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Review: Star Wars – Jedi vs Sith

Lesezeit circa: 11 Minuten

Im Krieg gegen die Sith setzen die Jedi neuerdings Kindersoldaten ein.

Jedi vs SithHandlung

Etwa 1.000 Jahre vor Kanzler Palpatines Machtantritt tobt ein erneuter Krieg gegen die Sith, in Folge dessen Darth Bane die Regel der Zwei einführt. In der Schlacht von Ruusan versucht nämlich jeder Sith-Lord, seine eigene Strategie durchzusetzen und obendrein verüben einige dunkle Lords Mordanschläge auf Bane, statt geeint gegen die Jedi vorzugehen. Das alles schwächt die Sith.

Die Jedi sind jedoch ebenfalls verzweifelt. Auf ihrer Seite kämpfen zwar mehr Menschen und Aliens, aber die meisten sind keine erfahrenen Krieger. Es braucht mehr Soldaten mit Machtkräften, also rekrutieren die Jedi auch Kinder für ihren Krieg. Darunter die Waisen Tomcat, Bug und Rain, die nur allzu gerne von der langweiligen Welt Somov Rit verschwinden, um das vermeintlich große Abenteuer zu suchen.

Eigentlich will Meister Torr nur die beiden Cousins, die eigentlich Darovit und Hardin heißen, mitnehmen. Ersterer setzt sich jedoch dafür ein, dass auch seine Cousine Rain alias Zannah mitkommen darf. Alles in allem ein fataler Fehler, denn schon kurz nach ihrer Ankunft auf Ruusan wird ihr Raumgleiter von den Sith abgeschossen, wobei zwei andere Jünglinge sterben und Zannah ebenfalls aus dem Cockpit gerissen wird.

Die beiden Jungs folgen nach der Bruchlandung Meister Torr, der sich bei einem Hinterhalt der Sith für die zwei opfert, indem er eine Hängebrücke hinter ihnen zum Einsturz bringt. Tomcat klettert anschließend in den Abgrund, um Torrs Lichtschwert zu bergen und lässt dabei den schwer verletzten Jedi zum Sterben zurück. Einen weiteren Hinterhalt überleben sie nur durch das Eingreifen von Kiel Charny und seinem Trupp. Dieser bringt die Jungen zum Lager der Jedi, wo sie für den Küchendienst eingeteilt werden und den Kantinenwagen ziehen sollen, da der Ochse gestorben ist.

Tomcat weigert sich, diesen niederen Dienst zu versehen, und stürzt sich eigenmächtig in die Schlacht. Dort tötet er zum ersten Mal, woran er bedenklich großen Gefallen findet. Gleichzeitig muss er aber auch erleben, wie Jedi sterben, was ihn desillusioniert. Er schließt sich daher der Sith Githany an, welche Bane die Regel der Zwei vorgeschlagen hat, in der Hoffnung, seine Schülerin werden zu dürfen.

Sein Cousin entscheidet sich derweil für die Seite des Lichts und die kleine Rain ist mit dem Bouncer Laa unterwegs. Diese einheimische Lebensform, die wie ein grüner fliegender Pelzball aussieht, ist hochintelligent und kann telepathisch kommunizieren. Vertreter dieser Spezies spenden den Verletzten und Sterbenden beider Kriegsparteien Trost. Doch nachdem Darth Bane die Wälder des Planeten mit seiner Gedankenkraft verbrannt hat, strahlen sie nur noch Kummer und Schmerz aus.

Ein republikanischer Bogenschütze macht daher Jagd auf die indigene Spezies und schießt dabei auch Laa ab. Daraufhin werden er und ein weiterer Soldat von Rain in einem Wutanfall mit der Macht getötet. In diesem Zustand nimmt Darth Bane sie auf und obwohl sie erkennt, dass sie etwas Böses getan hat und dies nicht wiederholen will, macht er sie zu seiner neuen Schülerin. Pech für Githany, von der zwischenzeitlich ohnehin nur noch eine halbtote Trockenmumie übrig ist, die Bane von ihrem Leid erlöst.

Schuld an Githanys üblem Zustand ist Lord Kaan, welcher die anderen Lords überredet hat, eine Gedankenbombe zu entfesseln, um alle Jedi auf dem Planeten zu töten. Die hatten dank des Eintreffens von Meister Farfalla und dessen mächtigem Schlachtschiff die Oberhand gewonnen. Als die Gedankenbombe hochgeht, sterben jedoch fast alle. Darunter auch Hardin, der sich gerade in einem Lichtschwertduell mit seinem Cousin Darovit befunden hat, als die Bombe explodierte.

Übrig bleiben am Ende nur Darth Bane und seine junge Schülerin sowie der geläuterte Darovit, der fortan als verstümmelter Einsiedler über den Planeten zieht. Ende!

Rezension von Jedi vs. Sith

Dieser Comic ist wirklich harter Tobak und überhaupt nicht für Kinder geeignet. Es vergeht nämlich kaum ein Kapitel, ohne dass selbige bedroht, verletzt oder gar grausam getötet werden. Gleich zu Beginn schlachtet Darth Bane drei Kinder vor den Augen ihres Vaters ab, einfach nur weil er gerade in der Gegend war und Bock darauf hat. Es entsteht schnell der Eindruck, dass die Macher dieses Comics Kinder abgrundtief hassen.

Zwar sind schon im ersten Band von Knights of the Old Republic vier Padawane von ihren Meistern ermordet worden, doch dazu gab es wenigstens eine plausible Erklärung und ihr Tod war für die Handlung relevant. Außerdem waren sie immerhin schon Teenager an der Schwelle zur Volljährigkeit und ihre Meister gehörten einem gewissenlosen Geheimbund innerhalb des Jedi-Ordens an.

Im vorliegenden Band, der rund 3.000 Jahre später angesiedelt ist, setzt hingegen der gesamte Jedi-Orden Kindersoldaten unter 10 Jahren ein und verheizt sie bedenkenlos an der Front. Das erinnert nicht rein zufällig an den irdischen Kinderkreuzzug von 1212, wobei das überhaupt nicht zu den Jedi passt. Immerhin macht sie das noch schlimmer als die Sith. Der Einsatz von Kindersoldaten ist dabei nicht nur extrem finster, sondern außerdem unklug. Immerhin können Kinder ihre Emotionen noch nicht kontrollieren und haben kein gefestigtes Weltbild. Dementsprechend wechseln sie aus ihrer jeweiligen Laune heraus ständig die Seiten.

Tomcat ist anfangs eher bedächtig, während sein Cousin Bug ein echter Draufgänger ist. Auf Ruusan tauschen sie plötzlich ihre Rollen und Darovit kann es kaum abwarten, sich in die Schlacht zu werfen. Allerdings werden die Kids erst einmal zu körperlicher Schwerstarbeit genötigt. Was die Jedi ihren Padawanen abverlangen, erinnert an die Verhältnisse auf Kakaoplantagen an der Elfenbeinküste. Sie sollen die Arbeit erledigen, die ursprünglich für einen Ochsen gedacht war.

Kein Wunder, dass Tomcat türmt. Allerdings trägt er mindestens ebenso viel Dunkelheit in sich wie die meisten Jedi. Lediglich Meister Torr versucht ihm und seinem Cousin noch ein paar Werte zu vermitteln und wird zum Dank von Darovit zum Sterben zurückgelassen. Als dieser dann seinen ersten Gegner mit dem Lichtschwert des Verstorbenen niederstreckt, leuchten seine Augen wie die eines wahnsinnigen Massenmörders.

Von der Sith Githany bekommt er nach seinem Überlauf ein passendes Outfit, mit dem er glatt in einem SM-Club auftreten könnte. Es grenzt schon direkt an ein Wunder, dass er am Ende doch noch die Kurve bekommt. Der Tod seines Cousins, der zuvor noch von Githany ein Bein abgeschlagen bekommt, erschüttert ihn dermaßen, dass er den Sith abschwört. Als er dann Rain aus den Fängen von Darth Bane befreien will, bringt diese per Telekinese seine rechte Hand zum Explodieren und lässt ihn verstümmelt zurück.

Zannahs erste Kills sind zwar noch nachvollziehbar, da die Betreffenden ihren flauschigen Freund Laa getötet haben. Es handelt sich um eine Affekthandlung, die sie kurz darauf durchaus bereut. Ihr anschließender Werdegang ist jedoch weniger nachvollziehbar. Jedes normale Mädchen hätte Angst vor einem Sith-Lord wie Darth Bane, zumal der sich schon als Kinderschlächter profiliert hat.

Aber so etwas passiert nun mal, wenn man Kinder für den Krieg rekrutiert. Die Kleinen können mit solch traumatischen Erfahrungen einfach noch nicht umgehen. Nicht einmal Erwachsene können das, weshalb viele Veteranen unter posttraumatischem Stresssyndrom leiden. Man fragt sich auf wirklich jeder Seite, was in den Jedi-Orden gefahren ist, auf solch verachtenswerte Methoden der Kriegsführung zurückzugreifen?

Ohnehin sind die Jedi kaum wiederzuerkennen. So hüllt sich Meister Farfalla in Gold und Seide, was völlig zurecht von General Hoth kritisiert wird. Farfalla ist ein eitler Pfau, dessen arrogantes Auftreten eines Jedis mindestens ebenso unwürdig ist wie einst das von Meister Lucien. Nur mit dem Unterschied, dass Farfalla keinerlei Hintergrundgeschichte vorzuweisen hat.

Obendrein sieht er mit seinen Pferdehufen und Elbenohren aus wie aus einem Fantasy-Universum. Von welchem Planeten stammt er denn? Mittelerde oder Narnia vielleicht? Zu seiner Mannschaft zählen außerdem noch ein Mischwesen aus Mensch und Vogel sowie ein ziegenfüßiger Typ mit Hörnern, der an die griechische Darstellung des Gottes Pan erinnert.

Aus Peter Pan scheint derweil sein Schlachtschiff entlehnt zu sein und das, obwohl der Comic lange vor der Übernahme von Lucasfilm durch Disney erschienen ist. Der Kreuzer sieht aus wie eine fliegende Segelfregatte und ja, das Raumschiff hat tatsächlich ein Segel. Vielleicht fliegt es ja mit dem Sonnenwind? Dennoch wirkt es absolut deplatziert, erst recht mit dem Einhorn als Galionsfigur. Einhörner! In Star Wars! WTF?

Überhaupt wirkt der gesamte Comic anachronistisch. In der Ära von Knights of the Old Republic sah die gesamte Technik und Mode der Republik schon sehr modern aus. Rund 3.000 Jahre später erscheint alles wie im späten Mittelalter. Der Kleidungsstil ist ans 15. Jahrhundert angelehnt, die Jedi-Ritter tragen altertümliche Metallrüstungen, sie kämpfen mit Pfeil und Bogen, ihre Transportwagen haben Holzräder und sie übernachten in Zeltlagern.

Ein Jedi namens Pernicar wollte ursprünglich sogar Briefeschreiber werden, da auf seiner Welt fast alle Bewohner Analphabeten sind. Welch ein Rückschritt! 3.000 Jahre zuvor gab es in der Republik bereits die Schulpflicht und selbst wenn es auf irgendwelchen rückständigen Hinterwäldlerplaneten noch Analphabeten gab, konnten diese doch immerhin in Echtzeit per Holobotschaft kommunizieren. Aber jetzt müssen die Menschen der Republik wieder Briefe auf Papier schreiben lassen? Wahrscheinlich werden die dann noch mit der Postkutsche zum nächsten Planeten gefahren. Das ist echt tiefstes Mittelalter!

Es stimmt zwar, dass es im Star Wars-Universum Welten gibt, die in ihrer Entwicklung noch nicht so weit sind wie der Rest der Galaxie. Man denke nur an die Ewoks auf Endor. Doch hier geht es um die Republik. Es geht um Jedi, die bereits seit Jahrtausenden Lichtschwerter besitzen und nun plötzlich statt zusätzlichen Blastern Streitäxte aus Eisen schwingen. Außerdem ist das alles auch noch optisch an das mittelalterliche Europa angelehnt. So taucht mehrfach die Fleur-de-Lys auf, ein Symbol des französischen Adels.

Star Wars hat durchaus schon früher auf irdische Kulturen zurückgegriffen, aber nie war die Inspiration dermaßen offensichtlich. Bei diesem Comic kommt überhaupt kein Star Wars-Feeling auf, denn alles, was man vielleicht noch damit assoziieren könnte, sind die Lichtschwerter. Der Rest wirkt wie eine groteske Mischung aus Mittelalter und Fantasy. Derartiges wäre vielleicht von Marvels Thor zu erwarten, aber das hier geht gar nicht!

Der einzige positive Aspekt sind die einheimischen Lebensformen von Ruusan. Die Bouncer sehen aus wie grüne fliegende Tribbles. Schon allein das macht sie zu den einzig sympathischen Charakteren der Geschichte. Obendrein sind sie sehr einfühlsam und können die Zukunft träumen. Leider behält Laa damit recht, dass in Rain die dunkle Seite der Macht keimen wird. Das muss Laa aber nicht mehr miterleben, da die Jedi anfangen, die intelligenten Wesen zu bejagen, als sie ihnen lästig werden. Dabei sind die Bouncer lediglich von der Zerstörung ihres Waldes traumatisiert.

Spätestens hier geht der letzte Zauber flöten, den der Comic noch zu bieten hatte. Statt der einheimischen Bevölkerung zu helfen, vollenden die Jedi ihre Ausrottung, die von den Sith begonnen wurde. Ernsthaft? Das alles kann und darf kein Kanon sein! Einzig die Einführung der Regel der Zwei durch Darth Bane wird auch in den Filmen erwähnt, aber die verkommt hier zu einem Nebenplot. Storytechnisch ist die kurze Serie der absolute Overkill, der dankenswerterweise keine Fortsetzung erfahren hat.

Wenigstens ist der Band grafisch noch einigermaßen zu ertragen. Mal von der mittelalterlichen Atmosphäre abgesehen ist zumindest der Detailgrad ganz okay. Vor allem die Bouncer sehen recht interessant aus und sind vor allem niedlich. Der Planet Ruusan schaut ebenfalls ganz nett aus, aber davon bleibt zum Ende leider nicht viel übrig.

Die Koloration holt das Beste aus den Zeichnungen raus. Vor allem die Leuchteffekte der Antriebe sehen sehr realistisch aus und der nächtliche Sternenhimmel über Ruusan ist atemberaubend. Die Darstellung von Wasser ist dagegen fast schon zu realistisch. Die computergenerierten Oberflächenspiegelungen harmonieren nicht so recht mit dem Zeichenstil. An und für sich ist die farbliche Gestaltung allerdings das Beste an diesem Comic.

Fazit

Wer Kinder hasst, wird diesen Comicband lieben. Alle, die es nicht ertragen können, wie Kinder verstümmelt und abgeschlachtet werden, sollten dagegen die Finger davon lassen. Dabei sind nicht nur die Sith grausame Kindermörder, der Umgang der Jedi mit den Jünglingen ist mindestens ebenso schockierend. Derart drastische Szenen gab es zwar bereits in Episode III: Die Rache der Sith, aber nie war die Gewalt so überflüssig und noch dazu von den eigentlich Guten verübt. Erschienen ist Jedi vs. Sith  u. a. als hochwertiger Hardcover-Band mit der Nr. 77 in der Star Wars Comic-Kollektion.

Info

Autor: Darko Macan
Zeichner: Ramón F. Bachs
Farben: Chris Blythe
Verlag: Panini
Sonstige Informationen: Produktseite

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Warpskala

Warpskala
3 10 0 1
  • Story
    2/10
  • Zeichenstil
    6/10
  • Koloration
    9/10
3/10
Total Score
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