Mit dieser Episode gibt es ein Wiedersehen mit vielen bekannten Charakteren, allerdings bei einigen von denen im neuen Gewand.
Ein Klammer wird geschlossen
WandaVision war damals der grandiose Auftakt zu den MCU-Serien auf Disney+. Die Fortsetzung Agatha All Along markierte nach einer Reihe von nicht so überragenden Serien eine Rückkehr zur gewohnten Qualität. Und VisionQuest? Darf man als eine Art abschließende Klammer betrachten, mit der die Ära langsam zu Ende geht.
Denn es gibt viele Anzeichen dafür, dass es, wenn überhaupt, es nicht mehr so viele neue Live Action MCU-Serien auf Disney+ geben wird. Es wird noch die dritte Staffel von Daredevil: Born Again geben und dann wurde zuletzt auf der New York Comic Con Zodiac angekündigt, die 2028 erscheinen wird und über die ansonsten nichts bekannt ist.
Dementsprechend richten sich alle Augen auf VisionQuest. Weil man neugierig ist, wie diese Serie ausfallen wird. Was sie zum MCU beitragen wird. Und wie sie allgemein die offenen Plot-Fäden der Vorgängerreihe wieder aufgreifen wird.
Von Star Trek zum MCU
Dabei wurde die Reihe ursprünglich von Jac Schaeffer, HeadWriter von WandaVision, entwickelt. Doch zog sie sich 2024 von dem Projekt zurück, um sich vor allem auf Agatha All Along zu fokussieren. Ihr Nachfolger wurde Terry Matalas, der zuvor mit der dritten Star Trek – Picard-Staffel für Aufsehen sorgte. Er übernahm die Entwicklung der Reihe, wurde zum Showrunner, steuerte einige Drehbücher bei, ebenso, wie er bei einigen Folgen Regie führen sollte.
Natürlich sollte Paul Bettany wieder zurückkehren. Er sollte dieses Mal White Vision spielen, der am Ende von WandaVision seinen Erstauftritt hatte. Doch der Schauspieler sollte nicht der einzige Name sein, der zurückkehrte. Auch James Spader sollte erneut seine Rolle als Ultron aus Age of Ultron wieder aufnehmen. Wobei dieses Mal darauf geachtet wurde, ihn nicht so sehr als CGI-Roboter darzustellen, sondern so oft es geht, auch menschlich, damit man seine Fähigkeiten als Schauspieler besser rüberbringen kann.
Es gab noch weitere Rückkehrer. dieses Mal allerdings eher prominente Rollen. Denn alle KIs, die Tony Stark im Laufe der Zeit entwickelte, sollten wiederkehren. F.R.I.D.A.Y. wurde von Orla Brady (Star Trek – Picard) dargestellt, derweil D.U.M.-E. und U. von Henry Lewis (Peter Pan Goes Wrong) und Jonathan Sayer (Magic goes wrong) zum Leben erweckt wurden. Emily Hampshire (12 Monkeys) wurde zu E.D.I.T.H., derweil James D’Arcy (Agent Carter) seine Rolle als J.A.R.V.I.S, beziehungsweise Edwin Jarvis nach all den Jahren wieder aufnehmen sollte.
Ein bekanntes Gesicht
Unter den menschlichen Schauspielern sind vor allem drei Figuren zu nennen. Ruaridh Mollica (Red Rose) wurde zu Tommy Maxmoff, aka Speed.Todd Stashwick erhielt den Zuschlag für die Rolle des Kopfgeldjägers Paladin (Star Trek – Picard), derweil Lauren Morais (The Red King) zu der Taschendiebin Lisa Molinari wurde.
White Vision lebt undercover ein neues Leben, derweil er versucht, die Erinnerungen des ersten Visions mit Emotionen zu verknüpfen. Er hat sich eine Gedankenwelt errichtet, in der er viele andere KIs beherbergt, die ihm dabei helfen sollen. Darunter auch Ultron, der ihm eine konstante Pein ist.
Doch dann wird sein reales Leben erschüttert, als eine Armee an Kopfgeldjägern ihn angreift. Er kann sie alle problemlos erledigen, muss allerdings mit ansehen, wie eine unschuldige Barbesitzerin in seinen Armen stirbt. Kurz darauf flieht er und hinterlässt einen Paladin, der der Drahtzieher hinter der ganzen Aktion war.
Endlich werden Fäden aufgegriffen
Es ist jetzt mittlerweile fünf Jahre her, seitdem WandaVision mit Das Serienfinale zu Ende ging. In jenem sah man, wie der in der vorherigen Folge erwachte weiße Vision zum Leben erwachte und davon schwebte, nachdem der Vision von Wanda seine Erinnerung wieder hergestellt hatte. Was dann mit ihm geschah, blieb lange Zeit unklar.
Mit Keine Fäden wird dies jetzt aufgegriffen. Dabei versucht die Serie alles, um selbst Neueinsteigern das Verständnis der Story zu erleichtern. Denn direkt zu Beginn werden Clips präsentiert, anhand deren man nachvollziehen kann, was es mit Vision und Ultron auf sich hat. Das war eine gute Entscheidung, auch wenn dies noch längst nicht alles erklärt. Um zu erfahren, was es beispielsweise mit J.A.R.V.I.S. oder F.R.I.D.A.Y. auf sich hat, muss man schon in der Lore des MCUs tief drinnen stecken und auch Serien wie Agent Carter gesehen haben.
Das ist allerdings nur ein kleiner Negativaspekt in dem Auftakt. Denn ansonsten ist dieser sehr gut geworden. Vor allem, weil er sehr gut erzählt, wie der weiße Vision lebt. Und gleichzeitig auch die Antagonisten einführt.
Ein interessanter Mindspace
Es sind dabei faszinierende Einblicke, die man dabei erhält. Denn es sind beispielsweise Kleinigkeiten, anhand derer klar wird, dass der weiße Vision nicht der ursprüngliche ist. In seiner menschlichen Identität arbeitet er in einem Pub und gibt sich manchmal nicht vollständig menschlich, auch wenn er es immer wieder gut überspielen kann. Es wirkt künstlich und nicht ergreifend naiv, wie es bei der alten Vision war.
Doch am interessantesten ist der Mindspace, den er sich errichtet hat. Das Wiedersehen mit J.A.R.V.I.S. und James D’Arcy ist dabei natürlich ein Highlight. Und die Tatsache, dass auch Ultron in seiner Gedankenwelt ist, ist für all diejenigen, die die Trailer nicht gesehen haben, eine große Überraschung.
Dabei lebt diese Welt von der schon fast surrealen Darstellung. Wenn etwa Vision sich die Erinnerungen seines früheren Ichs im Kino ansieht oder E.D.I.T.H. in immer neuen Kostümen und verrückten Ideen um die Ecke kommt, fühlt man sich bestens amüsiert. Derweil Ultron der konstante Dorn in der Seite ist.
Ein grandioser Teufel
Es ist vor allem James Spader, der als Ultron genüsslich auf und alle anderen an die Wand spielt. Er ist eine Art Teufel in “Menschengestalt”, der stets seinen eigenen Plan verfolgt, der nicht unbedingt mit denen von Vision gleich ist. Der sogar Sabotage betreibt und den Aufenthaltsort des Körpers an die Gegenseite verrät. Man merkt ihm an, dass er nichts bereut, dass er stets nur auf seinen eigenen Vorteil aus ist. Im Prinzip kann man ihn sich mit einer Art spitzbübischem Lächeln in den Mundwinkeln vorstellen, weil er eben alle anderen wiederholt ausspielt.
Die Gegenseite wird zunächst von Paladin dargestellt. Hier kann Todd Stashwick zur Höchstform auflaufen, indem er einen Kopfgeldjäger darstellt, der keine Probleme damit hat, seine Soldaten in den Tod zu schicken. Aber wehe, einer von denen tötet eine Unschuldige, dann erledigt er den Schuldigen Soldaten selber. Er ist durchtrieben und intelligent, scheint aber auch einem gewissen Moralkodex zu folgen, den man noch nicht so recht durchschauen kann.
Und dann ist da noch Tommy Maximoff, der Bruder von Billy. Der genauso wie sein Geschwister auf einmal in einem fremden Körper aufwachte und versuchte, sich zu orientieren. Zur Handlungsgegenwart ist er als Kleinganove aktiv, gemeinsam mit seiner Kumpanin Lisa Molinari. So richtig wichtig dürfte er spätestens dann werden, wenn er auf seinen “Vater” trifft. Aber so ist er “nur” ein Verhandlungsgegenstand des Paladins.
Erstaunlich… normal
Sein Plot sticht auch dadurch hervor, dass er, im Gegensatz zu den anderen, noch sehr realistisch dargestellt wird. Es fehlt hier die Exzentrik, das Surreale, das die anderen Handlungen ausgezeichnet hat. Weshalb diese Handlung auch wie ein tonaler Außenseiter wirkt, der nicht so recht in die Gesamthandlung reinpasst.
Doch abgesehen davon ist dies ein sehr guter Anfang. Mal schauen, wo die Reise hinführen wird.
Info
Regie: Christopher J. Byrne
Drehbuch: Terry Matalas
Showrunner: Terry Matalas
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