Nerys ein weiteres Mal vor, dass sie weich geworden sei und vergessen habe, wofür sie einst kämpfte.

Wer ist zu was loyal?

Im Pilotfilm »Der Abgesandte« machte Kira Nerys eine interessante Aussage. Demnach befand sich Bajor kurz vor einem Bürgerkrieg, weil die verschiedensten Interessensgruppen keinen gemeinsamen Nenner fanden, wie sie nach dem Abzug der Cardassianer weitermachen wollten. Nur Kai Opaka konnte das Schlimmste verhindern.

Nun ist es so, dass mit Benjamin Sisko zwar der Abgesandte die Bühne betreten hat. Doch wie die Episode »Die Khon-Ma« eindeutig zeigt, heißt das noch lange nicht, dass Ruhe und Frieden auf der Welt herrschen. Im Gegenteil: Selbst unter seinen eigenen Leuten existieren jene, die mit der Präsenz der Föderation, beziehungsweise mit den Taten von ihrem Commander, nicht zufrieden sind. Ausgerechnet Major Kira Nerys, Siskos rechte Hand an Bord der Station, ist es, die seine Bemühungen um Ruhe und Frieden hinterfragt. Einerseits gibt sie vor, ihm gegenüber loyal zu sein. Doch andererseits beschwert sie sich hinter seinem Rücken bei seinen Vorgesetzten über seine Aktionen.

Es ist vor allem die Figur von Kira Nerys, die von dieser Episode profitiert. Ihr Loyalitätskonflikt wird hervorragend dargestellt. Nana Visitor zeigt, wie hin- und hergerissen ihre Figur ist. Sie will einerseits beweisen, dass sie weiterhin auf der Seite Bajors steht und ihre Vergangenheit nicht vergessen hat. Aber gleichzeitig weiß sie auch, was die Föderation für Bajor bedeutet. Mehr als ein Mal wird ihre Loyalität auf die Probe und in Frage gestellt. Am Ende hat sie sich eindeutig für eine Seite entschieden, doch wird ihr und dem Zuschauer ein Wohlfühlende verweigert. Damit wird klar gemacht, dass ihre Aktionen bereits zu viel Schaden angerichtet haben. Mal sehen, ob und wie dieser Punkt in den nächsten Folgen aufgegriffen wird.

Querverweise und gute Charaktere

Auch Jeffrey Nordling als Tahna Los kann überzeugen. Man kauft ihm ab, dass er bereit ist, für sein Ziel alles zu tun. Als er im Finale sogar die Existenz unschuldiger Bajoraner bedroht, wirkt es glaubwürdig und nachvollziehbar. Hier ist jemand, der so sehr in seinem Kampf gegen die Cardissianer aufgegangen ist, dass er vergaß, was Frieden bedeutet. Weshalb er am Ende für sein eigenes vermeintliches Friedensideal zu allem bereit ist. Selbst, wenn es bedeutet, sich mit anderen Verbrechern einzulassen.

Das Auftauchen der Duras-Schwestern ist dabei ein kleiner Querverweis zu »The Next Generation«. Das Gute ist, dass man die entsprechenden Episoden der Serie nicht gesehen haben muss, um einzuschätzen, wer sie genau sind. Man erfährt, dass sie eine Söldnerarmee aufbauen wollen und keine Scheu haben, die Leute, für die sie arbeiten, zu verraten. Womit deutlich gemacht wird, dass sie keine Ehre haben, was für die Klingonen seit TNG eher ungewöhnlich ist.

Ein Highlight der Episode ist allerdings Garak, bzw. seine Interaktion mit Julian Bashir. Im Pilotfilm wurde sich ja darüber beschwert, dass der Arzt zu kurz kam. In »Die Khon-Ma« ändert sich das. Noch immer wird er als naiv charakterisiert. Allein, wie er mit großen Augen alles in sich aufsaugt, unterstreicht das. Doch gleichzeitig ermöglicht dies auch die grandiose Interaktionsmöglichkeit mit Garak, eben weil er noch vieles blauäugig aufnimmt.

Die Khon-MaKein Spoiler vorhanden!

Der von Andrew Robinson dargestellte cardassianische Schneider ist schon von der Optik her anders als seine Artgenossen. Weder trägt er eine Rüstung, noch läuft er die meiste Zeit sauertöpfisch und griesgrämig durch die Gegend. Stattdessen lächelt er oft und geht offen auf die Leute zu. Wobei klar gemacht wird, dass hinter dieser Offenheit ein intelligenter und gewiefter Mann steht, der im Zusammenspiel mit Julian Bashir zur Höchstform aufläuft. Er ist jemand mit vielen Geheimnissen und Masken, der nach einem Dialog mit ihm mehr Fragen als Antworten hinterlässt. Ein vielversprechender Gastcharakter, von dem man hoffentlich mehr sehen wird.

Im Englischen lautet der Originaltitel der Sendung übrigens »Past Prologue«, womit gemeint ist, dass die Vergangenheit nur ein Prolog für die Gegenwart ist. Das trifft in diesem Fall auf Kira Nerys zu, deren früheres Leben auf einmal Einfluss auf ihr aktuelles nimmt.

Der deutsche Titel, die »Khon-Ma«, passt allerdings im Vergleich besser, da die Terroristengruppe, vertreten durch Tahna Los, eine große Rolle spielt. Da ihre Existenz gleich zu Beginn der Episode verraten wird, ist der Name auch unproblematisch und stellt keinen Spoiler dar.

»Die Khon-Ma« ist eine starke Episode, ein gelungener Auftakt zu der eigentlichen »Deep Space Nine«-Serie. Wenn die nächsten Sendungen ebenso gut werden, verspricht die Reihe genial zu werden!

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Götz Piesbergen

Götz ist Jahrgang 78 und unser Mann fürs literarische Star-Trek-Universum.
Götz Piesbergen

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Götz ist Jahrgang 78 und unser Mann fürs literarische Star-Trek-Universum.

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