[The Orville 023] Die Zeitkapsel

Lesezeit circa: 5 Minuten

Auf der Erde wird ein Relikt der Vergangenheit entdeckt. Die Zeitkapsel beinhaltet viele nette Spielereien aus dem Jahr 2015.

Staffel 2, Folge 11
„Die Zeitkapsel“ – „Lasting Impressions“

Die ZeitkapselDie Handlung

Dr. Sherman (Tim Russ) ist an Bord der Orville und bringt eine Zeitkapsel mit. In ihr sind viele nette Gegenstände. LaMarr und Malloy entwickeln ein reges Interesse an einem Smartphone, während Bortus und Klyden Zigaretten für sich entdecken. Gordon inspiziert das Smartphone genauer und entdeckt Videos, Bilder und Nachrichten von Laura Huggins (Leighton Meester). Er ist so fasziniert von ihr, dass er eine Simulation mit ihr startet. Als ihr Partygast kommt er ihr näher.
Bortus und Klyden haben derweil mit ihrer Nikotinsucht zu kämpfen.

Rezension

Warum nicht mehr Tim Russ? Er hatte nur ein paar Sätze und Szenen. Das ist schade, aber verständlich im Laufe der Episode. Humor ist wieder einmal eher nur dezent eingestreut – und er ist sehr passend in den Szenen eingesetzt. So geht Dr. Sherman beim Kürzel „WTF“ davon aus, dass es für „wireless telecommunications facility“ stehen muss. Isaac steht am Anfang nur einmal kurz rum, sonst ist er nicht aufgefallen und auch am Anfang erst beim zweiten Mal hinschauen. Dafür ist der Inhalt der Zeitkapsel echt toll geraten. Ein Xbox-Spiel, eine Cola, ein Snickers, ein X-Men-Shirt. Eine herrliche Zusammenfassung der Anfangszeit des 21. Jahrhunderts.

Die ZeitkapselRauchen ist doof

Bortus und Klyden fangen das Rauchen an und sie durchleben am Ende einen knallharten Entzug, der sogar in Handgreiflichkeiten endet. Ja, die Moclaner werden teilweise für Slapstick Einlagen genutzt, was ich ehrlich gesagt sehr schade finde und auch dieses Mal war es hart an der Grenze der Lächerlichkeit. Aber eben nur an der Grenze und nicht darüber hinaus. Das war Fingerspitzengefühl. Wir sehen hier anhand der beiden Männer einen typischen Suchtverlauf, ohne dass es da einen großartigen moralischen Zeigefinger gibt. Die Lösung am Ende, eine Injektion, ist glaubhaft. Es sind immerhin über 400 Jahre in der Zukunft und Dr. Finn redet vom Rauchen als wäre es ein Laster vergangener Zeiten. Ach, wäre das schön, wenn man jede Sucht so heilen könnte.

Liebe einmal anders

Gordon ist schon zu bemitleiden. Die erste Frau, an der er Interesse hatte, hat sich für Ed entschieden. Jetzt trifft er eine wunderbare Frau, nur ist die schon seit 400 Jahren tot. Er verliebt sich in eine Simulation, was bei seinen Freunden natürlich Besorgnis weckt. Als er regelrecht abdriftet und Laura ihm das Herz bricht, als sie wieder mit ihrem Ex-Freund Greg zusammen kommt, entfernt er kurzerhand Greg aus der Simulation. Mit schwerwiegenden Folgen, denn Laura ist zwar nun seine Freundin, aber eine ganz andere Person. Greg hatte Laura zwar beruflich behindert, gleichzeitig ihr aber auch die Angst vor Auftritten genommen, denn Laura singt für ihr Leben gern. Im Job hat sie dafür aber mehr Erfolg. Aus dem geplanten Duett wird also nichts und spätestens hier wird die Message der Episode deutlich. Gordon stellt den Originalzustand wieder her und singt das Duett mit ihr, bevor er sich von ihr verabschiedet.

Nachwirkungen

Eine emotionale Folge geht zu Ende und lässt einen selbst mit einigen Fragen und Gedankengängen zurück. Wenn wir einen Aspekt unserer Vergangenheit ändern könnten, welche Auswirkungen hätte das? Wäre es uns das Risiko wert? Wir alle hatten sicher schon mal eine Beziehung in unserem Leben, die wir am Ende am liebsten ungeschehen machen würden, aber was wären die Konsequenzen?

Wäre ich dann immer noch Familienvater? Oder hätte ich den Mut gefunden, einfach meinen Jugendtraum zu verwirklichen? Man weiß es nie, aber eines ist sicher – Entfernen wir einen Aspekt aus der Vergangenheit, verändern wir unsere Zukunft. Kelly fasst das am Ende schön zusammen: Wir sind nur die Summe unserer Erfahrung. Und vielleicht ist die Erfahrung mit Laura genau das, was Gordon dann nun doch noch zum Liebesglück bringt.

Fazit: Eine absolut gelungene Folge, der man die Verliebtheit von Seth McFarlane an Star Trek einfach anmerkt. Diese Folge ist 90s-Trek vom Feinsten. Für mich die bisherige Top-Folge von Staffel 2.

Fun Facts

  • Seth McFarlane schrieb das Drehbuch mal wieder selbst.
  • Leighton Meester ist Sängerin und Schauspielerin. Sie hat bereits drei Alben veröffentlicht.

Der deutsche Titel

„Lasting Impressions“ heißt so viel wie „Bleibende Erinnerungen“ oder „Eindrücke“. Das ist ein wunderbarer Titel für diese Episode, denn dieser kann gleich mehrfach gedeutet werden. Einmal ist da natürlich Gordon, der nun bleibende Erinnerungen an Laura hat, das verspricht er ja sogar am Ende der Folge. Dann sind da wir, die diese Folge gesehen haben und sie sicher im Gedächtnis behalten werden. Der deutsche Titel „Die Zeitkapsel“ ist wieder typisch deutsch. Episoden wie „Identity“ kann man 1:1 übersetzen, aber diesen nicht. Na ja, es ist seit Ewigkeiten so, dass wir in Deutschland sehr aussagekräftige Titel bekommen, die kaum Platz für Interpretationen lassen.

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Marco Golüke

Marco ist Jahrgang 78 und mit Star Trek, Star Wars, Galaxy Rangers, Babylon 5 und was es nicht noch alles gibt groß geworden. Er ist der Gründer, Chefredakteur und Herausgeber dieses Magazins und kümmert sich somit auch um alles Organisatorische. Nebenbei schreibt der Familienvater auch noch Kinder- und Kurzgeschichten.
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Marco ist Jahrgang 78 und mit Star Trek, Star Wars, Galaxy Rangers, Babylon 5 und was es nicht noch alles gibt groß geworden. Er ist der Gründer, Chefredakteur und Herausgeber dieses Magazins und kümmert sich somit auch um alles Organisatorische. Nebenbei schreibt der Familienvater auch noch Kinder- und Kurzgeschichten.

Ein Gedanke zu „[The Orville 023] Die Zeitkapsel

  • 30. August 2019 um 19:53
    Permalink

    ja, ich fand die Folge auch sehr emotional und sehr gut. Es wurden aber zwei Suchtverhalten gezeigt. Nämlich die der Raucher nach Genuss und die des Liebenden nach Zwischenmenschlichem. Wobei letzteres ja ein paar Logikfehler enthielt, ohne die aber die Geschichte wohl zu kompliziert (und damit nicht in den paar Minuten darstellbar) geworden wäre.

    Ein Holodeckprogramm ist eben beeinflussbar, aber hier wurde versucht es als reale Darstellung mit echten Gefühlen aller Handelnden darzustellen. Auch in der Zukunft wird es aber nicht möglich sein Erschaffenes dermaßen emotionale Tiefe beizubringen. Aber gut, es sind halt „nur“ schöne Geschichten

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