[Review] Short Treks 01 – Runaway

Lesezeit circa: 5 Minuten

Runaway ist der Auftakt zu einer Reihe von kleineren, Short Treks genannten, Minifolgen.

Blinder Passagier trifft frustrierten Ensign

Während eines Schichtwechsels an Bord der Discovery kann sich ein blinder Passagier auf das Schiff schleichen.

Derweil führt Sylvia Tilly (Mary Wiseman) ein Hologespräch mit ihrer Mutter (Mimi Kuzyk), was allerdings für den frisch gebackenen Ensign alles andere als befriedigend läuft. Frustriert darüber bestellt sie sich in der Messe einen doppelten Espresso. Doch dann entdeckt sie den getarnten blinden Passagier, der blutet und für ziemliches Chaos sorgt.

Es gelingt Tilly mit der Xahean, so die Spezies der Unbekannten, eine Kommunikation aufzubauen. Sie nennt sich Me Hani Ika Hali Ka Po (Yadira Guevara-Prip), kurz Po, die weggelaufen ist. Gerade, als der Ensign der Weggelaufenen erklären kann, wie falsch ihre Aktion ist, kommen andere Leute in die Messe. Po tarnt sich rechtzeitig und Tilly lässt sich eine Notlüge für das Chaos einfallen.

Schwer zu finden

Kurz darauf befinden sich beide in Tillys Quartier. Po erläutert dem Ensign, dass sie und ihre Heimatwelt miteinander verbunden sind, sie also quasi Zwillinge sind. Da entdeckt Tilly ein diplomatisches Gesuch und Po erklärt ihr, wieso sie geflohen ist.

Schließlich gelangt das Schiff nach Xahean. Und als Tilly sich vorbereitet, Po auf den Planeten runter zu beamen, stellt sich heraus, dass die Weggelaufene in Wahrheit die Königin dieser Welt ist. Nachdem beide, die inzwischen Freundinnen geworden sind, darüber geredet haben, wie falsch es ist, sich nicht den Problemen zu stellen, verabschieden sie sich voneinander.

Wer Runaway in Deutschland gucken möchte, der muss erstmal suchen. Die Episode lässt sich auch hierzulande sehen, ist allerdings auf Netflix gut versteckt. Man muss bei der Serienübersicht von Star Trek – Discovery nach ganz unten scrollen und unter „Trailer und mehr“ schauen. Es ist unklar, wieso kein separater Eintrag für diese Kurzfolgen vorhanden ist, denn so sind sie nicht gerade benutzerfreundlich aufzufinden.

Wenn Eltern nerven

Was schade ist, da der Auftakt zu den Short Treks-Folgen, Runaway, durchaus passabel geraten ist. Die Episode ist zeitlich nach dem Ende der ersten Staffel, also nach Nimm meine Hand angesiedelt. Das merkt man daran, das Tilly inzwischen Ensign ist. Und man kann im Hintergrund die Ehrenmedaille der Föderation sehen.

Für Sylvia Tilly ist das eine Episode, in der sie glänzen kann, weil wirklich sie alleine im Rampenlicht steht und nicht durch andere Figuren, wie beispielsweise eine Michael Burnham (Sonequa Martin-Green), überschattet wird. Und dies tut dem Charakter spürbar gut.

So wird zum Beispiel ihre Frustration über ihre Mutter nochmal thematisiert, die bislang in ein paar Zeilen in einer früheren Folge angedeutet wurden. Und wenn man das Gespräch zwischen den beiden in Runaway sieht, kann man den Frust nachvollziehen. Anstatt Tilly moralisch aufzubauen, kritisiert sie den unordentlichen Schreibtisch und lobt die Intelligenz der Stiefschwester des Ensigns.

Dinge werden nicht erklärt

Und mit dieser Frustration im Hintergrund begegnet Tilly schließlich der weggelaufenen Po. Und hier muss man die aktuellen Macher von Star Trek loben, weil sie sich für die kurze Laufdauer von Runaway die Mühe gemacht haben, ihre Spezies zwar einerseits menschenähnlich zu gestalten, aber andererseits sie auch fremdartig darzustellen. Sie kann sich tarnen, sie kann Stacheln ausfahren und hat orangefarbenes Blut. Für Star Trek-Verhältnisse ist dies wirklich enorm.

Po wird in Runaway ebenfalls gut charakterisiert. Innerhalb dieser recht kurzen Folge erfährt man mehr über sie, ihre Spezies und wieso sie weggelaufen ist. Und auch, wenn die Hintergründe hinter ihrer Flucht etwas an den Haaren herbeigezogen wirken, ist dies dennoch eine nachvollziehbare Motivation.

Trotzdem wird man an einigen Stellen stolpern, weil Dinge nicht richtig erklärt werden. Zum Beispiel, wieso Po sich einfach so unbemerkt in die Messe schleichen kann, obwohl sie blutet. Oder dass Tilly das Chaos in der Messe anschließend anscheinend problemlos erläutern kann, auch wenn die Erklärung charmant unglaubwürdig wirkt. Oder aber dass Po dann einfach so zurück nach Hause gebracht wird und von Tilly persönlich runter gebeamt wird, ohne dass ein anderer Offizier zugegen ist. Das mag zum Teil daran liegen, dass die Episode kein großes Budget gehabt haben muss, aber ein paar mehr Sätze und Erklärungen wären nett gewesen.

Man wird sich wiedersehen

Übrigens taucht Me Hani Ika Hali Ka Po zum Finale der zweiten Staffel wieder auf. Dort trägt sie mit dazu bei, dass die Discovery den Sprung in die Zukunft wagen kann.

Hier in Deutschland wurde der Originaltitel Runaway einfach so übernommen, ohne Übersetzung. Das wirkt merkwürdig, kann aber auch daran liegen, dass den Übersetzern kein passendes Äquivalent einfiel, um die Doppeldeutung des Titels für die Episode rüberzubringen, ohne gleich großartig zu spoilern. Es ist trotzdem auffällig, weil dies normalweise nicht Standard ist.


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Götz Piesbergen

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