[DSC 015] Nimm meine Hand

Lesezeit circa: 8 Minuten

Mit Nimm meine Hand endet die erste Season von Star Trek – Discovery.

Die Suche nach der Schwachstelle

Während sich die Einheiten der klingonischen Armee der Erde nähern, ist die Discovery unterwegs nach Qo’nos. Philippa Georgiou (Michelle Yeoh) aus dem Spiegel-Universum hat jetzt das Kommando über das Schiff inne. Doch ihr Verhalten irritiert viele, die ihre Herkunft nicht kennen, und die Versuche von Michael Burnham (Sonequa Martin-Green), ihren wahren Ursprung insgeheim zu verraten, helfen nicht weiter.

Die Imperatorin versucht, von der gefangenen L’Rell (Mary Chieffo) zu erfahren, wo die Schwachstellen der Heimatwelt der Klingonen sind. Doch selbst unter Folter weigert sich die Klingonin, ihr die nötigen Infos zu geben. Ash Tyler weiß allerdings einen Ort, wo das benötigte Wissen erhalten werden kann. Ein ehemaliger Schrein des Molor, der jetzt von den Klingonen an die Orioner als Botschaft und Außenposten überlassen wurde. Georgiou stellt daraufhin eine Außenmannschaft, bestehend aus Tyler, Tilly (Mary Wiseman), Burnham und ihrer selbst zusammen.

Angekommen sucht das Team nach dem Schrein. Die Suche verläuft nicht ganz glatt. Derweil sieht Michael ein, dass die Klingonen auch Lebewesen sind, und nicht die herzlosen Feinde, für die sie sie immer gehalten hat.

Der wahre Plan

Gleichzeitig stolpert Tilly über den wahren Plan der Imperatorin. Anstatt, wie diese ursprünglich sagte, den Planeten nach einer Schwachstelle für den Angriff einer Sternenflotte zu scannen, will Georgiou in dem unterirdischen Vulkansystem der Welt eine Wasserstoffbombe zünden. Als Tilly dies Michael Burnham und Ash Tyler (Shazad Latif) mitteilen will, schlägt Philippa sie bewusstlos und macht sich mit der Bombe auf und davon. Als die beiden anderen den Ensign auffinden und von ihr die Wahrheit erfahren, sind sie entsetzt. Und da der Schrein besonders geschützt ist, ist es Saru (Doug Jones) und der Discovery auch nicht möglich, die Herrscherin aus dem Spiegel-Universum mitsamt Bombe aufzuspüren und auf das Schiff zu beamen.

Michael Burnham vermutet, dass die Imperatorin nicht eigenständig agiert, sondern auf Geheiß der Sternenflotte. Ein Gespräch mit Admiral Cornwell (Jayne Brook) bestätigt dies. Doch nach einer intensiven Unterhaltung erhält Michael die Chance, die Katastrophe aufzuhalten.

Und so sucht und findet sie Philippa Georgiou, die kurz vor der Zündung der Bombe steht. Michael kann sie jedoch von dem Plan abbringen und erhält dafür den Fernzünder. Den sie wiederum an die freigelassene L’Rell weitergibt, damit sie die hohen Häuser der Klingonen vereinen kann, was sie dann auch macht. Somit ist die Bedrohung von der Erde abgewandt.

Ein grandioses Ende einer schlechten Episode

Einige Zeit später trifft sich Michael auf dieser Welt mit ihrer Ziehmutter Amanda Grayson (Mia Kirshner). Nach einem Gespräch mit ihr und dem hinzustoßenden Sarek (James Frain), in dem sie von beiden für ihre Entscheidung gelobt wird, erfährt sie von ihrem Ziehvater Überraschendes. Denn die Sternenflotte hat sie von all ihren Verbrechen freigesprochen und verleiht ihr außerdem die Medal of Honor. Parallel dazu werden einige ihrer Kameraden befördert.

Mit dem amtierenden Captain Saru macht sich die Discovery auf den Weg, um Sarek auf Vulkan abzuliefern. Doch unterwegs erhalten sie einen Notruf der Priorität von einem anderen Sternenschiff. Es handelt sich dabei um die U.S.S. Enterprise unter dem Kommando von Captain Christopher Pike. Und so treffen sich die beiden Raumschiffe.

Nimm meine Hand ist eine Folge, die ein grandioses Ende hat, das einen ein wenig über eine verkorkste Episode hinwegtröstet. Das Auftauchen der Enterprise unter dem Kommando von Captain Christopher Pike ist ein überraschendes Finale, weil man damit nicht gerechnet hat. Und auch wenn das Schiff optisch deutlich an die moderne Zeit angepasst wurde, erhält man beim Anblick genügend nostalgische Gefühle, um auf die kommende Season gespannt zu sein. Man will wissen, was es mit dem Notruf auf sich hat und wie die Besatzung aussah, ehe Captain Kirk übernahm. Einen kleinen Einblick auf die Zusammensetzung der Crew konnte man damals ja schon in dem Talos IV – Tabu-Zweiteiler erhalten.

Zu viel in zu wenig

Und doch darf man sich vom Finale nicht blenden lassen. Denn ansonsten ist die Folge ein einziges Ärgernis, was unter anderem daran liegt, dass die Macher der Serie versuchen mussten, den Krieg zwischen der Föderation und den Klingonen innerhalb von nur zwei Episoden zu beenden. So etwas kann nur zu Verkrampfungen in der Story führen. Und dementsprechend ist auch das Ergebnis.

Ein Problem von Nimm meine Hand ist, dass die Crew der Discovery abgesehen von Michael kaum zur Geltung kommt. Tilly und Saru erhalten noch ein paar gute Momente, doch ansonsten ist die Besatzung des Schiffes existent. Dass auch jenseits dieser drei noch andere Offiziere vorhanden sind, merkt man allerspätestens im Finale, wenn einige von ihnen befördert werden. Doch darüber hinaus sind sie nahezu nicht existent.

Zu gerne hätte man mehr von dem Kummer und der Trauer Stamets (Anthony Rapp) über den Tod seines Ehemannes Culber (Wilson Cruz) gesehen. Oder seine Wut und seinen Zorn auf Ash Tyler, den Mörder, der ja frei herumlaufen kann, weil er seine Tat bereut. Stattdessen ist da nichts! Verschenktes Handlungspotential ist das.

Irritation überall

Dass die Idee, Qo’nos zu zerstören, mit Hinblick auf die Kontinuität nicht umgesetzt werden kann, wurde bereits in der Rezension zu Flucht nach vorn erwähnt. Und so wirkt der Weg zu der versuchten Vernichtung in Nimm meine Hand merkwürdig herumgedruckst. Da gibt die Sternenflotte diesen Plan in Auftrag, doch wie die Umsetzung sein soll, dass sollen die anderen bitteschön herausfinden. Übrigens auch nett, dass die Drecksarbeit der Imperatorin überlassen wird.

Worüber man ebenfalls stolpern wird, ist die geradezu magisch anmutende Fähigkeit Michael Burnhams Leute von ihrem falschen Tun abzuwenden. Sie schafft es mit Admiral Cornwell und sie schafft es ebenso mit Philippa Georgiou. Die Argumente mögen überzeugend wirken. Allerdings wirkt es seltsam, dass diese Personen jetzt erst auf sie hören und nicht schon früher.

Ebenso irritiert die Tatsache, dass der Zünder L’Rell überlassen wird. Die Klingonin hat ja bereits die „Gastfreundschaft“ der Föderation inklusive Folter erlebt. Genauso wie sie mitgekriegt hat, wie ihr angeblich stolzes Volk untereinander zerstritten ist. Und ausgerechnet ihr vertraut Michael Burnham die Kontrolle über die Waffe an, die ihre Heimatwelt zerstören kann? Denn wenn sie wirklich die Klingonen vereinen wollte, hätte sie ja die Bombe zünden können und die Schuld der Föderation in die Schuhe schieben können. Schließlich stammt der Sprengsatz von denen.

 

Unlogisch

Doch das unlogischste Ereignis überhaupt ist das Finale von Nimm meine Hand. Michael Burnham wird quasi dafür ausgezeichnet, dass sie den Krieg mit den Klingonen zuerst ausgelöst und dann beendet hat. Und all ihre sonstigen Vergehen, die Meuterei, die Tatsache, dass sie die Spiegel-Universums Philippa Georgiou mitgebracht hat und anschließend später einfach so hat ziehen lassen, sind vergeben und vergessen. Das wirkt an den Haaren herbeigezogen.

Was Nimm meine Hand eben vor der Totalkatastrophe rettet, sind die letzten Szenen. Der Auftritt der alten Enterprise unter dem Kommando von Captain Christopher Pike. Darauf ist man gespannt, aber nicht darauf, wie es mit der Discovery weitergehen wird. Denn das Schiff mitsamt Crew ist einem nach der Beinahe-Komplettkatastrophe erstmal egal.

Auf Englisch heißt die Folge Will You Take My Hand?, übersetzt also Wirst du meine Hand nehmen? Wieso hier in Deutschland aus der Frage eine Aufforderung wird, ist nicht einleuchtend.


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Götz Piesbergen

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