Wanted zeigt, wie eine Superheldencomicverfilmung nicht aussehen darf!

Der Regisseur gibt den Ausschlag

Mark Millar war Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre einer der besten Comicautoren, die man finden konnte. Nach einer erfolgreichen Zeit bei Marvel und DC, fing er an, als Independent-Autor Comics bei verschiedenen Verlagen herauszubringen. Zu der ersten Welle seiner eigenen Werke gehörte die sechsteilige Miniserie Wanted, die er von 2003 bis 2004 gemeinsam mit dem Künstler J.G. Jones erschuf und beim Top Cow-Imprint des Image-Comics-Verlags herausbrachte. Diese Reihe war sehr erfolgreich und erregte die Aufmerksamkeit des Universal-Pictures-Vorsitzenden Jeff Kirschenbaum, einem Comicbuchfan. Er überzeugte das große Filmunternehmen davon, die Filmlizenz zu kaufen, mit dem Hintergedanken, eine Comicbuchverfilmung für Erwachsene zu machen.

2004 stieß Produzent Michael Platt zum Projekt hinzu und engagierte für die Verfilmung den kasachisch-russischen Regisseur Timur Bekmambetov, der durch die Filme Wächter der Nacht – Nochnoi Dozor (2004) und Wächter des Tages – Dnevnoi Dozor (2006) Aufmerksamkeit erregte. Wanted sollte sein erstes englisches Werk werden.

Der erste Entwurf des Skripts stieß bei Autor Mark Millar nicht unbedingt auf Gegenliebe, da er es als zu zahm empfand. Was er wollte, war quasi ein dunkler Gegenentwurf zu Spider-Man, wo jemand große Kräfte erhält und sich für einen dunklen Lebensweg entscheidet. Doch die Entscheidung, dass Timur Bekmambetov den Film drehen sollte, überzeugte ihn davon, das Projekt am Ende zu unterstützen.

Viele bekannte Namen

Er unterstützte auch all die Veränderungen, die im Vergleich zur Vorlage gemacht wurden. So fand er es beispielsweise gut, dass die Kostüme aus den Comics weggelassen wurden. Laut ihm hatten er und J.G. Jones dies ursprünglich ebenfalls vor, es aber dann vergessen. Außerdem fand er die Idee gut, dass das Schicksal die Todesurteile entschied, da es zum Thema der Vorbestimmung der Comicserie passte.

Beim Cast wurde teilweise auf bekannte Namen gesetzt. Morgan Freeman beispielsweise erhielt die Rolle des Mr. Sloan, des Anführers der Bruderschaft der Assassinen. Angelina Jolie wurde für die Figur der Fox gecastet, die sie unter einer Bedingung annahm, nämlich, dass diese am Ende sterben würde. Sie selbst interpretierte ihren Charakter als still und distanziert. Der Schotte James McAvoy wurde ursprünglich abgelehnt, weil er nicht den gewünschten Hollywood-Look hatte. Doch danach erhielt er den Zuschlag für die Hauptfigur Wesley Gibson.

Thomas Kretschmann wurde zu Cross, einem abtrünnigen Assassinen, der Mitglieder der Bruderschaft jagte. Der Rapper Common wurde als Earl Spellman, aka Gunsmith gecastet, derweil Konstantin Khabensky zum Exterminator, Marc Warren zum Repairman und Dato Bakhtadze zum Butcher wurden. Terence Stamp erhielt den Zuschlag für die Rolle des Mr. X, des größten Assassinen, der jemals gelebt hatte. Ein noch junger Chris Pratt als Barry, der beste Freund von Wesley Gibson und Kristen Hager als Cathy, die untreue Freundin des Hauptcharakters, rundeten den Cast ab.

Das große Geheimnis!

Wesley Gibson ist ein junger Mann Mitte der 20, der in einem Bürojob arbeitet, der ihm überhaupt nicht gefällt. Er nimmt Medikamente gegen seine Panikattacken und ist allgemein ein Loser, dessen Freundin ihn mit seinem besten Freund betrügt. Doch dann wird er von einer Frau entführt und von einer ominösen Bruderschaft dazu gezwungen, die Flügel von Fliegen abzuschießen. Als er diese eigentlich unmögliche Tat vollbracht hat, stellt sich heraus, dass er der Sohn eines berühmten Attentäters ist, und als dieser über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt.

Es folgt eine harte Ausbildung, in der auf vielerlei Art und Weise brutal misshandelt wird, nur um in ihm den Attentäter wachzukriegen. Endziel ist, dass er den Mörder seines Vaters finden soll. Nur, dass das alles andere als einfach ist. Vor allem deshalb nicht, weil sich schon bald herausstellt, dass Dinge nicht so zu sein scheinen, wie er es meint.

Wanted ist ein Film, der einem ins Gesicht brüllt, wie cool und brutal er doch ist. Es gibt wiederholt Szenen, in denen man sieht, wie Leute andere Personen zusammenschlagen, aus diversen Gründen. Und wo dann in Zeitlupe gezeigt wird, wie eine aus einer unwahrscheinlichen Entfernung abgefeuerte Kugel den Kopf einer Figur durchdringt.

Nicht sonderlich vorlagentreu

Was der Film allerdings nicht ist? Eine getreue Umsetzung der Vorlage. Im Gegenteil: So ziemlich alles, was die Comicreihe ausmachte, wurde bei der Adaption über Bord geworfen. Aus einem Zusammenschluss an Superschurken, die heimlich die Welt beherrschen, wird eine Geheimorganisation aus Assassinen. Die Kostüme wurden ebenso weggelassen wie ungefähr 98 % aller Figuren aus den Comics.

Im Prinzip hat man es hier mit einem Möchtegern-Actionfilm zu tun, der nur zufälligerweise denselben Namen trägt wie eine berühmte Comicreihe und ein paar oberflächliche Ähnlichkeiten aufweist. Wesley Gibson ist da wie dort ein Loser, der schon bald erfährt, dass er zu höherem geboren wurde. Und Fox ist die weibliche Hauptfigur. Das war es im Prinzip auch, was der Wanted-Film mit dem Wanted-Comic zu tun hat. Und das ist erschreckend wenig.

Hinzu kommt außerdem, dass man es hier mit einem deutlichen Fall von Whitewashing zu tun hat. Gemeint ist, dass eine Figur, die in der Vorlage nicht weiß ist, dann in der Verfilmung umgefärbt wird. So auch hier, wo die in den Comics farbige Fox zu einer weißen Frau gemacht wurde. Zum Glück orientiert sich Angelina Jolie bei ihrer Darstellung ebenfalls nicht an den Comics, sondern präsentiert sie als stumme und distanzierte Frau, die an die Bruderschaft glaubt. So ist sie eines der Highlights des Films, was allerdings den Vorwurf des Whitewashings nicht abmildert.

Potential?

Es ist nicht so, dass Wanted kein Potential hat. Über weite Teile macht der Film durchaus Spaß, wenn man vergisst, worauf er basiert. Aber andererseits hat man es wiederholt mit Szenen zu tun, die im Prinzip nur dann Sinn ergeben, wenn die Figuren Kostüme tragen würden. Etwa wenn sich zu Beginn des Films ein Charakter mit einer unglaublichen Geschwindigkeit aus einem offenen Fahrstuhl durch einen Flur aus einem Fenster in ein entferntes Hochhaus katapultiert und im Sprung diverse Attentäter abknallt.

Es ist wirklich dieses verschämte Verstecken der Vorlage, dass dem Film am Ende das Genick bricht. Anstatt sich klar dazu zu bekennen, wird es hinter einer Art Pseudohumbug versteckt. Es wird eine Webmaschine eingeführt, deren Produkt, wenn richtig interpretiert, die Zukunft vorhersagt, bei der allerdings von Beginn an klar ist, dass sie missbraucht wird.

Und so bleibt am Ende eine enttäuschende Comicverfilmung, die über coole Actionsequenzen und Specialeffects verfügt. Ebenso geben sich auch die Schauspieler, allen voran James McAvoy jede nur erdenkliche Mühe, um zu überzeugen. Aber das verhindert nicht, dass Wanted unterm Strich nur wie ein müder Actionfilm mit ein paar übernatürlichen Elementen wirkt. Es wäre besser gewesen, wenn die Vorlage getreuer abgebildet worden wäre.

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Warpskala

Warpskala
2 10 0 1
2/10
Total Score

Positiv

  • James McAvoy

Negativ

  • Ignoriert die Vorlage nahezu komplett
  • Viel Style, wenig Substanz
Götz Piesbergen

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