Ultimates - Bewährungsprobe
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Review: Marvel – Ultimates: Bewährungsprobe

Lesezeit circa: 5 Minuten

Die Ultimates sind die neuen Avengers, beschützen aber nicht nur die Erde, sondern das gesamte Universum. Können sie ihre Bewährungsprobe bestehen?

Ultimates: BewährungsprobeHandlung

Das Team der Ultimates besteht aus bekannten Superhelden wie Black Panther und Captain Marvel, aber auch aus Neuzugängen wie Miss America, Blue Marvel und Spectrum. Gemeinsam nehmen sie es mit Galactus auf und wandeln ihn in einen Lebensspender um. Doch im Omniversum lauern bereits neue Gefahren, darunter Blue Marvels ehemaliger Kampfgefährte, der nunmehr als Anti-Man in der Neutralen Zone feststeckt.

Zu allem Elend hat auch noch jemand Eternity, die Verkörperung des Universums selbst, in Ketten gelegt. Der wiedergeborene Galactus soll herausfinden, wer dafür verantwortlich ist. Die Hilfe der Ultimates lehnt er jedoch vorläufig ab. Am Ende ergeht es ihm wie Sisyphos und er muss sich mit Mächten wie Chaos und Ordnung herumschlagen.

Rezension zu Ultimates: Bewährungsprobe

Es ist wirklich schwer, der Handlung zu folgen. Sofern man hier überhaupt von Handlung sprechen kann, denn so ziemlich nichts ergibt auch nur annähernd einen Sinn. Einzig die Rückblenden, welche die Vorgeschichte von Galactus sowie Adam Brashear alias Blue Marvel und Conner Sims alias Anti-Man erzählen, haben ein wenig Struktur.

Der Rest der Story ist ein haarsträubender Trip durch mehrere Dimensionen. Neben der normalen Raumzeit gibt es noch die Neutrale Zone und dazwischen eine Übergangsdimension namens Superflow. Schlussendlich gibt es noch das Nichts außerhalb des Omniversums. Dieses Omniversum hat von außen betrachtet eine humanoide Gestalt, die aus unerfindlichen Gründen von Thanos in Ketten gelegt wurde. Wie das überhaupt möglich sein soll? Keiner weiß es!

Dank Miss Americas Fähigkeit, Dimensionsrisse zu erzeugen, können die Helden jeden beliebigen Ort zu jeder beliebigen Zeit bereisen. Die Tore erscheinen dabei als fünfzackige Sterne, was wenig Sinn ergibt, aber dafür zu Miss Americas US-patriotischem Outfit passt. Auf ihren Reisen treffen die Ultimates auf fliegende Ektoplasmaschädel, die Kampfdrohnen ausspeien, sowie auf dämonische Kreaturen aus anderen Dimensionen.

Galactus wandeln die Helden mal eben vom Weltenverschlinger in einen Lebensspender um, der wie das Genesis-Projekt aus Star Trek toten Welten Leben einhaucht. Wie ihnen das gelingt, wird nicht wirklich erklärt. Sie sperren Galactus einfach in eine Box und feuern ihre Energien auf ihn ab. Blue Marvel hat übrigens die Power der Antimaterie, die dank seiner Superkraft nicht sofort mit Materie reagiert. Übertroffen wird er nur noch von Molecule Man, der so eine Art Q des Marvel-Omniversums ist.

Nach den physikalischen Gesetzmäßigkeiten hinter diesem Unfug fragt man besser gar nicht erst. Dialoge wie: „Pilot, setz einen Kurs zum Ultraflow. Wir müssen den Neutraraum hinter uns lassen (…)“ und „Sciencemaster Galan! Kosmischer Megastrahlen-Sturm an Steuerbord!“ sprechen für sich. Was bitteschön soll ein Ultraflow sein? Und was zum Henker sind Megastrahlen? Reichen Hyperräume, Gammastrahlen und Ionenstürme nicht mehr?

Okay, der Technobabbel in Star Trek ist zuweilen auch nicht sonderlich realistisch. Warpantriebe, Wurmlöcher und Tachyonen sind aber zumindest hypothetisch möglich. Um die Warpantriebe zum Laufen zu bringen, werden allerdings schon mal fiktive Mineralien wie Dilithium erfunden. Bei Marvel gibt es derweil fiktive Materialien wie Adamantium und Vibranium, in anderen Science-Fiction-Werken auch als Unobtanium bekannt. Das ist völlig okay, solange es der Handlung dient und irgendwie glaubwürdig klingt.

Im vorliegenden Comic ist das jedoch nicht der Fall. Die Leserschaft wird mit unfassbar dämlichen Begriffen abgespeist, die sich ein Fünfjähriger ausgedacht haben könnte. Einfach mal vor die Strahlen ein Mega gesetzt und fertig. Und wenn man schon mal im Flow ist, bei den Zwischendimensionen gleich noch ein Super oder Ultra davor. Fehlt noch irgendwas mit Giga. Ein Gigaektoplasmaschild vielleicht? Am besten aus Hyperwhateverium?

Es liegt aber nicht nur an der kruden Sprache, dass man schon nach wenigen Seiten überhaupt nicht mehr kapiert, worum es überhaupt geht. Ständig tauchen neue Probleme wie aus dem Nichts auf und werden genauso schnell wieder gelöst, und das alles ohne zufriedenstellende Erklärung. Es geht ähnlich drunter und drüber wie in Fear and Loathing in Las Vegas und man wird das Gefühl nicht los, dass der Autor auf einem vergleichbar miesen Trip gewesen sein muss.

Wenigstens dem Zeichenstil ist noch etwas Positives abzugewinnen. Obwohl die Linien eher skizzenhaft und teils recht unsauber wirken, ist der Detailgrad erstaunlich hoch. Die Charaktere sind gut getroffen und die Gestaltung der Rahmen ist künstlerisch sehr ausgefallen. Hinzu kommt eine hervorragende Koloration, deren Glanzeffekte den Bildern mehr Realismus verleihen als die dünne Handlung hergibt.

Zumindest optisch kann sich der Comic also durchaus sehen lassen. Das gilt vor allem für die genialen Covergestaltungen, die lobend erwähnt werden müssen. Auf einen Galactus als Leonardo da Vincis Vitruv muss man erst mal kommen. Am besten genießt man einfach nur die Bilder und blendet die Sprechblasen aus.

Leider wird der Stil nicht bis zum Ende durchgehalten, denn das letzte Kapitel hat ein anderer Zeichner übernommen. Die Rahmen sind von da an wieder langweilige Rechtecke, die Figuren sind ebenfalls sehr schlicht geraten und die Farben so psychedelisch wie die Handlung. Wenn es in der Fortsetzung so weiter geht, kann man sich die komplett sparen.

Fazit

Bei der wirren Story bekommt man echt einen Knoten ins Hirn. Man fragt sich unweigerlich, ob hier Drogen im Spiel waren. Das Ganze wird dann mit einem dümmlichen Kauderwelsch garniert, bei dem man nur noch in die Tischkante beißen möchte. Einzig der erfrischende und hochdetaillierte Zeichenstil in satten Farben kann überzeugen und hält einen davon ab, den Comicband zum Altpapier zu geben. Künstlerisch ist er durchaus wertvoll. Erschienen ist Ultimates: Bewährungsprobe u.a. als hochwertige Hardcover-Ausgabe mit der Nr. 118 in der Marvel-Comic-Sammlung.

Info

Autor: Al Ewing
Zeichner: Kenneth Rocafort & Christian Ward
Farben: Dan Brown, Kenneth Rocafort & Christian Ward
Verlag: Marvel / Panini
Sonstige Informationen: Produktseite

Wertung

Wertung
4 10 0 1
  • Story
    2/10
  • Zeichenstil
    9/10
  • Koloration
    10/10
4/10
Total Score

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