The Witcher
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Review: The Witcher 15 – Voleth Meir

Lesezeit circa: 5 Minuten

In Voleth Meir kommt die Wahrheit ans Licht.

Ein endgültiger Abschied?

Auf der Suche nach den geflüchteten Yennefer (Anya Chalotra) und Ciri (Freya Allan) befreit Geralt (Henry Cavill) Rittersporn (Joey Batey). Von ihm erfährt er mehr über das, was mit der Zauberin los ist. Und die Nachricht beunruhigt ihn.

Derweil sorgt die Geburt des Elfenbabys für enorme Konsequenzen. Die Elfen beschließen, angesichts des ersten neuen Kindes seit Ewigkeiten, eine neue Heimat zu gründen, anstatt für Nilfgaard zu kämpfen. Was die Zauberin Fringilla (Mimi Ndiweni) in deutliche Nöte stürzt, da sie für diese Entscheidung verantwortlich gemacht wird. Gleichzeitig muss sie erkennen, dass sie längst nicht so viel Macht besitzt, wie sie eigentlich vermutet hatte, und muss deshalb Konsequenzen ziehen.

Voleth Meir ist die vorletzte Episode der aktuellen The Witcher-Staffel. Es ist auch gleichzeitig eine Folge, die es dem Zuschauer nicht einfach macht. Denn mit ihr haben sich die Macher der Reihe anscheinend endgültig von den Romanen verabschiedet.

Positiv und Negativ

Dazu muss man sagen, dass auch die erste Staffel die Serie sich teilweise sehr frei an den Büchern von Andrzej Sapkowski orientierte. Doch in dieser Season wurde es noch extremer, sodass stellenweise ganze Folgen, wie beispielsweise Kaer Morhen oder Was verloren ging eigene Stories erzählten, die man allerdings noch damit erklären konnte, dass sie narrative Lücken der Bücher schlossen. Das ist bei dieser Folge nicht der Fall. Und es macht sich negativ bemerkbar.

Wobei es durchaus positive Aspekte zu nennen gibt. Die schauspielerische Darbietung von Henry Cavill ist immer noch ein absolutes Highlight. Auch der Plot um Fringilla und wie sie um ihre Macht kämpft, ist ebenso grandios. Wobei der Höhepunkt natürlich ein schockierendes Ereignis gegen Ende der Folge ist. Ohne zu viel zu verraten Hier wird mit einer normalerweise eisernen Regel des Film- und Fernsehgeschäfts gebrochen, laut der bestimmte Lebensformen nicht sterben dürften. Damit bricht Voleth Meir auf eindrucksvolle Art und Weise. Es ist diese Schonungslosigkeit, diese Gnadenlosigkeit, die man als Leser der Romanvorlage bereits kennt. Das lindert zwar nicht den Schock, aber es hilft, ihn auf Dauer besser zu verkraften, wobei man sich fragt, wie dieser Plot dann weitergehen wird. Denn klar ist, dass er innerhalb der Handlung enorme Konsequenzen haben wird.

Doch ansonsten hat man als Fan der Witcher-Romane und der Serie das Gefühl, dass hier ein großer Fehler gemacht wird. Man wendet sich von den Vorlagen ab und fokussiert sich stattdessen auf einen Plot, der in einer der früheren Folgen eingeführt wurde und seitdem im Hintergrund weitergelaufen ist.

Voleth Meir

Problematische Entwicklungen

Das Problem ist, dass Voleth Meir es nicht schafft, diese Handlung mit der neuen Gefahr glaubwürdig darzustellen. Im Gegenteil: Die Geschehnisse machen Yennefer zu einer Verräterin, die nur auf ihren eigenen Vorteil aus ist, und das zerbricht das Vertrauensverhältnis zwischen ihr, Geralt und Ciri. Etwas, das in den Büchern eines der grundlegendsten Elemente der Reihe war. Und man fragt sich, wie das jetzt repariert werden soll und wie lange es dauern wird. Denn am Ende könnte der Versuch, das Verhältnis zwischen den drei Figuren wiederherzustellen, zu viel Fokus von dem eigentlichen Plot wegnehmen, nämlich dem Werdegang von Ciri.

Auch der Antagonist, der mit dieser Folge in den Vordergrund rückt, bereitet einem Probleme. Hier muss man wieder die Romane als Grundlage für die Kritik nehmen, da in diesen ein anderer Gegenspieler aufgebaut wurde als in der Serie. In der Netflix-Reihe hat man das Gefühl, als ob die Macher nicht so recht wissen, wen sie jetzt als großen Bösewicht aufbauen sollen. Mit dem Ergebnis, dass die Entscheidung, die in dieser Folge gefällt wird, dazu führt, dass man mit dem Big Bad dieser Staffel nicht warm wird. Im Gegenteil: Er geht einem gehörig auf den Keks und nimmt ebenfalls den Fokus von Ciri weg.

Es mag unfair wirken, dass man Voleth Meir und die Witcher-Serie an sich ständig mit den Romanen vergleicht. Schließlich ist es im Film- und Fernsehgeschäft Standard, dass die Vorlagen nie 1:1 umgesetzt werden, sondern dass man sich gewisse interpretatorische Freiheiten erlaubt. Aber man hat in der aktuellen Season das Gefühl, dass die Macher der Serie nicht wirklich verstanden haben, was den Charme der Bücher ausmacht, sondern stattdessen nur etwas umzusetzen versuchen, von dem sie meinen, dass es zu dem Universum passt. Mit dem Ergebnis, dass man in dieser Episode richtig merkt, dass das kolossal schiefläuft.

In jedem Fall ist dies eine Folge, bei der man sich Sorgen ums Finale machen muss. Denn es dürfte unmöglich sein, alle Fehler, die in den vergangenen Episoden heimlich und offensichtlich begangen wurden, wiedergutzumachen. Den Fokus mit Gewalt erneut auf Ciris Abenteuer zu lenken und sich den Romanvorlagen erneut anzunähern, würde außerdem ironischerweise falsch wirken.

Wertung

Wertung
5 10 0 1
5/10
Total Score

Positiv

  • Henry Cavill
  • Fringilla und ihr Kampf um die Macht

Negativ

  • Entfernt sich zu sehr von der Romanvorlage
  • Neuer Antagonist nicht gut dargestellt
  • Verrat von Yennefer
Götz Piesbergen
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