Einer der berühmtesten und bekanntesten frankobelgischen Comicautoren liefert ein neues Werk ab.

Eine lebende Legende meldet sich wieder
Xar-Cero ist der beste Kämpfer, den es in der Galaxie gibt. Eines Tages holen ihn die Magno-Bankiers, die Machthaber in der Milchstraße zu sich. Er soll für sie auf einer fremden Welt eine Bombe zünden und würde dafür fürstlich belohnt werden.
Xar-Cero nimmt den Auftrag an. Muss dann jedoch entsetzt feststellen, dass er eine ganze Welt ausgelöscht hat. Als er die Bankiers konfrontiert, wird er kaltgestellt und ihm eine andere Identität aufgezwungen. Fortan soll er als Doktor Zang ein harmloses Leben führen. Was allerdings nur so lange funktioniert, bis er auf die Kosmopiraten stößt.
Alejandro Jodorowsky ist eine lebende Legende im Bereich der frankobelgischen Comics. Gemeinsam mit Möbius hat er die Incal-Comicreihe erschaffen. Er schrieb die Comicserie Die Borgias und für einige Zeit arbeitete er sogar an einer Film-Adaption von Frank Herberts Dune-Romanen. Inzwischen über 90 Jahre alt hat er jetzt mit Kosmopiraten ein neues Album verfasst.
Eine ungewöhnliche Kombo
Dieses Mal arbeitete er mit dem US-Künstler Pete Woods zusammen. Jener hat in seiner Heimat schon diverse Comicserien illustriert. Er gestaltete die Abenteuer von Superman oder Legion of Super-Heroes. Für dieses Album übernahm er auch die Kolorierung.
Es ist also eine ungewöhnliche Kombo, die man dieses Mal vor sich hat. Entsprechend war auch die Erwartung beim Lesen. Nämlich, dass man es hier mit einem weiteren Klassiker zu tun hat. Wie sie Jodorowsky schon so viele erschaffen hat.
Doch leider muss man sagen, dass Kosmopiraten nie wirklich es schafft, etwas aus seinen guten Ansätzen zu machen. Die Story an sich klingt interessant. Man hat es hier mit Tyrannen zu tun, die gnadenlos vorgehen. Und die Leute, die gegen sie aufbegehren, ohne Gnade bestrafen.
Gute Ansätze, schlechtes Endergebnis
Zu denen auch Xar-Cero gehört. Der als Arzt auf ein Mal versklavt wird, auf eine adelige Dame stößt, die sich in ihn verliebt und schließlich den Widerstand gegen die Magno-Bankiers anführt. Das sind alles Zutaten für eine Story, die im Prinzip nur großartig und spannend werden kann.
Aber wie gesagt: Der Comic macht aus seinen Ansätzen nichts. Im Gegenteil: Er bleibt da drinnen stecken. Stellenweise hat man das Gefühl, dass das Album nicht von Jodorowsky persönlich geschrieben wurde, sondern von Jemanden, der sich als er ausgibt und am Ende dann doch nur einige Merkmale von diesem wiederkäut. Ohne, dass daraus am Ende eine gute Story entsteht.
Das Problem ist, dass die Charakterisierungen platt sind. Die Bösen sind böse, weil sie böses tun. Sie haben Lungenkrebs, ignorieren allerdings den Rat des Arztes. Sie pochen auf ihre Macht als Gouverneur und sind empört, wenn diese ignoriert wird. Sie sind Sklavenhalter, weil ihnen dies ihre Macht gestattet. Das langweilt auf Dauer.
Interessante Ideen, aber wieso wird nichts draus gemacht?
Wobei die Protagonistenseite nicht viel besser ist. Man hat es mit Doktor Zang mit einem strahlenden Helden zu tun, voller rechtschaffenen Zorn erfüllt. Ein Zorn, der dazu führt, dass er alle anderen Protagonisten an die Wand drückt. Leonarda kommt lange über den Status der ihn anhimmelnden Frau, die ihn auf jede nur erdenkliche Art unterstützt nicht hinaus. Und das ist schade.
Vor allem auch deshalb, weil dieses Universum voller interessanter Ideen steckt. Man möchte mehr über die Magno-Bankier erfahren, mehr über die goldene Schildkröte, die sich bald dem Helden anschließt, mehr über noch so vieles anderes. Es mangelt dem Album nicht an Einfällen. Doch wird daraus nichts gemacht!
Da helfen auch Pete Woods Illustrationen nicht. Routiniert schafft er es, die Geschichte von Jodorowsky umzusetzen. Nur bei der Kolorierung scheitert er. Bei manchen Schatten merkt man, dass er einen Filter über seine Zeichnungen gesetzt hat. Entsprechend schlecht sieht dies dann aus.
Man hätte bei dem Autoren mehr erwartet. Aber für eine Geschichte von Jodorowsky bleibt dieses Album weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Illustrationen von Pete Woods sind zwar gut, jedoch die durch Filter erzeugten Schatten stören dann doch massiv.
Info
Szenario: Alejandro Jodorowsky
Zeichnungen & Farben: Pete Woods
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite
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