Spotlight: Max von Sydow

Lesezeit circa: 8 Minuten

Max von Sydow ist ein Titan der Schauspielkunst.

Ein wahrer Titan

Wir haben hier bei Warp-Core schon über viele Schauspieler berichtet. Manche waren nur für wenige Jahre in diesem Beruf aktiv. Andere hingegen haben sich einen soliden Ruf erarbeitet, auch wenn ihnen der letzte große Wurf noch fehlte. Und dann gibt es solche Darsteller, die wahre Titanen ihrer Zunft sind. Die fast ihr ganzes Leben darin verbrachten und deren Werk sowohl Cineasten als auch uns Geeks und Nerds ansprach. Sir Alec Guiness ist ein solcher Vertreter gewesen. Ein anderer war niemand Geringeres als Max von Sydow.

Im Laufe seiner langen Karriere ist der als Carl Adolf von Sydow am 10. April 1929 in Lund, Schweden, geborene Darsteller in vielen verschiedenen Filmen und Serien aufgetreten. Sein Vater, Carl Wilhelm von Sydow war Ethnologe und Spezialist für Folklore. Seine Mutter, die Baroness Maria Margareta Rappe, war hingegen eine Schullehrerin.

Ursprünglich sollte er einen juristischen Beruf ergreifen. Doch nachdem er nach einem Besuch in Malmö eine Aufführung von Shakespeares Ein Mittsommernachtstraum sah, war Max von Sydow von der Schauspielerei fasziniert und gründete an seiner Schule mit seinen Freunden ein Amateurtheater.

Der Beginn einer wundervollen Partnerschaft

Nachdem er den Militärdienst geleistet hatte, wobei er damals den Namen Max als Teil seines Künstlernamens annahm, studierte er von 1948 bis 1951 Schauspielerei am Royal Dramatic Theatre in Stockholm. Sein Theater-Debüt gab er in einer Aufführung von Goethes Egmont. Er selbst war von seiner Arbeit nicht sehr überzeugt, obwohl sie großartige Kritiken erhielt.

Sein Debüt im Film und Fernsehen feierte er 1949, als er in Rya Rya – Nur eine Mutter auftrat. Doch ursprünglich war Max von Sydow hauptsächlich eher ein Theaterschauspieler, der nur sporadisch Abstecher in das damals noch junge Fernsehmedium unternahm. Das änderte sich erst dann, als er 1955 nach Malmö zog und dem Malmö City Theatre beitrat. Der Intendant jener Zeit war niemand Geringeres als der später berühmte Ingmar Bergman. Beide sollten in den kommenden Jahrzehnten insgesamt 11 Mal zusammenarbeiten.

Und bereits ihre erste große Kooperation sorgte für Aufsehen. Der Film Das siebente Siegel handelt von einem desillusionierten Kreuzfahrer im 14. Jahrhundert, der zurück in seine Heimat Schweden kommt und es von der Pest geplagt vorfindet. Die Szene, in der der Ritter eine Partie Schach gegen den Tod spielt, ist eine der ikonischsten der Filmgeschichten.

Max von Sydow

Der Schritt ins Ausland

In den darauffolgenden Jahren spielte Max von Sydow in den unterschiedlichsten Filmen mit. In Die Jungfrauenquelle (1960) stellte er einen mittelalterlichen Landbesitzer dar, der seine Rache gegen die Männer plante, die seine Tochter vergewaltigten und umbrachten. In Wie in einem Spiegel war er der Ehemann einer schizophrenen Frau. Von 1957 bis 1962 wurden Filme, in denen Max von Sydow der Hauptdarsteller war, insgesamt fünfmal für den Oskar für den besten ausländischen Film eingereicht. Er gewann keinen einzigen. Und in all den Jahren arbeitete der Darsteller auch weiterhin im Theater, wo er viele Stücke von Ingmar Bergman auf der Bühne zum Leben erweckte.

In all der Zeit konzentrierte sich der Schauspieler auf Schweden. Anfragen, auch ausländische Filme zu drehen, lehnte er ab. So hätte er beispielsweise den Dr. No in dem allerersten James Bond-Kinofilm darstellen können.

Erst 1965 trat er in seinem ersten ausländischen Film auf. In Die größte Geschichte aller Zeiten nahm er gegen das Abraten von Ingmar Bergman die Rolle des Jesus Christus an. Er verbrachte sechs Monate an der University of California damit, sich für die Darstellung vorzubereiten und eignete sich ebenfalls extra einen mittel-atlantischen Akzent an. Doch auch, wenn der Film ihn einem breiteren Publikum bekannter machte, enttäuschte er an den Kinokassen. Was der Filmkarriere von Sydows allerdings keinen Abbruch tat.

Wenn das Gute zum Fürchten ist

Er trat weiterhin in vielen Filmen auf, und zwar sowohl in Schweden als auch den USA. So stellte er zum Beispiel in dem Kinofilm Hawaii (1966) einen fanatischen Missionar dar. Interessanterweise traten auch all seine damaligen Söhne in diesem Film auf.

Doch zur Frustration von Max von Sydow wurde er im Laufe der Zeit immer mehr und mehr auf die Rolle des Schurken, des Antagonisten getypecastet. Er stellte zum Beispiel 1966 in Das Quiller-Memorandum – Gefahr aus dem Dunkel den Neonazi-Aristokraten Oktober dar. Quasi als Ausgleich konnte er ein Jahr darauf in dem Fernsehfilm Das Tagebuch der Anne Frank Otto Frank darstellen.

In den 1970er Jahren wurde die Zusammenarbeit mit Ingmar Bergman weitergeführt. So trat der Schauspieler in dem ersten englischsprachigen Film des schwedischen Regisseurs Berührungen (1971) auf. 1973 sollte er in seinem bis dato erfolgreichsten Kinofilm zu sehen sein. In Der Exorzist sollte er Vater Lankester Merrin darstellen. Wie sehr er in der Rolle beeindruckte, zeigt die Anekdote, dass wiederholt Leute zu ihm kamen und ihm sagten, dass er ihnen Angst einjagte, obwohl er einer der Guten war. Er stellte den Charakter 1977 in der Fortsetzung Exorzist II – Der Ketzer wieder dar. Dies war auch das Jahr, wo er sein Broadway-Debüt gab.

Ein Mann für Kultfilme

In den 1980er Jahren spielte Max von Sydow in mehreren Fantasy- und SciFi-Filmen mit, die heutzutage Kultstatus genießen. Direkt 1980 war er Ming der Gnadenlose in Flash Gordon. Das einzig Gute an diesem Machwerk war jedoch nur der Soundtrack von der Band Queen. Zwei Jahre später war er König Osric in Conan, der Barbar, dem Film, der Arnold Schwarzenegger berühmt machte. 1983 hatte er letzten Endes auch sein James Bond-Debüt, als er in Sag Niemals Nie den Erzschurken von 007, Blofeld, darstellte. 1984 war er in Dune – Der Wüstenplanet Doktor Kynes. Sein wohl berühmtester Film in dieser Zeit war 1987 Pele, der Eroberer und 1988 führte er in dem Drama Ved vejen das erste und auch einzige Mal Regie. 1989 sprach er in Ghostbusters 2 den Filmschurken Vigo, wofür er allerdings nicht in den Credits gelistet wurde.

1992 kam es nach langer Zeit zu einer Wiedervereinigung von Max von Sydow und Ingmar Bergman. Das war der Film Beste Absichten. Die beiden arbeiteten schließlich 1996 ein letztes Mal zusammen, als der Schauspieler in dem schwedischen Fernsehfilm Enskilda samtal auftrat, bei dem das Drehbuch von dem langjährigen Regisseur verfasst wurde. Kurze Zeit später zog sich sein Partner aus Altersgründen aus dem Filmgeschäft bis auf wenige Ausnahmen zurück.

Doch auch in den 1990er Jahren war der Schauspieler wieder in vielen heutzutage bekannten Fantasy- und SciFi-Filmen mit von der Partie. In der Stephen King-Verfilmung Needful Things – In einer kleinen Stadt stellte er den Ladenbesitzer Leland Gaunt dar, bei dem angedeutet wurde, dass er der Teufel wäre. 1995 war er in Judge Dredd Judge Fargo und spielte in dem Fantasy-Drama Hinter dem Horizont an der Seite von Robin Williams mit.

Bis zum Ende aktiv

2002 hatte Max von Sydow seinen größten kommerziellen Erfolg. In der Phillip K. Dick-Verfilmung Minority Report war er der Antagonist, der Gegenspieler zu Tom Cruise. 2004 spielte er in dem hochgelobten und erfolgreichen Fernsehfilm Die Nibelungen mit und war 2007 Teil des Jackie Chan-Films Rush Hour 3. 2009 sprach er in dem Ghostbusters-Videospiel erneut Vigo und war in demselben Jahr in der Robert E. Howard-Verfilmung Solomon Kane zu sehen.

In den 2010er Jahren hatte der Schauspieler nochmal einige besonders erinnerungswürdige Rollen. In The Elder Scrolls V: Skyrim sprach er die Figur Esbern und spielte 2015 in Star Wars – Episode VIII: Das Erwachen der Macht Lor San Tekka, einen legendären Entdecker, der Luke Skywalker half. Zu seinen letzten großen Rollen zählte 2016 in der Game of Thrones-Reihe der Dreiäugige Rabe und in dem Videospiel Lego Star Wars: The Force Awakens erneut Lor San Tekka. Seine finale Rolle war in dem Film Kursk, der auf dem bekannten untergegangenen U-Boot basierte, Vladimir Petrenko.

Max von Sydow war zweimal verheiratet. Seine erste Ehe war mit Christina Inga Britta Olin von 1951 bis 1979. Das Paar hat zwei gemeinsame Söhne. 1997 heiratete der Schauspieler die französische Dokumentatorin Catherine Brelet und adoptierte ihre zwei Söhne aus ihrer ersten Ehe. Er zog zu ihr nach Frankreich, wo er 2002 die französische Staatsbürgerschaft annahm, wobei er im Gegenzug die schwedische aufgeben musste.

Max von Sydow verstarb am 8. März 2020 im Alter von 90 Jahren. Er war zum Zeitpunkt seines Todes umgeben von seiner Frau und seinen vier Söhnen. Die Todesursache ist unbekannt.

Max von Sydow im Web


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Götz Piesbergen
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