Die Vergiftung sorgt für die Blattlaus Bug für jede Menge Ärger.

Plastok 01 Die Vergiftung
Cover © Splitter Verlag

Das Erbe der Menschheit

Vor langer, langer Zeit lebten die Menschen und die Insekten in Harmonie, bis sich letztere vermehrten und erstere versuchten, sie deshalb zu vernichten. Doch eine giftige Sintflut vernichtete die Menschen und nahezu alles Leben auf der Erde. Das Einzige, was von ihnen zurückblieb, ist das heilige Plastok, welches von den Insekten genutzt wird. Um diese Ereignisse herum hat sich eine Religion gebildet, die Humanos-Religion, die im Reich der Ameisen praktiziert wird.

Dort lebt auch die Blattlaus Bug, ein Sklave der aktuellen Hohepriesterin. Die ist inzwischen so alt, dass sie ihre Nachfolgerin aussuchen muss. Doch keiner der Kandidaten kann sie überzeugen. Dann wird sie jedoch vergiftet und ihre Nachfolgerin bezichtigt Bug, der ja ein „Schädling“ ist, der Verantwortliche zu sein. Niemand glaubt seine Unschuldsbeteuerung, als er in den Kerker zu der Gottesanbeterin Sagawa geworfen wird. Doch was eigentlich sein Tod sein sollte, entpuppt sich schon recht bald als seine Rettung.

Von Anfang schafft es Die Vergiftung den Leser in den Bann zu ziehen. Man lernt auf den ersten Seiten eine einzigartige Welt kennen. Eine, in der die Menschheit nicht mehr existiert und die Insekten ihre Nachfolge angetreten haben und in der das Plastik, hier Plastok genannt, eine essentielle Rolle spielt.

Eine charmante, wenn auch vorhersehbare Geschichte

Erdacht und ins Leben gerufen wurde die Reihe von Maud Michel und Nicolas Signarbieux. Letzterer ist ebenfalls für die Illustrationen zuständig. Für beide ist der Band auch das Deutschlanddebüt sowie ihr Comicdebüt überhaupt.

Dabei ist die Geschichte von Die Vergiftung an sich nicht sonderlich innovativ. Man hat hier einen unschuldigen Untergebenen, der einer Tat bezichtigt wird, für die er nichts kann. Er landet hinter Gittern und verfügt über Wissen, hinter dem die wahren Übeltäter her sind. Er lernt im Gefängnis eine für sein weiteres Abenteuer wichtige Figur kennen und schafft es, mit deren Hilfe auszubrechen und neue Erlebnisse zu haben.

Dementsprechend entwickelt sich auch die Story sehr vorhersehbar. Das Einzige, was uns dann vor einer Enttäuschung rettet, ist die Tatsache, dass die Figuren so charmant sind und es viel Humor gibt.

Gegensätze unterhalten

Der Protagonist von Die Vergiftung, Bug, ist so herzerfrischend naiv und unschuldig, dass man ihn sofort ins Herz schließt. Die Art und Weise, wie die Ereignisse über ihn hinwegrollen, machen ihn fertig. Und stets wird er vor eine neue Herausforderung gestellt, die er schließlich mit viel Mühe meistert. Er ist kein Überheld, sondern ein Jedermann, mit dem man sich perfekt identifizieren kann.

Ihm zur Seite steht die Gottesanbeterin Sagawa, die ein steter Quell für Humor ist. Sie ist zwar eine Fleischfresserin, die, wenn sie Hunger hat, mal eben ein Reittier tötet und isst, doch die nonchalante Art, wie sie beispielsweise darüber redet, dass sie ihre Mutter und ihre Geschwister gegessen hat, nur um dann zu versichern, dass die alle bereits tot waren, sorgt für Schmunzler. Oder die Tatsache, dass ihre Ziehmutter ein Schmetterling ist.

Es ist diese Kombination aus Gegensätzen, die einen bestens unterhält. Ebenso wie in Die Vergiftung auch die Gegenseite ausgebaut wird. Man hat eine ehrgeizige Generälin, die von einem Krieg gegen die Bienen eine Narbe zurückbehalten hat und sehr auf Recht und Ordnung bedacht ist. Derweil ist die Nachfolgerin der verstorbenen Hohepriesterin vor allem auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Es sind die klaren Gegenspieler, die aber gleichzeitig auch gut charakterisiert werden.

Ein starker Beginn, ein schwacher Abschluss

Der Stil von Nicolas Signarbieux ist für das Album sehr cartoonig gehalten. Er zeichnet die Insekten nicht realistisch, sondern gibt ihnen menschenartige Charakteristika. Wie beispielsweise, dass weibliche Insekten Brüste haben. Er fängt stark an, doch mit der Zeit baut er etwas ab, was man vor allem an den Hintergründen merkt, die irgendwann nicht mehr so detailliert sind wie noch zu Beginn.

Der Auftakt zu Plastok-Reihe, Die Vergiftung, ist ein guter Anfang. Es bleibt zwar noch Luft nach oben, vor allem, was die Story angeht. Aber insgesamt wird man gut unterhalten.

 

Autor: Maud Michel, Nicolas Signarbieux
Zeichner und Farben: Nicolas Signarbieux
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite

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