Ein durchgeknallter Telepath macht die Welt unsicher, doch nur ein anderer Telepath kann ihn stoppen.
Krieg der Telepathen
Cameron Vale (Stephen Lack) kann die Gedanken anderer Menschen hören und nicht alle denken gut über ihn. Als er einer alten Dame heftige Kopfschmerzen bereitet, wird er kurz darauf festgenommen und in die Forschungseinrichtung von Dr. Paul Ruth (Patrick McGoohan) gebracht. Dieser gibt ihm das Mittel Ephemerol, um die Stimmen in seinem Kopf unter Kontrolle zu bringen. Dr. Ruth rekrutiert Telepathen für den Konzern ConSec, der von einem durchgeknallten Telepathen namens Darryl Revok (Michael Ironside) attackiert wird. So bringt Revok auf einer öffentlichen ConSec-Veranstaltung den Kopf eines Mitarbeiters zum Platzen.
Cameron soll den gefährlichen Killer ausfindig machen und seine erste Spur führt ihn zu Benjamin Pierce, der seine Fähigkeiten mittels bildender Kunst unter Kontrolle zu bringen versucht. Dieser offenbart ihm, dass Revok ebenfalls Scanner rekrutiert, um eine neue Ordnung aufzubauen. Es gibt allerdings Telepathen, die sich ihm verweigern und die ihrerseits eine Gruppe gegründet haben. Revok macht Jagd auf die in seinen Augen Abtrünnigen, so auch auf Pierce, der vor Vale von einem Killerkommando erschossen wird.
Der unfreiwillige Ermittler sucht daraufhin die Gruppe auf, die der tote Künstler erwähnte, und kommt so in Kontakt mit Kim Obrist (Jennifer O’Neill). Schon bald werden auch deren Leute von ferngesteuerten Killern des gesuchten Darryl angegriffen und getötet. Cameron und Kim tun sich zusammen und kommen einer Chemiefabrik auf die Spur, in welcher Revok große Mengen Ephemerol produzieren lässt. Wie ihre Recherchen ergeben, hat dieses Beruhigungsmittel bei Schwangeren zu Mutationen der ungeborenen Kinder geführt. Darryl will eine ganze Generation von Scannern züchten und nutzt für die Verbreitung des Mittels das Computerprogramm RIPE.
Vale und Obrist informieren Dr. Ruth, doch Revok hat bereits ConSec infiltriert und der Doktor wird vom Sicherheitschef Braedon Keller (Lawerence Dane) erschossen. Die beiden Scanner müssen sich vorerst zurückziehen. Später hackt sich Cameron per Gedankenkraft über eine Telefonzelle in den ConSec-Computer und zerstört diesen samt dem RIPE-Programm. Durch die Explosion findet auch Keller den Tod. Revok kann dies nicht auf sich sitzen lassen und nimmt Vale und Kim gefangen. Darryl offenbart, dass er und Cameron Brüder sind, doch der weigert sich, Revok zu unterstützen. Es kommt zum finalen mentalen Kräftemessen zwischen den beiden.
Nach 10 Sekunden platzt einem der Kopf
Die Handlung von Scanners ist gar nicht mal uninteressant. Basierend auf dem Contergan-Skandal hat sich Regisseur David Cronenberg überlegt, was wäre, wenn ein anderes Beruhigungsmittel keine körperlichen Defizite hervorgebracht, sondern den Betroffenen überlegene geistige Fähigkeiten verliehen hätte. Die überraschenden Wendungen erscheinen dabei planvoll und weniger wie das Ergebnis der ständigen Drehbuchänderungen, die während der Dreharbeiten vorgenommen worden sind.
Die Bildsprache ist ebenfalls eine nähere Betrachtung wert. So unterhalten sich Cameron Vale und der Künstler Pierce in einem gigantischen Kopf, was auf ihre geistigen Fähigkeiten anspielt. In Erinnerung dürfte den meisten Zuschauern aber eher der geplatzte Kopf von Revoks erstem Opfer bleiben. Ein Großteil der Werbekampagne konzentrierte sich bereits auf diese Szene, die sowohl den Film als auch den Regisseur berühmt gemacht haben.
Tatsächlich war ein ganzes Team von Effektspezialisten an dem explodierenden Schädel beteiligt, experimentierte dafür mit allerhand Materialien und stopfte den künstlichen Kopf schlussendlich mit Hundefutter, Tiereingeweiden und Kunstblut voll. Sprengladungen erwiesen sich für den Effekt als ungeeignet, weil dabei Rauch aufstieg, sodass man am Ende auf eine abgesägte Schrotflinte zurückgreifen musste. Nicht ganz ungefährlich für den Darsteller Michael Ironside, der direkt daneben saß und versuchte, sein Gesicht so gut es ging zu schützen.
Nach den Hauptdreharbeiten folgten einige Nachdrehs, darunter eine U-Bahn-Szene in Toronto. Anschließend verbrachte Cronenberg sagenhafte neun Monate im Schneideraum, um ein Werk abzuliefern, das möglichst frei von Logikfehlern sein sollte. Ein paar Filmfehler fallen dann aber doch auf. Zum einen bekommen es die Telepathen aus Kims Gruppe mehrfach nicht mit, dass sie verfolgt werden. Einige lassen sich sogar in einem Meditationskreis überraschen und scheinen die Angreifer nicht mal zu bemerken, als diese das Feuer auf sie eröffnen.
Weiterhin ist in der letzten Szene die Narbe auf Darryl Revoks Stirn verschwunden. Über die Sinnhaftigkeit, dass er mit Cameron Vales Stimme spricht, den er zuvor übel zugerichtet hat, lässt sich ebenfalls streiten. Telepathie und Telekinese lassen sich noch halbwegs wissenschaftlich erklären, aber wie konnte Vale Revoks Verstand komplett überschreiben? Selbst wenn man hier eine Seelenwanderung zugrunde legt, bleibt immer noch die Frage, wo Darryls Seele hin ist? Davon abgesehen ist die Inszenierung durchaus gelungen, wenn da nicht ein großer Kritikpunkt wäre, der alles kaputt macht.
So überzeugend die Effekte auch sind und so spannend die Handlung, kann man dem Film leider über weite Strecken nicht folgen. Grund sind die nervtötenden Geräusche, mit denen das Scannen verdeutlich wird. Der Alarmton bei ConSec ist nicht weniger ätzend und der anstrengende Soundtrack von Howard Shore, der zu einem Großteil von Cronenbergs Filmen die Musik ablieferte, tut sein Übriges. Bei dieser Kakophonie droht einem direkt selbst der Kopf zu platzen. Wer sich von dem Lärm nicht von der Handlung ablenken lassen will, sollte den Film – abgesehen von den Dialogen natürlich – auf stumm schalten.
Regisseur und Cast
Trotz des akustischen Verbrechens war Scanners an den Kinokassen ein großer Erfolg. Bei einem Budget von umgerechnet nur 3,5 Mio. US-Dollar spielte er über 14 Mio. ein. David Cronenberg konnte danach mit weit größeren Budgets seine Wunschprojekte realisieren und wurde zum Vater des Body-Horrors. Nebenher ist er auch als Schauspieler aktiv. Trekkies kennen ihn vielleicht als Kovich, einen Mitarbeiter des Sternenflottenhauptquartiers in Discovery.
Für die Hauptrolle engagierte Cronenberg den Laiendarsteller Stephen Lack, der eigentlich Künstler ist. Seine Werke werden dem Neo-Expressionismus zugeordnet. Nach Scanners nahm er gleich wieder Abstand von der Schauspielerei, nachdem er in New York aus einer Bar geworfen wurde, da der Besitzer ihn aufgrund seiner Rolle des Cameron Vale für einen Unruhestifter hielt. Mit einem solch negativen Bekanntheitsgrad hatte er nicht gerechnet. Es folgten nur noch eine Handvoll sehr sporadischer Auftritte in kleinen Rollen.
Sein Filmgegner wird von Michael Ironside verkörpert, der bis dahin nur kleinere Gastrollen in wenig bekannten Filmen absolviert hatte und nebenher in einer Bar arbeitete. Seine Rolle in Scanners war ursprünglich auch nur als Nebenrolle angelegt. Revok sollte lediglich in dem alten Archivfilm zu sehen sein, der Cameron Vale gezeigt wird. Obwohl der Charakter schließlich zum Bossgegner ausgebaut wurde, erhielt Ironside für sein Engagement einschließlich aller Zulagen nur knapp 5.700 kanadische Dollar, womit er kaum seine Lebenshaltungskosten finanzieren konnte.
Scanners verschaffte Ironside allerdings einen gehörigen Karriereschub, wobei er meist zwielichtige Charaktere in Filmen wie Total Recall (1990) spielte. Für Paul Verhoeven stand er in Starship Troopers (1997) erneut vor der Kamera. Nicht seine einzige militärische Rolle, denn in Terminator: Die Erlösung (2009) spielte er einen General. Neben seinen zahlreichen Filmauftritten war er zudem in einigen Serien zu sehen. Darunter als Widerstandskämpfer in V – Die außerirdischen Besucher kommen (1984-1985) und in der dritten Staffel Seaquest DSV (1996) beerbte er gar Roy Scheider (1932-2008) in der Hauptrolle als Captain der Seaquest. Darüber hinaus war er in zwei Episoden Outer Limits und in einer Folge Stargate – Kommando SG-1 zu sehen.
Im Bonusmaterial der Scanners-Blu-Ray ist eine rund einstündige Veranstaltung mit dem Darsteller enthalten, in der er über einige Hintergründe der Dreharbeiten spricht. So brauchte Ironside bei den Nachdrehs eine Maske, da er sich zwischenzeitlich bei einem unglücklichen Sprung in einen Pool das Gesicht schwer verletzte. Außerdem geht er im Interview detailliert auf seine zahlreichen Krebserkrankungen ein, die er bisher alle überstanden hat.
Die in Brasilien geborene und in Connecticut aufgewachsene weibliche Hauptdarstellerin Jennifer O’Neill, die bei einem Reitunfall 1963 nur knapp einer Querschnittslähmung entging, kann ebenfalls auf zahlreiche Filmrollen zurückblicken. In Scanners wirkt sie jedoch eher blass. Von den Splatterszenen zeigte sie sich zudem geschockt. Sie wurde zuvor mit einer Drehbuchfassung von der Rolle überzeugt, in welcher die drastischen Gewaltszenen fehlten.
Ein zumindest in Großbritannien bekannter Name ist wiederum Patrick McGoohan (1928-2009), der in Scanners als Dr. Paul Ruth zu sehen ist. Zu gebrauchen war er allerdings nur die erste Tageshälfte, da er sein Lampenfieber in Alkohol ertränkte. Berühmt wurde er vor allem durch seine Rolle als Geheimagent in der Serie Nummer 6 (1967), in welcher er auf einer surrealen Insel inhaftiert ist. In dieser Serie übte er sich auch als Produzent, Drehbuchautor und Regisseur, was er in der Folge bei mehreren Episoden von Columbo fortführte.
Fazit zu Scanners: Sprengt einem das Hirn
Der Plot des Films ist durchaus spannend, doch hindert einen der unangenehme Sound daran, der Handlung zu folgen. Das ist ein derart großes Manko, dass es einem den Filmgenuss über weite Strecken komplett zerstört. Man muss aufpassen, dass einem da nicht der Kopf explodiert, wobei sich die Splattereffekte überraschend in Grenzen halten, sodass der Film nunmehr eine Altersfreigabe von FSK 16 hat. Es liegen inzwischen Veröffentlichungen als Blu-Ray und in 4K vor. Das Bild ist allerdings in einigen Szenen etwas körnig.
Erschienen ist unter anderem eine Ultimate Edition mit Booklet, Poster, Fotokarten und einer umfangreichen Bonusdisc, die zahlreiche Interviews mit Beteiligten enthält. Außerdem sind die beiden Fortsetzungen von 1991 und 1992 enthalten, die damals direkt für den Videomarkt produziert worden sind.
Info
Originaltitel: Scanners
Drehbuch & Regie: David Cronenberg
Musik: Howard Shore
Kamera: Mark Irwin
Schnitt: Ronald Sanders
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