Trotz einer prominenten Marke, stellt dieser Film ein Versagen auf nahezu allen Ebenen dar.
Das sollte eigentlich anders laufen
Das hatte sich Courtney Solomon ursprünglich anders vorgestellt. Er wollte nur basierend auf einem seiner Lieblingsspiele einen Film produzieren. Es sollte ein Big Budget-Filmabenteuer werden, dass der Vorlage gerecht werden würde und wo die Regie von jemanden sehr bekanntes geführt werden sollte. Am Ende kam alles jedoch anders als gedacht. Und auf einmal fand er sich auf den Stuhl des Regieführenden wieder und musste eine Filmadaption erschaffen, die überzeugen konnte.
Doch der Reihe nach. Das Spiel, das Courtney Solomon adaptierte, war nichts Geringeres als das prominente Pen & Paper-Rollenspiel Dungeons & Dragons. Das kam ursprünglich 1974 das erste Mal heraus und sollte schnell ein großer Erfolg werden. Bereits in den 1980er Jahren gab es Bemühungen, das Spiel zu verfilmen. Zwar gab es bereits von 1983 bis 1984 eine heutzutage sehr berühmte Zeichentrickadaption geben sollte. Doch eine abendfüllende Realverfilmung sollte in weiter Ferne sein. Bis eben Courtney Solomon auf den Plan trat.
Jener war ein passionierter Spieler des Pen & Paper-Rollenspiels, der schon seit 1990 versuchen wollte, eine Verfilmung auf die Beine zu stellen. Erfahrungen mit Produktion hatte er insofern, als das seine Mutter Production Coordinator für Fernsehserien war, die in Toronto, Kanada, gedreht wurden. Und so fing er an, bei TSR, den damaligen Rechteinhabern vorzusprechen.
Der lange Weg zum Film
Es sollte 18 Monate dauern, bis er endlich die Filmrechte erhielt. Und nochmal weitere 18 Monate, ehe er die erste Finanzierung gesichert hatte. Zu letzterem Zweck hatte er die ganze Welt bereist und am Ende kam ihm der Hong Konger Geschäftsmogul Allan Zeman zur Hilfe. Beide gründeten Sweetpea Entertainment, dass den Film finanzieren und schließlich an Interessenten verkaufen sollte.
Courtney Solomon schwebte ein 100 Millionen US Dollar-Film vor, wo die Regie von einem namenhaften Filmemacher durchgeführt werden sollte. Und zeitweise sah es auch so aus, als ob er damit Erfolg hätte, da James Cameron durchaus Interesse an dem Projekt hatte. Das war, ehe er 1997 Titanic drehte. Doch am Ende scheiterte es daran, weil TSR sich nicht mit 20th Century Fox wegen eines Merchandise Deal einigen konnte. Wobei der Eigentümer von Dungeons & Dragons sowie mehr eine Direct-To-Video-Produktion vorschwebte, anstatt eines Kinofilms.
Womit die Komplikationen nicht abrissen. Zwischendurch war auch Courtney Solomons Beziehung zu seiner damaligen Freundin wegen seiner Obsession mit der Produktion in die Brüche gegangen. Ein kleiner Lichtblick war am Ende nur, dass 1997 niemand Geringes als Joel Silver (V wie Vendetta) als Exetutive Producer beitrat und so weitere Finanziers an Land ziehen konnte.
Versprechen gebrochen
In der Zwischenzeit schien das Projekt Film vom Tisch. Stattdessen versprach TSR Courtney Solomon, dass er basierend auf der Vorlage eine Fernsehserie produzieren könnte. Doch wurde Dungeons and Dragons an Wizards of the Coast verkauft. Die auch von dem Versprechen nichts mehr wissen wollten. Stattdessen verlangten sie einen Film.
Ein Film, bei dem am Ende Courtney Solomon Regie führen sollte, da sich sonst niemand anderes fand. Und nach einigem Hin und Her stand auch fest, dass der Film von externen Investoren 30 Millionen US Dollar erhalten sollte, derweil Solomon und sein Großvater Joe Smuckler einen Bankkredit von 25.000 US Dollar aufnahmen. Damit konnte die Vorproduktion endlich am 9. Februar 1998 beginnen.
Gedreht wurde in der tschechischen Republik, was dafür sorgte, dass der Film im Vergleich zu Dreharbeiten in Amerika deutlich weniger kostete. Doch selbst unter diesen Umständen verschlang er einiges an Budget, unter anderem wegen dem Gehalt für die Schauspieler und der Tatsache, dass die Effektstudios mit ihrer Arbeit nicht sofort anfingen. Courtney Solomon konnte bei letzterem allerdings einiges an Geld dadurch einsparen, dass er in diese Studios investierte, wodurch er weniger zahlen musste. Dennoch sollte der Film mit einem Budget von 45 Millionen US Dollar eine der damals teuersten Indiefilmproduktionen überhaupt sein.
Große Ideen
Das Drehbuch basierte auf einer Idee, die Courtney Solomon bereits 1991 zu Papier brachte. Er selbst wollte ursprünglich eine Filmtrilogie erstellen, ähnlich wie das klassische Star Wars. Dabei gab er den späteren Drehbuchautoren als Aufgabe, sich zunächst Fantasy-Filme aus den 1980er Jahren anzusehen, um dann anschließend Filme wie Jäger des Verlorenen Schatzes oder Ben-Hur sich anzuschauen. Am Ende gab es wohl 16 Entwürfe, aus denen die besten Szenen entnommen und zu einem Drehbuch zusammengestellt wurden. Dabei wurden einige Freiheiten mit der Vorlage genommen, so das diverse Details nicht mit dieser übereinstimmten.
Der Cast sollte sich überwiegend aus Schauspielern, die noch zu Beginn ihrer Schauspielkarriere sind, sowie bereits etablierten Darstellern zusammensetzen. Allerdings wurden für den Hauptcast A-List-Schauspieler vermieden, damit die Figuren wie Rollenspieler aussehen sollten. Weshalb dann auch Jeremy Irons (Batman v Superman) der bekannteste Hollywood-Name sein sollte. Justin Whalin (Lois & Clark: Die neuen Abenteuer von Superman) kriegte die Hauptrolle und wurde zu dem Rogue/Dieb Ridley Freeborn. Marlon Wayans (G. I. Joe: Geheimauftrag Cobra) erhielt den Zuschlag für dessen Freund Snail. Zoe McLellan (JAG) wurde zu der optimistischen Magierin Marina Pretensa, derweil Lee Arenberg (Star Trek: Deep Space Nine) zu dem Zwerg Elwood wurde. Interessanterweise ist er mit seinen 1.63m zwar klein, aber nicht klein genug, um glaubwürdig eine solche Figur darzustellen. Weshalb bei der Darstellung etwas getrickst werden musste. Kristen Wilson (Dr. Dolittle) konnte man als den Elfenranger Norda bewundern, derweil Bruce Payne (Highlander: Endgame) die rechte Hand von Jeremy Irons Rolle Profion, Damodar, wurde. Abgerundet wurde der Maincast durch Thora Birch (Hocus Pocus), die zu der Kaiserin Savina wurde. Übrigens taucht niemand geringes als Tom Baker, der vierte Doktor aus Dr. Who, in einer Nebenrolle als der Elf Halvarth auf.
Dungeons & Dragons kam am 8. Dezember 2020 in die englischen Kinos. Die deutsche Kinofassung, deren 25-jähriges Jubiläum Anlass für diese Rezi ist, kam am 12. April heraus.
Mut hat er
Savina (Thora Birch), Kaiserin von Izmir, will die Macht ihres Reiches mit dem gemeinen Volk teilen. Was dem Magier Profion (Jeremy Irons) nicht gefällt. Er manipuliert den Rat der Magier, damit die von der Kaiserin die Übergabe eines Szepters verlangen, mit dem sich die goldenen Drachen kontrollieren lassen. Doch sie weigert sich, sondern versucht, genau wie Profion, an den Stab von Savrille zu kommen, mit dem sich die gefährlichen roten Drachen kontrollieren lassen.
In diesen Konflikt geraten aus Versehen die beiden Diebe Ridley Freeborn (Justin Whalin) und sein bester Freund Snail (Marlon Wayans). Sie erleben mit, wie Profions rechte Hand Damodar (Bruce Payne), die magische Akademie überfällt, um so an eine Karte zu gelangen, die das Versteck des Stabs zeigt. Gemeinsam mit der angehenden Magierin Marina Pretensa (Zoe McLellan) können sie fliehen und erhalten schon bald Verstärkung durch den Zwergenkrieger Elwood (Lee Arenberg). Und so machen sie sich auf, das Objekt zu finden, ehe es in die falschen Hände gerät.
Eines kann man Courtney Solomon nicht vorwerfen: Das er keinen Mut hatte. Im Gegenteil: Er bewies sehr viel Courage, dass er sich trotz seiner deutlichen Unerfahrenheit als Regisseur sich daran wagte, sein Lieblingsrollenspiel zu verfilmen, nachdem sich niemand sonst fand. Dass das Vorhaben dann gründlich schieflief, konnte er damals vermutlich nicht ahnen.
Bewusstes Overacting
Und doch ist Dungeons & Dragons ein ziemlicher Flop. Nicht nur damals an den Kinokassen. Sondern auch heute. Zwar genießt der Film heutzutage Kultstatus. Allerdings nicht, weil er ein unterschätztes Juwel ist. Sondern vielmehr deswegen, weil er schon fast unfreiwillig komisch wirkt.
Jeremy Irons muss dies während der Dreharbeiten gewusst haben. Wie sonst ließe sich erklären, dass er in jeder Szene deutliches Overacting betreibt. Er agiert mit einer solch übertriebenen Vehemenz, dass er dadurch jedwede Ernsthaftigkeit, die ggf. hätte auftreten können, gleich von vorneherein vertreibt. Er ist mit Grund dafür, dass der Film eben den im letzten Absatz erwähnten Gesamteindruck hinterlässt. Und doch merkt man auch seine schauspielerische Erfahrung. Weil er zwar übertreibt. Aber seiner Figur am Ende trotzdem noch das nötige Etwas gibt, um sie als ernst zu nehmenden Antagonisten wirken zu lassen.
Womit er deutlich besser auftritt, als alle anderen Schauspieler. Im Vergleich zu ihm wirken sie wie blutige Amateure, frisch von der Schauspielschule und stellenweise vom Skript oder den Ausmaßen der Produktion überwältigt. Es ist nicht so, dass sie mit Pauken und Trompeten untergehen. Aber sie schwimmen an manchen Stellen doch sichtlich und haben Mühe, ihre Figuren zu entfalten. Weswegen sie auch nahezu alle blass wirken und ihre Art zu schauspielen mit zu diesem unfreiwilligen Humor beiträgt.
Ein problematisches Klischee
Wobei es einen Darsteller gibt, bei dem dies nicht der Fall ist. Bei ihm ist es so, dass sein Charakter einem gleich von Anfang an auf die Nerven geht. Weil die Figur auch wie ein einziges, wandelndes Klischee wirkt. Gemeint ist Snail, der wohl als Comedy Relief konzipiert gewesen sein muss. Aber dessen ständiges Gejammer geht einem auf die Nerven. Noch schlimmer ist, dass er ein Farbiger ist, der ständig stiehlt, was ein Klischee ist, dass wie ein unschöner Rückfall in eigentlich längst vergangene Zeiten wirkt.
Nicht, dass die Story des Films es besser macht. Die Geschichte hat man in dem Moment vergessen, wo der Kinofilm vorbei ist. Es wirkt wie ein generisches Rollenspielabenteuer, dass zufälligerweise verfilmt worden ist. Dementsprechend wirkt so manches in diesem Kinofilm so, als ob hier eine Checkliste abgearbeitet wurde. Ohne darauf zu achten, dass das für eine Filmadaption tödlich ist!
Es ist allerdings nicht alles schrecklich. Dungeons & Dragons hat durchaus einige gute Momente. Die Szene etwa, in der Ridley sich durch ein Fallenlabyrinth arbeiten muss, ist großartig inszeniert und hat auch gute Special Effects. Ebenso, wie der Auftritt von Tom Baker ein Highlight ist, weil er allen die Show stiehlt.
Später sollte es besser werden
Doch ansonsten gibt es nicht viel, was für den Film spricht. Was vor allem für den Großteil der Special Effect gilt. Vor allem die CGI-Effekte sind absolut grauenvoll gealtert. Was damals vermutlich spektakulär wirken sollte, wirkt heute einfach nur lachhaft und schrecklich.
Erstaunlicherweise sollte der Film, trotz der Tatsache, dass er gefloppt war, eine Fortsetzung kriegen. Die allerdings eine Direct-To-Video-Produktion wurde. Deutlich besser sollte dann Ehre unter Dieben sein, auch wenn dieser leider ebenfalls an den Kinokassen durchfiel.
Doch Dungeons & Dragons hat sich zu Recht einen Platz in der Filmhistorie verdient. Als warnendes Beispiel dafür, was passieren kann, wenn wirklich alles schieflaufen kann.
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