[DSN 011] Die Nachfolge

Lesezeit circa: 6 Minuten

In der elften »Star Trek – Deep Space Nine«-Episode, »Die Nachfolge«, stehen zum ersten Mal die Ferengi im Mittelpunkt des Geschehens.

Die NachfolgeProminenter Besuch

Eines Tages erhält Quark auf Deep Space Nine prominenten Besuch. Niemand Geringeres als der Grand Nagus Zek, das Oberhaupt der Ferengi, kommt vorbei. Nachdem sich dieser von dem Barbesitzer ausführlich hofiert und bedienen ließ, kommt er darauf zu sprechen, weshalb er auf der Raumstation ist. Er möchte ein Treffen von interessierten Ferengi veranstalten, um die Handelsmöglichkeiten im Gammaquadranten zu diskutieren.

Die Konferenz findet in Quark‘s Bar statt. Zur Überraschung von diesem dürfen er und sein Bruder mit beiwohnen. Den Grund für diese Entscheidung erfahren sie bald. Denn der Grand Nagus erklärt zur Verblüffung aller Anwesenden, dass sein Nachfolger nicht wie erwartet sein Sohn Krax sein wird, sondern Quark! Ein Entschluss, der für große Empörung sorgt.

Dem frisch auserwählten Nachfolger bleibt allerdings nicht viel Zeit, seine neue Position zu genießen. Denn schon bald lernt er die Schattenseiten des Ruhms kennen, als er bedroht wird. Weshalb er den Grand Nagus Zek um Hilfe bittet, der allerdings stirbt.

Profit ist alles!

Wie es bei den Ferengi Tradition ist, wird der Leichnam vakuumgetrocknet und in Stücke geschnitten, die verkauft werden. Was für Odo keine erfreuliche Entdeckung ist, da er ursprünglich den Leichnam untersuchen wollte, um herauszufinden, ob der Tod natürliche Ursachen hatte. Empört verlässt er die Bar und verpasst so, dass auf Quark ein Mordanschlag verübt wird, den dieser zum Glück überlebt.

Der neue Grand Nagus lehnt allerdings jede Hilfe von außen ab. Er will den Fall, wenn überhaupt, unter den Ferengi an sich klären. Das Erste, was er jedoch nach seiner Rückkehr von OPS macht, ist Audienz halten. Es geht schließlich ums Geschäft und darum, wie er als Anführer der Ferengi davon am besten profitieren kann.

Einige Zeit später macht sich Quark auf Anraten von seinem Bruder Rom und dem Sohn von Zek, Krax, auf den Weg zu einer Mission im Gammaquadranten. Er soll dort Verhandlungen weiterführen, die sein Vorgänger angeblich begonnen hat. Doch das entpuppt sich als Falle. Die beiden wollen ihn im Vakuum ersticken lassen. Zum Glück können Odo und der quicklebendige Zek das Attentat verhindern.

Die NachfolgeTot ist lebendig

Es stellt sich heraus, dass der frühere Grand Nagus alles nur inszenierte, um herauszufinden, wie sein Sohn agieren würde. Doch die Handlungen von diesem enttäuschen Zek. Er nimmt Quark wieder den Titel mit allen damit verbundenen Pflichten ab, der somit am Ende erneut ein einfacher Barbesitzer ist.

Ein Subplot der Episode war, wie die Freundschaft zwischen Jake und Nog sich entwickelte. Benjamin Sisko sieht diese skeptisch und ist auch nicht davon begeistert, dass sein Sohn sich immer rarer macht und sogar Verabredungen verpasst. Am Ende stellt sich jedoch heraus, dass Jake (Cirroc Lofton) seinem Freund Nog heimlich das Lesen beibringt, da dieser nicht mehr auf die Stationsschule gehen darf. Das wiederum macht seinen Vater stolz.

Ein Glaubwürdigkeitsproblem

Wer hätte anno 1987 gedacht, dass die Ferengi, die in »Der Wächter« eingeführt wurden, jemals eine Episode erhalten würden, die sich komplett um sie alleine dreht. Schließlich war damals der Erstauftritt eine mittlere Katastrophe und die Spezies wirkte eher wie eine Lachnummer denn wie eine ernst zu nehmende Bedrohung. Auch spätere Auftritte trugen nicht viel dazu bei, dass sie sich glaubwürdig weiterentwickelten.

Erst »Deep Space Nine« sorgte mit der Entscheidung, einen Ferengi als Teil des Maincasts zu machen, von Beginn an für eine Weiterentwicklung. Es handelte sich dabei um eine Idee, die sich spätestens mit »Die Nachfolge« als goldrichtig entpuppte. Denn zum ersten Mal wurde sich näher mit der Kultur der Spezies beschäftigt.

Durch das bisherige Auftreten von Quark wusste man bereits, dass seine Rasse profitorientiert ist. Die Erwerbsregeln, die ständig zitiert wurden oder seine eigene, spezielle Ansicht was Recht und Ordnung angeht, waren mit ursächlich dafür. Doch das Auftauchen des Großen Nagus setzt noch einen drauf.

Wunderbarer Humor

Man muss die Arbeit der Maskenbilder von »Die Nachfolge« hier loben. Man sieht Zek wirklich an, dass er alt ist. Seine Ohren sind noch größer als die von Quark und Details, wie die Haare, die aus diesen wachsen, sorgen dafür, dass er einzigartig wirkt. Gleichwohl sorgt sein Verhalten dafür, dass die Zuschauer ihn unterschätzen. Man rechnet nicht damit, dass er sich am Ende so verschlagen zeigt.

Gleichzeitig merkt man der Folge auch an, dass die Beteiligten ihren Spaß an der Sache hatten. Vor allem die Sequenz, in der Quark Hof hält, sorgt dafür. Diese wurde übrigens bewusst an die erste Szene aus »Der Pate« angelehnt. Man merkt Armin Shimerman, dem Schauspieler von Quark, an, dass er hier spürbar seinen Spaß hat.

So überzeugt die Episode vor allem durch ihren Humor. Die ganze Kultur der Ferengi wird herrlich überspitzt rüber gebracht. Vor allem Details, wie die Aussage, dass ein Bestandteil des Körpers von Grand Nagus Zek später noch wertvoll werden könnte, ist grandios!

Kleiner Schönheitsfehler dank des B-Plots

Im Prinzip wäre dies eine perfekte »Deep Space Nine«-Episode geworden, wenn da nicht der Subplot gewesen wäre. So schön es auch ist zu sehen, wie sich die Beziehung zwischen Jake, seinem Vater Benjamin und Nog entwickelt. Am Ende wirkt sie in »Die Nachfolge« wie ein Fremdkörper, weil kaum Berührungspunkte zur Haupthandlung vorhanden sind. Abgesehen von der Erkenntnis, dass sich Kinder immer besser untereinander verstehen als Erwachsene, gibt es nicht wirklich viel, was einem von dieser Handlung in Erinnerung zurückbleibt.

Wie üblich ist der deutsche Titel »Die Nachfolge« wesentlich direkter als der englische »The Nagus«. Letzter beschreibt schließlich nur eine Funktion, derweil Ersterer deutlich mehr über den Inhalt verrät, ohne gleichzeitig allzu viel preiszugeben.

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Götz Piesbergen

Götz ist Jahrgang 78 und unser Mann fürs literarische Star-Trek-Universum.
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