Die James Bond-Formel zeigt in diesem Film deutliche Ermüdungserscheinungen.
Der Vorteil von Vorführungen
Noch während Feuerball abgedreht wurde, fing die Planung für den nächsten James Bond-Film an. Ursprünglich sollte dieser Im Geheimdienst Ihrer Majestät sein. Doch dafür mussten Orte gesucht werden, die in hohen und vor allem verschneiten Gegenden lagen. Also wurde dies erst mal verschoben und stattdessen sollte Man lebt nur zweimal das nächste 007-Abenteuer werden.
Der Vorteil dieses Films war, dass das Setting zu großen Teilen in Japan lag, was die Suche nach geeigneten Drehorten natürlich einfacher machte. Dadurch ergaben sich auch einige Anpassungen ans Skript. Wo in Ian Flemings Roman SPECTRE eine Strandfestung hatte, wurde dies im Drehbuch durch ein Geheimversteck in einem erloschenen Vulkan ersetzt. Der Grund dafür war, dass den Scouts mitgeteilt wurde, dass Japaner keine Schlösser am Strand errichteten.
Dabei hatte das Scouting auch einen weiteren, unerwarteten Vorteil: Die Scouts, Regisseur Lewis Gilbert, Kameramann Freddie Young sowie die Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzmann wie auch Produktionsdesigner Ken Adam wurden kurz vor ihrem Abflug zurück nach Großbritannien eingeladen, einer Ninja-Demonstration beizuwohnen. Was insofern gut war, als dass der Flug, mit dem sie ursprünglich fliegen wollten, 25 Minuten nach Start abstürzte und es keinerlei Überlebende gab.
Wer wird Drehbuchautor?
Doch die Produktion musste natürlich weitergehen. Und das betraf auch die Suche nach dem Drehbuchautor. Einen ersten Entwurf hatte Sydney Boehm geschrieben, der sich eng an der Vorlage hielt. Der Produzenten bestellten allerdings statt ihm Harold Jack Bloom zu sich nach Japan, damit er das Skript verfassen sollte. Jedoch wurde seine Version am Ende abgelehnt, wobei einige Teile davon ins finale Drehbuch übernommen wurden. Weshalb er am Ende auch in den Credits für Additional Story Material geführt wurde. Der neue Drehbuchautor sollte Roald Dahl (Autor Charlie und die Schokoladenfabrik) werden, obwohl der bislang noch keine richtigen Erfahrung mit Drehbüchern gemacht hatte. Ein erster Versuch wurde vorzeitig beendet, da die Produktion ebenfalls eingestampft wurde, ehe überhaupt die ersten Meter Film belichtet wurden.
Er erhielt für sein Skript weitestgehende freie Hand. Nur ein paar Vorgaben mussten erfüllt werden. James Bond und die „Mädchen-Formel“ sollten mit inbegriffen sein. Letzteres sollte gleich drei Frauen umfassen. Dabei sollte Regisseur Lewis Gilbert eng mit ihm zusammenarbeiten, was der Autor auch später lobte. Er meinte, dass der Filmemacher sein Drehbuch ohne Veränderungen akzeptierte.
Beim Casting gab es einige Probleme. Das Hauptproblem war, das Sean Connery der Rolle langsam müde war. Er mochte nicht den Aufwand, den er für die Filme betreiben musste, und hatte Probleme, andere Filmrollen zu finden. Die Produzenten konnten ihn überzeugen, erstmal weiterzumachen, indem sie seine Bezüge kräftig erhöhten. Doch gleichzeitig schauten sie sich bereits nach einem Ersatz um, der aber für diesen Film nicht mehr in Frage kam.
Der Weihnachtsmann passt nicht als Schurke
Auch was den Darsteller von Blofeld, dem Kopf von SPECTRE, anging, gab es Probleme. Ursprünglich wurde der Tscheche Jan Werich in der Rolle gecastet. Doch als er am Set auftauchte, entstand das Gefühl, dass er eher wie ein Weihnachtsmann wirkte denn wie ein Schurke. Trotzdem wurde sieben Tage lang mit ihm gedreht, ehe sich die Einsicht durchsetzte, dass er für die Rolle ungeeignet war. Stattdessen wurde Donald Pleasance (Gesprengte Ketten) als Ersatz genommen. Ihm wurde eine künstliche Narbe über einem seiner Augen verpasst, was er wegen dem dafür verwendeten Kleber als sehr unangenehm fand.
Für die Rolle der Helga Brandt entschied man sich am Ende für die deutsche Schauspielerin Karin Dor (Topaz), die sogar einen wichtigen Stunt selber durchführte. Deutlich mehr Probleme gab es bei den anderen weiblichen Hauptrollen. Für diesen Film arbeitete Eon mit Toho Studios (Godzilla) zusammen, die ihnen bei der Suche nach den entsprechenden Schauspielerinnen halfen. Hauptschwierigkeit war, dass die meisten Kandidaten nur wenig bis gar kein Englisch sprachen. Am Ende fiel die Wahl auf Akiko Wakabayashi (Frankensteins Monster im Kampf gegen Gidorah) und Mie Hama (Die Rückkehr des King Kong). Beide reisten nach Großbritannien, um dort Englisch zu lernen. Doch am Ende hatte Hama Schwierigkeiten mit der Sprache, weshalb Eon sogar überlegte, sie zu feuern. Doch Tetsurō Tamba (Beim siebten Morgengrauen), der in der Rolle des Tiger Tanaka gecastet wurde, meinte, dass sie, wenn sie entlassen werden würde, Selbstmord begehen würde. Weshalb am Ende sie ihre Rolle mit der von Akiko Wakabayashi tauschte. Diese wurde zu Aki, einer Agentin des japanischen Secret Service, die James Bond assistierte. Und Hama wurde zu Kissy Suzuki, einem Ama-Mädchen, das 007 zum Schein heiratete. Sie hatte in diese Rolle nur wenige Zeilen und wurde im Film am Ende von Nikki van der Zyl synchronisiert.
Teru Shimada (Tokio Joe) erhielt den Zuschlag für den Großindustriellen Mr. Osato, der in Wahrheit für SPECTRE arbeitete. Charles Gray (Die Nacht der Generäle) sollte als Dikko Henderson, Bonds britischem Kontakt in Japan, auftreten. Ebenso sollten natürlich Lois Maxwell, Desmond Llewelyn und Bernard Lee wieder in Erscheinung treten.
Leichte Ermüdungserscheinungen
Im Erdorbit wird eine Raumkapsel der Amerikaner von einer anderen unbekannten Kapsel entführt. Die Amerikaner verdächtigen die Sowjets, die den Verdacht allerdings vehement von sich weisen! Die Briten hingegen vermuten, dass die Japaner dafür verantwortlich sind, da die fremde Kapsel in Japan landete. Um der Sache auf den Grund zu gehen, aktivieren sie ihren Geheimdienst.
007 soll diesen Job übernehmen, auch wenn er dafür zunächst sterben muss. Sein Ableben ist jedoch nur vorgetäuscht, so dass er sich insgeheim nach Japan begeben kann. Allerdings wird er dort schon erwartet, denn es gibt einige Leute, die ihm nach dem Leben trachten.
Unnötig komplex und langwierig
Lag es an Sean Connery? Oder an der etwas turbulenten Produktion? In jedem Fall kommt beim Schauen von Man lebt nur zweimal das Gefühl auf, dass die James Bond-Filmreihe Ermüdungserscheinungen aufweist. Dass dieses Mal das Spektakel über den Plot gehoben wurde. Dass es mehr aufs Äußere ankam und nicht so sehr auf die Figuren.
Vor allem der allererste Akt zeigt dies sehr gut. Der Anfang mit der entführten Raumkapsel wirkt von den Special Effects her nicht sonderlich überzeugend. Und die Art und Weise, wie dann letzten Endes James Bond involviert wird, wirkt auch unnötig komplex und langwierig. Da waren die ersten Bond-Abenteuer deutlich besser inszeniert.
Wobei, immerhin: Sobald die Handlung aufs Trockene, nach Japan verlegt wird, wird der Film langsam aber sicher besser. Es hilft vor allem, dass die Macher von Man lebt nur zweimal wissen, wie sie das Land und seine Menschen inszenieren müssen und können. Nämlich so, dass man von dem fremden Land und seinen Sitten fasziniert ist und mehr davon sehen möchte. Das fängt schon mit der Präsentation des Sumoturniers an, das mich als Fan dieser Sportart wirklich anspricht. Und es endet in einer glaubwürdigen Präsentation eines Dorfs von einheimischen, einfachen Fischern.
Also ist Japan allein schon ein Grund, den Film zu schauen. Ein anderer ist, wie sich die Handlung entwickelt. Wie James Bond teilweise blind agieren muss und vor allem zu Beginn nicht weiß, wem er trauen kann. Weshalb er ja auch mit äußerster Vorsicht agiert und sogar Dikko Henderson bei ihrer Begegnung zunächst mit einer Pistole bedroht.
Wenn das Aussehen enttäuscht
Das bessert sich erst, als er auf Tiger Tanaka stößt. Tetsurō Tamba stellt diesen mit einer gelungenen Nonchalance dar, die der von James Bond, wenn er auf seinem Gebiet aktiv ist, gleicht. Er hat immer die Kontrolle über das Geschehen, er hat die Connections, er hat den Plan. Und er lässt sich sozusagen herab, mit 007 zusammenzuarbeiten. Wobei sich diese Zusammenarbeit im Laufe des Films als äußerst produktiv erweisen soll.
Mit SPECTRE wurde auch der passende Gegenspieler ausgewählt. Über weite Teile kann man verstehen, wieso diese Organisation so gefährlich ist. Ihr Anführer Blofeld bleibt lange Zeit kühl und gelassen. Nur wer ihn schwer enttäuscht, wie Helga Brandt, der sieht eine andere Seite von ihm. Nämlich eine, die die betreffende Person gnadenlos umbringt.
Allerdings begeht der Film einen kleinen Fehler damit, dass sie enthüllt, wie Blofeld in Wahrheit aussieht. Donald Pleasance ist sicherlich ein guter Schauspieler. Aber der Moment, wo sein Gesicht zu sehen ist, ist auch der Moment, wo der Figur ein wenig die Aura flöten geht. Das Rätsel darum, wie dieser große Antagonist wirklich aussieht, war das große Faszinosum. Was dann am Ende dabei rauskam, musste natürlich enttäuschen, weil es den Erwartungen nie hätte entsprechen können.
Ein Engländer ist nun mal kein Japaner
Was die restlichen Bondgirls angeht: Einerseits trifft der Film eine problematische Aussage, als Tiger Tanaka betont, dass die Männer in Japan das Sagen haben. Andererseits erweist sich Aki als ein cleveres Mädchen, das James Bond mehr als einmal auf ihre Art und Weise hilft. Anders als Kissy Suzuki, die am Ende einmal kurz auftaucht und dann ermordet wird. Ihr Name wird im Film kein einziges Mal erwähnt und sie erhält auch entsprechend keine wirkliche Persönlichkeit. Im Prinzip wird sie dadurch zu einer No-Name-Figur, die nur dazu da ist, die Handlung weiter vorwärtszutreiben.
Was gleichzeitig noch nicht mal das einzige Problematische des Films ist. Auch die Tatsache, dass Bond auf Japaner getrimmt wird, um under cover agieren zu können, ist an Unglaubwürdigkeit nicht zu überbieten. Eine geänderte Hautfarbe und gefärbte Haare machen aus Sean Connery nun mal keinen Asiaten!
Überdies wirkt es teilweise so, als ob der Schauspieler auf Autopilot gespielt hat. Er hat zwar immer noch sein obligatorisches Charisma, aber gleichzeitig hat man auch das Gefühl, dass er nicht mit ganzem Herzen dabei ist. Es lässt sich schwer auf eine Szene eingrenzen, es entsteht mehr so der Eindruck, als ob er nicht mit hundert Prozent agiert.
Ein wunderbarer Song
Immerhin ist der finale Akt grandios. Ein wunderbares Actionspektakel mit Ninjas, Explosionen und jeder Menge fieser Überraschungen. Hier kann der Film begeistern.
Insgesamt muss man allerdings sagen, dass Man lebt nur zweimal der bislang schwächste Vertreter der James Bond-Reihe ist. Er ist immer noch unterhaltsam, aber begeistert längst nicht so sehr wie beispielsweise Feuerball, der bis dahin schwächste 007-Film.
Der Titelsong wurde übrigens von Nancy Sinatra gesungen. Sie übernahm diese Aufgabe, nachdem ihr Vater Frank Sinatra ablehnte. Sie war bei der Aufnahme sehr nervös, so dass es insgesamt 25 Versuche brauchte, bis das Lied aufgenommen war. Es ist ein deutlich besserer Song als der Film, wenn nicht sogar einer der besten Tracks, die die Filmreihe je produziert hat.
Meine persönlichen Top 5 James Bond-Filme:
1. James Bond 007 – Goldfinger
2. James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau
3. James Bond – 007 jagt Dr. No
4. James Bond 007 – Feuerball
5. James Bond 007 – Man lebt nur zweimal
Meine persönlichen Top 3 James Bond-Titellieder:
1. Shirley Bassey – Goldfinger
2. Nancy Sinatra – You Only Live Twice
3. Tom Jones – Thunderball
4. Matt Monro – From Russia with Love
Info
Regie: Lewis Gilbert
Drehbuch: Roald Dahl
Zusätzliches Storymaterial: Harold Jack Bloom
Produktion: Harry Saltzman, Albert R. Broccoli
Musik: John Barry
Kamera: Freddie Young
Schnitt: Peter R. Hunt
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