Review: Star Trek – New Frontier: Grenzenlos

Lesezeit circa: 5 Minuten

Grenzenlos zelebriert die New Frontier-Reihe.

Überraschend viel Humor

„Star Trek – New Frontier“ war eine der ersten Romanserien, die die Fundamente für das Litverse legten. Ohne Peter Davids Vorarbeit, hätten Serien wie „Vanguard“ oder „Titan“ so nicht existieren können. Umso schöner, dass mit „Grenzenlos“ jetzt eine Anthologie herauskommt, die diese Reihe zelebriert.

Und anlässlich der Gelegenheit taten sich 18 Autoren zusammen, um ebenso viele Kurzgeschichten zu verfassen. Unter den Beteiligten finden sich Namen, die man aus den Romanen, die von Cross Cult verlegt werden, bekannt sind, wie ein David Mack oder ein Keith R. A. DeCandido. Doch ebenso findet man auch solche Schriftsteller, deren Hauptwerk hierzulande nicht von dem eben genannten Verlag herausgebracht wurden. Gemeint sind Autoren:innen wie Susan Wright, Robert Greenberger oder Robert T. Jeschonek.

Das Überraschende an Grenzenlos ist, wie die jeweiligen Schriftsteller:innen schreiben. Denn die New Frontier-Reihe ist vor allem durch den stellenweisen geradezu absurden Humor Peter Davids bekannt. Daher müsste man ja davon ausgehen, dass die anderen versuchen, diesen nachzuahmen. Und ob das immer so hinhaut, da bestehen doch gewisse Zweifel.

Für den Autor erstaunlich komisch!

Die aber dann schnell zerstreut werden, je weiter man diese Anthologie liest. Denn es wirkt nicht so, als ob die Personen, die ihre Geschichten dazu beitragen, gezwungen worden sind, das Lustige der Serie nachzuahmen. Im Gegenteil: Oft genug lesen sich die diversen Stores grandios komisch und brauchen sich vor der Leistung eines Peter Davids nicht zu verstecken.

Und so ist ein Highlight von Grenzenlos David Macks Kebron >> Warten auf G’Doh – oder: Wie ich lernte, mich nicht mehr zu bewegen und Menschen zu hassen<<. Im Zentrum der Story steht natürlich der Sicherheitsoffizier der Excalibur Zack Kebron, der auf eine Geheimmission geschickt wird. Doch wie der Name es ja schon verrät, schlüpft er in eine Rolle, in der er absolut immobil sein muss. Er muss als Statue ausharren, bis er ein Signal kriegt, dass er wieder aktiv werden kann. Was aber auf sich warten lässt, was wiederum zu interessanten … Ereignissen führt.

Um ehrlich zu sein, hätte man eine solch komische Erzählung nicht von David Mack erwartet. Der Autor war bislang vor allem für seine ernsten Thriller-Stories bekannt, wo Humor allerhöchstens wohldosiert vorkam. Dass er hier eine Geschichte schreibt, die sich in Sachen Komik vor Peter David nicht zu verstecken braucht, das hätte man vor dem Lesen der ersten Seite des Buches nicht vorausahnen können.

Reisen können so wunderbar kompliziert werden

Oder Kevin Dilmore, der mit Arex >>Die Straße nach Edos<<eine Geschichte schreibt, in der der Trinexianer von einem Sternenflottenoffizier zu seiner Heimatwelt gebracht wird, weil sein Vater im Sterben liegt. Zu sagen, dass die Dinge nicht ganz so verlaufen, wie geplant , ist noch milde ausgedrückt. Und gerade da drinnen liegt der Reiz der Erzählung! Der Autor schafft es gekonnt, mit trockenem Humor zu beschreiben, wie die Reise immer wieder durch diverse Komplikationen zurückgeworfen wird. Es ist einfach grandios.

Doch nicht nur komische Stories sind in Grenzenlos enthalten. Es gibt auch ernste Geschichten, wie beispielsweise Xant >>Erlösung<< von Glenn Hauman und Lisa Sullivan. Es ist eine nachdenkliche Erzählung, in der ein Bewohner einer Welt, die von den Priestern dieses Gottes erobert wurde, eben mit jenem ein Gespräch führt. Die Unterhaltung ist hochphilosophisch, aber auch sehr gut geschrieben. Was diese Story jedoch so besonders macht, ist ihr Ende, das einem unter die Haut geht und für die Zukunft der New Frontier-Serie viel verspricht.

Leider lässt sich bei über 18 Geschichten das überwiegend hohe Niveau nicht halten. Und so gibt es einen Ausrutscher in Form von Ilsa J. Blicks Morgan Primus >>Alice, am Ende der Nacht<<. In dieser Erzählung erzählt die Titelfigur einem Psychiater von ihrem Leben und ihren Selbstmordversuchen. Denn sie ist das Leben satt und will nicht mehr. Doch ihre ständigen Versuche, sich umzubringen, scheitern.

Leider Langweilig

Im Prinzip hätte dies eine wunderbare Erzählung werden können, in der das Thema Depressionen behandelt wird. Stattdessen scheitert sie daran, dass die Figuren einem egal sind. Das Seelenleiden von Morgan Primus kümmert einen ebenso wenig wie der Psychiater, der sich um sie bemüht. Dadurch wird diese Geschichte leider langweilig.

Dennoch ist Grenzenlos unterm Strich eine starke Anthologie, in der alle New Frontier-Figuren zur Geltung kommen. Und auch Peter David selbst verfasst einen Beitrag, der von hoher Qualität ist.

Star Trek - New Frontier Grenzenlos
Cover © Cross Cult

Bewertung 12/15

Autor: Peter David (Hrsg.)
Titel: Star Trek – New Frontier: Grenzenlos
Originaltitel: Star Trek – New Frontier: No Limits
Übersetzerinnen: Claudia Kern, Helga Parmitter
Verlag: Cross Cult
Erschienen: 05/2016
Einband: Taschenbuch
Seiten: 584
ISBN: 978-3-86425-802-2
Sonstige Informationen:
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Götz Piesbergen
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