In diesem Roman schreibt Joachim Sohn eine Geschichte voller Magie und Liebe.
Eine magische Nacht bringt Großes hervor
Iréne ist eine gestandene Frau im gehobenen Alter. Die frühere Geschichtslehrerin lebt alleine in einem kleinen Städtchen in Elsass-Lothringen, Ende der 1960er Jahre. Ihr Mann ist schon lange tot und ihre Tochter ist nach St. Tropez gezogen. Deshalb füllt sie ihr Leben damit, dass sie sich um zugelaufene Tiere kümmert.
Eines Tages herrscht die Nacht des Mondbogens. In dieser wird eine Verbindung zwischen der unsrigen und der anderen Welt hergestellt. Und es kommen Tiere aus jener anderen Realität. Im Falle von Iréne handelt es sich um einen besonderen Raben. Der ihr Gegenstände von früheren Zeiten mitbringt. Darunter auch ein Amulett, dass für die frühere Lehrerin eine Wunde aus tiefster Vergangenheit wieder aufreißt.
Joachim Sohn ist ein Tausendsassa. Er kann sowohl humorig, aber auch tiefgründig unter anderem darüber schreiben, wie jemand Jesus Star Wars zeigt und dabei eine enorme Katastrophe auslöst. Oder er erzählt von einer Organisation, die die Zeit schützt.
Es wird märchenhaft
Mit seinem neuesten Roman, Die Nacht des Mondbogen, verfasst er jetzt erneut eine andere Art von Geschichte. Dieses Mal wird es märchenhaft, aber auch gleichzeitig melancholisch.
Auf 200 Seiten breitet der Autor eine Story aus, die einen langsam aber sich in ihren Bann zieht. Er lässt sich Zeit. Zunächst fokussiert er sich auf Iréne, die scheinbar ein glückliches Leben lebt, auch wenn sie keinen menschlichen Mitbewohner hat. Man hat es hier mit einer resoluten Frau zu tun, die weiß, was sie will und wie sie es erreichen kann. Die zwar keine Geschichtslehrerin mehr sein mag, aber das Interesse an der Vergangenheit an sich nie verloren hat.
Später lernt man dann auch noch Frederic kennen. Bei ihm ist das Besondere, dass er zur Zeit des Ersten Weltkriegs in einem Lazarett liegt. Und unbedingt überleben möchte, denn das Krankenlager droht von den Deutschen überrannt zu werden. Dabei schreibt er ständig Briefe an seine Geliebte, obwohl er weiß, dass diese wegen der Zensur sie vermutlich nie erreichen dürften.
Ein ganz besonderer Vogel
Das Bindeglied zwischen den beiden Charakteren ist ein Rabe. Er wird von Iréne Monsieur Jacques genannt. Er ist versessen auf ihre Kekse und bringt ihr immer wieder Objekte aus der Vergangenheit. Bis er eben das Amulett mit der Nachricht bringt, dass dann alles verändert.
Erst am Ende enthüllt Joachim Sohn, was genau dieser Rabe ist. Denn über weite Teile der Story ist dies auch egal. Es geht nicht darum, was dieser Vogel denn jetzt genau ist. Wichtig ist „nur“, dass er ein Bote zwischen zwei Welten ist, der anscheinend einer Mission folgt, eine Verbindung zwischen den beiden Menschen herzustellen.
Denn Iréne kennt Frederic. Die beiden waren in den Tagen des Ersten Weltkriegs ineinander verliebt, ehe er nächtens verschwand, um sich der französischen Armee anzuschließen. Was dann mit ihm geschah, erfährt man dann nach und nach. Aber es ist ein Schicksal, das für die damalige Zeit so typisch ist.
Wenn das Herz berührt wird
Wie die Geschichte sich dann entwickelt, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Nur soviel: Joachim Sohn schafft es, eine Geschichte zu schreiben, die das Herz berührt und gleichzeitig sehr spannend ist. Man kann von ihr nicht loslassen, sondern will unbedingt erfahren, wie es ausgeht.
Kurzum: Ein erstklassiger Roman. Der noch dazu durch die Illustrationen von Holger Much aufgewertet wird. Die detaillierten Zeichnungen bieten immer wieder kleine Details an, die man erst bei genauem Hingucken entdeckt. Es lohnt sich wirklich, bei jeder Bildtafel inne zu halten und diese genau zu studieren. Man wird es nicht bereuen.
Info
Autoren: Joachim Sohn
Verlag: Edition Outbird
Erschienen: 08/2023
Einband: Taschenbuch
Seiten: 200
ISBN: 978-3-948887-43-8
Sonstige Informationen: Produktseite
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