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Eine Handvoll Synths soll ein Alien-Ei vom verlorenen Planeten Tobler-9 bergen.

Alien IcarusHandlung

Im Jahr 2217 kommt es auf der Koloniewelt Demeter-2 zu einer folgenschweren Reaktorkatastrophe. Der Planet kann nicht rechtzeitig evakuiert werden, aber es gibt einen Impfstoff, mit dem die Bevölkerung gegen die radioaktive Strahlung immunisiert werden könnte. Der einzige Haken: Der Impfstoff wurde aus Xenomorphen gewonnen, welche die Forschungseinrichtung auf Tobler-9 schon vor Jahrzehnten überrannt haben. Die Siedlung wurde daraufhin bombardiert und ist nun eine radioaktive Ruinenstadt.

Menschliche Soldaten können aufgrund der Umstände nicht nach Tobler-9 geschickt werden. Es kommen nur Androiden infrage, denen Radioaktivität nichts ausmacht und die außerdem von Xenomorphen weitgehend ignoriert werden. Doch auch dabei gibt es einen Haken, denn das Steel-Team wurde unlängst aufgelöst und die ehemaligen synthetischen Soldaten Freyja, Astrid, Eli, Nora und Seth haben sich auf den Planeten Europa-5 zurückgezogen, dessen Atmosphäre für Menschen nicht atembar ist.

General George March hält das nicht davon ab, ein Team zu schicken, um die fünf einzufangen. Während seine Leute kurzerhand getötet werden, wird er von den Androiden gefangen genommen. Nachdem er ihnen angeboten hat, dass die United Systems ihnen volle Bürgerrechte gewähren werden, wenn sie die Mission übernehmen, willigen sie schließlich ein.

In den Laboren von Tobler-9 angekommen, muss das Team feststellen, dass sich der Alien-Embryo, den sie bergen sollten, nicht mehr in seiner Stasiskapsel befindet. Lediglich ein paar genetisch veränderte Insekten befinden sich noch vor Ort. Kurz darauf machen sie unliebsame Bekanntschaft mit den Xenomorphen, werden aber überraschend von einer Handvoll Menschen gerettet.

Die Überlebenden der einstigen Kolonie verschanzen sich seit Jahren in einem Bunker, den sie nur während heftiger Unwetter verlassen, in denen sie von den Aliens nicht so leicht aufgespürt werden können. Die Anführerin Melody verspricht, die Synths zum Nest der Alienkönigin zu führen, wo sie ein Ei bergen können. Allerdings stellt sich dies als Falle heraus, denn die Überlebenden wollen mit dem Shuttle des Einsatzteams der Hölle entkommen und definitiv kein Alien mitnehmen.

Weit kommen Melody und ihre Leute jedoch nicht, denn die diebische Lee wurde zuvor beim Durchwühlen von Elis Ausrüstung von einem der genmanipulierten Insekten infiziert. Nachdem sie sich heftig ausgekotzt hat, mutiert sie zu einer xenomorphenähnlichen Kreatur und bringt das Shuttle zum Absturz. Danach überfällt sie zusammen mit den Aliens den Bunker der Kolonisten. Unglücklicherweise befindet sich dort auch der Peilsender, mit dem die Androiden Verstärkung rufen könnten.

Das Einsatzteam hat zwischenzeitlich Nora an die Alienkönigin verloren, und als einer der Kolonisten eine Miniatombombe im Bunker zündet, muss auch Seth dran glauben. Freya und ihre beiden verbliebenen Mitstreiter können lediglich einen taubstummen Jungen retten, der die Atomexplosion merkwürdigerweise ohne Strahlenschäden überstanden hat. Wie es scheint, haben die drei Synths doch noch das Heilmittel gefunden.

Jetzt müssen sie den Jungen nur noch sicher vom Planeten bringen, was gar nicht so leicht ist. Ihnen kleben immer noch die Alienkönigin, die mutierte Lee und jede Menge Xenomorphe an den Fersen. Obendrein bekommt Eli starke Stimmungsschwankungen, doch am Ende schaffen er und Freyja es, mit dem Kind zu entkommen. Die Zukunft liegt von nun in ihren Händen.

Rezension von Alien – Icarus

„Willkommen Innovatoren, in der neuen Ära unserer Träume“, begrüßt eine Hologrammdame die Siedler von Tobler-9 just in dem Moment, in dem die schlimmsten Albträume über die Weyland-Yutani-Kolonie hereinbrechen. Wieder einmal sind ein paar Xenomorphe aus einem Biowaffenlabor ausgebrochen und zerstören eine komplette Welt. Der Konzern, der scheinbar über allen Gesetzen steht, lernt einfach nicht dazu. Aber so ist das halt „in einem Markt, über dessen Zukunft nicht Regierungen entscheiden.“ Und auch nicht „das Volk“, wie das Werbehologramm vollmundig verkündet. Allerdings entscheiden auch nicht die Investoren über die Zukunft von Tobler-9, sondern die Investitionen, sprich die Aliens.

Was auf der Koloniewelt geschah, ist inzwischen längst Vergangenheit und weder Weyland-Yutani noch die United Systems würden sich noch darum kümmern, wenn nicht eine Reaktorkatastrophe auf Demeter-2 geschehen wäre. Um die dortigen Siedler vor dem radioaktiven Fallout zu schützen, wird ein Impfstoff benötigt, an dem auf Tobler-9 geforscht wurde. Und da dieser Planet ebenfalls verstrahlt ist, müssen Synths die Mission übernehmen.

Was diesen Comic von allen bisherigen Geschichten aus dem Alien-Universum abhebt, ist eben diese Team-Zusammensetzung. Alle wichtigen Protagonisten sind Androiden, wobei die Frauenquote mit 3:2 überdurchschnittlich hoch ist. Das Geschlecht spielt bei den künstlichen Lebensformen durchaus eine Rolle, denn Seth und Nora sind ein Liebespaar. Ja, die Synths haben alle einen Emotionschip und während Eli die Menschen verachtet, wäre Freyja am liebsten selbst ein echter Mensch, und Astrid malt leidenschaftlich gerne Bilder. Data lässt grüßen.

Bei den fünf Androiden handelt es sich jedoch nicht um irgendwelche Modelle, sondern um ehemalige Soldaten, die als Steel-Team für die United Systems gekämpft haben, bis man sie nicht mehr brauchte. Ohne Chance auf Bürgerrechte haben sie sich schließlich von der Menschheit abgewandt und leben seither im Exil auf Europa-5. Doch schließlich werden sie von ihrer Vergangenheit in Form von General March eingeholt, der sie erneut rekrutieren möchte. Das stößt zwar zunächst auf Ablehnung, allerdings scheint es übertrieben, dass  Nora und Seth gleich eine Handvoll von Marchs Soldaten abschlachten. Immerhin hatten sie registriert, dass die Eindringlinge nur mit Betäubungsgewähren bewaffnet waren und daher keine Bedrohung darstellten. Wobei sich wiederum die Frage stellt, wie sich Synths betäuben lassen? Das ginge eigentlich nur mittels eines EMPs.

Jedenfalls ist die Gewalt absolut unverhältnismäßig, zumal kurz darauf alle in die Mission einwilligen. Wirklich Lust haben die Synths zwar nicht, aber das Versprechen, nach der Mission volle Bürgerrechte zu erhalten, kann sie letztendlich umstimmen. Ein leeres Versprechen, wie sich am Ende herausstellt, nur kommt March gar nicht mehr dazu, das Team zu verraten, da ihn zuvor sein negatives Karma einholt.

Von den fünf Androiden überleben allerdings auch nur Freyja und Eli. Als erste muss Nora dran glauben, die von der Alien-Königin zerfetzt wird. Kurioserweise übersteht sie zuvor einen Säureangriff, der ihren linken Arm trifft, völlig unbeschadet, und auch ihre Schwerter scheinen säureresistent zu sein. Aus Trauer um ihren Tod schält sich Seth die Augen aus dem Kopf. Was immer diese drastische Geste auch bringen soll, offenbar kann er daraufhin trotzdem noch sehen, denn als der Bunker der überlebenden Siedler von Xenomorphen überrannt wird, trifft er diese mühelos mit seinem Gewehr. Nur die Mini-Nuke, die einer der Siedler zündet, bemerkt er zu spät.

Die Menschen haben sich ihr Schicksal wieder einmal selbst zuzuschreiben. Zum einen locken sie das Team in eine Falle, statt ihnen den gesuchten Impfstoff zu geben, dank dem sie Jahrzehnte lang in den radioaktiven Ruinen überleben konnten. Zum anderen durchwühlt Lee das Gepäck von Eli, ohne zu bemerken, dass eines der mitgeführten Insekten unter ihre Kleidung krabbelt. Als Eli das bemerkt, sagt er nichts, weil er Menschen nicht ausstehen kann. Dumm nur, dass durch sein Schweigen später das eigene Shuttle abstürzt und Lee auch für sein Team zur Gefahr wird.

Die Insekten sind übrigens mit dem schwarzen Öl infiziert, welches in Prometheus – Dunkle Zeichen als Biowaffe der Konstrukteure eingeführt wurde. Im Weyland-Yutani-Labor auf Tobler-9 sind einige Kanopen mit der Substanz zu sehen. Lee ergeht es jedenfalls wie Fifield. Nachdem sie literweise schwarzes Öl erbrochen hat, mutiert sie zu einer Alienkreatur, wobei Fifield in Prometheus ursprünglich ganz ähnlich aussehen sollte und nicht wie der aufgequollene Zombie im fertigen Film.

Die letzten drei Synths können nur noch einen kleinen, taubstummen Jungen retten, womit ihre Mission erfüllt wäre. In einer kurzen Ruhepause beraten sie, was sie nach der Mission mit ihrer versprochenen Freiheit anfangen wollen. Freyja würde gern das Boot von Nora und Seth zu Ende bauen, während Astrid mehr Bilder von Aussichten malen möchte. Die Androiden haben nicht nur Gefühle, sondern auch Träume, was es umso bitterer macht, dass Astrid kurz darauf von der Alienkönigin zerfetzt wird. Dabei sollten Xenomorphe doch eigentlich nur dann auf Synths reagieren, wenn sie diese als Bedrohung wahrnehmen.

Dieser Tod ist genauso überflüssig, wie Elis anschließende Stimmungsschwankungen. Erst stößt er den Jungen einen Abgrund hinunter, nur um ihn und Freyja kurz darauf vor der Alienkönigin zu retten. Scheinbar ist ihm da ein Logikschaltkreis durchgebrannt und zwar noch bevor ihm Freyja eine Eisenstange in den Kopf gerammt hat. Die Alienkönigin scheint ihrerseits genauso unverwundbar zu sein. In ihrem Schädel steckt noch eins von Noras Schwertern, mit dem ihr Freyja das Hirn halbiert. Anschließend sprengt Eli dem Viech zwei Drittel des Kopfes mit einer Granate weg, was die Kreatur ebenfalls einfach so wegsteckt. Auf dem Dach des Gebäudes taucht die Alienkönigin noch ein letztes Mal auf, bevor ihr drei weitere Kopfschüsse endlich den Rest geben.

Die Action wird hier eindeutig überstrapaziert, zumal es mit der mutierten Lee noch eine weitere Hauptgegnerin gibt. Diese wird am Ende für etwaige Fortsetzungen aufgespart und nimmt langsam die Gestalt der Alienfrau an, die Gabriel Cruz im ersten Band Blutlinien in dessen Träumen heimgesucht hat. Doch wie konnte Cruz 17 Jahre zuvor von etwas träumen, das erst viele Jahre später auf einem fernen Planeten Gestalt annehmen sollte? Außerdem sieht das Resultat auf der letzten Seite immer noch nicht ganz so aus wie die Giger-Phantasie auf dem Cover.

Was es mit dieser neuen Kreatur auf sich hat, wird erst der nächste Zyklus zeigen, der von einem anderen Autor geschrieben wird. Der erste Zyklus von Phillip Kennedy Johnson ist mit diesem Band abgeschlossen, der bei einigen kleineren Schwächen tatsächlich der Beste der Reihe ist. Die einzelnen Geschichten sind dabei eher locker miteinander verbunden. So wird die Zerstörung der Euridice-Kolonie aus dem zweiten Band Erweckung zwar am Rande erwähnt, spielt aber für die Handlung von Icarus keine Rolle.

Grafisch schließt der erste Zyklus auf einem recht hohen Niveau ab. Die Charaktere sind allesamt stets wiedererkennbar und werden aus interessanten Perspektiven in Szene gesetzt. Die Raumschiffe und Gebäude hätten ein paar mehr Details vertragen können, sind aber zumindest an die Designsprache der Filme angelehnt. Das Drop-Ship wirkt z. B. wie eine etwas modernere Version der Filmvorlage, was passt, da zwischenzeitlich ein paar Jahrzehnte vergangen sind.

Die Xenomorphe sind ganz okay, sahen in den ersten beiden Bänden allerdings besser aus. Hier macht sich der Wechsel des Zeichners am deutlichsten bemerkbar. Absolut genial sind dagegen die Cover von Björn Barends. Diese treffen zuweilen zwar nicht ganz den Inhalt, sehen dafür aber nahezu fotorealistisch aus.

Die Farbgebung kann sich ebenfalls sehen lassen und bietet weiche Verläufe, die vor allem auf Gesichtern für ein natürliches Spiel von Licht und Schatten sorgen. Der Lichteinfall ist gelungen und es mangelt nicht an Glanz- sowie Leuchteffekten.

Fazit

Der Abschluss des ersten Zyklus kann sich sowohl inhaltlich als auch optisch sehen lassen. Die Konzentration auf synthetische Charaktere vertieft diesen Aspekt des Franchise, was der Story durchaus zugutekommt. Erschienen ist Alien – Icarus als hochwertiger Softcover-Band Nr.3 in der neuen Alien-Reihe.

Info

Autor: Phillip Kennedy Johnson
Zeichner: Julius Ohta
Farben: Yen Nitro
Verlag: Panini
Sonstige Informationen: Produktseite

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Warpskala

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8 10 0 1
  • Story
    7/10
  • Zeichenstil
    8/10
  • Koloration
    9/10
8/10
Total Score
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