Der Kurier Bryan wird zum Krankenhaus von Raccoon City geschickt. Dort ist es allerdings gerade nicht sehr freundlich.
Schon im Jahr 2002 gab es die erste Verfilmung der Videospielreihe, die das Survival Horror Genre zwar nicht erfand, aber bekannt machte und auch den Namen gab. War diese noch einigermaßen gelungen, driftete die folgende Reihe immer mehr in sinnlose Action ab, bis man 2021 eine neue Reihe begann, welche aber nicht fortgeführt wurde. Dieser Teil ist also ein erneuter Reboot.
Handlung
Kurierfahrer Bryan erfährt, dass seine Freundin Michelle schwanger ist. Eigentlich will er nach Hause und mit ihr reden, die Aussicht auf einen gutbezahlten Extrajob bringt ihn davon aber ab. Er geht davon aus, dass er wie üblich ein Organ transportiert. Auf der Fahrt, bei der heftiger Schnee die Sicht behindert, läuft ihm eine Frau vor das Auto. Nach dem ersten Schrecken steigt Bryan aus und sieht nach ihr – doch sie ist weg…
Rezension
Schon im Vorfeld gab es heftige Kritik am Trailer, obwohl man gar nicht so viel sehen konnte. Und auch nach der Veröffentlichung wird in den einschlägigen Fan-Gruppen gemeckert, was das Zeug hält. Aber es gibt auch Menschen, die den Film mögen. Und deswegen habe ich mir mal die Wertungen angeschaut. Bei Rotten Tomatoes kommt er auf Wertungen von 96% / 91% und bei IMDb hat er ein Rating von 7,6.
Zum Vergleich – die erste Verfilmung , die bisher als die beste galt, kommt nur auf 36% / 67 % und 6,6. Der Reboot erreicht 30% / 65% und 5,2. Die Reihe mit Milla Jovovich wird dafür kritisiert, dass sie sich zu weit von der Spielereihe entfernt hat und die von ihr gespielte Alice zu stark ist. Welcome to Raccoon City wird dafür kritisiert, dass die Darsteller der Vorlage nicht entsprechen und wegen der unsinnigen Zusammenführung der ersten beiden Teile der Spielereihe.
Ist das noch Resident Evil?
Das ist eine Behauptung, die man immer wieder findet, auch bei Star Wars und Star Trek oder Doctor Who finden wir immer wieder solche Aussagen. Auch die Spielereihe hat solche Kritik bekommen, als sie mit Teil 4 das Spielprinzip massiv änderte und dann erneut mit Resident Evil 7. Aber ohne Veränderungen würden wir immer nur das gleiche Spiel spielen oder den gleichen Film sehen. Und da kommt dann eben diese neue Verfilmung daher. Keine Charaktere aus der Spielereihe, keine bekannten Orte – mit Ausnahme von Raccoon City. Und die Viren oder was auch immer, machen auch nicht das, was sie sollen. Ist das also noch Resident Evil? Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten, denn was Resident Evil ist, ist einfach subjektiv.
Survival Horror
Wie eingangs erwähnt, die Spielreihe ist Survival Horror. In diesem Genre geht es um das Überleben, wie der Name schon sagt. Die Charaktere stecken in aussichtslosen Situationen, sind oft gefangen und leiden unter Ressourcenknappheit. In der Spielreihe sind es bis Teil 7 oft Mitglieder einer Spezialeinheit oder Polizisten und nur selten gewöhnliche Leute. In Teil 7 ist es dann ein „Normalo“, der sich in einer bedrohlichen Situation befindet – eben wie in den meisten Horrorfilmen auch. Genau dieses Szenario haben wir hier. Bryan ist total überfordert mit der Situation, die sein Verständnis von der Welt komplett auf den Kopf stellt. Seine Erfahrung mit Schusswaffen hat er aus Videospielen und er ist selten der Herr der Lage. Er hat prinzipiell ein gutes Herz und will den Leuten helfen, gerät dadurch aber immer wieder in Schwierigkeiten. Und wie es sich für einen Horrorfilm gehört, geht er nachsehen, was da los ist, statt die Beine in die Hand zu nehmen. Was er trotzdem an der einen oder anderen Stelle macht.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht?
Schon seit dem ersten Teil der Spielereihe nimmt diese sich nicht so ernst, wie man es bei einem Horrorspiel eigentlich erwarten könnte. Das macht auch dieser Film nicht. Der Humor kommt in der ersten Hälfte überwiegend von der Unbeholfenheit des Protagonisten Bryan, in der zweiten Hälfte gesellen sich aber noch andere Charaktere dazu, die stellenweise ein wenig drüber sind. Vor allem die Wissenschaftler werden heftig kritisiert, weil sie einfach Trottel sind und trotz der vermeintlichen Intelligenz von Wissenschaftlern dumme Entscheidungen treffen. Diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen, denn es sind zwei vollkommen verschiedene Dinge, in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Auch wenn es stereotypisch ist, dass Wissenschaftler wie diese in anderen Bereichen nicht unbedingt die Blitzmerker sind, kommt dieses Stereotyp nun mal irgendwoher. Klar ist es dumm, Bryan überhaupt ins Labor zu lassen, ohne ihn zu untersuchen. Aber in dieser Situation, draußen tobt ein „Krieg“ und sie können diesen endlich beenden, ist doch klar, dass sie aufgeregt sind. Es hat auch einen Grund, warum Wissenschaftler in solchen Szenarios immer von Soldaten beschützt werden – diese sind dafür ausgebildet, wachsam zu bleiben, unter allen Umständen.
Reißen solche Szenen aus der Immersion? Unter Umständen, ja. Deswegen kann ich nachvollziehen, dass manche Zuschauer die zweite Hälfte als zu komisch empfinden. Für mich war das aber kein Problem, da ich mir dachte, dass der Ton jetzt anders wird, weil Bryan mehr über die Hintergründe weiß.
Da fand ich die Dummheit von Maxine tatsächlich schlimmer. Helfen wollen, okay. Aber sich selbst und die Mission gefährden? Das machen gut ausgebildete Soldaten und Leibwächter doch? Irgend so einen Background muss sie ja haben, so wie sie mit der Waffe umgeht.
Monster, Monster und Monster
Resident Evil braucht Zombies, sonst ist es kein Resident Evil. Solche Aussagen habe ich schon bei den Spielen gehört und dazu sage ich einfach nur: Unsinn. Ja, Zombies waren in den ersten Teilen die Hauptgegner – das lag daran, dass Shinji Mikami Romero-Fan ist und Geister für nicht bedrohlich genug hielt. Aber schon dort hatten wir auch darüber hinaus Monster. Verwandelte Hunde, riesige Pflanzen, Schlangen und Spinnen – und die Hunter, sowie den Tyrant. Es kamen in jedem neuen Teil auch wieder andere Gegner – ich kann nachvollziehen, dass alte Fans Zombies sehen wollen und ich würde auch zustimmen, dass es ein wesentlicher Bestandteil der Reihe ist, dass die Hauptgegner noch menschlich aussehen. Es geht aber um Biowaffen und nicht um Zombies. Wie Ada Wong im Remake von Teil 2 so schön sagt: Umbrella verkauft keine Monster, sie verkaufen Viren, die Menschen zu Monster machen.
Und ich finde, wir können uns in diesem Film nicht beklagen. Zu Beginn wird wahrscheinlich jeder Zuschauer auf der Zombieschiene gewesen sein. Der Hund allerdings erinnert schon eher an die von Las Plagas infizierten Lebewesen. Und in diese Richtung geht es dann auch weiter. Lediglich der „Fettsack“ in der Kanalisation ist in meinen Augen zu viel des Guten.
Die restlichen Monster – vor allem der Säurespucker und ein Wesen, welches aus dem ersten „Zombie“ und jeder Menge anderer Menschen besteht – sind wirklich gut umgesetzt und interessant. Für das „Merged Monster“ gibt es sogar eine Grundlage in den Spielen, denn auch dort gibt es verschiedene Biowaffen, die sich mit Biomasse vergrößern und stärker werden. Nyx aus Outbreak File #2 zum Beispiel, oder auch Uroboros aus Resident Evil 5. Die Darstellung ist hier nur anders, da man die Arme und Beine sieht und so quasi einen BOW-Ball hat, der dank der Gliedmaßen auch Wände hochklettern kann.
Nachvollziehbar?
Die Handlung ergibt für mich Sinn, bis auf wenige Ausnahmen. Bryan bekommt eine Nachricht, die sein Leben verändert. Anstatt heim zu fahren, nimmt er einen Job an – er hat keine Lust auf das Gespräch mit seiner schwangeren Freundin. Menschen reagieren so, meistens aus Angst vor dem Unbekannten und der Veränderung.
Als er die Frau überfährt, schaut er nach ihr. Würde er es nicht tun, bekäme er heftige Probleme mit der Justiz und ich schätze ihn auch generell als gutherzigen Menschen ein. Woher sollte er auch wissen, dass diese Frau nicht mehr menschlich ist? Seine Reaktionen auf das Erlebte – ebenso komplett nachvollziehbar. Er ist teilweise übelst überfordert und muss Dinge tun, die er noch nie getan hat und bei denen fast jeder Mensch an seine Grenzen kommt. Immerhin – er hat ein Kind erschossen. Das fand ich schon hart für diesen Film, aber er hatte hier auch keine Wahl.
Auch die vom Dach springenden „Zombies“ sind nachvollziehbar, auch wenn es komisch wirkt. Sie wollen zur Beute und sind nicht mehr intelligent genug, um die Gefahr zu sehen. Auch der sentimentale Moment Bryans in der Tiefgarage ist absolut nachvollziehbar.
Ist das jetzt Resident Evil?
Das kommt drauf an. Wenn für euch Resident Evil bedeutet: Zombies, Munitionsknappheit, Puzzles, Schlüssel suchen, Akten, Rennen von A über C und D zu B, nur um dort wieder bei A rauszukommen – ja, dann ist das kein Resident Evil. Videospiele erzeugen aber anders Spannung als Filme. Im Videospiel sind wir angespannt, weil wir nur noch drei Schuss in der Pistole haben, da vorne drei Zombies sind und wir jetzt da durch müssen, um den verdammten Würfel zu holen, den wir für das Puzzle am Eingang brauchen. In Filmen sind wir angespannt, weil wir mit dem Protagonisten mitfühlen und uns in seine Lage reindenken können. In der Regel wissen wir als Zuschauer auch mehr, als die Charaktere im Film. Wir wissen bereits, dass Bryan in Raccoon City nicht einfach nur seine Lieferung abliefern wird. Als er die Frau umfährt wissen wir, dass dies nicht einfach nur eine Frau ist. All das weiß Bryan aber nicht.
Wenn Resident Evil aber für euch Biowaffen sind, Charaktere in aussichtslosen Situationen stecken, während sie versuchen, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Dann ist dies Resident Evil. Mit vielen kleinen Easter Eggs wie einem First Aid Spray und typischen Situationen aus der Spielreihe, die hier aufs Korn genommen werden. So will Bryan mit einem Truck ein abgeschlossenes Tor einfach umfahren – dabei beschädigt er aber das Auto und das Tor bleibt ganz. An einer anderen Stelle will er ein Schloss aufschießen, das Schloss bleibt aber heil.
Bryan bekommt auch neue Waffen – erst eine Pistole, dann eine Schrotflinte und dann ein SMG. Der Raketenwerfer hätte noch gefehlt, aber den gab es dann ja am Schluss. Apropos Schluss – auch das ist klassisch Resident Evil, nur das dieses Mal eben eine Wendung im Spiel ist. Der „Endgegner“ mutiert immer weiter und ist am Ende kaum noch wiederzuerkennen – und wird am Ende dann von einer starken Waffe besiegt. In diesem Fall Raketen von einem Helikopter.
Fazit
Eine wunderbare Umsetzung, die sich nur der Welt bedient, ansonsten aber alles neu gestaltet, womit eine eigenständige Geschichte erzählt werden kann. Die beste Resident Evil Verfilmung bisher, ohne Frage. Einige Schwächen muss man aber leider trotzdem ertragen. So ist zum Beispiel der Sieg über den „Ball“ viel zu einfach.
Info
Regie: Zach Cregger
Drehbuch: Zach Cregger, Shay Hatten
Produktion: Zach Cregger, Robert Kulzer, Roy Lee, Asad Qizilbash, Carter Swan, Miri Yoon
Musik: Hays Holladay, Ryan Holladay
Kamera: Dariusz Wolski
Schnitt: Joe Murphy
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