Es wirkt so, als ob die Serie kurz vorm Finale einen weiteren Antagonisten aufbaut.
Eine nachdenklich machende Folge
In Rückblenden sieht man, wie Trish Walker (Rachael Taylor) von ihrer Mutter manipuliert wird, damit sie als kleines Kind mit der Schauspielerei anfängt. Dabei setzt Dorothy (Rebecca De Mornay) jeden nur erdenklichen Trick ein, um die Karriere ihrer Tochter zu fördern. Später sieht man dann die Ereignisse rund um den Tod ihrer Mama aus ihrer Perspektive.
In der Gegenwart beginnt Trish Walker damit, als Vigilantin Erik (Benjamin Walker) zu helfen. Doch schießt sie dabei übers Ziel hinaus und ermordet den korrupten Polizisten Nussbaumer. Und dieser Mord wird Jessica Jones angehängt, die mit dieser Tat allerdings nichts zu tun hat.
A.K.A. Höllenkatze lässt einen nachdenklich zurück. Handwerklich ist dies eine großartige Folge. Doch einige Entscheidungen dieser Episode irritieren einen.
Die Comics lassen gräßen
Vorab sei gesagt, dass der Name Höllenkatze nicht einfach so gewählt worden ist. Hellcat, wie die Folge im Original heißt, ist nämlich das Superhelden Alter Ego, dass die Comic Trish Walker hatte, bzw. hat. Ein durchaus ironischer Name, da sie zwischendurch den sprichwörtlichen Sohn des Satans ehelichte und in die Hölle kam. Aus der sie dann irgendwann wieder befreit wurde.
Das Ungewöhnliche an dieser Folge sind die ersten 15 Minuten. Wo man zum einen Rückblenden in die Kindheit von Trish Walker hat. Aber andererseits auch die Geschehnisse, die mit dem Tod ihrer Mutter zu tun haben, erneut aus ihrer Perspektive erlebt.
Die Kindheitsrückblenden zeigen dabei wunderbar, wie manipulativ Dorothy Walker war. Wie sie ihre kleine Tochter unter Druck setzte, damit sie anfing, als Schauspielerin zu arbeiten. Und zu welchen Kniffen sie griff, so dass sie beispielsweise beim Vorsprechen nicht so lange warten muss. Es ist ein wunderbarer Kontrast zu den positiven Erinnerungen, die die anderen Leute in A.K.A. Heldenhosen hatte. Denn es zeigt einmal mehr, dass diese Dorothy Walker eine andere war, als diejenige, die Trish und Jessica kennenlernten.
Wieso wird ein neuer Gegenspieler aufgebaut?
Die Ereignisse noch mal aus Trishs Perspektive zu erleben, wirkt dabei allerdings wie ein Füller, um auf die Zeit zu kommen. Es bringt der Gesamthandlung nichts Neues bei, noch kann ihrer Charakterisierung davon profitieren. Hier tritt die Episode auf der Stelle.
Ehe sie dann komplett abbaut. Denn es entsteht der Eindruck, dass die Folge vor allem einen Zweck hat: Trish Walker als den eigentlichen Hauptantagonisten aufzubauen. Eine Entscheidung, die problematisch ist.
Denn im Prinzip hat die Serie bereits einen Hauptantagonisten. Gregory Salinger wurde als dieser aufgebaut. Und nachdem die Anfänge eher mühsam und nicht sonderlich überzeugend waren, hatte er es in den letzten Folgen geschafft, dass man ihn vom tiefsten Herzen hasste. Er war ein intelligenter und unberechenbarer Gegenspieler. Schade nur, dass er in dieser Episode kaum auftaucht. Denn im Grunde läuft die aktuelle Season nur noch drei Folgen, mit dieser inbegriffen. Und da müsste eigentlich etwas mit ihm aufgebaut werden.
Zu Gast in der eigenen Serie
Stattdessen sieht man, wie Trish Walker immer mehr und mehr auf den falschen Pfad gerät. Wie sie anfängt, Leute umzubringen. Und, nach dem ersten Schock, damit wunderbar zu Recht kommt. Sogar so gut zu Recht, dass sie sich am Ende der Episode von Erik löst und anfängt auf eigene Faust handelt.
Erik selbst wirkt dadurch natürlich wie ein begossener Pudel. Sein Plan schien zu sein, Trish als Werkzeug zu nutzen, um so die Leute zu töten, die ihm im wahrsten Sinne des Wortes Kopfschmerzen bereiten. Ein Plan, der dann am Ende nach hinten losgeht, weil auf ein Mal Jessicas Stiefschwester ihm welche bereitet. Ein sicheres Anzeichen dafür, wie sehr sie auf die schiefe Bahn geraten ist.
Und Jessica selbst? Ist in ihrer eigenen Serie Zaungast. Sie hat nur wenige Auftritte, ehe sie dann für den Rest der Folge verschwindet. Und das ist schade.
Am Ende hat man das Gefühl, dass die Jessica Jones-Reihe hiermit die falsche Richtung einschlägt. Was keine guten Voraussetzungen fürs Finale sind.
Info
Drehbuch: Jane Espenson
Showrunner: Melissa Rosenberg, Scott Reynolds
Regie: Jennifer Getzinger
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