Review: Star Trek TOS 075 – Reise nach Eden

Lesezeit circa: 7 Minuten

Eine Gruppe Hippies ist auf der Reise nach Eden.

Handlung

Die Enterprise verfolgt das gekaperte Schiff Aurora, dessen Antrieb bei der Flucht überhitzt. Alle Insassen werden rechtzeitig auf die Enterprise gebeamt. Es handelt sich um einer kleine Gruppe von Weltraumhippies, die den Planeten Eden suchen.

Anführer ist Dr. Sevrin (Skip Homeier) unter dessen Gefolgsleuten sich auch Tongo Rad (Victor Brand), der Sohn des catullanischen Botschafters befindet. Deswegen ist Kirk (William Shatner) gezwungen die Gruppe ausnehmend freundlich zu behandeln, obwohl sie sich allen Vorschriften widersetzt.

Bei einer Untersuchung stellt McCoy (DeForest Kelley) fest, dass Sevrin Überträger des Synthecoccus novae ist und sofort isoliert werden muss, was seinen Anhängern überhaupt nicht passt. Sie protestieren lautstark, können jedoch nichts ausrichten. Einzig und allein Spock (Leonard Nimoy) wird von ihnen respektiert, da er, wie Hippie Adam (Charles Napier) sagt, einer von ihnen sei.

Reise nach Eden

Auch Chekov (Walter Koenig) kommt der Gruppe näher, da er seine ehemalige Liebe Irina Galliulin (Mary Linda Rapelye) unter den Hippies erkennt. Er erkennt jedoch, dass sie beide in völlig unterschiedlichen Welten leben. Dennoch kommt sie auf Chekov zu, als dieser Spock vom Hilfskontrollraum aus bei der Suche nach dem Planeten Eden unterstützt. Sie lässt sich von Chekov alles genau erklären. Spock stellt unterdessen auch fest, das Sevrin an einer Geisteskrankheit leidet.

Während die Hippies im Freizeitraum ein Konzert für die Besatzung der Enterprise geben, verlässt Tongo Rad unbemerkt die Veranstaltung und schleicht sich zu Sevrins Zelle, wo er die Wache überwältigt und Sevrin befreit. Anschließend dringen die Hippies in den Hilfskontrollraum ein und reißen die Kontrolle über das Schiff an sich, um nach Eden zu fliegen. Dort angekommen betäubt Sevrin die Enterprise-Crew mit einem Ultraschallton, kapert ein Shuttle und fliegt mit seiner Gefolgschaft nach Eden.

Nachdem die Besatzung erwacht, verfolgt ein Außenteam die Hippies und findet Adam tot vor. Es stellt sich heraus, dass der Planet Eden zwar idyllisch, aber hochgefährlich ist. Alles dort ist giftig und beinhaltet Säure. Die Hippies haben sich in dem Shuttle in Sicherheit gebracht. Sevrin will Eden nicht verlassen und beißt absichtlich in eine Frucht, deren Gift ihn augenblicklich tötet. Die verbliebenen Hippies werden zur nächsten Raumbasis gebracht.

Rezension

Star Trek TOS wurde in den 1960ern gedreht. Was liegt da näher, als das Thema „Hippies und Blumenkinder“ aufzunehmen?

Herbert, Herbert!

Laut Spocks Erklärung ist der Begriff „Herbert“ nicht gerade schmeichelhaft, beschreibt er doch einen engstirnigen, kleinkarierten mittleren Beamten. Ich gestehe, ich muss dann immer lachen. Mein Vater heißt zufällig Herbert und der ist nun alles andere als kleinkariert oder engstirnig. Spaß beiseite.

Ein paar Hippies befindet sich nun also an Bord der Enterprise und sorgt für allerlei Durcheinander. Darüber hinaus widersetzen sie sich Kirks Anordnungen, bringen Scottys Abläufe durcheinander und haben „Null Bock!“, außer ihre Reise nach Eden fortzusetzen. Einzig und allein zu Spock fassen sie Vertrauen. Ausgerechnet der einzige Vulkanier an Bord, ein Mann, der für seine kühle Logik und strenge emotionale Kontrolle bekannt ist. Er ist, wie Adam sagt, einer von ihnen. Wie kann das sein? Liegt es daran, dass Spock wusste, wie er die Gruppe am besten begrüßen kann („Wir sind alle Eins.“)? Oder ist es vielleicht der Umstand, dass Außenseiter einander unbewusst erkennen? Zumindest ist Spock der fast einzige an Bord, der sich auf die Gruppe tatsächlich einlässt, von ihr fasziniert ist, statt sie abzulehnen. Stattdessen unterstützt er sie, musiziert mit ihnen und es scheint sogar, als würde er Adam sympathisch finden. Außer ihm ist es nur noch Sulu, der den Grundsätzen und Zielen der Blumenkinder nicht unbedingt abgeneigt ist. Kirk hingegen ist das strenge Oberhaupt, das die Blumenkinder immer wieder in ihre Schranken weist.

Prinzipiell halte ich die Idee, eine Hippiebewegung in Star Trek einzuflechten für sehr interessant. Wirklich gut gelungen ist es jedoch nicht.

Reise nach Eden

Reise nach Eden!

Sie suchen den Planeten Eden. Die Blumenkinder der 1960er Jahre, die als großes Vorbild hergehalten haben, waren eine gegenkulturelle Bewegung. Ihre Kernidee bestand aus Konsumkritik, Naturverbundenheit, Bruch mit den damaligen gesellschaftlichen Werten. Der Höhepunkt der Bewegung gipfelte in der Friedensbewegung gegen den Vietnamkrieg unter dem Motto „Make love, not war!“ Die Hippies hatten einen immensen Einfluss, unter anderem Umweltschutz, Antirassismus, sexuelle Revolution, Gesellschaftspolitik, Mode, Musik.

In Reise nach Eden ist fast nichts davon zu merken. Das Aufbegehren gegen Autoritäten, hier Hippies gegen Kirk, wurde dargestellt. Davon abgesehen lieben die Weltraumhippies Musik, folgen blind ihrem Guru Sevrin und sind bunt gekleidet. Thematiken wie Antikriegsbewegungen, Hinterfragung von Werten und Technologien, etc. werden kaum gestreift. Dabei hätte man prima in die Entwicklung der einstigen Hippiebewegung eintauchen können. Wie es in den 1960er Jahren begann, was daraus wurde, wer es wieder aufgegriffen hat, ob andere Völker ähnliche Bewegungen vorweisen (Parallelentwicklungen). Wieder ein Fall von verschenktem Potential, was sehr schade ist. Stattdessen beruft man sich auf Sevrins Geisteskrankheit und der Leichtgläubigkeit seiner Anhänger und Anhängerinnen. Das ist sehr unbefriedigend. Es fehlt an Tiefgang.

Mitnehmen lässt sich aus Reise nach Eden jedoch: Jeder hat einen Traum, von dem er hofft, er möge in Erfüllung gehen. Hier zerplatzt ein Traum und mit ihm stirbt ein Lebewesen. Sevrin konnte die Wahrheit nicht ertragen und wählte den Tod. Frage ist auch, ob so ein blindes, naives Vertrauen in eine Art Guru nicht gefährlich sein kann. Hier ging es jedenfalls für Adam nicht gut aus. Um ihn tut es mir tatsächlich leid. Ich mochte diesen naiven, fröhlichen Anarchisten.

Charaktere

Auf den ein oder anderen bin ich ja schon eingegangen. Auch Chekov kommt hier gut zur Geltung, indem er auf seine ehemalige Flamme Irina trifft. Hier ist schön aufgezeigt, wie unterschiedlich Menschen sich entwickeln können. Irina war ebenfalls Studentin an der Akademie, schloss sich jedoch Sevrins Gruppe an. Chekov hingegen wählte den Weg zur Sternenflotte. So haben er und Irina sich wenig zu sagen, haben kein Verständnis für einander. Möglicherweise ist Chekov aber auch immer noch eingeschnappt, da ihre Beziehung an Irinas Entscheidung, zum Hippie zu werden, zerbrochen ist. Dennoch wächst Chekov zum Ende über sich hinaus, indem er sich mit ihr verträgt und ihr sogar alles Gute wünscht, als ihre Wege sich erneut trennen. Manchmal sind Begegnungen doch heilsam.

Fazit

Trotz des fehlenden Tiefgangs kann Reise nach Eden sich sehen lassen und schlägt neben amüsanten Elementen auch einige ernstere Töne an. Wobei mich eins doch stört: Wie kann ein Grüppchen unbewaffneter Anarchisten Zugang zum Hilfskontrollraum erlangen? Passt an Bord niemand auf? Wo war denn der Sicherheitsdienst?

Funfacts

  • Ursprünglich war geplant, McCoys Tochter Joanna als eine von Sevrins Gefolgsleuten auftreten zu lassen.
  • Für die Aurora nahm man das Modell des Tholianerschiffs aus Das Spinnennetz.

Der deutsche Titel Reise nach Eden entspricht dem Original Way to Eden.


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