Elektra
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Review: Elektra (2005)

Lesezeit circa: 8 Minuten

Mit Elektra erhielt die erste Heldin von Marvel einen Solofilm.

Jetzt kommt auch Marvel zum Zug

Wenn eine Comicfigur von Marvel oder DC seit 1998 einen eigenen Film erhielt, dann war dies überwiegend ein männlicher Held, wie Blade oder Daredevil. Einen Kinofilm mit einer Heldin aus einem der Verlage gab es bis 2005 nur ein einziges Mal. Das war Catwoman, über den man am besten den Mantel des Schweigens legt.

2005 wagte man sich an einen solchen Kinofilm basierend auf einer Marvel-Figur. Und um quasi auf Nummer sicher zu gehen, war dieser ein Spin-off des kommerziell erfolgreichen Daredevil-Films, Elektra. Die Figur, dargestellt von Jennifer Garner, war im erstgenannten Leinwandstreifen eine wichtige Nebenfigur. Allerdings hatte die Schauspielerin eigentlich kein Interesse daran, den Solofilm zu drehen. Doch da sie sich vertraglich dazu verpflichtet hatte, musste sie es dennoch tun.

Gedreht wurde der Film im Mai 2004 in Vancouver. Das Drehbuch stammte von Zak Penn, Stuart Zichermann und Raven Metzner, derweil Avi Arad, Gary Foster und Arnon Milchan für die Produktion verantwortlich waren. Regie führte Rob Bowman, der im Laufe seiner Karriere vor allem ein Fernsehregisseur war, der unter anderem Folgen von Star Trek – The Next Generation oder Akte X drehte. Ebenso besaß er Erfahrungen als Filmregisseur von beispielsweise Akte X – Der Film oder Die Herrschaft des Feuers.

Elektra

Drehen unter enormen Druck

Die Dreharbeiten fanden unter einem enormen Zeitdruck statt, da Hauptdarstellerin Jennifer Garner sich gerade bei der Serie Alias, die für ihren Durchbruch verantwortlich war, in einer befristeten Pause befand. Dementsprechend stand nicht viel Zeit zur Verfügung und auch das Filmbudget war eher limitiert. Trotzdem stellte sich der Regisseur der Herausforderung, auch wenn dies für ihn lange Drehtage mit teilweise nur vier Stunden Schlaf bedeutete.

Neben Jennifer Garner wurde der Schauspieler Terence Stamp (Star Wars Episode I) in der Rolle ihres Mentors Stick gecastet. Der in Kroatien geborene Goran Višnjić (E.R.) wurde Mark Miller, derweil für die damals 13-jährige Kirsten Prout der Film den großen Durchbruch darstellte. Sie hatte zur jener Zeit einen schwarzen Gürtel in Taekwando und führte ihre Stunts selber durch. Will Yun Lee (Stirb an einem anderen Tag) übernahm die Rolle des Schurken Kirigi. Cary-Hiroyuki Tagawa (Mortal Kombat) wurde zu Master Roshi, dem Kopf der Hand, derweil Colin Cunningham (Stargate SG-1) Elektras Handler McCabe darstellte.

Nachdem sie von Bullseye getötet wurde, wurde Elektra einst von dem mysteriösen blinden Stick wiederbelebt. Er unterrichtet sie in der Kampfkunst Kimagure, wirft sie jedoch aus seinem Orden raus, da sie nicht in der Lage ist, ihre Wut und Furcht, die sie empfindet, weil sie als Kind den Mörder ihrer Mutter gesehen hat, loszulassen. Seitdem arbeitetet sie als Auftragskillerin.

Ihr neuster Auftrag verpflichtet sie, Mark und seine Tochter Abby Miller zu töten. Doch nachdem sie die beiden näher kennengelernt hat, verzichtet sie darauf. Was sich als kluge Entscheidung erweist, weil „Die Hand“, ein Klan von Ninjaattentätern, es auf sie abgesehen hat. Und so muss Elektra um ihr und das Leben ihrer Freunde kämpfen.

Längst nicht so lächerlich wie die Kollegin

Es ist natürlich ein etwas unfairer Vergleich, weil eine der wenigen Gemeinsamkeiten zwischen Elektra und Catwoman die Tatsache ist, dass sie beide Superheldinnen auf die große Leinwand brachten. Ansonsten sind beide Verfilmungen komplett gegensätzlich. Aber dennoch lässt sich sagen, dass der Marvel-Film etwas besser als der von DC ist. Wenn auch nicht besonders viel.

Es sind schon kleine Unterschiede, wie beispielsweise, dass Jennifer Garners Outfit zwar immer noch vergleichsweise lächerlich aussieht, aber längst nicht so sehr, wie das von Halle Berry. Oder dass sie schauspielerisch glaubwürdiger agiert als ihre Kollegin.

Elektra

Charaktere zum Austauschen

Dennoch ist und bleibt Elektra kein guter Film. Im Gegenteil: Er langweilt über weite Teile seiner Laufzeit. Und das hat multiple Ursachen.

Einer der Gründe dafür ist die Tatsache, dass die Antagonisten nicht wirklich charakterisiert werden. Der Gegenspieler ist die Organisation „Die Hand“, bestehend aus normalen Ninjas und Kriegern, die über stärkere Fähigkeiten verfügen. Geleitet werden die von Master Roshi und einem Vorstand, dessen Mitglieder wirken, als ob sie Geschäftsleute sind. Und man erhält über all diese Leute nur bestenfalls rudimentäre Informationen.

Wobei es eine eindeutige Hierarchie gibt. Die normalen Ninjasoldaten sind austauschbare Ninjas, derweil die Unterstützung für Kirigi immerhin Namen kriegte, die ihre Fähigkeiten beschrieben. Typhoid ist giftig, Stone hingegen immun gegen Stichangriffe und so weiter und so fort. Doch wieso sie für „Die Hand“ arbeiten, wie sie ticken, was sie genau ausmacht, das wird verschwiegen. Wodurch die Charaktere einem nicht dauerhaft in Erinnerung bleiben und wenn sie dann sterben, ist einem das ziemlich egal.

Potential vorhanden, aber nicht genutzt

Kirigi kommt da etwas besser weg. Will Yun Lee hat unbestreitbar Charisma, wenn er denn mal Gelegenheit erhält, das unter Beweis zu stellen. Doch überwiegend ist er ein 08/15-Schurke, bei dem man ebenfalls nicht genau weiß, wieso er so handelt, wie er es eben tut. Das Einzige, was angedeutet wird, ist, dass er wohl eine Veränderung in der Organisation herbeiführen will, was allerdings auf Dauer zu wenig ist, geschweige denn im Verlaufe der Handlung großartig aufgegriffen wird.

Der große Verlierer auf der Seite der Gegenspieler ist Cary-Hiroyuki Tagawa. Bei ihm ist das Problem, dass er nie mit den Protagonisten interagiert. Stattdessen hockt er im Hauptquartier der „Hand“ herum und lässt Kirigi bei der Jagd nach dem Schatz freie Hand. Schade, denn auch er hat deutliches Charisma, was aber durch seine limitierte Präsenz vergedeutet ist.

Und auf der Heldenseite? Muss natürlich zwischen Mark Miller und Elektra eine Liebesbeziehung entstehen, weil ja dem Klischee entsprochen werden muss. Doch überwiegend ist die Handlungs-Motivation für die Heroin Abigail Miller, die sie nach einigen Anlaufschwierigkeiten ins Herz geschlossen hat. Zwischen diesen beiden stimmt die Chemie.

Elektra

Fähigkeiten, passend zum Plot

Und für sich allein genommen, kann Jennifer Garner in der Titelrolle durchaus überzeugen. Vor allem die Momente, in denen sie in zivil kämpft, sind gut inszeniert. Oder ihre Interaktion mit Stick, die von Respekt geprägt ist. Man kauf ihr auch eher ab, dass sie eine erfahrene Auftragsmörderin mit einem moralischen Kompass ist.

Doch was ihre Fähigkeiten angeht, da hat Elektra ein Problem. Ihre Kampfkunstfertigkeiten sind noch nachvollziehbar. Im Laufe des Films zeigt sie jedoch wiederholt psychische Fähigkeiten, wie Vorahnung, Weitsicht oder die Astralprojektion. Das wird zwar auch durch die Kampfkunst, die sie beherrscht, erklärt, doch gefühlt ist dies eher so etwas wie eine faule Ausrede, da ihre Gaben immer nur passend zum Plot eingesetzt werden und es kaum Gesetzmäßigkeiten dabei gibt.

Es hilft dem Film auch nicht, dass Regisseur Rob Bowman dazu neigt, immer wieder überaus bedeutungsschwere Einstellungen einzubauen. Er tut dies nämlich nicht behutsam. Sondern übertreibt es mit diesen Szenen enorm, was dem Kinofilm nicht gut tut.

Wie, der Film basiert auf Comics?

Und natürlich leidet Elektra ebenso unter der schwachen Story. Nicht nur, dass die ganze Schurkenseite kaum bis gar nicht charakterisiert wird. Auch die Tatsache, dass die Handlung des Films oft vorhersagbar ist, stört. Und hinzu kommt dasselbe Problem, das Die Liga der Außergewöhnlichen Gentlemen ebenfalls hatte: eine auffällige Blutlosigkeit. Bzw. in diesem Fall sogar, dass so mancher Tod von der Darstellung her eher lachhaft wirkt. Wenn „Die Hand“ besiegt wird, löst sie sich in einem merkwürdigen Rauch auf. Praktisch, um keine toten Körper zu zeigen und so eine höhere Altersfreigabe zu verhindern. Dass es allerdings auf Dauer lächerlich wirkt, ist ein Nachteil, der wohl bewusst in Kauf genommen wurde. Und wenn auf der Heldenseite jemand stirbt? Wird dies nur angedeutet, aber nicht gezeigt. Oder die entsprechende Person wird dann kurze Zeit mit einer erneut dramatischen Einstellung wiederbelebt., was den Tod witz- und zahnlos macht.

Das Erstaunliche an diesem Film ist, dass er auf Comicanleihen so gut wie verzichtet. Nur ein paar Elemente, wie die Tatsache, dass Stick blind ist oder das Elektras Kostüm rot ist und sie mit Sai-Dolchen kämpft, wurden aus der Vorlage übernommen. Doch anders als bei Daredevil werden die wenigen Comicwurzeln schon fast schamhaft versteckt oder ignoriert. Homagen oder Eastereggs sucht man hier vergebens.

Wobei Elektra später genauso wie Daredevil einen Director’s Cut kriegen sollte. Wie der sich schlägt, wird die entsprechende Rezension zeigen. Wer weiß? Vielleicht wird dann auch der Cameoauftritt von Ben Affleck als Matt Murdock, der im Kinofilm rausgeschnitten wurde, wieder mit eingebaut.

Wertung

Wertung
5 10 0 1
5/10
Total Score

Positiv

  • Jennifer Garner kann als Elektra überzeugen

Negativ

  • Schurkenseite bleibt blass und kaum charakterisiert
  • Film ist langweilig
  • Kein Bekenntnis zu den Comicwurzeln
Götz Piesbergen
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