Countdown to Darkness
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Review: Star Trek – Countdown to Darkness

Lesezeit circa: 8 Minuten

In der offiziellen Vorgeschichte zu Star Trek Into Darkness trifft Captain Kirk auf seinen Vorgänger Captain Robert April.

Countdown to DarknessDie Handlung

Die Enterprise wird zum Planeten Phaedus geschickt, um nachzuschauen, wie weit sich die dortige Präwarp-Zivilisation inzwischen entwickelt hat. Der letzte Besuch eines Föderationsraumschiffs liegt bereits 5 Jahre zurück und vor 20 Jahren war auch schon mal eine andere Enterprise vor Ort. Seit dieser Mission gilt Robert April als tot.

Da ein seltsames Energiefeld die Sensoren und Transporter blockiert, fliegen Kirk und Spock zusammen mit Sulu und dem Sicherheitsoffizier Hendorff per Shuttle auf den Planeten. Dabei werden sie jedoch abgeschossen und von einem quicklebendigen Robert April gerettet. Dieser gesteht Kirk und Spock, dass er die Oberste Direktive verletzt und in einem Vernichtungskrieg unter den Phaedanern Partei für die unterlegene Seite ergriffen hat.

Sulu und das Rothemd, die im Wrack des Shuttles zurückgeblieben sind, werden unterdessen von den dunklen Phaedanern als Geiseln genommen. Spock stiehlt sich heimlich davon, um die beiden aus der Gefangenschaft zu befreien. Zunächst scheint die Flucht zu gelingen, doch als die Drei entdeckt werden, ist es Uhura, die sie mit einem weiteren Shuttle aus der misslichen Lage raushaut.

Wieder an Bord gelingt es April mittels eines im Computerkern verborgenen Codes, die Kontrolle über die Enterprise an sich zu reißen. Behilflich ist ihm dabei die bajoranische Waffenschmugglerin Mudd, welche Uhura zuvor abgefangen hatte, bevor sie weitere gestohlene Föderationswaffen an die Phaedaner ausliefern konnte. Um einen Genozid an den blauhäutigen Phaedanern zu verhindern, ist April sogar bereit, mit den Klingonen zu paktieren, welche die dunklen Phaedaner unterstützen.

Rezension von Countdown to Darkness

Eigentlich handelt es sich bei Countdown to Darkness um keine Vorgeschichte, sondern um eine eigenständige Handlung. Erst gegen Ende gibt es ein paar Andeutungen auf den zweiten Reboot-Kinofilm. Erfreulich ist dabei, dass der Comic ein klassisches Star Trek-Thema aufgreift und die Crew der Enterprise vor ein moralisches Dilemma stellt. Damit ist dieser Band viel näher an der alten Classic-Serie als die Filme von J. J. Abrams.

Leider wird das moralische Dilemma aber nicht ganz zu Ende gedacht. Die Situation ist so ähnlich wie in der TOS-Episode Der erste Krieg. Nur ist es diesmal nicht Kirk, sondern sein Vorgänger April, der ein unterlegenes Volk bewaffnet, um es vor einem aggressiveren Stamm zu retten, der seinerseits von den Klingonen bewaffnet wird. Es handelt sich abermals um einen Stellvertreterkrieg, der auf dem Rücken einer Präwarp-Zivilisation ausgetragen wird.

Während Captain Kirk in Der erste Krieg kein Problem damit hat, die Oberste Direktive zu umgehen, da die einheimische Spezies ohnehin schon durch die Klingonen in ihrer Entwicklung beeinflusst wird, hält sich der neue Kirk sklavisch an die Nichteinmischungsregel. Nachdem er die Kontrolle über die Enterprise zurückerlangt hat, verhaftet er April und Mudd, während er die Phaedaner den Klingonen überlässt. Das ist nicht nur aus moralischer Sicht höchst fragwürdig, auch die Oberste Direktive greift hier nicht wirklich, da die Klingonen bereits dafür gesorgt haben, dass die Phaedaner sich nicht unabhängig entwickeln können. Mehr noch, sie treiben auch den Genozid auf dem Planeten voran.

April handelt allerdings nicht viel besser, indem er die Gegenseite einfach ohne Rücksicht auf Kollateralschäden aus dem Orbit bombardieren will. Sein Angebot an die Klingonen, ihnen den Planeten sowie die Enterprise zu überlassen, wenn er im Gegenzug als Gouverneur eingesetzt wird, um seine Schützlinge zu retten, ist ebenfalls äußerst unüberlegt. Er hat keinerlei Garantie, dass die Klingonen sich an den Deal halten werden, sobald sie erst einmal alles unter ihrer Fuchtel haben.

Noch absurder ist das versteckte Computerprogramm, mit dem er die Kontrolle über Kirks Enterprise erlangt. In der Classic-Serie war die Enterprise, die von ihm, Pike und Kirk kommandiert wurde, zwar ein und dasselbe Raumschiff, doch in den Reboot-Filmen handelt es sich um zwei verschiedene. Das beruht darauf, dass Kirk im ersten Abrams-Film die noch im Bau befindliche Enterprise in der Werft beobachtet, was zeitlich lange nach Aprils vermeintlichem Tod angesiedelt ist. Eigentlich müsste Kirks Enterprise also schon ein A hinter der Registriernummer tragen.

Doch zurück zu dem Programm, das April im Computer seiner Enterprise hinterlegt hat. Wie ist dieses in den Computer des Nachfolgemodells gelangt? Es wurde ja schließlich nicht der alte Computerkern in das neue Schiff eingebaut. Es gibt zwar eine Anspielung darauf, dass Sektion 31 etwas damit zu tun haben könnte, aber wie hätte der Geheimdienst ahnen können, dass April jemals auf die neue Enterprise gelangen würde und den Code dort brauchen könnte?

Außerdem hätte die Sektion 31 ihm auch anders behilflich sein können. Da Admiral Marcus bereits einen Präventionskrieg gegen die Klingonen vorbereitet, hätte er genauso gut gleich auf Phaedus eingreifen und die unterlegene Gruppe der Einheimischen mit Waffen versorgen können. Stattdessen muss Robert April auf die Dienste von Harry Mudds Tochter zurückgreifen.

Mit diesem Charakter hat man als Fan der alten Serien ebenfalls heftige Bauchschmerzen. Zum einen hatte die Föderation im 23. Jahrhundert noch überhaupt keinen Kontakt mit den Bajoranern und zum anderen sollte Harry Mudd eigentlich mit einer schrulligen Erdenfrau verheiratet sein. Okay, war er halt in jeder Hinsicht sehr umtriebig. Dennoch spielt die Handlung acht Jahre vor der Classic-Serie, in der er Mitte 30 war, also müsste er in der Zeit des Comics Ende 20 sein. Und da soll er schon eine erwachsene Tochter haben, die ihm bereits den Rang abläuft? Hier wird einmal mehr deutlich, dass es sich um ein Reboot handelt, welches nur noch dem Namen nach etwas mit Star Trek zu tun hat. Daran ändert auch ein Cameo-Auftritt von Kor nichts.

Zumindest optisch gibt es aber Anleihen bei den alten Serien. Spocks Quartier sieht z. B. aus wie in TOS, inklusive dem hexagonalen Spiegel. Die klingonische Heimatwelt Qo’noS erscheint derweil, wie man sie aus TNG kennt und nicht wie der an einen abgestürzten Borgwürfel erinnernde Metallschrottplatz aus Into Darkness. Das sind zwei große Pluspunkte, bei denen so einigen Fans der alten Serien das Herz aufgehen dürfte.

Die vierarmigen, insektoiden Phaedaner sind zudem sehr interessant gezeichnet. Sie sind fremdartig, ohne dabei grotesk zu wirken, wie das bei manch anderen Aliens des Reboots der Fall ist. Leider ist ihr Heimatplanet nicht ebenso realistisch. Die Oberfläche mit ihren Canyons ist zwar noch völlig in Ordnung, aber die Existenz von zwei sich überkreuzenden Ringen um den Planeten ist absolut unnatürlich.

Noch schlimmer ist das Größenverhältnis von Kors Bird of Prey gegenüber der Enterprise. Die Birds of Prey aus Into Darkness sind kleine Truppentransporter, die deutlich kleiner als die B’rel-Klasse ausfallen. Sie haben nicht mal eine große Brücke, sondern ein kleines Cockpit, dessen Fenster im Comic weitaus größer dargestellt sind als die Brücke der Enterprise. Der Bird of Prey, der nicht viel größer als ein Transporthubschrauber mit Flügeln sein sollte, wirkt sogar ein Stück größer als das Föderationsschiff. Das stimmt alles hinten und vorne nicht!

Die Enterprise selbst ist ganz okay dargestellt, hätte aber durchaus etwas detaillierter ausfallen können. Auf dem Cover des ersten Kapitels sieht das Föderationsraumschiff noch super aus, später wirkt es deutlich schlichter und hat zuweilen seltsame Muschelmuster am Hals, welche ebenso am Heck eines Shuttles zu finden sind.

Davon abgesehen ist der Comic jedoch wunderbar gezeichnet. Die Charaktere sind meist gut getroffen, die Posen und insbesondere die Hände wirken sehr natürlich. Die fremdartige Fauna des Planeten und seine Landschaften sind ebenfalls gelungen und auch sämtliche Innenräume der Enterprise sind perfekt getroffen. Am Talent des Künstlers gibt es kaum etwas auszusetzen.

Gleiches trifft auf die Koloration zu. Die Farben sind satt, das Verhältnis von Licht und Schatten stimmt, an Glanzeffekten gibt es keinen Mangel. Etwas störend sind lediglich die Blendeffekte, bei denen sich die Künstlerin allerdings an die Vorgaben der Kinofilme hält. Abgesehen davon, dass die Impulstriebwerke der Enterprise blau statt rot sind, gibt es hierbei nicht wirklich was zu meckern.

Fazit

Der Countdown to Darkness lässt deutlich mehr Star Trek-Feeling aufkommen als Into Darkness. Damit dürfte er durchaus auch einige eingefleischte Fans zufriedenstellen. Die Handlung wartet dabei mit einem brisanten moralischen Dilemma auf, welches aber leider nicht voll ausgereizt wird. Der Captain Kirk aus der Classic-Serie wäre nie feige vor den Klingonen davongeflogen und hätte ihnen die Phaedaner keinesfalls wehrlos ausgeliefert.

Nichtdestotrotz ist der vorliegende Comicband unterhaltsam, was vor allem an den gelungenen Zeichnungen und den satten Farben liegt. Insgesamt schneidet er um einiges besser ab als der Kinofilm, auf den er hinausläuft. Nicht zuletzt steht die Qualität, die Cross Cult den Lesern vorlegt, in einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Info

Autor: Mike Johnson
Zeichner: David Messina
Farben: Claudia Scarletgothica
Verlag: Cross Cult
Sonstige Informationen: Produktseite

Warpskala

Warpskala
8 10 0 1
  • Story
    7/10
  • Zeichenstil
    8/10
  • Koloration
    9/10
8/10
Total Score

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