Dies ist einer der ungewöhnlichsten und legendärsten Filmabenteuer des berühmten Geheimagenten.
Wer wird neuer 007?
Eon Productions hatte ein Problem. Eines, das schon zu Man lebt nur zweimal aufgetreten war, damals aber noch mit mehr Geld beigelegt werden konnte. Doch dieses Mal war es akut: Der Darsteller von James Bond, Sean Connery, wollte nicht mehr. Er war der Rolle und des Aufwands, den er vor, während und nach den Dreharbeiten betreiben musste, müde. Weshalb er folgerichtig nach dem Abschluss der Produktion nicht mehr zur Verfügung stand.
Also mussten die Verantwortlichen sich nach einem neuen Hauptdarsteller umgucken. Derweil sie gleichzeitig auch das nächste Kinoabenteuer auf Kiel legten. Für einen Moment stand im Raum, Der Mann mit dem goldenen Colt zu adaptieren und gleichzeitig Roger Moore als Nachfolger von Sean Connery zu casten. Allerdings kamen beide Ideen aus diversen Gründen nicht weit. Stattdessen beschloss man Im Geheimdienst ihrer Majestät zu verfilmen, etwas, was man bereits nach Goldfinger vor hatte. Doch externe Umstände machten diesen Plan damals zu Nichte.
Immerhin mussten die Produzenten nicht lange nach einem Regisseur suchen. Peter Hunt, der bei den vorherigen Filmen für den Schnitt und als Second Unit Director tätig war, sollte diesen Posten kriegen. Damit wurde ein Versprechen eingelöst, das ihm Broccoli und Saltzman Jahre zuvor gegeben hatten. Und Peter Hunt hatte sich etwas vorgenommen. Er wollte diesen Film zu seinem eigenen machen und nicht zu dem von jemand anderen.
Verzicht auf übermäßige Gadgets
Für das Skript setzten die Produzenten wieder Richard Maibaum, der bereits die Drehbücher für alle vorherigen James Bond-Filme geschrieben hat, mit Ausnahme von Man lebt nur zweimal. Die Idee hinter dem Kinofilm war, dass man sich dieses Mal sehr nah am Roman hielt. Was auch zur Konsequenz hatte, dass er mehr geerdeter daher kam und nicht mehr so gadgetlastig, wie noch einige der letzten Filmabenteuer.
Gleichzeitig fragte Peter Hunt den englischen Autor Simon Hunt, ob dieser einige Dialoge beisteuern würde. Genauer gesagt wollte er die Gespräche zwischen James Bond und Tracy di Vicenzo in Piz Gloria aufpeppen. Was er dann auch tat. Ebenso wurden einige Anspielungen auf frühere Bondfilme eingebaut.
Ersatz für Sean Connery zu finden, war nicht einfach. 400 Leute sprachen für die Rolle vor und am Ende fiel die Wahl auf den Australier George Lazenby. Harry Saltzman und Albert Broccoli entschieden sich für ihn, nachdem sie ihn in einer Reklame für Frys Chocolate Cream sahen und nachdem er aus Versehen einen Stunt Coordinator ins Gesicht schlug. Ihm wurde ein Vertrag für sieben Filme angeboten, doch nachdem sein Agent meinte, dass James Bond in den liberalen 1970er Jahren eh obsolet sein würde, wurde es nur ein Film.
Eine Rettung mit Folgen
Beim Rest des Casts wurde die Entscheidung getroffen, die Rolle des Ernst Stavro Blofeld neu zu besetzen. Donald Pleasance Darstellung gefiel zwar Peter Hunter und Richaid Maibaum, dennoch wollte man den Charakter neu casten. Ursprünglich war Max von Sydow dafür in Gespräch, doch dann fiel die Wahl auf Terry Savalas.
Als Tracy di Vicenzo entschied man sich für Diana Rigg, die damals aus Mit Schirm, Charme und Melone bekannt war. Ihr Filmvater Marc-Ange Draco wurde von dem italienischen Darsteller Gabriele Ferzetti dargestellt. Da sein Akzent so stark war, wurde er im Film von David de Keyser gesprochen. Und Ilse Steppat sollte als Irma Bunt den Cast abrunden. Natürlich sollten Lois Maxwell, Bernard Lee und Desmond Llewelyn ihre Rollen wieder wahrnehmen.
Als James Bond einer Frau das Leben rettet, ahnt er nicht, worauf er sich eingelassen hat. Denn diese ist niemand als die Gräfin Tracy di Vicenzo, deren Vater der Mafiosi Marc-Ange Draco ist. Er bietet ihm eine Million britische Pfund an, wenn James Bond dessen Tochter ehelicht. Dieser lehnt ab, ist aber bereit, die Beziehung weiterzubetreiben, falls Draco ihm hilft Blofeld zu finden.
Was wäre, wenn…?
Doch als er zurück in England ist, will M ihn von dem Fall abziehen. Wutentbrannt diktiert 007 Moneypenny sein Kündigungsschreiben. Die ändert dies jedoch in eine Bitte um Abwesenheit um, was dann auch gewährt wird. Also reist James Bond nach Portugal, zu der Geburtstagsfeier von Tracy di Vicenzo. Was ihn schließlich auf die Spur von Blofeld führt.
Im Geheimdienst ihrer Majestät ist ein faszinierender Film. Einer, an dessen Ende man sich fragt, was wäre wenn? Was wäre, wenn George Lazenby nicht nur diesen Auftritt gehabt hätte? Was wäre, wenn er so mehr Gelegenheit gekriegt hätte, den Geheimagenten wirklich zu seinem eigenen zu machen?
Ansätze dazu sieht man in diesem Film. Kleinere Momente, wo er James Bond für damalige Verhältnisse erstaunlich verwundbar und introspektiv zeigt. Derweil er ansonsten versucht, Sean Connerys Darstellungsart zu kopieren. Was nicht immer aufgeht. Dennoch muss man ihm Respekt dafür zollen, dass er sich daran probiert, in diese großen Fußstapfen zu treten und sich nicht davon einschüchtern lässt.
Ein Moment, der Filmgeschichte schrieb
Dass er es nicht ganz schafft, ist nicht so sehr seine „Schuld“, falls man überhaupt von „Schuld“ reden kann. Es ist nun mal so, dass Sean Connery über eine Art natürliche Lässigkeit verfügt, die perfekt zu der Figur passte. Eine Coolness, die Lazenby so nicht hatte. Stattdessen hatte er dafür andere Stärken, eben diese wenigen Momente, wo sein Bond emotional verwundbar wirkte. Und dies ist auch der Grund, wieso das Ende des Films sich so einbrennt. Weil man hier wirklich jemanden sieht, dem sein größtes Glück förmlich vor seinen Augen wegstirbt, ohne, dass er etwas dagegen tun kann. Weshalb man seinen letzten Satz auch als eine Art Resignation sehen kann, dass sein Moment der Glücklichkeit vorbei ist.
Wobei es im Deutschen nicht unbedingt hilft, dass er die Synchronstimme von Sean Connery erhalten hat. Eine Entscheidung, die noch heute merkwürdig wirkt, da ihm, zumindest in unserer Sprache, keine Gelegenheit gab, sich von seinem Vorgänger stimmlich abzusetzen. Und was noch dadurch verschlimmert wird, dass in der nachträglich erschienen ungekürzten Fassung er eine neue Stimme erhielt. Was allerdings auch daran lag, dass diese Version zu einem Zeitpunkt rauskam, wo alle Original-Synchronsprecher mittlerweile verstorben waren.
Stark sind dabei auch die Momente, wo er mit Diana Rigg zusammenspielen kann. Die beiden spielen sich die Bälle zu und man kann verdammt gut nachvollziehen, wieso sein James Bond immer mehr und mehr dieser Frau verfällt. Denn sie ist intelligent und gewieft. Sie mag keine Pussy Galore sein, also niemand, der handfest ist. Aber ihr Witz sorgt dafür, dass man auch als Zuschauer ihrem Charme verfällt. Weshalb dann ihr Ableben in den finalen Filmminuten, kurz nachdem sie und Bond geheiratet haben, einer der prägendsten Momente der Filmgeschichte sein dürfte.
Es hilft auch, dass dieser James Bond-Film sehr bodenständig daherkommt. Keine aufregenden Gimmicks, keine unnötigen, aufwendigen und unlogischen Anfangssequenzen, fast eine Rückbesinnung auf die Wurzeln der Filmreihe. Wodurch natürlich die Action umso spannender und gelungener wirkt. Wie beispielsweise die Verfolgungsjagd im Eiskanal.
Ein schöner Song, nur leider kein offizieller Titelsong
Schade ist nur, dass Terry Savalas als Blofeld eben so wenig überzeugen kann, wie sein Vorgänger. Der Schauspieler ist nicht schlecht. Aber es fehlt auch ihm das nötige Quentchen Charisma, um den Antagonisten wirklich glaubwürdig wirken zu lassen. Dass sein Plan James Bond-typisch übermäßig komplex und hanebüchen ist, mag dahingestellt sein. Dafür hat er mit Irma Bunt eine Handlangerin, die man wirklich hassen muss. Nicht nur wegen der Taten am Ende, sondern ebenso wie sie vorher von Ilse Steppat dargestellt wird. Als eine Art alte Jungfer, die mit Argusaugen über ihre schönen Schützlinge wacht. Und doch nicht mitkriegt, wie sich James Bond zu dem einen oder anderen Schäferstündchen mit ihren Schutzbefohlenen Damen schleicht.
Schade ist auch, dass hier auf einen Titelsong verzichtet wurde. Es gibt zwar mit Louis Armstrong We have all the Time in the World einen guten Ersatz. Aber es ist eben leider kein offizielles Titelleid.
Am Ende ist das ein guter James Bond-Film, der am Ende nur wegen Kleinigkeiten keine Top-Bewertung kriegt. Leider sollte dies der einzige Auftritt von George Lazenby sein. Mit dem nächsten Abenteuer sollte Sean Connery wieder zurückkehren.
Meine persönlichen Top 5 James Bond-Filme:
1. James Bond 007 – Goldfinger
2. James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau
3. James Bond – Im Geheimdienst ihrer Majestät
4. James Bond – 007 jagt Dr. No
5. James Bond 007 – Feuerball
6. James Bond 007 – Man lebt nur zweimal
Meine persönlichen Top 3 James Bond-Titellieder:
1. Shirley Bassey – Goldfinger
2. Nancy Sinatra – You Only Live Twice
3. Tom Jones – Thunderball
4. Matt Monro – From Russia with Love
Info
Regie: Peter R. Hunt
Drehbuch: Richard Maibaum
Zusätzliche Dialoge: Simon Raven
Produktion: Harry Saltzman, Albert R. Broccoli
Musik: John Barry
Kamera: Michael Reed
Schnitt: John Glen
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