Daredevil Directors Cut
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Review: Daredevil Director’s Cut (2004)

Lesezeit circa: 4 Minuten

Wie schlägt sich der Director’s Cut von Daredevil im Vergleich zum Original?

Unverhofft …

Der erste Daredevil-Film war enttäuschend. Es war bestenfalls eine mittelmäßige Unterhaltung, mit lauter Logiklöchern und Plotholes. Zwar wurde man durchaus unterhalten, aber das änderte nichts daran, dass man in jeder Sekunde des Kinofilms merkte, dass da noch sehr viel Luft nach oben war.

Wenn man sich auf der Disc-Fassung des Films den Audiokommentar von Regisseur Mark Steven Johnson anhörte, dann war klar, dass der mit dem Endergebnis auch nicht zufrieden war. Und damit hätte man es belassen können. Wenn nicht ein Jahr darauf der Director’s Cut des Streifens herausgekommen wäre. Womit dieser übrigens der Erste seiner Art bei den Superheldenverfilmungen der neuen Zeit war.

Matt Murdock (Ben Affleck) ist Anwalt und Superheld zugleich. Als Kind verlor er bei einem Unfall sein Augenlicht, doch dafür wurden seine anderen Sinne geschärft. Und er erhielt eine Art Radarsinn, was den Verlust seiner Sehkräfte mehr als ausglich. Sein Vater war ein heruntergekommener Boxer, der, nachdem er sich weigerte, einen entscheidenden Kampf zu verlieren, umgebracht wurde. Was bei seinem Sohn dazu führte, dass dieser beschloss, der Gerechtigkeit zu dienen.

Ein enormer Unterschied

Doch dann lernt er die wunderschöne Elektra Natchios (Jennifer Garner) kennen, deren Vater (Erick Avari) für den Kingpin (Michael Clarke Duncan) arbeitet, den obersten Verbrechensboss der Stadt. Als Natchios Sr. aus dem Verbrechensgeschäft aussteigen will, beschließt der König des Verbrechens, ihn von dem Profikiller Bullseye (Colin Farrell) umbringen zu lassen. Was eine ganze Kette unerfreulicher Ereignisse auslöst.

Der Unterschied zwischen dem Director’s Cut und dem ursprünglichen Kinofilm ist einer wie zwischen Tag und Nacht. Und das merkt man bereits an der Länge. Während die Kinofassung 99 Minuten lief, ist der Director’s Cut satte 29 Minuten länger. Und der erweiterte Umfang macht sich in nahezu jederlei Hinsicht bemerkbar.

Denn Regisseur Mark Steven Johnson hat den Film massiv ummontiert und neu geschnitten. Kaum eine Szene, die nicht verändert wurde, wo Neues hinzugekommen ist oder Altes entfernt wurde. Teilweise laufen ganze Sequenzen komplett anders ab als in der originalen Version.

Man lässt sich Zeit

So wird beispielsweise das Anwaltsleben von Matt Murdock ausführlicher beleuchtet. Er erhält im Laufe des Films einen neuen Klienten, der von dem Rapper Coolio dargestellt wird. Dieser Plot dient mehr als Comedyrelief, da Matts Partner Foggy Nelson (Jon Favreau) sich der Verteidigung annimmt, weil Matt zu sehr mit Elektra beschäftigt ist und nicht alles glattläuft. Dennoch trägt dies mit dazu bei, dass man nicht mehr das Gefühl hat, dass dieser für die Figur so wichtige Aspekt zu kurz kommt.

Auch die Liebesbeziehung zwischen Daredevil und Elektra wurde im Director’s Cut massiv umgebaut. Zum einen wird deutlich, wie bei Matt Murdock die Prioritäten angeordnet sind. Und zum anderen, was sie für ihn wirklich bedeutet. Allgemein wirkt dieser Plot logischer als in der ursprünglichen Version.

Die längere Laufzeit wirkt sich aber auch auf das Erzähltempo aus. Die Ereignisse wirken nicht mehr wie gehetzt. Stattdessen nimmt sich der Film jetzt wirklich die Zeit, um Sachen besser zu erklären oder aufzubauen. Was man ebenfalls zu Anfang des Director’s Cut merkt, dort, wo die Beziehung zwischen Matt und seinem Vater ausführlicher dargestellt wird: Wie sehr Mike Murdock sich um seinen Sohn kümmert, vor allem nach dessen Unfall.

 

Die alten Fehler

Was sich auch verändert hat, ist die Altersfreigabe. War die originale Fassung USK 12, ist der Director’s Cut USK 16. Was unter anderem dadurch gerechtfertigt ist, dass dieser deutlich härter und brutaler ist als die Kinofassung. Schon allein der Kneipenkampf im ersten Drittel des Films ist von der Inszenierung her heftiger als die damalige Version.

Doch bei aller Euphorie muss man auch anmerken, dass nicht alle Schnitzer behoben wurden. Noch immer wirkt der Kampf zwischen Elektra und Matt Murdock merkwürdig und unlogisch. Und noch immer stößt man sich am Endkampf, wo die Schulterwunde Daredevils auf magische Weise verschwunden ist.

Dennoch ist der Director’s Cut ein enormer Fortschritt im Vergleich zum Kinofilm. Der Film wirkt stringenter und glaubwürdiger. Weshalb man sich auch fragt: Wieso nicht gleich so?

Wertung

Wertung
8 10 0 1
8/10
Total Score

Positiv

  • Massive Veränderungen
  • Handlung wirkt nicht mehr gehetzt
  • Anwaltsseite von Matt kommt mehr zum Tragen
Götz Piesbergen
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