Review: H.G. Wells Band 4/6 – Die Insel des Dr. Moreau

Lesezeit circa: 5 Minuten

Einen Schiffbrüchigen verschlägt es auf die unheimliche Insel des Dr. Moreau, auf welcher dieser grausame Genexperimente durchführt.

Die Insel des Dr. MoreauDie Handlung

Der Schiffbrüchige Edward Prendick wird von einem Boot aufgegriffen, welches eine Ladung exotischer Tiere zu einer tropischen Insel liefert. Nach der Übergabe der Käfige wird Prendick jedoch vom Kapitän über Bord geworfen und von Montgomery aus dem Wasser gefischt, der ihn schon beim ersten Mal gerettet hat. Montgomery bringt die Ladung mit einem eigenen Boot zur Insel, auf der Edward nun notgedrungen gestrandet ist.

Auf einer nächtlichen Entdeckungstour begegnet er einem Tier-Mensch-Hybriden und kurz darauf wird er Zeuge, wie Dr. Moreau eine Vivisektion an einem humanoiden Wesen durchführt. Jedoch stellt sich sein anfänglicher Verdacht als falsch heraus. Moreau misshandelt keine Menschen, sondern verwandelt Tiere in selbige. Außerdem gibt er ihnen menschliches Denkvermögen und Sprache.

Die Chimären leben streng nach Moreaus Gesetzen, die ihnen alles Tierische aberziehen sollen. Doch so einfach lassen sich die natürlichen Instinkte nicht unterdrücken. Ein Leopardenmensch wird rückfällig und reißt die importierten Kaninchen. Als Prendick das Wesen im Affekt erschießt, bricht die Ordnung zusammen und Moreau fällt seiner eigenen Schöpfung zum Opfer. Am Ende überlebt nur Edward und entkommt in einem Rettungsboot. Doch niemand mag ihm seine Geschichte glauben.

Rezension von Die Insel des Dr. Moreau

Dr. Moreau ist der klassische verrückte Wissenschaftler, der sich über die Naturgesetze hinwegsetzt und dafür mit seinem Leben bezahlt. Er weist gewisse Parallelen zu Dr. Frankenstein auf, allerdings macht H.G. Wells nicht den Fehler, Mary Shelley einfach zu kopieren. Vielmehr nimmt er die Möglichkeiten der modernen Gentechnik vorweg. Die Insel des Dr. Moreau ist 1896 erschienen, die DNA war da gerade erst entdeckt worden. Die Entschlüsselung des Aufbaus gelang erst über ein halbes Jahrhundert später. Obwohl die Methoden des Dr. Moreau noch recht primitiv und keine direkte Genmanipulation sind, ist dieses Werk doch eine wegweisende Dystopie auf diesem Gebiet.

Die Comicadaption fasst das Thema gut zusammen und versetzt die Leserschaft wieder ins ausgehende 19. Jahrhundert, statt das Thema den aktuellen Erkenntnissen anzupassen wie die Verfilmung DNA – Die Insel des Dr. Moreau von 1996. Nur beim Gesicht von Dr. Moreau hat sich der Zeichner durchaus an Marlon Brando orientiert, dabei aber zum Glück den albernen Hut und die Sonnenbrille weggelassen. Die Resultate seiner Experimente sind derweil recht drastisch dargestellt, womit diese Graphic Novel definitiv nicht für Kinder geeignet ist.

Der Stil der Zeichnungen ist wieder ein anderer als bei den vorherigen Bänden, was diesmal zu durchaus erfreulichen Ergebnissen führt. Die Charaktere sehen nicht länger wie Manga-Figuren aus, sondern sind in einem klassischen Comicstil gehalten. Die Natur ist nicht mehr kantig, sondern fließend. Im Vergleich zum Krieg der Welten-Zweiteiler ist alles in allem eine deutliche Verbesserung zu attestieren. Das Coverbild ist allerdings noch einmal ein ganzes Stück eindrucksvoller. Schade, dass dieser Detailgrad nicht durchgehalten wurde.

Die Koloration ist ebenfalls wieder spürbar natürlicher. Der Lichteinfall ist gut, auf Schatten wurde größtenteils auch geachtet. Das Cover ist jedoch in diesem Punkt einmal mehr noch einen Ticken professioneller. Das mag daran liegen, dass in die Aufmachung der Titelseite häufig mehr Energie gesteckt wird, da sich ein Comic darüber verkauft.

Fazit

Die Geschichte an sich ist ein zeitloser Klassiker, der nichts an Aktualität verloren hat. Die Umsetzung als Comic ist rundum gelungen und holt optisch trotz eines anderen Stils wieder zum Niveau des ersten Bandes Die Zeitmaschine auf. Eigentlich schade, dass man nicht wieder Mathieu Moreau die Zeichnungen überlassen hat, das wäre passend zum Titel direkt ironisch gewesen. Fabrizion Fiorentino hat aber auch ein ansehnliches Werk abgeliefert, das einem H.G. Wells würdig ist. Abgerundet wird das Ganze wieder durch eine hochwertige Aufmachung mit Prägung.

Bewertung: 14/15

Text: Dobbs
Zeichnungen: Fabrizion Fiorentino
Farben: Matteo Vattani
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen:

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