[Kolumne] Was macht den Fan zum Fan? (Update 6.12.2020)

Lesezeit circa: 9 Minuten

Wir haben das alle sicher schon mal gehört. Echte Fans machen dies, echte Fans wissen…

Ich meine damit solche Sachen.

Fans

Aber wann ist man ein Fan? Wer bestimmt das? Und was macht den Fan aus?

Dazu müssen wir erstmal wissen, was der Begriff eigentlich bedeutet. Der Duden definiert den Begriff so:

begeisterter Anhänger, begeisterte Anhängerin von jemandem, etwas

Ich würde sagen, nach dieser Definition ist jeder Leser dieses Artikels ein Fan – denn irgendwo sind wir alle begeisterte Anhänger von irgendwas. Ein Fußballverein, eine Sportart, ein Genre, ein Schauspieler oder eben auch ein Franchise. Thema erledigt, oder? Nicht ganz. Denn immer wieder wird in Diskussionen der Begriff “echte Fans” benutzt. Offenbar scheint es wohl Leute zu geben, die sich als Fan bezeichnen, aber doch keine sind. Oder?

Sammler

Damit ist nun nicht der typische Briefmarkensammler gemeint. Viel mehr meine ich hier den Typ, der einfach nicht genug Merchandise und anderes von seinem Franchise haben kann. Das Haus gleicht oft einem Museum oder einer Schiffswerft. Sammler trifft man auf vielen Ebenen und nicht jeder sammelt alles. Manche Fans sammeln nur bestimmte Exemplare oder eine bestimme Art von Charakter in allen möglichen Varianten. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Das muss sich vor allem nicht auf typische Nerdthemen wie Star Trek beschränken, es gibt auch Fans von Fußballvereinen, die ihre Unterkunft mit Fahnen, Autogrammen und sich selbst mit Trikots schmücken. Ebenso gibt es Fans, die Autos sammeln – entsprechendes Kleingeld vorausgesetzt. Im Endeffekt ist also auch der Briefmarkensammler auch nur ein Fan.

Cosplayer

Eine weitere Erscheinung sind die Cosplayer. Diese sind nicht immer auch Fans des Charakters oder des Franchises, welches sie darstellen, aber oft ist es dann doch so. In einer Star-Trek-Uniform oder einer Jedirobe sieht man in der Regel nur Fans des Franchises, die so die Gelegenheit nutzen, in ihre Lieblingswelt oder ihren Lieblingscharakter einzutauchen. Manche machen dies in einer Gruppe, andere machen es einzeln. Für die meisten Cosplayer ist es ein Hobby, welches man wunderbar mit dem Fansein kombinieren kann. Aber auch hier gibt es himmelweite Unterschiede. Manche wollen einfach nur einmal ein bestimmter Charakter sein, wiederum andere wollen regelrecht Doppelgänger werden oder sind es bereits. Auch die Kosten für Cosplays variieren stark.

Datenbanken

Mir fiel hier kein besserer Begriff ein. Gemeint sind die Fans, die Sternzeiten von bestimmten Ereignissen auswendig wissen, ebenso wie welche Nebenrolle von welchem Schauspieler gespielt wurde. Je nach Objekt der Begierde kann das auch ein explizites Wissen über Schnittfassungen, Produktionsjahr und -land oder dergleichen sein. Diese Art von Fan wäre wahrscheinlich mit einer Wette bei “Wetten, dass…?” perfekt aufgehoben.

Fanautoren

Wer sich zum Schreiben berufen fühlt, drückt seine Leidenschaft oft auch so aus. Sei es als Redakteur bei einem Magazin zum Thema ihrer Wahl oder als Autor von Geschichten in der geliebten Welt. Manche machen auch einfach nur eine Website wo sie Bilder und Informationen sammeln. Ganz andere schreiben Hörspiele und nehmen diese auf oder sogar Lieder, wobei letztere sich noch einmal aufteilen in die, die einen bestehenden Song einfach umtexten und die, die sogar die Musik selbst komponieren. Letztere sollten wir dann fairerweise auch als Fankomponisten bezeichnen.

Fanartist

Manche Fans drücken ihre Zuneigung aus, in dem sie den Stift zur Hand nehmen und zeichnen. Manche bringen ihre Charaktere einfach nur in coole Posen, andere gestalten ganze Comics. Manchmal auch nicht mit dem Stift, sondern mit Figuren. Wiederum andere nutzen Spielengines und erschaffen damit sogenannte Machinimas, also Filme, die wie Zwischensequenzen dieses Spiels aussehen. Und erneut andere machen Infovideos, in denen sie z. B. Fakten aus ihrem Universum erklären oder präsentieren.

Fanfilmer

Eine Untergruppe zu Fanartist. Vor allem Fans von bestimmten Fernsehserien oder Filmen fangen oft an, selbst Filme zu drehen. Bei manchen sind dann sogar die originalen Schauspieler mit dabei. Manchmal bekommen Fans auch Rollen in dem von ihnen bevorzugten Franchise. Und manchmal machen Fans keine Fanfilme, sondern eine richtige Serie, die zwar nicht in dieser Welt spielt, aber den Geiste davon in sich trägt. So bekam der bekennende Trekkie Seth MacFarlane erst eine kleine Rolle in Star Trek Enterprise, bevor er seine eigene Vision als The Orville umsetzte.

LARPer

Beim Live Action Roleplay geht es darum, selbst Charaktere aus bereits bestehenden oder selbst erschaffenen Universen in Geschichten zu spielen. Hier werden oft sehr aufwändige Kulissen gebaut, die zum Beispiel die Brücke eines Raumschiffs darstellen. Manchmal sind es aber auch einfache Klemmbausteinbauten. Hauptsache, es erfüllt seinen Zweck. So eine Handlung kann auch mal in eine andere Richtung gehen als von der Spielleitung gedacht und auf großen LARPs treffen sich auch mal 10.000 Menschen.

Nicht verwechseln darf man dies mit Live Enactment. Zwar sind die beiden sich gar nicht so unähnlich, was man sicher niemandem sagen darf, aber beim LARP ist viel Phantasie mit im Spiel, beim Enactment geht es aber um eine möglichst genaue historische Darstellung. Einige Mittelaltermärkte sind so aufgebaut, während andere auch mit Fabelwesen aufwarten.

Organisatoren

(Update vom 06.12.2020) Es gibt noch eine Ausprägung, die ich in einer vorherigen Version übersehen hatte. Es sind die Leute, die im Hintergrund die Sache am Laufen halten. Während etliche Conventions kommerziell ausgerichtet sind gibt es auch einige Treffen, die es nicht sind. In der Summe sind es wahrscheinlich sogar die meisten, sie bekommen aber weniger Beachtung. Vom kleinen Stammtisch bis hin zu einer großen Veranstaltung mit vierstelligen Besucherzahlen und Stargästen opfern diese einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Freizeit um diese zu organisieren, bleiben aber oft sonst im Hintergrund.

Die Mischung macht’s

Die wenigsten Fans beschränken sich auf einen Typus und ich habe sicherlich auch was übersehen. Steinigt mich bitte nicht dafür, ich trage gerne welche nach. LARPer sind zum Beispiel oft auch Cosplayer, wobei ich das Cosplay hier als Mittel zum Zweck ansehen würde und Sammler können auch Autoren oder wandelnde Datenbanken sein. Manche Cosplayer sammeln auch Kostüme und andere machen all dies.

Fansein ist für viele auch eine Art des Hobbys. Treffen mit Gleichgesinnten bei kleinen Treffen oder großen Conventions, das Ausführen des Kostüms oder der Uniform zu solchen Treffen, das Platzieren der Sammlung in Vitrinen. Das alles verbindet Fans mit ihrem Fandom. Denn eines haben wirklich alle Fans gemeinsam: Enthusiasmus. Das steckt schon in der Definition.

Markus verfeinert diese Definition übrigens auch in einem Facebook-Kommentar.

Es gibt etablierte Merkmale des Fandaseins, wie beispielsweise, dass man sich langfristig und leidenschaftlich mit einer Sache beschäftigt, eine emotionale Beziehung dazu entwickelt und Zeit und/oder Geld darin investiert.

Die andere Seite

Doch ich wollte mich ja um die Frage kümmern, warum manche Fans anderen das Fansein absprechen. Wir alle haben sicher schon mal in den sozialen Medien Sätze wie “Wer X mag, ist kein echter Fan” gelesen. Fan ist leider die Abkürzung von Fanatiker. Und das wiederum ist nicht gut. Der Duden sagt zu Fanatismus:

rigoroses, unduldsames Eintreten für eine Sache oder Idee als Ziel, das kompromisslos durchzusetzen versucht wird

Und da haben wir das Dilemma. Der Übergang ist manchmal sehr fließend. Wie man sicherlich schon mal gehört hat, liegen Genie und Wahnsinn dicht beieinander, ebenso auch Fan und Fanatiker. Kollege Mario hatte dies auch schon in seiner Kolumne zu den toxischen Fans angesprochen, deswegen gehe ich nun nicht näher auf diese ein.

Jeder drückt seine Leidenschaft für ein Franchise anders aus. Das ist das Schöne an der ganzen Sache. Gäbe es diese Varianz nicht, würden uns etliche hübsche Werke vorenthalten werden. Wäre das nicht sehr schade?

Es gibt zum Glück nur wenige Leute, die anderen das Fansein absprechen, weil sie nicht der eigenen Vorstellung entsprechen. Auch ich habe eine gewisse Vorstellung, wann ein Fan sich Fan nennen kann. Aber das ist wie gesagt MEINE Vorstellung. Ich habe z. B. die Filme zu Herr der Ringe sehr gemocht, habe die Extended BluRays hier. Ich würde mich aber nie als Herr-der-Ringe-Fan bezeichnen, da ich der Meinung bin, dass man dazu auch die Bücher gelesen haben sollte, immerhin sind die die Grundlage. Ich bezeichne mich aber als Mortal-Kombat-Fan, weil ich wirklich jedes Spiel der Reihe gespielt habe und mich auch bei den Charakteren sehr gut auskenne, habe aber die Serien kaum gesehen und nicht einmal die Kinofilme im Regal. Comics habe ich schon gar nicht gelesen und ich besitze auch nicht eine einzige Figur.

Und? Bin ich nun ein echter Fan oder nicht? Ich finde schon. Und wenn du meinst, dass du ein echter Fan von X bist, dann ist das auch so. Niemand hat das Recht einen Maßstab an der Hingabe zu einer Sache anzulegen.

Wir dürfen alle über Aspekte des Fandoms diskutieren, mit Anstand und Respekt untereinander. Aber wir dürfen niemals einem anderen sagen, dass er kein Fan ist. Wäre er keiner, wäre ihm diese Diskussion sicherlich egal.

Hinweis: Ich habe mit Absicht keine Artikel von uns über Fans und Fangruppen verlinkt oder Namen genannt, da ich keinen Eindruck der Bevorzugung erwecken wollte.


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Marco Golüke

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