Secret Invasion
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Review: Marvel – Secret Invasion

Lesezeit circa: 7 Minuten

Die formwandelnden Skrull haben längst die Erde infiltriert und beginnen nun ihre Invasion. Wem können die Avengers noch trauen?

Secret InvasionHandlung

Wie aus dem Nichts taucht eine Flotte der Skrulls über der Erde auf und zerstört sogleich eine Raumstation der Erdverteidigungsorganisation S.W.O.R.D. Auf dem Planeten werden derweil alle Systeme der Stark-Technologie korrumpiert und legen damit auch S.H.I.E.L.D. lahm. Helicarrier stürzen ab und mehrere Agenten wie Superhelden entpuppen sich als Infiltratoren der Skrulls. Darunter auch Susan Storm von den Fantastischen Vier, die in deren Hauptquartier ein Portal in die Negativzone öffnet. Durch dieses strömen sogleich weitere Skrull-Doppelgänger, welche New York überrennen.

Im Wilden Land ist zudem ein Skrull-Raumschiff abgestürzt. Wolverine, Luke Cage, Iron Fist und ein paar andere aufmüpfige Superhelden wollen dort nach dem Rechten sehen und entführen einen Gleiter von Tony Stark. Der heftet sich mit einigen Avengers an die Fersen der Diebe. Doch bevor er sie verhaften kann, tauchen jede Menge Doppelgänger auf und niemand kann mehr sagen, wer ein Skrull ist und wer ein Mensch.

Reed Richards ist dabei, eine Methode zu entwickeln, um die feindlichen Infiltratoren zu entlarven. Doch einer steht in Form von Hank Pym direkt an seiner Seite und verschleppt ihn auf ein Skrull-Raumschiff im Orbit. S.W.O.R.D.-Agentin Brand, die die Zerstörung ihrer Raumstation überlebt hat, kann ihn befreien und obendrein erbeuten die beiden eine Skrull-Waffe, welche deren Tarnung aufheben kann. Damit ausgerüstet helfen sie zunächst ihren Kameraden im Wilden Land, die Schlacht für die Erdlinge zu gewinnen.

In New York haben unterdessen die Young Avengers alle Hände voll zu tun, die Doppelgängerarmee aus der Negativzone in Schach zu halten. Als sich die älteren Semester der Avengers und somit alle anderen verfügbaren Superhelden zu ihnen gesellen, beginnt die finale Schlacht um den Planeten. Sogar die Thunderbolts unter der Führung von Norman Osborn schließen sich dem Kampf an. Am Ende landet Osborn auch den tödlichen Schuss auf die Skrull-Königin, was ihm die Anerkennung des US-Präsidenten einbringt. Der kündigt gar alle Militärverträge mit Stark Enterprises und überträgt Osborn die Verantwortung für S.H.I.E.L.D. Damit ist der nächste Ärger vorprogrammiert.

Rezension zu Secret Invasion

Wenn man diesen Comicband mit einem Wort beschreiben sollte, wäre das „überladen“. Es sind einfach zu viele Charaktere eingebunden, als dass man da noch den Überblick behalten könnte. Lediglich eine Handvoll Superhelden werden etwas näher beleuchtet, darunter Iron Man, Mr. Fantastic und Agent Brand. Vizecommander Hill kann sich ebenfalls beweisen, obwohl der Nebenplot um den abgestürzten Helicarrier im Bermuda-Dreieck nicht wirklich viel zur Haupthandlung beiträgt.

Alle anderen Superhelden haben nur hier und da mal was zu sagen, manche wie Howard the Duck sind gar nur kurz im Hintergrund zu sehen. Selbst Wolverine hat zwar deutlich mehr Text, entwickelt sich als Charakter aber nicht wirklich weiter. Wie auch? Die meiste Zeit wird nur gekämpft, sodass außer Schlachtgebrüll nicht viel zu sagen bleibt. Mit den Kampfszenen wird echt übertrieben. Noch bevor es im Wilden Land zur Sache geht, wird der Gleiter schon von Dinosauriern attackiert, was auch immer die in unserer Zeit verloren haben.

Die finale Schlacht in New York zieht sich am Ende gar über zwei Kapitel und ist extrem unübersichtlich. Dabei gibt es mehrere Kampfpanoramen, die ganze Doppelseiten füllen. Das ist zwar nett gemeint, aber leider weiß man gar nicht, wo man da zuerst hinsehen soll. Obendrein haben die Superhelden alle unterschiedlich gefärbte Kostüme, sodass bei dem knallbunten Durcheinander schnell eine optische Reizüberflutung droht.

Etwas anspruchsvoller sind die wenigen ruhigen Szenen, in denen die Skrulls die Erde übernehmen und sich der Weltöffentlichkeit präsentieren. Sie spielen sich dabei als Retter der Menschheit auf, die den Planeten schützen wollen. Leider wird dieser Aspekt nicht näher ergründet. Was wäre, wenn die Skrulls tatsächlich gute Absichten hätten und die Wahrheit sagen? Immerhin ist die Menschheit nicht sonderlich sorgsam mit ihrem Planeten umgegangen. Da wäre durchaus Raum für etwas kritische Selbstreflektion gewesen.

Der Auftritt der Skrulls im MCU-Film Captain Marvel hat da schon mehr Überraschungseffekte herausgeholt und die vermeintlich feindlichen Formwandler haben sich als von den Kree verfolgte Flüchtlinge herausgestellt. Dagegen bleiben sie im Comic plumpe Bösewichte und obendrein religiöse Fanatiker, die von der Liebe Gottes schwafeln, als wäre das evangelikal geprägte Christentum die vorherrschende Glaubensrichtung im Universum.

Der Sieg der Superhelden muss natürlich mit dem Tod der bösen Skrull-Königin enden. Einzig der als Captain Marvel getarnte Skrull darf sich ins Gewissen reden lassen und die Seiten wechseln, stirbt aber kurz darauf im Kampf gegen das eigene Volk. Zumindest wird dieses nicht pauschal verurteilt und am Rande erwähnt, dass die Invasoren lediglich eine Gruppe von Extremisten sind. Deren Invasion ist übrigens gar nicht so geheim, sondern ziemlich offensichtlich. Der Titel des Comics bezieht sich wohl eher auf die Infiltration, die im Vorfeld stattgefunden hat.

Absolut unverständlich bleibt das Ende, bei dem Norman Osborn als eigentlicher Sieger aus dem ganzen Konflikt hervorgeht. Wie kann die US-Regierung nur einem Verbrecher vertrauen? Die Technologie von Stark Enterprises hat immerhin allein deshalb versagt, weil sie von Skrull-Doppelgängern korrumpiert wurde. Oscorp wäre es nicht anders ergangen. Nur mit dem Unterschied, dass Osborn seine Systeme auch selbst infiltrieren wird, um so die Kontrolle über das US-Militär, S.H.I.E.L.D. und S.W.O.R.D. zu erlangen. Ihm zu vertrauen, ist sagenhaft dämlich und daher unglaubwürdig.

Die anderen Schurken in seinem Umfeld, darunter Dr. Doom, verkommen derweil ebenso zu Statisten wie die meisten Superhelden. Sie dürfen zwar am Ende mit Osborn an einem Tisch sitzen und ihren Sieg feiern, aber sprechen darf nur ihr Anführer. Das potentielle Desaster, welches dieses finale Bild ankündigt, ist absehbar.

So viel zur Handlung. Nun noch etwas zu den Zeichnungen, die wie bereits erwähnt oft überladen sind. Nichtsdestotrotz sind alle Superhelden gut getroffen. Gesichter, Muskeln und Faltenwurf sind rundum gelungen. Problematisch sind zuweilen nur die Gebäude im Hintergrund, die sehr schlicht ausfallen. Das Gleiche trifft auf die Koloration zu. Bei den Charakteren ist sie gelungen, das Verhältnis von Licht und Schatten stimmt, die Glanzeffekte sind zwar etwas abgestuft, aber vorhanden. Nur im Hintergrund ist zuweilen alles sehr blass und einfarbig, was vor allem bei der New Yorker Skyline unangenehm auffällt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist das Arbeiten mit Copy & Paste. So ist das Bild der S.W.O.R.D.-Raumstation mit den Space Shuttles im Vordergrund ein paar Seiten weiter 1:1 übernommen und lediglich etwas beschnitten und verkleinert worden. Das fällt besonders deswegen unangenehm auf, da sich die Shuttles bei deutlich fortgeschrittener Handlung keinen Millimeter von der Stelle bewegt haben. Vielleicht würde das weniger aufgefallen, wenn sie wenigstens an der Station angedockt wären. So wirkt es wie die zahlreichen Standardansichten der Enterprise oder Voyager, die in den Star Trek-Serien ebenfalls stets wiederverwendet worden sind. Nur mit dem Unterschied, dass bei einem Comic nicht mittels solcher Tricks Budget eingespart werden muss. Höchstens Zeit.

Fazit

Marvel-Fans kommen um diesen Band nicht herum, da er ein wichtiger Baustein im Avengers-Universum ist. Weitere Bände wie Mockingbird nehmen direkt auf die Ereignisse Bezug, also braucht man das Vorwissen aus Secret Invasion. Die Skrulls kommen allerdings im MCU wesentlich besser rüber, während sie hier recht eindimensional bleiben. Das ist neben dem überladenen Schlachtgetümmel einer der Hauptkritikpunkte an diesem Comic. Erschienen ist Secret Invasion als hochwertige Hardcover-Ausgabe mit der Nr. 57 in der offiziellen Marvel-Comic-Sammlung.

Info

Autor: Brian Michael Bendis
Zeichner: Leinil Francis Yu
Farben: Laura Martin & Emily Warren
Verlag: Marvel / Panini
Sonstige Informationen: Produktseite

Wertung

Wertung
6 10 0 1
  • Story
    5/10
  • Zeichenstil
    7/10
  • Koloration
    7/10
6/10
Total Score
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