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Review: Resident Evil (2002)

Lesezeit circa: 9 Minuten

In einem unterirdischen Forschungslabor bricht ein tödlicher Virus aus.

Was haben wir Resident-Evil-Fans uns gefreut, als 2002 endlich der Film in die Kinos kam. Bereits 1997 hatte Constantin Films die Rechte gekauft, und nachdem einige Autoren bereits ein Drehbuch verfasst hatten, darunter auch George A. Romero, wurde am Ende ein Entwurf von Paul W.S. Anderson – der 1995 mit Mortal Kombat eine der erste erfolgreichen Videospieladaptionen schuf – in das Drehbuch zum ersten Resident-Evil-Film umgeschrieben. Anderson sollte auch Regie führen. Ursprünglich sollte es auch ein Prequel zu den Spielen werden, das wurde aber wieder fallengelassen.

Handlung

Ein Unbekannter stiehlt Viren und Antiviren in einem High-Tech-Labor. Dabei setzt er absichtlich den Virus frei, um seine Flucht zu decken. Das Sicherheitssystem springt an und sperrt das Personal im Labor ein. Kurz darauf wacht Alice (Milla Jovovich) in der Dusche auf, sie kann sich an nichts erinnern. Ein Team bewaffneter Soldaten dringt in das Haus ein und nimmt sie mit. Auf dem Weg ins Labor erklärt der Anführer die Situation. Der Supercomputer Red Queen hat die Anlage abgeriegelt, aber man weiß nicht wieso. Sie sind da, um dies zu klären und die Red Queen abzuschalten. Doch hier beginnen ihre Probleme erst …

Ja, wo sind sie denn?

Wir haben das Spencer-Anwesen, die Umbrella Corporation, Raccoon City, den T-Virus, Zombies, Cerberus, Licker und am Ende wird kurz das Nemesis-Projekt erwähnt. Da ist doch viel drin, oder? Könnte man meinen, aber leider haben sie etwas Wichtiges vergessen – die Charaktere. Nicht ein einziger Charakter aus dem Spielfranchise hat es in die Umsetzung geschafft. Stattdessen hat man Alice geschaffen, die sich zwar nur bruchstückhaft an die Zeit vor dem Aufwachen erinnern kann, ihre Ausbildung hat sie aber scheinbar nicht vergessen. Sie ist am Ende auch die einzige Überlebende des Films. Warum man hier komplett neue Charaktere erschaffen hat, ist mir ein Rätsel. Natürlich gibt es dem Kreativteam mehr Freiheiten, aber gleichzeitig stößt man die Fans der Serie vor den Kopf. Es wäre sicherlich kein großes Problem gewesen, die Story so zu ändern, dass es eben die S.T.A.R.S. sind, die das Haus, in dem Alice lebt, untersuchen.

Wo ist der Horror?

Was auch noch fehlt, ist wirklicher Grusel oder Horror. Für eine Verfilmung eines Horror-Games ist hier erstaunlich wenig Horror enthalten. Ja, wir haben Zombies und die dürfen auch ein paar Leutchen anknabbern. Der Licker darf sogar Spence töten, bevor er mutiert und quasi zum Endgegner wird. Richtiger Horror kommt aber nicht auf, was mit Zombies und anderen Kreaturen schon ziemlich schwierig ist. Aber was will man erwarten, wenn das Drehbuch vorsieht, dass die ersten Toten nicht etwa durch einen heimtückischen Zombieangriff zustande kommen, sondern durch einen Abwehrmechanismus der Red Queen. Diese dämliche Laserfalle tötet die Hälfte des Einsatzteams. Auch große Teile des Personals werden aktiv von der Red Queen getötet und nicht durch irgendwelche Biowaffen. Das geht dann wohl doch eher in Richtung Thriller als in Richtung Action.

Plotfehler und sogar Fehlinformationen

Fehlinformation: Die Red Queen sagt, dass der Körper nach dem Tod noch aktiv ist, neue Zellen werden produziert und Haare und Fingernägel wachsen weiter. Wir wissen schon lange, dass dem eben nicht so ist. Der Körper dehydriert, die Haut zieht sich zusammen, was den Anschein erweckt, dass Haut und Nägel weiterwachsen. Für einen Supercomputer ist das also ganz schön nachlässig.

Apropos Supercomputer. Dieser hat den Hive ja abgeriegelt, damit niemand raus und den Virus verbreiten kann. Wäre es nicht wesentlich intelligenter gewesen, die Eingeschlossenen nicht noch zusätzlich umzubringen und das auch noch auf möglichst grausame Weise? Immerhin wird eine Frau von einem Aufzug geköpft, nachdem dieser erst fallen gelassen wurde, dann kurz vor dem Aufprall gestoppt wird, und dann fährt er wieder hoch und köpft sie dort. Können Computer so sadistisch sein?

Warum überhaupt sind Verwaltungsangestellte, die mit der Forschung überhaupt nichts zu tun haben, ebenso im Hive, der im Notfall eben alle einsperrt? Wollte Umbrella so dafür sorgen, dass diese nach einem Zwischenfall nicht reden? Hätte man das nicht einfacher lösen können, in dem die Verwaltungsleute einfach nicht alles wissen und in einem normalen Büro arbeiten?

Warum ist der Noteingang im Herrenhaus und warum wird dieser von nur zwei Leuten bewacht? Wo ist der Haupteingang und warum benutzt man diesen nicht? Wieso hat das Sicherheitspersonal des Anwesens überhaupt Zugang zum Hive, was wollen die da? Das ist eine geheime Anlage. Je weniger Leute dort Zugang haben, desto sicherer ist das Geheimnis. Und warum dringt das Einsatzteam gewaltsam ins Haus ein? Warum wird der Polizist Matt, der nicht im Computer der Polizei ist, mit in die geheime Anlage genommen? Warum wird er nicht ausgeschaltet oder im Herrenhaus zurückgelassen?

Nochmal zurück zur KI. Warum muss diese erst mit einem Kameraschwenk erfahren, dass der Virus ausgebrochen ist? Sollte es nicht Sensoren geben, die sowas sofort erfassen? Und warum gibt es nach der ersten Abriegelung noch eine zweite Abriegelung, ein paar Stunden später?

Filme und so ziemlich jedes andere Medium sind natürlich nie frei von Fehlern. Dinge müssen passieren, damit die Handlung stattfinden kann. Deswegen lege ich da auch erst die Daumenschrauben an, wenn diese wirklich schreiend unlogisch sind oder sich stark häufen. Hier sind es einfach zu viele Dinge, die dafür sorgen, dass der Plot eben so stattfinden kann, wie er es soll. Natürlich kann man das Videospiel nicht 1:1 umsetzen, da es ja auch von seinen Rätseln lebt, und es wäre schon arg komisch, wenn man erst ein Buch finden müsste, indem man ein Rätsel mit Statuen löst, um in diesem Buch einen Schlüssel zu finden, der eine Tür aufsperrt. Ein wenig mehr an der Vorlage zu arbeiten, hätte dem Film aber gut getan. Keine Killer-KI und Laserfallen wären schon mal ein guter Punkt gewesen.

Nacktheit

Normalerweise stört mich Nacktheit nicht, aber in diesem Film habe ich das Gefühl, als wolle man Milla möglichst sexy präsentieren. Wir sehen sie zum ersten Mal wie sie beim Duschen aufwacht, dort ist man natürlich nackt. Mal davon abgesehen, dass der Abwehrmechanismus im Haus und auch im Zug keinen Sinn ergibt, hätte sie aber auch an jedem anderen Ort zu sich kommen können. Sie entscheidet sich dann dafür, ein Kleid, welches sie wohl vor dem Duschen rausgelegt hatte, überzuziehen. Später wacht sie im Krankenhaus von Raccoon City auf, ebenfalls wieder nackt und nur mit einem Tuch bedeckt.

Die guten Seiten

Ja, ich hab da mal wieder voll vom Stapel gelassen – man könnte meinen, ich würde den Film hassen. Dem ist aber nicht so. Die Zombies sehen ziemlich gut aus, mit den Cerberus komme ich auch ganz gut klar, der Licker ist allerdings billiges CGI und überhaupt nicht getroffen. Ein paar feine Szenen sind drin, wie z. B. der Tod von J.D., der ziemliche Romero-Vibes ausgelöst hat. Prinzipiell mag ich auch die Idee mit dem Lasergitter, aber nicht in einem Zombiehorrorfilm. Das passt besser zu Cube. Und ironischerweise sollte Cube 2 – Hypercube im gleichen Jahr nur wenige Monate später erscheinen. Das Ende, also das Aufwachen im Krankenhaus, ist auch ziemlich gut gelungen, vor allem der Teil, bei dem Alice nach draußen tritt und die zerstörte Stadt vorfindet. Ohne den Umbrella-Hintergrund und alles, was damit zusammen hängt (vor allem die Red Queen), wäre dies ein wirklich angenehmer Zombie-Actionstreifen geworden, aber es ist leider eine Resident-Evil-Verfilmung. Das heißt, der Film muss sich daran messen lassen. Und dem wird er dann einfach nicht gerecht.

Funfacts

  • Der Film sollte ursprünglich Resident Evil: Ground Zero heißen. Dies wurde nach den Anschlägen auf das World Trade Center aber fallen gelassen.
  • Die Handschrift von Spence passt genauso wenig wie die von Alice zur gefundenen Notiz zu Beginn.
  • Der Film spielte fast das Dreifache seines Budgets ein.
  • Jason Isaacs tritt in den letzten Sekunden als Doktor auf, er spricht auch die Einleitung. Er wird in den Credits nicht erwähnt, wird aber oft als William Birkin geführt, obwohl es dafür keinen Hinweis gibt.
  • Gedreht wurde hauptsächlich in Berlin, z. B. in der damals noch nicht fertiggestellten U-Bahn-Station Bundestag.
  • Als Zombies wurden professionelle Tänzer eingestellt, da diese eine bessere Körperbeherrschung haben.
  • Da die Tänzer nicht ausreichten, um die Massen an Zombies darzustellen, sprangen Angestellte von Capcom und des Studios ein.
  • Manche Zombies wurden mit CGI überarbeitet, aber größtenteils kam einfach nur Make-up zum Einsatz.

Fazit

Obwohl man sich hier relativ weit von der Vorlage entfernt und im Prinzip nur Firmen- und Ortsnamen übernommen hat, kann man diesen Film durchaus als gute Verfilmung ansehen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Messlatte bei Videospielverfilmungen relativ weit unten liegt. Gut ist hier also eher “Nicht schlecht” als wirklich gut. Es gibt ein paar hübsche Szenen, aber der Großteil ist dann mehr Standardkost im Actionbereich. Als Horrorfilm würde ich den Film auch nicht ansehen, die wenigen Szenen in denen sowas wie Grusel aufkommen kann, werden leicht mit Action zunichtegemacht. Aber hey, Heike Makatsch als Zombie ist auch nicht verkehrt.

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Marco Golüke

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