[TOS 063] Der verirrte Planet

Lesezeit circa: 6 Minuten

Ein hohler Asteroid wird entdeckt. Gleichzeitig stellt McCoy fest, dass er an einer unheilbaren Krankheit leidet.

Staffel 3, Folge 8- Sternzeit 5476,3 – 5476,4
Der verirrte Planet – For the World is Hollow and I Have Touched the Sky

Die Handlung

Die Enterprise entdeckt einen Asteroiden, der sich auf Kollisionskurs mit dem Planeten Daran V befindet. Es stellt sich heraus, dass der Asteroid tatsächlich ein Raumschiff ist. Kirk (William Shatner) will hinüberbeamen. Zuvor jedoch eröffnet ihm McCoy (DeForest Kelley), dass er (McCoy) an Xenopolycytemia leidet, einer Blutkrankheit, die zum Tod führt. Ihm bleibt noch etwa ein Jahr.

Kirk, Spock (Leonard Nimoy) und McCoy beamen in den hohlen Asteroiden, der sich als Generationenschiff entpuppt, dessen Besatzung die Nachfahren der Fabrini sind, welche ihre sterbende Welt verlassen mussten. McCoy und die Hohepriesterin Natira (Katherine Woodville) finden Gefallen aneinander, sodass der Arzt beschließt, seine verbleibende Zeit in dem Asteroiden zu verbringen. Das Zentrum des Asteroiden ist das sogenannte Orakel, welches in Wahrheit ein Computer ist.

Der Asteroid befindet sich jedoch weiterhin auf Kollisionskurs mit Daran V. Kirks Versuche, den Kurs zu ändern, sind gescheitert.

McCoy entdeckt ein Handbuch, mit dessen Hilfe der Kurs umprogrammiert werden könnte.

TOS 063 Der verirrte Planet

Rezension von Der verirrte Planet

Dr. Leonard “Pille” McCoy, einer der beliebtesten Charaktere in Star Trek, darf hier im Mittelpunkt stehen. Leider bleibt die Geschichte etwas dünn. Zwar verliebt der gute alte Pille sich in die schöne Narita und heiratet sie sogar und will mit ihr seine stark begrenzte Lebenszeit verbringen, jedoch fehlt dabei einfach der Tiefgang. Der verirrte Planet wäre eine wunderbare Gelegenheit gewesen, die Figur McCoy näher zu betrachten. Man hätte aus seiner persönlichen Geschichte erzählen können. Was bewog ihn, ins All zu gehen, statt eine Praxis auf der Erde zu eröffnen? Hat er Familie? Wie ist er aufgewachsen? Ja, solcherlei Dinge wurden später in einigen Romanen beleuchtet, in TOS selbst erfährt man so gut wie nichts über ihn.

Die Chance, persönliche Hintergründe zu den Charakteren zu liefern, wurde schlicht und ergreifend verschenkt.

Überhaupt erschien mir die Folge recht emotionslos. Dass Spock die Nachricht, McCoy würde spätestens nach einem Jahr sterben, mit unbewegter Miene aufnehmen würde, überrascht nicht. Überraschend ist Kirks Reaktion. Dafür, dass die beiden so enge Freunde sein sollen, nimmt der Captain alles recht kühl auf.

TOS 063 Der verirrte Planet

Regelbrüche

Der Umstand, dass ständig die ranghöchsten Offiziere gemeinsam ins Unbekannte beamen, zieht sich wie ein roter Faden durch TOS. Unsinnig wie immer sind auch in Der verirrte Planet die Kommandooffiziere sowie der ranghöchste medizinische Offizier gemeinsam unterwegs. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies in den Regularien so vorgesehen ist.

Und selbst wenn, Kirk ist bekannt dafür, gerne Regeln neu zu interpretieren, zu biegen oder zu brechen. Die Fabrini sind ein unbekanntes Volk. Die wenigen Nachfahren befinden sich in einem getarnten Raumschiff, um eine neue Heimat zu finden. Gemäß der Ersten Direktive darf Kirk sich nicht einmischen. Er tut es erwartungsgemäß trotzdem, missachtet dabei sogar einen direkten Befehl. Ohne Konsequenzen.

Fabrini

Nachkommen eines uralten Volkes sind in einem Raumschiff unterwegs. Über die Generationen verlor sich das Wissen um ihre Herkunft und Technik. Die Unwissenheit der verbliebenen Fabrini führte zu Religiosität: Ein Computer wird als Orakel verehrt, der Raum, in dem er sich befindet, ist eine Art geweihter Tempel. Tatsächlich sehe ich das als gar nicht so unwahrscheinlich an. Natürlich werden die alten Fabrini ihr Wissen weitergegeben haben. Allerdings finden sich nach einiger Zeit keine Zeitzeugen mehr und später auch niemand, der einen Fabrini aus der ersten Asteroidengeneration gekannt hat. Vielleicht wurde zusätzlich vieles mündlich erläutert, sodass aus Anleitungen nach und nach eine Art Bibel entstand. Da niemand mehr die Ursprünge kannte, spannen Realität und Fantasie ein neues Konstrukt, welches auf Religion fußt. Wer gegen die Regeln verstößt, das Orakel beleidigt oder bedroht, wird bestraft. Auch das Verlassen des Inneren ist streng verboten, was sich durchaus mit der Ahnung, dass “draußen” doch eine andere Wahrheit wartet und man diese ignorieren will, weil sie nicht ins Weltbild passt, interpretieren ließe.

TOS 063 Der verirrte Planet

Fazit

Potenzial wurde verschenkt. Aus den Ideen um die tödliche Erkrankung, den im Mittelpunkt stehenden McCoy und der Geschichte der Fabrini hätte so viel mehr werden können. Stattdessen bleibt Der verirrte Planet eher an der Oberfläche und hinterlässt ein schales Gefühl.

Fun Facts

  • Byron Morrow, der hier Admiral Westervliet verkörpert, spielte auch in Weltraumfieber einen hohen Offizier: Admiral Komack.

Der deutsche Titel

Man könnte meinen, dass die deutschen Übersetzer den Unterschied zwischen “Planet” und “Asteroid” nicht kennen. Wenn schon müsste es “Der verirrte Asteroid heißen” und nicht Der verirrte Planet. Der Originaltitel ist für die deutsche Übersetzung völlig unverständlich. Erst im Originalton ist erkennbar, dass das Asteroidenraumschiff zwei Hüllen hat. Die innere Hülle als Oberfläche, auf der die Fabrininachkommen leben und die äußere als Schutz vor dem All. Wer die innere Hülle verlässt, kann durchaus die äußere Hülle berühren, so wie der alte Mann, der “auf einen Berg gestiegen sei und den Himmel berührt habe”. Möglicherweise erschien das den deutschen Produzenten als zu schwieriger Stoff.


Wir brauchen euren Support!

Viele Magazine im Web werden über Werbung finanziert. Wir haben bewusst darauf verzichtet, damit euer Erlebnis auf unserer Seite möglichst ungestört ist. Wir bieten euch News, Reviews, Artikel, Videos und einen Podcast zu mittlerweile fast allen Bereichen der Science-Fiction. Wir haben keinen Clickbait, keine Fakenews und auch keine Paywall.
Die Kosten steigen, die wenigen Einnahmen sinken, auch dank der derzeitigen Situation. Wir wollen uns keine goldene Nase verdienen, aber es wäre schade, wenn wir die Seite irgendwann deswegen einstellen müssten.

Es ist auch ganz einfach. Ihr könnt uns regelmäßig ab 1€ monatlich bei Steady unterstützen, einmalig per PayPal oder ihr werft einfach mal einen Blick in unseren warpShop. (Die Shirts sind erste Sahne, Ehrenwort!).

Wenn ihr euch für eine Tätigkeit bei uns interessiert, dann ist die Seite MITMACHEN genau richtig.
Für den Fall, dass ihr noch mehr Infos haben wollt, findet ihr diese unter SUPPORT US. Dort findet ihr auch unsere Ref-Links.

Wir danken euch!

Kirsten Pevestorf
Letzte Artikel von Kirsten Pevestorf (Alle anzeigen)

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: