Dies ist ein sehr charmanter Auftaktband, der Lust macht auf mehr.

Ausgelutscht?
Elfie ist 11 Jahre alt und lebt gemeinsam mit ihrer ein Jahr älteren Schwester Magda bei ihrer Tante Albertine. Ihre Mutter ist vor einem Jahr verstorben und ihre 18 Jahre alte Schwester Luna ist losgezogen, um auf eigenen Füßen zu stehen. Das Leben bei der Verwandten ist nicht leicht, da sie sehr streng ist. Zu streng, wie Elfie findet.
Doch dann ändert sich alles, als Luna mit einem gewonnen, alten Bücherbus vorbeikommt. Sie hat das Sorgerecht für ihre beiden Schwestern erhalten, sehr zum Unwillen von Albertine, die sie am liebsten aufhalten möchte. Was sie allerdings nicht schafft, so das dass Geschwistertrio schon bald mit dem Bus durch die französischen Dörfer tingelt. Eines Tages kommen sie zu einer Insel, auf der ein uralter Streit tobt, der die Gesellschaft spaltet. Elfie beschließt zu helfen, denn schließlich hat sie ein Geheimnis: Sie hat ein Zauberbuch erhalten, welches sie schon bald nutzen wird.
Ich muss gestehen, ich war, als ich Elfies Zauberbuch 1: Die verhexte Insel anfing zu lesen, eher skeptisch. Vieles von dem, was ich hier zu Beginn las, wirkte ausgelutscht und bekannt. Die Tante, bei der die Titelheldin lebt, könnte genauso gut Harry Potters Onkel sein. Und die Schwester, mit der sie sich ständig kabbelt, wirkte auch wie ein Klischee, weil sie zunächst oberflächlich wirkte. Doch dann, nach und nach, änderte sich meine Meinung. Und ich begann den Comic mit Begeisterung zu lesen.
Auf ein Mal Begeisterung
Geschrieben wurde dieser Comic von Christophe Arleston (Ekhö – Spiegelwelt) und Audrey Alwett (Der Garten der Feen). Für die Illustrationen zeichnete sich Mini Ludvin zuständig. Derweil die Farben von Hélène Lenoble stammten.
Wie gesagt, war ich vom Beginn nicht so begeistert. Eben weil er anscheinend nichts Neues erzählte. Bis dann auf ein Mal Luna auftauchte und die Handlung sich auf ein Mal begann, zu entfalten und zu entwickeln.
Das Schöne an diesem Comic ist, dass er mit den Erwartungen und den Klischees spielt. So gibt es zwar Reibereien zwischen den Schwestern. Aber er bemüht sich, alle drei gleichermaßen gut zu charakterisieren. Was ihm erstaunlich gut gelingt.
Ausgezeichnet
So erfährt man, dass Magda ein Bein verloren hat. Und genauso wie Elfie um ihre gemeinsame Mutter trauert. Was sogar so weit geht, dass sie in einer Szene bewusst ein Essen macht, das sie eigentlich nicht mag. Sie aber an ihre Mama erinnert, was dann auch ihre Motivation ist.
Luna ist von dem Trio die Erwachsenste, der man anmerkt, wie sehr sie es genießt, ihre beiden Schwester bei sich zu haben. Allerdings verheimlicht der Comic nicht, dass es durchaus Reibereien zwischen allen Dreien gibt. Wobei Luna dann häufig diejenige ist, den klaren Kopf behält und beispielsweise Elfie erklärt, wieso Magda so reagiert hat, wie sie es getan hat.
Und doch ist dies nicht das einzige, was diesen Comic auszeichnet. Ebenso geht es auch um das Mysterium, was auf der Insel los ist. Wobei man schnell erfährt, was der Auslöser des ganzen Chaos ist. Weshalb es dann anschließend darum geht, es zu beseitigen. Und hier schlägt die Stunde von Elfie.
Charmant erzählt
Man lernt ein pfiffiges Mädchen kennen, dass genau wie ihre Mutter Schriftstellerin werden möchte. Das Zauberbuch, das sie erhält, hilft ihr dabei. Denn sie muss es ständig mit Geschichten füttern, damit es seine Magie wirken kann. Denn es kann aus den Origami-Objekten, die Elfie ständig bastelt, wenn sie sich ablenken will, reale Objekte erschaffen.
Und so hat man es mit einer charmant erzählten Story zu tun. Die mit einer Geschichte begeistern kann, die eben bewusst nicht den ausgetretenen Pfaden folgt, die man bei einer solchen Story erwarten würde. Dies ist nicht Harry Potter oder eine andere Erzählung mit einer magisch begabten Jugendlichen. Das ist die Story von Elfie, an der wir alle teilnehmen können.
Die Zeichnungen von Mini Ludvin tun dabei ihr übriges, damit man von der Geschichte wie gefangen genommen wird. Wunderbar sind beispielsweise die Momente, wo sie Rückblenden einbaut. Oder man im den titelgebenden Zauberbuch von Elfie lesen kann. Diese Illustrationen gefallen.
Ein großartiger Auftakt zu einer Comicreihe, die hoffentlich das hohe Anfangsniveau halten kann.
Info
Szenario: Christophe Arleston, Audrey Alwett
Zeichnungen: Mini Ludvin
Farben: Hélène Lenoble
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite
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Warpskala
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