Der zweite Teil der Romanreihe schafft es leider nicht, den Gesamteindruck gravierend zu verbessern.

Die Vergangenheit ruht nicht
Lea Lehora ist im Omikron-System angekommen. Doch bei ihrer Ankunft muss sie feststellen, dass sie die Probleme ihrer Heimat nicht zurückgelassen hat. Im Gegenteil: Auch in diesem fremden Sonnensystem werden sie weiter fortgeführt. Noch dazu deutet alles darauf hin, dass ein alter Feind ebenfalls mitgereist ist und sich anschickt, ihr das Leben schwer zu machen.
Derweil in ihrer Heimat etwas anderes geschieht. Der Wissenschaftler Marc Laton entdeckt ein uraltes Raumschiff, dass noch intakt ist. Doch dann schlagen Terroristen zu und er muss mit seiner Assistentin an Bord des Schiffes fliehen, um dort darauf zu warten, dass sie befreit werden. Die erhoffte Erlösung könnte sich jedoch als trügerisch erweisen.
Origins – Die Erweckung ist die Fortsetzung von Origin – Die Entdeckung. Autor dieses Romans ist dieses Mal Joshua Tree.
Den Erwartungen wird halbwegs entsprochen
Auch wenn der Name des Autors amerikanisch klingt, ist er in Wahrheit ein Deutscher. Sein wahrer Name lautet Benjamin Krämer und er wurde 1986 geboren. Er studierte Kommunikationsmanagement mit dem Schwerpunkt Kommunikationspsychologie, arbeitete als Dozent im Seminarzentrum Ludwig-Windthorst-Haus und später auch als freier Journalist und Supervisor. Seit einigen Jahren ist er als Schriftsteller aus Neuseeland aus aktiv.
Die Erwartungshaltung, die ich an diesen Roman hatte, war, dass er zumindest ansatzweise besser sein würde, als Origin – Die Entdeckung. Das Joshua Tree sich etwas mehr Mühe gibt als Andreas Brandhorst. Dass man hier gut unterhalten wird, ohne über diverse Fehler zu stolpern.
Das Gute ist, dass der Autor dieser Erwartung zumindest halbwegs entspricht. In Teilen ist der Roman durchaus spannend und können die Charakterisierungen überzeugen. Marc Laton wirkt beispielsweise deutlich lebendiger und glaubwürdiger als Lea Lehora, einfach, weil der Charakter mit mehr Fleisch auf den Rippen gestaltet wird.
Der Konflikt ist leider immer noch da
Man hat hier einen Wissenschaftler, der quasi für seinen Beruf, für seine Entdeckungen lebt. Und gleichzeitig auch eine gewisse Exzentrik hat. Er ist Germaphobiker und hat eine enorme Vorliebe für Pizzen. Und ohne seine Assistentin Indigo wäre er in manchen Situationen aufgeschmissen, weil sie ihn nämlich häufig in die richtige Richtung schubst.
Auch das Omikron-System, in dem Lea Lehora landet, wirkt besonders. Es gibt hier diverse, mysteriöse Stelen. Und nach entdeckt man, dass diese Teil einer perfiden Falle sind. Und zwar einer solchen Falle, dass ein Entkommen kaum möglich ist.
Wer allerdings mit diesem Roman gehofft hat, dass der Konflikt zwischen den Nassen und Trockenen hinter sich gelassen wird, der wird enttäuscht sein. Auch Joshua Tree baut diesen ein. Erneut lässt er beide Fraktionen aufeinander losgehen, wobei angedeutet wird, dass im Hintergrund es Leute gibt, die das Feuer kräftig füttern, die dafür sorgen, dass es weiterhin fleißig brennt. Mit der Konsequenz, dass im Laufe der Story es auf beiden Seiten zu Todesopfern kommt.
Ein ärgerlicher Beginn
Auch die Tatsache, dass ein alter Bekannter zurückkehrt, stört. Man war eigentlich froh, als die Figur im letzten Band anscheinend ihre gerechte Strafe erhielt. Weshalb seine Wiederkehr nicht gerade für Euphorie sorgte. Hinzu kommt außerdem noch, dass sich gefühlt seine ganze Charakterisierung geändert hat, dass er auf ein Mal andere Motive hatte, als noch bei seinem letzten Auftritt. So oder so ist er in diesem Fall eine ziemliche Nervensäge, die der Story nicht gut tut.
Und dann ist da noch die Tatsache, dass bis auf wenige Ausnahmen, die Charakterisierungen doch sehr platt und vorhersehbar sind. Natürlich ist das Militär schießwütig und nur allzu gerne bereit, die Macht an sich zu reißen. Auch dass die Wissenschaftler weltfremd und naiv dargestellt werden, stört!
Doch am meisten ärgert der Beginn! Denn das Raumschiff, das am Ende zu Omikron fliegt, sollte ursprünglich woanders hin. Das neue Ziel wurde ausgewählt, ohne Rücksicht auf die Personen zu nehmen, die bereits im Kryoschlaf an Bord lagen. Die von ihrem Glück erst dann erfuhren, als das Schiff schon am Ziel war. Das ist etwas, worüber man sehr stolpert, weil es einfach nicht logisch wirkt.
Der falsche Fokus
Außerdem hat man das Gefühl, dass die ganze Zeit sich auf den falschen Plot fokussiert wird. Anstatt sich auf das Omikron-System und die Frage, wieso vor Millionen von Jahren die Vorfahren der Menschen es verließen, zu fokussieren, widmet Joshua Tree dem nur einen Bruchtal der Aufmerksamkeit. Stattdessen widmet er sich lieber dem nervigeren und langweiligeren Konflikt zwischen Nassen und Trockenen, sowie den Erlebnissen von Marc Laton, der im Laufe der Story einiges durchmacht. Zu sagen, dass das Schade ist, ist noch untertrieben.
Unterm Strich bleibt ein enttäuschender, mittelmäßiger Roman. Der hinter seinen Möglichkeiten sehr weit zurückbleibt.
Info
Autoren: Joshua Tree
Originaltitel: Origin: Die Entdeckung
Verlag: Heyne
Erschienen: 10/2025
Einband: Taschenbuch
Seiten: 464
ISBN: 978-3-453-32384-1
Sonstige Informationen: Produktseite
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