Marcus Stock vom Trekdinner Ruhrpott berichtet über seine Erfahrungen vom Star Trek Celebration Day im Movie Park Germany.
Ein Morgen zwischen Ruhrgebiet und Föderation
Am 8. September 2026 machten sich meine Frau und ich von Essen auf den Weg nach Bottrop-Kirchhellen zum Movie Park Germany. Unser Ziel: der Star Trek Celebration Day zum 60. Geburtstag der wohl bekanntesten Science-Fiction-Reihe der Fernsehgeschichte. Gegen 9:15 Uhr erreichten wir den Parkplatz des Movie Parks. Vor den noch verschlossenen Toren
warteten zu diesem Zeitpunkt bereits ungefähr 30 Besucher. Die Vorfreude war deutlich zu spüren – schließlich stand ein ganz besonderer Tag bevor.
Das Motto der Veranstaltung lautete 60 Years of Star Trek – Space For Everybody und genau das sollte sich später auch widerspiegeln. Rund drei Viertel der Besucher waren in Starfleet-Uniformen unterwegs. Dabei war nahezu jede Ära vertreten: von der klassischen Originalserie über TNG, DS9 und Voyager bis hin zu den Kinofilmen, Strange New Worlds und Picard. Die übrigen Besucher trugen Fan-Shirts oder – wie ich – ein Shirt unseres Trekdinner Ruhrpott. Zwischendurch entdeckte man auch den einen oder anderen Fan in einem Stargate- oder The Orville-Outfit.
Laut WDR kamen rund 1.000 Besucher zu diesem besonderen Star Trek-Tag.
Der Einlass
Um 10:00 Uhr öffneten sich schließlich die Tore des Movie Parks. Für die Teilnehmer des Star Trek Celebration Days gab es eine separate Veranstaltungskarte, die zuvor von einem Mitarbeiter des Parks verteilt worden war. Der Movie Park hatte im Vorfeld angekündigt, dass Waffen, Waffenrepliken und entsprechende Nachbildungen nicht erlaubt waren. Gerade bei einer Veranstaltung, auf der viele Fans mit aufwendig gestalteten Kostümen unterwegs waren, fand ich diese Regel durchaus sinnvoll.
Die ersten 100 Besucher in Star Trek-Kostüm erhielten außerdem einen Goodie-Bag. Darin befanden sich unter anderem eine Stofftasche, ein T-Shirt, ein Pin und ein Patch. Auch ich konnte einen dieser Goodie-Bags ergattern.
Auf zum Command Deck
Nach dem Einlass ging es zunächst in Richtung des großen Movie-Park-Logos und anschließend weiter zum sogenannten „Command Deck“, wo sich die zentrale Bühne befand.
Dort traf ich unter anderem Jens Dombeck, besser bekannt als „The German Spock“. Wir wechselten ein paar Worte und ich machte ein paar Fotos mit ihm und ein paar Freunden. Genau solche Begegnungen sind für mich ein wichtiger Bestandteil von Fanveranstaltungen. Man trifft Menschen aus der Community, die man länger nicht gesehen hat, und kann sich gegenseitig viel erzählen.
Der offizielle Start des Celebration Days
Das offizielle Programm eröffneten Björn Sülter und Claudia Kern. Gleich zu Beginn wurde auch an den dieses Jahr verstorbenen Autor, Journalisten und langjährigen Star Trek-Fan Thorsten Walch erinnert. Thorsten Walch hinterließ nicht nur bei seiner Familie und seinen Kollegen beim Verlag eine große Lücke. Auch viele Fans vermissen ihn. Für mich war dieser Moment deshalb besonders bewegend. Denn Star Trek lebt vor allem durch die Menschen, die diese Leidenschaft miteinander teilen und das Fandom dadurch am Leben halten.
Klingonisch – vom Requisit zum Kult
Ein weiteres Highlight war der Vortrag von Lieven Litaer mit dem Titel „Klingonisch – Vom Requisit zum Kult“. Dabei ging es um die Entwicklung der klingonischen Sprache – von einem zunächst für die Serie entwickelten Requisit bis hin zu einer tatsächlich erlernbaren Sprache mit eigener Grammatik und einem beachtlichen Wortschatz.
Der Vortrag war nicht nur informativ, sondern sorgte auch dafür, dass so mancher Besucher anschließend einige neue klingonische Wörter im Repertoire hatte. Ob die später auch im Alltag gegenüber Kollegen zum Einsatz kamen, darf allerdings bezweifelt werden.
Eine Mystery Box und „Translate Star Trek“
Auch Nadja Gallera, die vielen als YouTube-Streamerin bekannt ist, schaute kurz auf der Bühne vorbei. Sie machte Werbung für eine Mystery-Box-Verlosung, die im weiteren Verlauf des Tages noch für einiges an Spannung sorgen sollte.
Björn Sülter und Claudia Kern präsentierten außerdem das Format „Translate Star Trek“. Einen großen Teil davon bekam ich allerdings nicht mit, da nach einiger Zeit die Beine eine Pause verlangten. Also nutzte ich die Gelegenheit für einen Rundgang und einen Besuch am „Föderations Hub“. Briefmarken, Modelle und jede Menge Star Trek zum Anfassen.
Am „Föderations Hub“ war unter anderem die Deutsche Post vertreten. Dort konnten die Briefmarken zum 60. Star Trek-Jubiläum zum regulären Preis erworben werden. Natürlich konnte ich daran nicht einfach vorbeigehen. Ich nahm zwei Ersttagsblätter sowie zwei Bögen mit jeweils zehn Briefmarken mit nach Hause.
Darüber hinaus gab es jede Menge Star Trek zum Anschauen und Kaufen. Revell-Modelle, die LEGO Enterprise und sogar Küchenprodukte von Le Creuset zeigten, wie breit das Star Trek– Universum mittlerweile auch außerhalb von Serien und Filmen vertreten ist.
Wenn Star Trek auf Magic trifft
Auch Magic: The Gathering war mit seinem Star Trek-Crossover vertreten. Ich selbst spiele Magic bereits seit den ersten Tagen des Spiels und war entsprechend neugierig. Gleichzeitig stehe ich solchen Crossover-Produkten durchaus kritisch gegenüber – insbesondere wenn sich daraus für manche Produkte schnell Sammler- und Spekulationsobjekte entwickeln. Eine Spielrunde vor Ort ließ ich deshalb aus. Das Magic, das ich aus den Anfangstagen kenne, hat sich inzwischen doch deutlich verändert.
Ein Spiel, das leider noch nicht wollte
Ein weiteres geplantes Highlight war Star Trek: Outposts Unknown. Leider konnte das Spiel an diesem Tag aus technischen Gründen nicht ausprobiert werden. Schade – gerade bei einer Veranstaltung wie dieser ist es natürlich besonders interessant, neue Star Trek-Spiele direkt vor Ort erleben zu können.
Captain Kirks Stuhl
Beim Rundgang entdeckte ich außerdem einen Stuhl, der verdächtig stark an Captain Kirks berühmten Captain’s Chair erinnerte. Natürlich wäre ein Foto davon eigentlich Pflicht gewesen. Allerdings habe ich bereits einen solchen Stuhl zu Hause.
NOCH.
Ein Besuch auf der Enterprise-D-Brücke
Ein besonderer Anlaufpunkt war die „Mission Enterprise“ von Martin Netter. Dort befindet sich eine beeindruckende Nachbildung der Brücke der Enterprise D. Bereits beim Cosplay Day hatte ich gemeinsam mit dem Trekdinner Ruhrpott die Gelegenheit, an verschiedenen Stationen Platz zu nehmen und sogar im Captain’s Chair zu sitzen. Diesmal blieb es beim Anschauen. Dabei fiel mir allerdings auch auf, dass die Kulisse inzwischen deutlich Gebrauchsspuren zeigt. Abgeplatzte Farbe, Kratzer und andere Spuren sind mittlerweile unübersehbar.
Einerseits gehört so etwas natürlich zur Geschichte einer solchen Kulisse. Andererseits tut es einem Fan schon ein bisschen weh, wenn eine so aufwendig gebaute Enterprise-D-Brücke langsam sichtbar altert. Ich hoffe deshalb, dass sie irgendwann restauriert werden kann. Wir hätten im Übrigen einen sehr großen Dachboden, falls die Kulisse mal dort abgebaut werden sollte.
Kaffee und zurück zum Command Deck. Nach so vielen Eindrücken musste erst einmal eine kleine Pause her. Ein Kaffee von Dunkin’ Donuts sorgte für die nötige Energie, bevor es anschließend wieder zurück zum Command Deck ging.
Von Neelix bis Janeway – zwei Stimmen hinter Voyager
Auf der Bühne standen anschließend Michael Tietz, die deutsche Stimme von Neelix, und Gertie Honeck, die deutsche Stimme von Captain Janeway. Gemeinsam mit Björn Sülter und Claudia Kern sprachen sie über ihre Arbeit, ihre Karriere und natürlich über ihre Erfahrungen mit Star Trek: Voyager.
Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass Synchronisation weit mehr ist als das bloße Vorlesen eines übersetzten Textes. Stimme, Timing, Schauspiel und die Persönlichkeit eines Sprechers tragen entscheidend dazu bei, wie eine Figur beim deutschen Publikum wahrgenommen wird.
„Wie Star Trek in 60 Jahren die Welt verändert hat“
Dr. Hubert Zitt beschäftigte sich anschließend mit der Frage „Wie Star Trek in 60 Jahren die Welt verändert hat“. Dabei ging es unter anderem um technische Visionen, die einst reine Science-Fiction waren und später zumindest teilweise Realität wurden. Kommunikation, mobile Computer, Sprachsteuerung und Gestensteuerung sind nur einige Beispiele dafür.
Star Trek hat immer wieder gezeigt, wie Technik aussehen könnte – und damit vielleicht auch dazu beigetragen, dass Menschen überhaupt darüber nachgedacht haben, was technisch möglich sein könnte.
„Who will be the Super Trekkie?“
Eines der Highlights des Tages war für mich das Quiz von Björn Sülter: „Who will be the Super Trekkie?“ – frei nach dem bekannten Format „Wer wird Millionär?“. Als Kandidat trat Martin an. Zu gewinnen gab es eine Million Föderationsdukaten – natürlich keine Gul Dukaten. 15 Fragen mussten beantwortet werden, dazu gab es zwei Joker. Martin schlug sich hervorragend und schaffte es tatsächlich bis zum Ende. Damit war er nach Tobias, der bereits bei der FedCon teilgenommen hatte, der zweite Sieger dieses Formats.
Stand-up-Comedy mit Nerd-Faktor
Auch Comedy durfte an diesem Tag nicht fehlen. Kristina sorgte mit ihrem Stand-up-Programm für einige Lacher. Nicht jeder Gag zündete bei mir gleichermaßen, aber einige Stellen waren durchaus gelungen. Insgesamt zeigte sich, dass auch Star Trek und Nerd-Kultur genügend Stoff für eine Comedy-Bühne liefern.
„Kann der Bordcomputer denken?“
Dr. Rebecca Haar beschäftigte sich anschließend mit der Frage „Kann der Bordcomputer denken? – 60 Jahre KI in Star Trek“. Ein Thema, das aktueller kaum sein könnte. Star Trek hat künstliche Intelligenz schon seit Jahrzehnten in unterschiedlichsten Formen dargestellt – von Computern über Androiden bis hin zu autonomen Systemen. Viele der Fragen, die in Star Trek gestellt wurden, beschäftigen uns inzwischen auch in der Realität.
Der Podcast Summit
Beim Podcast Summit waren unter anderem Planet Trek fm, Trek am Dienstag und das Discovery Panel vertreten. Dabei ging es unter anderem um Lieblingsfolgen, unterschätzte Episoden und vergessene kleine Juwelen innerhalb des Star Trek-Universums. Gerade dieser Austausch zwischen verschiedenen Podcastern machte den Programmpunkt für mich interessant.
Die Mystery Box wird geöffnet
Spannend wurde es schließlich bei der Mystery Box. Der Inhalt konnte sich wirklich sehen lassen: eine LEGO Enterprise, alle drei Revell-Modelle, zwei Exo-Figuren, eine Uhr, ein Armband und eine Halskette von Holzkern sowie eine riesige Star Trek-Briefmarke. Anschließend wurde der Gewinner gezogen.
Zum Abschluss: Das TNG Voice Cast Panel
Zum Abschluss des Tages stand das TNG Voice Cast Panel auf dem Programm. Mit dabei waren Sven Plate, die deutsche Stimme von Wesley Crusher, und Michael Pan, die deutsche
Stimme von Data. Neben Geschichten aus ihren Karrieren ging es auch um die Zukunft der Synchronisation und insbesondere um den Einsatz künstlicher Intelligenz.
Für mich ist Synchronisation eine eigene Form von Schauspielkunst. Stimme, Timing, Betonung und die persönliche Interpretation eines Sprechers geben einer Figur einen ganz eigenen Charakter. Gerade deshalb sehe ich die zunehmende Verwendung von KI-generierten Stimmen kritisch. Eine künstliche Stimme kann Worte korrekt wiedergeben. Aber kann sie wirklich das Timing, die Emotion und die Persönlichkeit eines Schauspielers ersetzen?
Vielleicht wird diese menschliche Kunstform heutzutage einfach nicht mehr genug wertgeschätzt – das ist mein Resümee nach diesem Panel.
Was bleibt von diesem Tag
Dieser Star Trek Day war für mich mehr als nur eine Veranstaltung zum 60. Geburtstag einer Fernsehserie. Er hat gezeigt, dass Star Trek auch nach sechs Jahrzehnten Menschen zusammenbringt.
Unterschiedliche Generationen, unterschiedliche Lieblingsserien, unterschiedliche Charaktere und manchmal auch sehr unterschiedliche Meinungen – und trotzdem verbindet sie die gemeinsame Begeisterung für dieses Universum. Die eigentliche Stärke von Star Trek liegt deshalb nicht nur in den Geschichten, Raumschiffen, Uniformen oder technischen Visionen.
Sie liegt vor allem in den Menschen.
Und genau deshalb möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich Björn Sülter und Claudia Kern danken. Ohne ihren Einsatz hätte dieser Star Trek Celebration Day in dieser Form vermutlich nicht stattgefunden. Sie haben nicht nur ein Programm auf die Beine gestellt, sondern eine Veranstaltung geschaffen, bei der sich Fans begegnen, austauschen und gemeinsam ihre Leidenschaft feiern konnten.
Und das ist gerade in einer Zeit wichtig, in der Paramount bei vielen Trekkies momentan keinen besonders guten Stand hat. Die Marke Star Trek ist zwar allgegenwärtig, Paramount+ trägt den Titel „Home of Star Trek“ und zum 60. Jubiläum werden Aktionen, Goodies und Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Gleichzeitig scheint bei einem Teil der Fangemeinde das Vertrauen in den Konzern aber auch deutlich gelitten zu haben.
Umso wichtiger sind Menschen wie Björn und Claudia, aber auch all die anderen Fans, Podcaster, YouTuber, Cosplayer und vielen weiteren Mitglieder der Community, die Star Trek unabhängig vom Konzern mit Leben füllen. Sie halten den Kontakt zur Fangemeinde aufrecht und sorgen dafür, dass aus einer Marke eine Gemeinschaft wird – eine Familie.
Natürlich gehört Paramount die Marke Star Trek. Aber eine Marke allein macht noch keine Fangemeinde. Genau das wurde für mich an diesem Tag im Movie Park besonders deutlich. Star Trek funktioniert nicht allein deshalb, weil es Raumschiffe, Serien, Filme, Spiele oder Merchandise gibt.
Star Trek funktioniert, weil Menschen darüber reden, darüber diskutieren, sich verkleiden, eigene Projekte auf die Beine stellen, Podcasts produzieren, Videos machen, Fanveranstaltungen organisieren und sich immer wieder treffen.
Das ist es, was ein Fandom lebendig hält. 60 Jahre Star Trek – und zumindest an diesem Tag war ein kleines Stück Föderation mitten im Ruhrpott zu Hause.
Gastautor: © Marcus Stock
Bildquelle: Star Trek Movie Park | Boldly Go On Adventure
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