Gezeiten der NAcht
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Review: Das Spiel der Götter 09 – Gezeiten der Nacht

Lesezeit circa: 4 Minuten

In Das Spiel der Götter 9: Gezeiten der Nacht geht es hoch her.

Kampf der Kulturen

Das Imperium Lether steht vor seiner größten Herausforderung: Die Tiste Edur, jenes Volk voll langlebiger Wesen, macht sich daran, nicht nur den Angriff auf ihr Territorium zurückzuschlagen, sondern ebenso selber das Gebiet des Reiches anzugreifen.

Doch nicht nur einer äußeren Bedrohung sieht es sich gegenüber. Auch in seinem Inneren wackeln die Fundamente, auf denen es gründet. Intrigen bestimmen den Palastalltag und die Grundsteine, auf denen das Reich basiert, geraten ebenfalls in Gefahr. Es sieht nicht gut aus.

Kinder des Schattens war ein für Das Spiel der Götter-Verhältnisse mühsamer Roman. Die Erzählung scheiterte unter anderem am bleiernen Beginn, der die Geschichte ausmachte. Erst gegen Ende wurde die Story besser und es kam endlich die gewohnte Spannung auf.

Wenn Kulturen sich verändern

Gezeiten der Nacht ist die Fortsetzung. Mit über 600 Seiten ist dies einmal mehr ein Ziegelstein an Roman, bei dem man gut verstehen kann, wieso Blanvalet die Ursprungsgeschichte bei der Übersetzung in zwei Bände aufteilte. Ein massives Buch mit über 1000 Seiten wäre deutlich teurer geworden und hätte sich vermutlich auch nicht so gut verkauft.

Dabei fasziniert dieser Roman. Einfach weil Steven Erikson einmal mehr das Scheinwerferlicht auf die so unterschiedlichen Kulturen lenkt. Man liest von zwei Völkern, die sich durch den Konflikt miteinander verändern.

Bei den Tiste Edur ist es in Gezeiten der Nacht so, dass das sonst so zurückhaltende und sehr traditionsbewusste Volk alle Gebräuche, die es bislang hatte, sozusagen über Bord wirft. Bedenken werden beiseitegewischt, und wer sich dem neuen Herrscher entgegenstellt, der wird wie einige seiner Brüder verbannt.

Eine Tragödie

Es ist dieser Teil der Geschichte, auf den die Bezeichnung Tragödie am besten passt. Denn im Prinzip widerfahren allen wichtigen Figuren schlimme Schicksale. Und Rhulad Sengar ist von allen Charakteren der tragischste, auch wenn er selber für einige unglückliche Geschehnisse selbst der Auslöser ist.

In Gezeiten der Nacht erfährt man, wie der Junge immer mehr seinen Verstand verliert. Wie er zwar dank seiner neuen Position alles bekommen kann, was er möchte, darunter auch die versprochene Ehefrau eines seiner Brüder. Doch gleichzeitig sorgen die vielen Tode und Wiederbelebungen dafür, dass sein Geist immer mehr und mehr zerbricht. Womit sich zeigt, dass der Gefallene Gott, der ja der eigentliche Drahtzieher hinter seinem Schicksal ist, kein besonders gnädiger Gott ist.

Die Ereignisse im Reich Lether sind dabei nur bedingt besser. Zwar zeigt man bei den Schilderungen von Tehol Beddicts Erlebnissen Humor. Doch sobald der Autor umschwenkt und sich beispielsweise auf die Geschehnisse bei einem sterbenden Azath-Haus oder im Palast von Lether konzentriert, wird die Stimmung wieder ernster.

Viele Subplots

Tehol Beddict besticht vor allem durch die schnellen Dialogwechsel und der Exzentrizität der handlungstragenden Figuren. Wenn er und Bagg alles Mögliche mitnehmen, um daraus etwas zu Essen zu machen, dann lässt sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Auch wenn er natürlich diesen Plot in Gezeiten der Nacht mit den ersten Ereignissen in Lether verbindet, weil zum Beispiel ein Bruder des Protagonisten, Hull, als Verräter seines Landes gilt.

Das Azath-Haus, Orte wilder Magie in der Welt von Das Spiel der Götter, ist ein Beispiel für einen der vielen Subplots, mit denen der Autor seinen Roman anreichert. Es geht hier um einen Ort, der stirbt. Und der als Wächter das untote Mädchen Kessel auserwählt hat, dass allerdings langsam wieder lebendig wird. Gleichzeitig hält dieses Haus einige Kreaturen gefangen, die nicht ausbrechen dürfen. Und auch wenn dies nur ein Nebenschauplatz ist, so ist er spannend zu lesen.

Gezeiten der Nacht ist wieder eine grandiose Geschichte.

Das Spiel der Götter 09 Gezeiten der Nacht
Cover © Blanvalet

Autor: Steven Erikson
Titel: Das Spiel der Götter 09: Kinder des Schattens
Originaltitel: Midnight Tides. A Tale of the Malazan Book of the Fallen 5, Part 2
Übersetzer:  Tim Straetmann
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 07/2015
Einband: Taschenbuch
Seiten: 502
ISBN: 978-3-7341-6040-0
Sonstige Informationen:
Produktseite

 

 

 

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Positiv

  • Viele Plots
  • Tragödie und Humor
  • Charakterisierungen
Götz Piesbergen

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