Review: Space 2063 08 – Folter

Lesezeit circa: 8 Minuten

Die Folge Folter ist die direkte Fortsetzung der Episode Das Trojanische Pferd und bildet mit dieser einen Zweiteiler. Der Originaltitel To Die For bezieht sich auf den Originaltitel der Vorgänger-Folge A Good Day To Die und auch auf einen Dialog zwischen Lieutenant-Colonel McQueen (James Morrison) und Cooper Hawkes (Rodney Rowland) im Pilotfilm. Auf die Äußerung von Hawkes „Ich habe keine Lust, für die zu sterben.“ vor einem entscheidenden Einsatz entgegnet McQueen mit der Frage „Wofür würden Sie sterben?“ Bei Hawkes setzt danach das Nachdenken ein, nachdem er bis zu diesem Zeitpunkt fest entschlossen war, zu desertieren. Schließlich findet er seinen eigenen Grund zu kämpfen; um seinen Kameraden Pags zu rächen. Darauf bezieht sich auch eine Aufschrift, mit der er seinen Hammerhead-Jäger versieht: „Pag’s Payback“. In Folter tut Hawkes auf Kazbek alles, um seine Kameraden zu retten.

Zur Handlung

Die Wild Cards sind auf der Welt Kazbek abgestürzt. Lieutenand-Colonel McQueen und Cooper Hawkes kriechen gerade noch aus den Trümmern der Rettungskapsel, als Silikanten angreifen. McQueen und Hawkes können entkommen, aber ihre Kameraden geraten in Gefangenschaft.

Nathan (Morgan Weisser), Shane (Christen Cloke), Paul (Joel de la Fuente) und Vanessa (Lanai Chapman) werden in eine Strafkolonie der Chigs geführt. Dort sieht Nathan unerwartet seine Freundin Kylen (Amanda Dougs) unter den Gefangenen.

Getrennt voneinander werden die Marines eingesperrt. Paul wird von dem Silikanten Elroy (Doug Hutchison) brutal gefoltert und soll vor laufender Kamera ein vorgefertigtes „Geständnis“ verlesen, in dem er sich als Kriegsverbrecher bezeichnet. Shane und Vanessa werden gemeinsam eingesperrt und sollen entscheiden, wer von ihnen hingerichtet werden soll, und wer ins Arbeitslager darf.

Space 2063 Folter

McQueen und Hawkes können unterdessen einen Silikanten überwältigen. Mit Hilfe eines Bauteils aus dem Körper des Androiden können sie einen Notruf zur Saratoga senden. Darüber hinaus erfahren sie von dem Maschinenwesen, wo ihre Kameraden sind und brechen auf, um sie zu befreien.

Nathan gelingt inzwischen mit Kylens Hilfe die Flucht. Als sie ihn drängt, seine Kameraden zurückzulassen und beginnt, ihm Fragen über die Saratoga zu stellen, wird Nathan misstrauisch.

Shane und Vanessa können ihre Bewacher überwinden. Pauls Willen wird jedoch von Elroy gebrochen. Emotionslos macht er vor laufender Kamera die Aussage, die Elroy von ihm verlangt.

Von McQueens Notruf angelockt, greift die Saratoga Kazbek an; genau in dem Moment, als Hawkes und McQueen ins Gefängnis eindringen und ihre Freunde retten. Paul schießt seinen Peiniger nieder. Auf der Flucht ruft Kylen plötzlich lauthals die Namen und Nathans Kameraden, obwohl er sie ihr niemals verraten hat. Daraufhin schießt Nathan sie kaltblütig nieder. Es stellt sich heraus, dass die angebliche Kylen in Wirklichkeit eine Art Klon von ihr war. Ihr Leichnam zerfließt in einer grünen Masse. Die Wild Cards werden von einem Transporter abgeholt und zur Saratoga gebracht.

Paul ist ausgebrannt und auch gegenüber Lieutenant Stoud (Melissa Bowen) zu keiner Emotion mehr fähig. AeroTech lässt von Kazbek ein geheimnisvolles schimmerndes Mineral abtransportieren, das die Sträflinge hatten abbauen müssen.

Interessante Details der Folge Folter

Unter der actionreichen Oberfläche der Episode Folter verbirgt sich eine starke Charakter-Folge. Drehbuchautor Stephen Zito stellt die Figuren vor brutale Entscheidungen, die sie nachhaltig beeinflussen werden. Bei der Folterszene mit Paul Wang und Elroy geht es nicht darum, Paul Informationen abzupressen, sondern einzig und allein darum, wer den stärkeren Willen hat. Dafür, dass er Elroy schließlich nachgegeben hat, um die Qualen der Folter zu beenden, verachtet er sich später selbst. Shane und Vanessa, die bisher ein eher unterkühltes Verhältnis zueinander hatten, wachsen durch ihre Erlebnisse auf Kazbek zusammen. McQueen gibt – allein mit Hawkes hinter den feindlichen Linien – deutlich mehr von sich preis, als er dies bisher getan hat. Die Begegnung mit der vermeintlichen Kylen macht wiederum eine charakterliche Entwicklung Nathans deutlich. Durch die gemeinsamen Erlebnisse ist Nathans Bindung zu seinen Kameraden inzwischen stärker, als seine Liebe zu seiner Freundin. Trotzdem schockiert der Moment, in dem er die falsche Kylen kaltblütig erschießt, sogar seine Begleiter.

Wie bei Hawkes und McQueens Flucht am Anfang zu sehen ist, können die Pistolen der Marines Feuerstöße wie Maschinengewehre abgeben.

Die Computer auf der Saratoga können über Trümmerstücke im Weltraum rekonstruieren, was für ein Objekt zerstört worden ist. Auf diese Weise ermitteln die Techniker, dass die Rettungskapsel des zerstörten Alien-Schiffes, mit dem die Wild Cards geflogen sind, fehlt.

Die Chigs ekeln sich vor menschlichem Blut und nennen die Menschen laut Elroy „Wesen des roten Gestanks“.

Elroy A. I. hat die Kennung 1327 und ist nach eigenen Angaben „auf Heiterkeit programmiert“. Da fragt man sich doch, was Elroy erst anstellt, wenn er „auf Grausamkeit“ programmiert ist.

Space 2063 Folter

Der Darsteller von Elroy ist Doug Hutchison, den das Genre-Publikum zum damaligen Zeitpunkt schon durch die Akte X-Folgen Das Nest und Ein neues Nest kannte. Hier spielt er den Serienkiller Eugene Victor Tooms, der durch eine Mutation seinen Körper so weit deformieren kann, dass er in der Lage ist, durch engste Zwischenräume zu kriechen. Die Autoren dieser beiden Folgen sind Glen Morgan und James Wong, die Serienerfinder von Space: 2063. Elroy (beziehungsweise weitere Elroys) wird in Space zu einer wiederkehrenden Figur.

In dem Augenblick, als Kylen mühelos durch die Betätigung mehrerer Tasten ein Kraftfeld deaktiviert, um ihnen den Weg in die Freiheit zu öffnen, beginnt Nathan misstrauisch zu werden.

McQueen war gegen Ende des Silikanten-Krieges in Gefangenschaft und wurde gefolgert. Dies verrät er in einem Gespräch mit Hawkes. Dabei erklärt er düster, wie der Körper schon vor dem Willen brechen kann.

Der Begriff „Seemannsgrog“ mit dem McQueen seinen Funkspruch an die Saratoga ergänzt, kommt in einem Dialog zwischen ihm und Commodore Ross (Tucker Smallwood) in Das Trojanische Pferd zur Sprache. Hier vergleicht Ross seinen Rum mit dem Grog früherer Seefahrer. McQueen ist durch den Begriff in der Lage, sich gegenüber Ross eindeutig zu identifizieren.

Bis kurz vor ihrem Ausbruch aus dem Käfig hat Shane die ganze Zeit ihre Hände gefaltet. Durch diese kleine Geste wird deutlich, dass Shane im Inneren längst nicht so gefasst ist, wie sie in der Szene äußerlich erscheint.

Kurz nachdem Nathan der falschen Kylen gegenüber den „Butterfly“-Nebel erwähnt hat, macht sich ein Geschwader der Chigs dorthin auf den Weg. Dies erfährt allerdings nur das Publikum. Nathan weiß davon nichts.

In der Folge bleibt unklar, welche Art Wesen die falsche Kylen eigentlich ist. Diese Frage wird bis zum Ende der Serie nie beantwortet.

Interessantes für den Filmfan

Interessante Beleuchtung: Hawkes und McQueens Flucht am Anfang der Episode findet bei tiefstehender Morgensonne statt. Dabei sieht man bei Gegenlicht zum Teil nur ihre Umrisse, während der aufgewirbelte Staub in der Sonne zu schimmern scheint.

Mit dem Auftauchen der angeblichen Kylen griff Shirley Walker in der Musik für die Folge wieder das Liebesthema des Paares Nathan/Kylen aus dem Pilotfilm auf. Es klingt kurz an, nachdem den beiden die Flucht gelungen ist.

Am Ende der Folge, als AeroTech-Mann Sewell (Michael Mantell) den Kasten mit dem Mineral öffnet, erklingt ein musikalisches Motiv, das auch in Das Trojanische Pferd zu hören ist; und zwar, nachdem Ross auf Sewells Wunsch den Befehl gegeben hat, nach Ceres zu fliegen. Das unheilschwangere Streicher-Motiv ist in der Serie noch öfter zu hören; immer im Zusammenhang mit Sewell oder dem geheimnisvoll schimmernden Mineral von Kazbek.


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Eric Zerm

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