Dies ist ein Album mit einer sehr interessanten Ausgangslage, auch wenn die Umsetzung etwas zu wünschen übrig lässt.

Ein interessanter Fluch
Elsbeth ist eine hochbegabte Hexe, die kurz vor ihrer Abschlussarbeit steht. Doch anstelle den Themenvorschlag einer ihrer Professorinnen anzunehmen, will sie über ein anderes Thema recherchieren. Sie möchte über den „Fluch der schönen Stille“ schreiben und herausfinden, woher der kommt.
Denn in ihrer Welt ist es so, dass alle Männer nicht sprechen und überwiegend auch nicht zaubern können. Sie kommunizieren nur über Schreibtafeln und arbeiten als Diener. Jahin, der für Elsbeth arbeitet, kann zaubern und ist damit eine Ausnahme. Derweil Taurel Couq einen enormen Zorn auf das System und die Hexen in sich trägt.
Mit Der Fluch der schönen Stille fängt die Elsbeth-Albenreihe an. Der zweite Teil, Der Fluch der schönen Stille 2 wird im April nächsten Jahres herauskommen.
Eine Überstudentin
Für das Szenario ist Tristan Roulot verantwortlich. Er hat außerdem die Geschichten zu Der Kurier oder Tagebuch eines Diplomaten verfasst. Für die Illustrationen zeigt sich Sarah Conradsen zuständig. Es ist die erste Zusammenarbeit der beiden.
Die Ausgangslage ist dabei durchaus interessant. Nach und nach wird hier eine abwechslungsreiche Welt aufgebaut, in der es vor Hexen nur so wimmelt. Aber eben auch nur von Hexen. Männer, die magisch begabt sind, gibt es bis auf Jahin, nicht. Woran das liegt, ist das große Mysterium des Albums. Und es ist auch das Thema, auf das sich Elsbeth selber stürzt.
Diese wird als eine Art Überstudentin dargestellt. Sie ist hochbegabt und intelligent. Gleichzeitig neigt sie jedoch auch dazu, im Unterricht mit ihren Freundinnen zu schäkern. Oder sich unter einem falschen Vorwand aus demselben rauszuschleichen, um zu ihrem Geliebten zu fliegen. Sie hat ihren eigenen Kopf, derweil sie gleichzeitig sich auch um die nächste Generation der Hexen bemüht und diese lehrt.
Kein 08/15-Antagonist
Ihr Gegenpart ist Taurel Couq. Ein junger Mann, der einen enormen Zorn in sich trägt. Einen Zorn vor allem auf die Hexen, die auf seinesgleichen und die nicht-magischen Menschen scheinbar herabsehen. So sieht man beispielsweise, wie die Farm seiner Eltern ständig von Gnomen überfallen wird und die Hexen nichts tun, sondern sie weiterhin von oben herab behandeln.
Dadurch, dass man vor allem Letzteres mitkriegt, wirkt er nicht wie ein 08/15-Antagonist. Im Gegenteil: Man merkt, dass sich hier wirklich bemüht wird, ihm mehr Tiefe zu verleihen, ihm mehr Details zu geben, um ihn glaubwürdig wirken zu lassen. Gleichzeitig ist da auch noch sein enormer Zorn, seine Wut, die ihn vor allem am Ende dazu führt, eine große Revolte anzuführen.
Doch der Fokus auf die beiden hat seine Nachteile. Denn dadurch erhalten die anderen Figuren eher wenig Szenen, in denen sich ihre Persönlichkeiten weiterentwickeln können. Man merkt einfach wiederholt, dass einige Charaktere nur schmückendes Beiwerk sind.
Blasse Nebenfiguren
Vor allem bei den Freundinnen von Elsbeth macht sich dies bemerkbar. Lagout wirkt naiv und etwas dümmlich, derweil Ka ein Hitzkopf zu sein scheint, die im Unterricht zu kämpfen hat. Doch es bleibt bei den Darstellungen. Auch ihr Geliebter Jahin bleibt merkwürdig undefiniert. Man weiß, dass er zaubern und gut kochen kann, sowie allgemein sehr hilfsbereit ist. Wenn ebenfalls etwas zu sehr, wie sich ja am Ende des Albums zeigt.
Es ist schade, dass anderen Charaktere so blass und undefiniert bleiben. Denn ansonsten kann die Geschichte ja durchaus begeistern. Aber zum großen Wurf fehlt dann eben noch einiges.
Die Illustrationen von Sarah Conradsen sind definitiv nicht der Grund. Sie schafft es, diese Märchenwelt großartig zum Leben zu erwecken. Man verliert sich in ihren Zeichnungen und ihren Charakterzeichnungen.
Am Ende ist es ein gutes, aber kein überragendes Album.
Info
Szenario: Tristan Roulot
Zeichnungen & Farben: Sarah Conradsen
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite
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