Dieser Film sollte Höhepunkt und Abschluss für zwei Schauspieler und ihre Figuren sein.
Zeit, Abschied zu nehmen
Als im Jahr 2000 der allererste X-Men-Film in die Kinos kam, hätte sich von den Beteiligten wohl niemand vorgestellt, welch Riesenerfolg er werden würde. Vor allem für drei Schauspieler sollte es dazu führen, dass sie schon bald mit ihren jeweiligen Rollen untrennbar verbunden waren. Patrick Stewart (Star Trek – The Next Generation) brillierte als Professor Charles Xavier, derweil Ian McKellen (Der Herr der Ringe) als Magneto sein nicht minder brillanter Gegenspieler war. Zwar wurden ihre Rollen in den Prequelfilmen durch James McAvoy und Michael Fassbender neu besetzt, doch waren die alten Darsteller immer noch das Maß aller Dinge.
Was auch für Hugh Jackman galt. Wobei seine Rolle, anders als bei seinen Schauspielkollegen, nie neu besetzt wurde. Er war und blieb Logan aka Wolverine. Und er tat dies in nahezu allen darauffolgenden X-Men-Filmen. Nebenbei sollte sein Charakter außerdem auch noch zwei Solofilme erhalten. Acht Mal in insgesamt 16 Jahren stellte er den mürrischen Einzelgänger dar. Nach all dieser Zeit beschloss er, dass jetzt Schluss sein sollte und musste. Er wollte einen würdigen Abschied nehmen, ehe es zu spät wäre.
Zum Glück gab es Deadpool
Dabei sollte James Mangold wieder die Regie übernehmen. Er hatte dies schon erfolgreich bei Wolverine: Weg des Kriegers getan. Doch dieses Mal sollte er ebenso das Drehbuch schreiben. Und eine weitere Neuigkeit war, dass der Film in den USA R-Rated sein sollte, also für Kinder unter 17 nur in Begleitung eines Erwachsenen freigegeben. Das war insofern riskant, weil bisher fast alle Superheldenverfilmungen PG-Rated waren, was bedeutet, dass die Anwesenheit von Eltern vorgeschlagen wurde, auf Grund der Präsenz einiger Szenen, die nichts für Kinder sein könnten.
Am Ende sorgten zwei Aspekte dafür, dass 20th Century Fox sich überreden ließ. So kam 2016 Deadpool in die Kinos. Dieser hatte ebenfalls eine R-Rated-Freigabe erhalten, was sich auf den Erfolg des Kinofilms nicht negativ auswirkte. Im Gegenteil: Er wurde zu einem Riesenerfolg. Gleichzeitig erklärte sich Hugh Jackman dazu bereit, für den Film auf einen Teil seiner sonst üblichen Gage zu verzichten.
Als Grundlage für den Film sollte der Comic Old Man Logan aus dem Jahr 2010 dienen. Autor Mark Millar war zufälligerweise ebenfalls Creative Consultant bei Fox, allerdings ist nicht bekannt, ob und inwiefern er für diese Verfilmung zu Rate gezogen wurde. Immerhin bekannte James Mangold freimütig, dass der Film sich allerhöchstens sehr frei der Vorlage bedienen würde. Was man auch daran sah, dass mit Laura, X-23, eine Figur ihr Filmdebüt feierte, die ihren Erstauftritt 2003 in der X-Men: Evolution-Zeichentrickserie hatte, ehe sie ein Jahr später das erste Mal in den Comics auftauchte.
Von Anfang an stand fest, dass Hugh Jackman und Patrick Stewart ihre bekannten Rollen wieder aufnehmen würden. Für die Rolle der Laura wurde die damals erst elf Jahre alte Dafne Keen gecastet. Es war für die britisch-spanische Schauspielerin (The Refugees) die allererste Kinorolle. Die Darstellung des Schurken Donald Pierce wurde von Boyd Holbrook (Narcos) übernommen. Der Mutant Caliban wurde von Stephen Merchant (The Office) dargestellt.
Die Dreharbeiten liefen reibungslos ab. Und am 3. März 2017 feierte Logan – The Wolverine seinen Kinostart. Hierzulande sollte er übrigens eine Altersfreigabe von 16 Jahre erhalten.
Alter trifft auf Jugend
Im Jahr 2029 sind die Mutanten eine aussterbende Spezies. Seit 25 Jahren wurden keine neuen mehr geboren und es sind nur noch wenige übrig. Zu denen gehören auch Logan und Charles Xavier, wobei beide nur noch Schatten ihrer selbst sind. Xavier ist mittlerweile dement und leidet unter einer Art telepathischen Anfällen, mit denen er einst aus Versehen alle X-Men getötet hat. Logan hingegen wird von dem Metall in seinem Körper langsam vergiftet, da seine Selbstheilungsfähigkeiten langsam aber sicher nachlassen.
Doch dann lernt Logan die junge Laura Kinney kennen. Sie ist eine junge Mutantin, genauso wie er mit Klauen bewaffnet und im Kampf trainiert. Er soll sie nach Eden bringen, einen Ort in North Dakota. Dort warten bereits andere junge Mutanten auf sie. Allerdings werden sie schon bald von dem Cyborg Donald Pierce verfolgt, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die letzten Mutanten zu töten.
Lang, aber keine Länge
Logan – The Wolverine ist 137 Minuten lang. Damit ist er von allen Superheldenfilmen, die in den Jahren zuvor liefen, von der Laufzeit einer der längsten. Und doch hat James Mangold das Kunststück geschafft, dass der Film zwar lang ist, sich aber nicht zu lang anfühlt. Im Gegenteil: Ständig geschieht etwas, was einen dazu bringt, weiter zuzuschauen. Damit ist nicht nur die Action gemeint, sondern auch die Emotionen.
Der Film war damals ein Abschiednehmen von Patrick Stewart und Hugh Jackman als Charles Xavier und Logan. Es war ein würdiger Abschied. Einer, der nahe ging. Einer, der nochmal zeigte, wieso man sich in diese beiden Figuren und ihre Darsteller nahezu verliebt hatte.
Das fängt schon damit an, dass der Film seine beiden Hauptfiguren altern lässt. Sowohl Logan als auch Charles Xavier sind zum Handlungszeitpunkt in die Jahre gekommen. Und beide leiden darunter. Bei Xavier sind es die Demenz und die heftigen, telepathischen Anfälle. Bei Logan ist es die Tatsache, dass sein eigener Körper, auf den er sich lange Zeit verlassen konnte, ihn im Stich lässt. So sieht man in einer Szene, wie er sich den Eiter von seinen Klauen wischt. Ein Moment, der einen berührt. Und der klarmacht, dass dieser Wolverine nicht mehr der Alte ist.
Eine grausame und brutale Welt
Sozusagen als Kontrast wird Laura eingebaut. Dafne Keen spielt dieses junge Mädchen mit einer unglaublichen Intensität. Man hat es hier mit einer wahren Killermaschine zu tun, die mit der Zivilisation nur wenig anzufangen weiß. Und die gleichzeitig mehr als nur bereit ist, jedem Gegner an die Kehle zu gehen. Sie treibt Logan teilweise in die Verzweiflung. Doch gleichzeitig merkt man, wie er väterliche Gefühle für sie entwickelt. Sie ist schließlich fast ein Spiegelbild von ihm, mit den gleichen Fähigkeiten „gesegnet“. Nur eben jünger und anderen Geschlechts.
Dabei wird die höhere Altersfreigabe gekonnt eingesetzt. Denn die Welt, in der Logan – The Wolverine stattfindet, ist eine grausame, brutale – nicht nur durch die Präsenz eines Donald Pierce, sondern allgemein. Alles hat Konsequenzen, auch die Krallen, die Wolverine und X-23 einsetzen. Dementsprechend spritzt hier das Blut und es wird auf eine äußerst graphische Art und Weise gestorben. Und es sterben eben nicht nur Erwachsene. Kinder lassen hier ebenfalls ihr Leben, was einen natürlich enorm mitnimmt.
Dabei ist die Gewalt kein Selbstzweck. Sie zeigt, wie anders die Zeiten geworden sind und wie verletzlich die Hauptfiguren geworden sind. Das merkt man auch an Laura, bei der in einer Rückblende gezeigt wird, wie sie mit ihren frisch implantierten Krallen ritzt und ohne Emotionen zusieht, wie die Verletzungen nahezu sofort heilen. Das ist eine Szene, die man so schnell nicht vergessen wird.
Großartige Figuren und großartige Schauspieler
Großes Lob muss man den Darstellern aussprechen, die sich wirklich die Seele aus dem Leib spielen. Dass Wolverine nicht mehr der alte ist, wurde ja schon erwähnt. Auch dass Laura in ihm fast väterliche Gefühle erweckt. Aber Patrick Stewart als alter, dementer Charles Xavier ist noch mal eine andere Hausnummer. Daran sieht man erneut, was für ein Weltklassedarsteller der Brite ist, weil er dies absolut natürlich darstellt.
Doch auch die anderen Figuren sind großartig. Caliban ist der gute Onkel, der auf Xavier aufpasst, wenn Logan nicht da ist. Dabei gibt er sich sarkastisch und beschwert sich oft. Man merkt allerdings, dass dies nur Luftablassen ist, um mit der Situation fertig zu werden, die auch für ihn nicht einfach ist.
Donald Pierce hingegen ist ein grandioser Schurke. Er ist sehr charismatisch und intelligent. Aber auch gleichzeitig widersprüchlich. Er bewundert Mutanten, will sie aber trotzdem auslöschen. Er kann freundlich und jovial sein, nur um dann im nächsten Moment brutal und rücksichtslos zu agieren.
Es heißt Abschied nehmen
Der Film hat außerdem eine unglaublich dichte Atmosphäre. Eine gewisse Trostlosigkeit hängt in der Luft. Die Protagonisten sind weit davon entfernt, sich der Bedrohung alleine zu stellen, und können sich nur auf den jeweils anderen verlassen, der ebenfalls eigentlich schwach ist. Das Wetter schlägt Kapriolen. Mal regnet es, es hat geregnet oder es ist staubtrocken. Selbst als Zuschauer fühlt man sich unwohl.
Am Ende des Films heißt es Abschied nehmen. Denn jede Menge Figuren sind gestorben. Und die alte Generation der Mutanten hat die Bühne verlassen und überlässt sie einer neuen Generation. Leider wurde dann in den darauffolgenden Jahren versäumt, einen Film mit Dafne Keen in der Hauptrolle zu drehen. Denn die nächsten X-Men-Filme kehrten zurück in das Universum von Erste Entscheidung, wo für eine X-23 anscheinend nicht wirklich Platz war.
Eigentlich hätte dies auch Abschied nehmen von Wolverine und Charles Xavier bedeutet. Doch wie in den Comics ist tot nicht gleich tot. Patrick Stewart spielte einen Charles Xavier in Doctor Strange in the Multiverse of Madness und wird, gemeinsam mit Ian McKellen, in Avengers: Doomsday erneut auftreten. Hugh Jackman nahm derweil die Rolle des Grummelligen, krallenbewehrten Mutanten äußerst prominent in Deadpool & Wolverine wieder auf. Dabei war das Besondere an diesen Auftritten, dass sie die Ableben der Charaktere in Logan – The Wolverine nicht unterminierten. Schließlich konnte man sagen, dass dies ja andere Versionen der Figuren waren, Multiverse war Dank.
Übrigens existiert zu diesem Film ebenfalls eine Schwarz/Weiß-Version. Diese verstärkt die melancholische und bedrückende Atmosphäre, ist aber trotzdem – oder gerade deshalb – ein Must-See. Was auch für den gesamten Film gilt.
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