Mit diesem Film präsentiert DC eine Premiere, was Superheldenverfilmungen angeht.
Ein Projekt mit langer Vorlaufszeit
Schaut man sich die bisherigen Superheldenverfilmungen an, so erhielten bisher überwiegend nur männliche Helden Solofilme. Weibliche Helden sind bestenfalls Co-Darsteller. Einen eigenen Film kriegen sie, wenn überhaupt nur sehr selten. Das Ergebnis sind dann Flops wie Elektra und Catwoman. Dementsprechend erscheint es wie ein Wunder, als Warner Bros. im Rahmen ihres eigenen DC Heldenuniversums mit Wonder Woman es erneut versucht, eine Superheldin erfolgreich zu adaptieren.
Wobei dieses Unterfangen eine gewisse Vorgeschichte hat. Zum einen gab es in den 1970ern eine äußerst beliebte Wonder Woman-Fernsehserie und einen Fernsehfilm. Und zum anderen wurde 2011 ein Pilotfilm für eine neue Reihe gedreht. Der jedoch so katastrophal sein muss, dass es bislang nur Fotos von ihm gibt und er seit Fertigstellung kein einziges Mal offiziell gezeigt wurde.
Interessant ist, dass die Bemühungen, die Superheldin auf die Kinoleinwand zu bringen, bereits in den 1990er Jahren anfingen. Damals, 1996 um genauer zu sein, sollte Ivan Reitman (Ghostbusters) als Produzent und Regisseur Wonder Woman verfilmen sollte. Doch bis das Vorhaben in die Tat umgesetzt werden würde, sollten noch viele Jahre vergehen. Innerhalb dieses Zeitraums gaben sich diverse Leute gegenseitig die Klinke in die Hand. So sollte Lucy Lawless zu einem Zeitpunkt die Titelrolle spielen, derweil Joss Whedon zu einer anderen Zeit Regisseur und Drehbuchautor werden sollte.
Ein etwas anderes Setting
Erst in den 2010er Jahren, genauer gesagt ab 2014 sollte das Projekt langsam Realität werden. DC und Warner Bros. suchten nach einem weiblichen Regisseur für den Film. Zunächst wurde die kanadische Fernsehregisseurin Michelle MacLaren ausgewählt, doch verließ sie das Projekt auf Grund kreativer Differenzen. Ihre Nachfolgerin wurde die Amerikanerin Patty Jenkins (Monster). Das Drehbuch wurde von Allan Heinberg verfasst, derweil an der Story Heinberg, Zack Snyder und Jason Fuchs arbeiteten. Das Skript wurde dann später von Geoff Johns und Patty Jenkins vervollständigt, die dafür vom Studio Drehbuchcredits erhielten, aus den offiziellen Credits jedoch auf Grund der WGA rausgelassen wurden.
Der Zeitpunkt der Geschichte wurde der Erste Weltkrieg, was für die Figur ungewöhnlich war. Denn sie wurde ursprünglich zum Zeitpunkt des zweiten Weltkriegs konzipiert und erlebte in dieser Zeit auch ihre ersten Abenteuer. Die Erzählungen von ihrem Erfinder William Moulton Marston aus den 1940er und die von dem Künstler-Autor George Perez aus den 1980er Jahren sollten die Grundlage für das Skript bilden. Ebenso wurden Elemente aus dem New 52-Reboot mit hinzugenommen, so unter anderem auch die Tatsache, dass Wonder Woman die Tochter des Zeus war.
Schon mit Beginn der Produktion stand fest, dass die Israelin Gal Gadot die Titelfigur spielen sollte. Schließlich war sie bereits vorher für Batman v Superman gecastet worden, wo ihre Figur ihr Filmdebüt feiern sollte. Patty Jenkins war zunächst wegen des Castings enttäuscht, weil sie es nicht mit entscheiden konnte. Ehe sie jedoch am Ende trotzdem Gefallen an der Darstellerin fand und sie als die perfekte Wahl empfand.
Ein großartiger Cast
Gal Gadot selbst musste sich außerdem mit viel Kritik diverser Fans auseinandersetzen, die sie ursprünglich zu schwach und nicht sonderlich im Brustbereich ausgestattet fanden. Für den ersten Part der Kritik fing sie an, stark zu trainieren. Und baute so ungefähr acht Kilo an Muskelmasse auf. Sie trainierte teilweise bis zu sechs Stunden am Tag in unterschiedlichen Disziplinen wie Pferdereiten oder Schwertkampf.
Chris Pine (Star Trek) wurde als Steve Trevor gecastet. Connie Nielsen (Gladiator) erhielt die Rolle der Hippolyta, Dianas Mutter. Die Spanierin Elena Anaya (Sex and Lucia) wurde zu Dr. Maru und Eugene Brave Rock zu Chief Napi. Robin Wright (The Princess Bride) sollte die Figur der Antiope, Dianas Tante und Mentorin erhalten, während die Norwegerin Lisa Loven Kongsli (Fatso) zu Menalippe, einer weiteren Tante von Diana, wurde. Die Engländerin Lucy Davis (Shaun of the Dead), wurde zu Steve Trevors Sekretärin Etta Candy, der Marokanner Saïd Taghmaoui (G. I. Joe: Geheimakte Cobra) zu dem Spion und alliierten Sameer, derweil der Schotte Ewen Bremner (Trainspotting) zum Scharfschützen Charlie wurde. Der Cast wurde durch Danny Huston (American Horror Story) als der deutsche General Erich Ludendorff und David Thewlis (Harry Potter) als Sir Patrick abgerundet.
Die Dreharbeiten gingen von 2015 bis 2016. In letzterem Jahr wurden außerdem noch mal Nachdrehs gemacht, bei dem der Bauch der im fünften Monat schwangeren Gal Gadot mit einem grünen Tuch abgedeckt wurde. So das die Schwangerschaft im finalen Film nicht zu sehen war.
Auf gegen Ares
Der Film selbst kam zweiten Juni 2017 offiziell in die Kinos.
Diana, Tochter der Hippolyta, wächst auf dem Eiland Themyscara auf, dass von den Amazonen bewohnt wird. Von Kindheitsbeinen an trainiert sie den Kampf, um ggf. irgendwann gegen Ares, Gott des Krieges und Mörder der anderen Götter zu kämpfen. Ihr Leben verändert sich von jetzt auf gleich, als eines Tages der amerikanische Spion Steve Trevor im Meer vor der Insel eine Bruchlandung baut. Er erzählt ihr von dem Krieg, der draußen in der Welt stattfindet. Und als dann ein deutsches Schiff angreift, ist ihr Entschluss gefasst: Sie meint, dass Ares daran Schuld ist. Und will ihn bekämpfen.
Sie verlässt mit Steve ihre Heimat. Und muss danach zunächst das ihr vollkommen fremde Leben in der Zivilisation kennenlernen, in dem die Rolle einer Frau nicht die einer Kämpferin ist. Was sie allerdings nicht davon abhält, gemeinsam mit Steve und dessen Freunden in den Krieg zu ziehen. Ihr Ziel ist General Ludendorff, von dem sie meint, dass er Ares ist.
Positiv überrascht
Ich war, als ich Wonder Woman das erste Mal sah, zugegebenermaßen sehr skeptisch. Das DC Filmuniversum, das mit Man of Steel seinen Anfang nahm, hatte bis dahin keinen einzigen Film, der mich rundherum überzeugte. Oft genug scheiterten sie an sich selbst oder irgendwelchen Studiovorgaben, die es zu erfüllen galt. Dementsprechend war meine Erwartung, dass auch der neuste Teil in dieselbe Kerbe schlagen würde.
Doch nach über 140 Minuten Laufzeit war ich positiv überrascht. Der Film konnte mich nahezu komplett überraschen. Hier machte es sich positiv bemerkbar, dass das Studio Patty Jenkins weitestgehend freie Hand bei der Gestaltung gab. Denn so konnte sie eine Comicverfilmung erschaffen, die anders wirkte, als die Vorgänger-DC-Filme. Ohne jedoch den Marvel-Filmen nachzueifern. Stattdessen erschuf die Regisseurin etwas Eigenes, etwas, was den Zuschauer von Anfang an begeisterte.
Das fing schon mit den Schauspielern an. Jeder kann begeistern, egal, wie klein oder groß seine Rolle ist. Was unter anderem daran lag, dass die Filmemacherin ihren Charakteren den nötigen Platz gibt, damit sie sich entfalten können. Weshalb am Ende selbst eine Figur wie Chief Napi, der nur wenige Szenen erhält, einem in bester Erinnerung bleibt. Genauso, wie auch die Amazonen auf Themyscara, die ja nur im ersten Akt auftauchen, jede Menge Profil kriegen.
Kein Male in Distress
Doch getragen wird der Film vor allem von dem Gespann Gal Gadot und Chris Pine. Hier merkt man wirklich, wie gut die gebürtige Israelin agieren kann, wenn sie vernünftiges Material zur Hand kriegt. Ihre Wonder Woman ist von dem Gedanken besessen, Ares zur Strecke zu bringen. Wobei sie trotzdem immer noch ausreichend Zeit findet, sich um die Unschuldigen zu kümmern. Die Szenen, wie sie im Niemandsland, in den Gräben des Ersten Weltkriegs in der Muttersprache mit einer Belgierin redet und sich dann daran macht, deren Heimatstadt zu befreien, sind einfach großartig. Weil sich hier zeigt, einerseits wie empathisch Diana ist. Aber auch, wie stark sie ist.
Chris Pines Steve Trevor ist deshalb auch weite Teile des Films damit beschäftigt, ihr hinterherzuhecheln. Weil sie oft genug vorprescht und Dinge komplizierter macht, als sie es eigentlich sollten. Und doch wirkt er nie so, als ob seine Figur einfach nur für Charakterumkehr zuständlich ist. Er ist kein Male in Distress, da er oft genug beweist, dass er auf sich selbst und seine Freunde aufpassen kann. Auch er hat einen moralischen Kompass, wobei dieser nicht so stark ist, wie der von Diana.
Die Chemie zwischen den beiden Figuren funktioniert bestens. Sie ergänzen sich gegenseitig und akzeptieren die Andersartigkeit des jeweils anderen. Weshalb es kein Wunder ist, dass sie gute Freunde werden und später auch Geliebte. Diese Entwicklung fühlt sich einfach natürlich an und nicht forciert.
Ein fantastisches Böse
Natürlich muss auch die Gegenseite erwähnt werden. Hier muss man von Anfang an betonen, wie gut es dem Film tut, dass er auf den Tropus verzichtet, dass die Gegenspieler Nazis sind. Weil diese einfach zum Setting des Films, zum Grauen der Gräben des Ersten Weltkriegs, nicht gepasst hätten, ganz zu schweigen davon, dass das auch historisch keinen Sinn ergeben würde.
So kann das Böse, dass General Ludendorff darstellt, umso besser wirken. Einfach, weil seine Ideen, sein Wille, das deutsche Volk zum Erfolg zu führen, allein von ihm selber kommt. Er ist kein Befehlshaber, der sich auf einen großen Führer beruft. Im Gegenteil: Ihn treibt sein eigenes Ego an. Und das macht ihn auch so unglaublich fantastisch als Gegenspieler.
Mit Dr. Maru hat er eine ebenso fantastische Handlangerin. Ihre Motivation ist zwar etwas anders gelagert, als seine. Aber auch sie ist eine eindeutige Antagonistin, die keine Probleme mit der Weltsicht des Generals hat. Am Ende zählt für sie einfach nur, dass sie ihre Experimente weiter machen kann, etwaige Opfer sind ihr egal.
Ein guter Humor
Der Film ist einfach nur grandios. Patty Jenkins weiß genau, wie sie die jeweiligen Handlungsorte und Figuren in Szene setzen muss, damit sie perfekt wirken. Jedes Setting hat dabei seinen eigenen Farbton, wodurch er deutlich bunter wirkt, als die vorherigen Teile des DC-Filmeuniversums. Bunt, aber nicht zu knallig. Diesbezüglich hält er sich sehr zurück.
Was auch für den Humor gilt. Der Film hat mehr Humor, als beispielsweise ein Batman v Superman. Doch im Vergleich zu den Marvel-Filmen ist dieser noch sehr zurückhaltend. Überwiegend entsteht er dadurch, dass die Figuren so extrem unterschiedlicher Herkunft sind. So sind Dianas erste Erfahrungen mit der Zivilisation grandios. Etwa, wenn zeitgenössische Frauenkleidung anzieht. Oder einer Drehtür mit gezücktem Schwert und Schild begegnet.
Dabei weiß Wonder Woman, wann der Humor hervortreten kann und wann er sich zurückhalten muss. Was ja bei manchen Marvel-Filmen nicht immer der Fall ist. Aber nur dadurch kann das Finale des Films wirken, inklusive des Tods einer für Diana wichtigen Figur.
Ein aufgedrücktes Finale
Doch ausgerechnet jenes Finale ist auch der Part, wo der Film ins Straucheln gerät. Wobei man hier die Schuld dem Studio geben muss, nicht der Regisseurin. Ihr schwebte ursprünglich ein völlig anderer Endkampf vor, doch wurde sie am Ende dazu zu gebracht, eben jenen finalen Kampf zu drehen. Der daran scheitert, dass die dortige Enthüllung nicht funktioniert, sondern mehr wie ein feuchter Furz wirkt. Man kann den finalen Gegner vom ersten Aussehen her einfach nicht ernst nehmen. Was durch die starken CGI-Effekte dann noch verstärkt wird. Denn die wirken so, als ob eben jenes Aussehen möglichst stark versteckt werden soll. Was so gar nicht klappt.
Am Ende ist Wonder Woman der beste Film des DC-Filme-Universums, wie es bis dato existierte. Zugegeben, dazu gehört nicht viel. Aber selbst, wenn die Vorgänger alle gut wären, wäre dieser Film immer noch Spitzenklasse!
Info
Regie: Patty Jenkins
Drehbuch: Allan Heinberg
Produktion: Charles Roven, Deborah Snyder, Zack Snyder, Richard Suckle
Musik: Rupert Gregson-Williams
Kamera: Matthew Jensen
Schnitt: Martin Walsh
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