Wem wird in Star Trek – Picard Gnade erwiesen? (Hinweis: Der Titel wurde später in Zwei von Eins geändert.)

Ein wildes Vergnügen

Die Feier zu Ehren der Astronauten der Europa-Mission ist in vollem Gange. Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) und seinen Leuten gelingt es, ebenfalls auf die Party zu kommen, um auf Reneè Picard (Penelope Mitchell) aufzupassen. Trotz kleinerer Probleme scheint alles gut zu verlaufen. Bis die Dinge anfangen zu eskalieren.

Zuerst taucht Adam Soong  (Brent Spiner) auf, der von den Zeitreisenden weiß und versucht, sie aufzuhalten. Dann wird Agnes Jurati (Alison Pill) endgültig von der Borgkönigin (Annie Wersching) übernommen. Und am Ende verhindert Jean-Luc zwar ein Attentat auf seine Vorfahrin, wird dabei allerdings schwer verletzt und fällt ins Koma.

Gnade ist ein wilder Ritt. Es ist eine Folge, die die Befürchtung, die ich bei der Rezension der letzten Episode Flieg mich zum Mond hatte, bestätigt. Es ist eine Folge, in der im Prinzip alles schiefläuft, was schiefgehen kann. Kurz: Es ist das pure Vergnügen.

Gnade

Der Beginn einer Katastrophe

Dass hier etwas passieren wird, das wird von Anfang an angeteasert. Man sieht einen Picard, der am Boden liegt und aus dem Mundwinkel blutet. Derweil hört man, wie seine Leute zu ihm eilen und nach ihm rufen. Anschließend folgt die Überblendung in das Geschehen 30 Minuten vorher.

Gnade erzählt die Ereignisse jetzt nicht chronologisch exakt. Die Folge hat zwar eine Laufzeit von 39 Minuten, doch sie hält sich nicht an den Minutentakt, sondern blendet immer wieder zu der Anfangssequenz um. Eine geschickte Methode, um den Zuschauer dazu zu animieren, dranzubleiben, damit man erfährt, wieso der Anfang geschehen konnte.

Bereits der Beginn der Rückblenden zeigt, wie Dinge anfangen, schiefzulaufen. Es ist nur eine Kleinigkeit, die daraus entsteht, dass dem Plan gefolgt wird. Das nämlich Jurati dafür sorgen soll, dass die übrigen Leute von der La Sirena sowie die Wächterin auf die Party können. Was sie jedoch nur dadurch erreicht, dass sie der Borgkönigin noch etwas mehr Kontrolle über ihren Körper überlässt.

Was für ein Wahnsinn

Es wird eine Zeitlang ruhig, ehe dann auf einmal Adam Soong auftaucht und Picard bedroht. Das ist eine Charakterentwicklung, mit der man bei der letzten Folge so nicht mit gerechnet hat. Allgemein erweist sich der Wissenschaftler in Gnade als zunehmend unberechenbarer. Was auch immer Q ihm eingeflüstert hat, es erweist sich als sehr wirksam. Da der Wissenschaftler sich schließlich zu einer Tat hinreißen lässt, die zu der Anfangssequenz führt.

Es ist ungewohnt, Brent Spiner in einer solchen Rolle zu sehen, die zunehmend verrückter wird. Doch setzt der Schauspieler sie grandios um, inklusive dem Moment, wo man erfährt, was er wirklich getan hat, was wirklich das Geheimnis um seine Tochter Kore Soong ist. Es ist eine Szene, die Gänsehaut hervorruft und klarmacht, dass er von der Persönlichkeit her eher etwas mit Lore gemeinsam hat, statt mit Data.

Auch wird in Gnade einmal mehr gezeigt, dass Rafi den Tod ihres Schützlings in der zwölften Folge von Star Trek – Picard nicht überwunden hat. Ein Mal mehr vermeint sie, ihn zu sehen. Nur, dass sie dieses Mal aktiv darum kämpft, nicht in Tränen auszubrechen. Es stellt sich die Frage, wie lange sie noch ihre Trauer unterdrücken kann. Denn auf Dauer dürfte das nicht so weitergehen, irgendwann wird der Zusammenbruch kommen.

Gnade

Man hat es kommen sehen

Es sind vor allem zwei Momente, in denen dem Zuschauer klar wird, dass alles endgültig ein für alle Mal den Bach runter gegangen ist. Der erste ist natürlich der Augenblick, wo man sieht, was mit Jean-Luc Picard geschehen ist, wieso er am Beginn der Episode am Boden liegt. Der zweite ist die Szene, in der Agnes Jurati endgültig von der Borgkönigin übernommen wird.

Dieses Ereignis hat natürlich etwas von einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Dass es soweit kommen musste, das war bereits von dem Moment an klar, als sie sich mit der Königin das erste Mal vernetzte. Doch wie es in Gnade umgesetzt wird, ist schon fast surreal. Es ist eine kleine Gesangseinlage der Wissenschaftlerin, deren Text klarmacht, dass dies so etwas wie der Sirenengesang der Borgkönigin ist, an deren Ende sie ihr endgültig erliegt.

Doch führt dies zu einem von zwei Mankos dieser Folge. Als später Picard im Koma liegt, wird Juratis Abwesenheit nur ein Mal kurz angesprochen und ansonsten ignoriert. Es ist klar, dass sich alle Sorgen um den Admiral machen. Wäre es allerdings nicht besser gewesen, die Leute hätten auch nach ihr Ausschau gehalten, anstatt sie zu vergessen, sodass sie jetzt durch die Straßen der Stadt laufen kann? Das ist eine Lücke in der Handlung, die doch sehr stört.

Wenn der Zufall ins Spiel kommt

Das andere Manko von Gnade ist, dass zufälligerweise am Ende der Folge jemand eine Möglichkeit besitzt, um mit dem Verstand des im Koma liegenden Picards zu verschmelzen. Es ist doch zu sehr Zufall, wenn man mitkriegt, dass die entsprechende Person auf einmal so etwas ihr eigen nennt, ohne dass es vorher irgendwie erwähnt wurde. Es ist faules Storytelling, mit dem die nächste Episode vorbereitet wird.

Übrigens ist dies die erste Folge der zweiten Staffel, in der der englische Titel nicht übernommen wurde. Im Original heißt die Episode Two of One und ist eine Anspielung auf die Borgkönigin sowie Jurati. Gnade ist ein Name, der nicht unbedingt dem Inhalt der Folge entspricht. (Hinweis: Der Titel wurde später in Zwei von Eins geändert.)

Warpskala

Warpskala
7 10 0 1
7/10
Total Score

Positiv

  • Dinge laufen schief
  • Gesangseinlage von Jurati
  • Adam Soong

Negativ

  • Wieso wird Jurati vergessen?
  • Plötzlich auftauchendes, nützliches Gerät
Götz Piesbergen

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