Babylon 5
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Review: Babylon 5 038 – Das Geheimnis von Z’ha’dum

Lesezeit circa: 11 Minuten

John Sheridan erfährt die Wahrheit über die Schatten und Zack Allen tritt Nightwatch bei.

Staffel 2 – Folge 16
Das Geheimnis von Z’ha’dum / In The Shadow Of Z’ha’dum

Die Handlung

Immer mehr Narn-Flüchtlinge erreichen Babylon 5. Viele sind verletzt und müssen medizinisch behandelt werden. Dr. Franklin ist am Rande seiner Kräfte. In dieser Situation kommt Pierce MacAbee (Alex Hyde-White), ein Beamter des neuen „Friedensministerium“ nach Babylon 5. Er will Mitglieder für die neue Organisation „Nightwatch“ werben, deren Ziel es ist, Unruhestifter:innen, die Gerüchte und Fake-News verbreiten, beim Ministerium zu melden. Er bittet Talia Winters, an seinen Vorträgen teilzunehmen. Auch Zack Allen, Garibaldis Stellvertreter, nimmt teil. 50 Credits pro Woche sollen die Mitglieder von Nightwatch für ihre selbstgestellte Aufgabe erhalten und dabei sichtbar eine Armbinde tragen. Zack hält dies für leichtverdientes Geld und wird Mitglied von Nightwatch.

Das Geheimnis von Z'ha'dum

Captain Sheridan nimmt sich Zeit, einige Unterlagen seiner verstorbenen Frau durchzusehen, unter anderem eine Besatzungsliste des Forschungsschiffes Icarus. Als Garibaldi ins Büro kommt, erkennt er eines der Besatzungsmitglieder. Ein Mann, der offenbar nicht tot ist, sondern gerade jetzt auf der Station weilt. Es handelt sich um Morden, den geheimnisvollen Verbündeten von Londo. Morden wird von Sicherheitsleuten festgenommen. Sheridan will wissen, wieso er lebt, Anna und der Rest der Icarusbesatzung aber tot sind. Aber Morden behauptet, sich an nichts erinnern zu können. Sheridan lässt Morden in die Nähe von Talia Winters und hofft, dass sie etwas herausfindet. Auch wenn Talia über dieses Manöver empört ist, sagt sie, dass sie ein kaltes Gefühl gespürt hat und den Umriss eines Wesens gesehen hat. Aber sie zweifelt selbst an ihrer Beobachtung.

Da Londo auf Centauri Prime weilt, kommt Vir zum Captain und verlangt die Freilassung von Morden. Auch Delenn und Kosh kommen auf Sheridan zu und fordern ihn auf, Morden umgehend freizulassen. Ohne Erklärung will Sheridan aber nicht nachgeben und so weiht Delenn den Captain in ein Geheimnis ein. Schon vor den jetzigen bekannten Völkern gab es Zivilisationen, die man die Allerersten nennt. Die Allerersten unterrichteten die jüngeren Völker und verließen schließlich die Galaxis. Aber einige blieben zurück, hielten sich im Verborgenen für den Fall, dass die Schatten wiederkommen. Die Schatten sind Wesen, die seit Aber-Millionen Jahren immer wieder angreifen. Der letzte große Krieg liegt 10.000 Jahre zurück. Vor 1.000 Jahren griffen die Schatten verfrüht erneut an. Eine Allianz aus Allerersten und jungen Völkern besiegten die Schatten, bevor diese richtig losschlagen konnten. Sie zogen sich zurück. Nun verließen die Allerersten bis auf die Vorlonen die Milchstraße.

Doch seit einigen Jahren rühren sich die Schatten wieder und haben ihre Hauptwelt wieder reaktiviert: Z’ha’dum. Sheridan erkennt sofort, dass es die Welt ist, von der G’Kar schon gesprochen hat. Kosh zeigt Sheridan, was passiert ist: Die Icarus mit Anna und Morden an Bord hat den Planeten Z’ha’dum betreten und ist dort auf die Schatten gestoßen. Alle, die mit den Schatten nicht zusammenarbeiten wollten, wurden getötet. Morden ist ein Agent der Schatten, der immer von mehreren dieses spinnenähnlichen Volkes begleitet wird. Man kann sie nicht sehen, sie sind für andere unsichtbar. Wenn man Morden festhält, würden die Schatten sofort losschlagen, ohne dass die jungen Völker bereit sind, gegen sie zu kämpfen. Sheridan ist jetzt bereit, Morden freizulassen. Aber er stellt eine Bedingung. Er will, dass Kosh ihm zeigt, wie man die Schatten besiegen kann. Irgendwann werde er nach Z’ha’dum gehen. Kosh ist einverstanden, aber er prophezeit: »Sie können nach Z’ha’dum gehen, aber Sie werden sterben.«

Nightwatch soll den inneren Frieden sichern

Das Geheimnis von Z’ha’dum ist eine der wichtigsten und besten Folgen der gesamten Serie. Es sind nicht nur die Geheimnisse, die hier offenbart werden. Auch die Entwicklung auf der Erde und die Gründung von Nightwatch ist spannend und glaubhaft. Dem widme ich mich hier mal als Erstes.

Das Ministerium für Frieden und seine Abkürzung Minipax ist eine Anspielung auf das gleichnamige Ministerium in George Orwells 1984. Allerdings war es dort das Ministerium, das die Kriege gegen die Feinde Ozeaniens durchführt. In Babylon 5 ist es ein Ministerium zur Überwachung der Bevölkerung. Nightwatch stellt eine Art Mischung aus deutscher SA und den i. M. der Stasi dar. Wie die SA im Dritten Reich soll man Nightwatch-Mitglieder durch die Armbinde sofort erkennen, was einschüchternd wirkt. Und wie die „inoffiziellen Mitarbeiter“ bei der DDR-Stasi sollen sie Informationen über ihre Mitmenschen weiterleiten, damit das Ministerium entsprechende Maßnahmen ergreifen kann.

Was das mit Frieden zu tun hat? MacAbee erklärt das etwa so: „Wie können wir mit anderen Zivilisationen Frieden halten, wenn wir untereinander keinen Frieden schaffen?“ Es geht dem Ministerium darum, dass eine streitende Bevölkerung nicht im Frieden lebt. „Diejenigen, die gegen den Frieden arbeiten, sähen den Samen der Unzufriedenheit. Sie verbreiten Falschmeldungen, unterminieren die gesellschaftlichen Werte.“ Um dem entgegenzutreten, soll Nightwatch „Wache“ halten, so wie einst die Nachtwächter für Sicherheit bei Nacht sorgten.

JMS hatte ursprünglich vor, die Armbinden von Night Watch deutlicher an Armbinden der deutschen SA anzulehnen, fand dann aber, dass das zu dick aufgetragen war. Letztlich reichen die dezenteren Armbinden, um zu merken, das Ärger droht.

Das Geheimnis von Z'ha'dum

JMS war in gewisser Weise sehr vorausschauend, als er sich vorstellte, dass ein populistisch autokratischer Erdpräsident versucht, Unfrieden zwischen seinen Anhängern und den Anhängern einer liberalen Lebensweise zu sähen. Denn letztlich läuft es bei Nightwatch darauf hinaus. Wenn man schon die Demokratie formell nicht abschaffen kann, dann sollte man zumindest versuchen, die Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufzuwiegeln und so immer weitere strenge Maßnahmen zu rechtfertigen.

Unter Donald Trump als US-Präsident bildeten sich tatsächlich Gruppierungen, die sich als so etwas wie Bürgerschutz verstanden. Viele von ihnen nahmen an dem Sturm auf den Kongress teil. Wir werden später sehen, dass die Mitglieder von Nightwatch nicht weniger zimperlich sind.

Dass Pierce MacAbee auch die Telepathin Talia Winters zu seinem Vortrag einlädt, deutet darauf hin, dass man im Friedensministerium die Telepathen mit einbeziehen möchte. Sollen Telepathen die Gedanken ihrer Mitmenschen auf die politische Gesinnung hin überprüfen? Dieser Punkt wird später nie wieder aufgegriffen und wir können wohl davon ausgehen, dass es bei Nightwatch später keine Telepathen gegeben hat.

Kosmische Zusammenhänge wie bei Perry Rhodan

Z’ha’dum – schon der Name klingt unheimlich. Er klingt ein bisschen wie Khazad Dum, der Zwergenstadt in Moria aus dem Herrn der Ringe. Und das ist sicher Absicht. Wenn Delenn von den Allerersten und den Kriegen gegen die Schatten erzählt, klingt das sehr stark nach dem, was Gandalf über Sauron sagt: »Er ist tatsächlich wiedergekommen und verließ seine Bleibe im Düsterwald und kehrte wieder in seine alte Feste in den Dunklen Turm von Mordor zurück. Von diesen Namen habt sogar ihr Hobbits gehört, wie von einem Schatten am Rande alter Geschichten. Wie immer nimmt der Schatten, nach einer Niederlage und einer Pause, eine andere Gestalt an und wächst wieder.«

Über die Schatten gibt es im späteren Serienverlauf einen etwas anderen Hintergrund. Vermutlich hat Delenn den Hintergrund nur sehr vereinfacht dargestellt, aber das führt dann eben auch zu Missverständnissen.

Laut Delenn gibt es verschiedene Generationen von Völkern: Die ältesten Völker sind die Allerersten und diese haben schon gegen die Schatten gekämpft. Vor 1.000 Jahren konnten die Schatten in einem Präventivkrieg besiegt werden, bevor sie zu stark werden konnten. Danach haben alle Allerstersten die Galaxis verlassen, bis auf die Vorlonen. Hiernach sind also die Schatten ein Volk, das vielleicht sogar älter als die Allerersten ist. Später werden die Schatten zu den Allerersten gezählt und sind somit aus der gleichen „Generation“ wie es die Vorlonen sind.

Auf einen weiteren anscheinenden Widerspruch möchte ich hier dann doch noch kurz eingehen: Sheridan wird der Eindruck vermittelt, die Besatzung der Icarus habe die Schatten „geweckt“, als sie Ende 2256 die Ruinen auf dem Planeten untersuchten. Die Frage, die Delenn Ende letzten Jahres an Kosh richtete war aber: „Sind die Schatten nach Z’ha’dum zurückgekehrt?“ Entweder sie waren schon dort und sind geweckt worden, oder sie sind zu ihrem Planeten zurück gekehrt. Auch G’Kar sprach in Bezug auf den alten Feind von „zurückkehren“. Die Schatten haben Z’ha’dum vor 1.000 Jahren vermutlich nicht komplett verlassen, sondern ein Teil hat sich unter die Oberfläche zurückgezogen. Andere Schatten und auch Hilfsvölker sind in der letzten Zeit nach Z’ha’dum zurückgekehrt. Immerhin war auch das Alien aus Der unsichtbare Feind auf dem Weg nach Z’ha’dum. Die Besatzung der Icarus hat also wohl keine schlafende Spezies geweckt, sondern eine im Verborgenen lebende entdeckt.

Das Geheimnis von Z'ha'dum

Aus der Sicht von Delenn und Sheridan wirkt es so, als wenn die Schatten einfach die bösen Allerersten und die Vorlonen die guten Allerersten sind. In der Rubrik „JMS speaks“ zu dieser Folge im Lurkers Guide stellt JMS „Gut“ und „Böse“ gegenüber:

»Es gibt zum Beispiel das „Gute“, das sagt: „Wir wissen, was das Beste für dich ist, wir werden dich schützen, dich nähren, aber du wirst es auf unsere Weise tun, und wir werden dich von Ideen und Überzeugungen fernhalten, denen du nicht ausgesetzt sein solltest.”“ Okay, vielleicht passt das zu einer Definition von gut … aber ist es das?

Auf der anderen Seite gibt es zum Beispiel das „Schlechte“, das sagt: „Es muss Konflikt und Tod geben, denn nur durch Konflikt und Tod werden wir stärker, dass wir schließlich ein geordnetes Universum schaffen können. Der Genpool muss stark gehalten werden. Um das zu tun, muss es Krieg und Streit und Tod geben.“ Okay, vielleicht passt das zur Definition des Bösen, aber ist es das?«

JMS greift hier schon etwas vor. Die jeweilige Wahrheit, die Ideologie von Vorlonen und Schatten wird er eigentlich erst in der dritten und vierten Staffel thematisieren. Wir nehmen diese Aussage zu dieser Folge aber schon mal als Hintergrund für die Motive hin.

Perry Rhodan-Leser:innen haben bei JMS’ Worten vielleicht schon gemerkt, dass ihnen das bekannt vorkommt. Fast wörtlich kann man so die Ideologien von Kosmokraten und Chaotarchen beschreiben. Und wenn Delenn von Allerersten, alten und jungen Völkern spricht, dann erkennt man Ansätze des Zwiebelschalenmodells. Viele Perry Rhodan-Fans haben zu Babylon 5 ein etwas anderes Verhältnis als zu Star Wars oder Star Trek. Das liegt vermutlich an dieser Seelenverwandtschaft. Es gab auch immer Perry Rhodan-Fans, die JMS in Verdacht hatten, die deutsche Science-Fiction-Serie gelesen und sich durch das Perryversum inspiriert lassen zu haben. Das ist aber sehr unwahrscheinlich. Die größten Ähnlichkeiten hat Babylon 5 zu Perry Rhodan, wenn es um Schatten und Vorlonen im Vergleich zu Chaotarchen und Kosmokraten geht, bzw. den dritten Weg den Perry Rhodan immer wieder einschlägt. Das sind aber Elemente, die in den Perry Rhodan-Übersetzungen in den USA nicht vorkamen, da diese bis dahin schon längst eingestellt waren.

Nichtsdestotrotz halte ich Babylon 5 für die beste Perry Rhodan-Fernsehserie, die es gibt.

 

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Dirk Wilkens-Hagenkötter
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